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Musiktauschbörsen im Internet

Entwicklung, Stand und Perspektiven der Musikbeschaffung durch das Internet unter besonderer Berücksichtigung des Nutzungsverhaltens im deutschsprachigen Raum

Musiktauschbörsen im Internet
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Thomas Schäfer
  • Abgabedatum: März 2004
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Universität des Saarlandes Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8648-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8648-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8648-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schäfer, Thomas März 2004: Musiktauschbörsen im Internet, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Filesharing, Napster, Musikindustrie, Musikklau, Piraterie

Magisterarbeit von Thomas Schäfer

Problemstellung:

Das Internet hat seit seiner Entwicklung von einem rein wissenschaftlich-militärisch genutzten Netzwerk zu einem weit verbreiteten Kommunikationsmedium mehr oder minder großen Einfluss auf etliche Bereiche des privaten wie wirtschaftlichen Lebens genommen. Auch wenn die Erwartungen - oder je nach Standpunkt Befürchtungen - nicht immer eingetreten sind, so gibt es mittlerweile doch eine Reihe von Branchen, deren Geschäftsschwerpunkte sich ins Internet verlagert haben. Aufgrund der Möglichkeiten vieler Marktteilnehmer, den Konsumenten direkt zu erreichen, haben bereits oder werden noch eine Reihe von Distributionswegen und Wertschöpfungsketten eine Veränderung erfahren. Besonders tief greifende Veränderungen sind dabei in Branchen zu erwarten, deren Endprodukt digitalisiert vorliegt und so direkten Zugang zum Internet finden kann. Die Unternehmen der Musikindustrie haben sich bereits Mitte der 1980er Jahre mit der Einführung der Compact Disc (CD) dazu entschlossen, ihre Produkte digital anzubieten. Doch erst knapp 15 Jahre später hat schließlich das Internet auch der Beschaffung von Musik eine neue Qualität verliehen. Zusammen mit den Fortschritten auf dem Gebiet der Audiokompression (MP3) und fortwährend effektiveren Übertragungsmöglichkeiten kann man gar von einer Revolution der Musikbeschaffung sprechen. Sie hat vor knapp fünf Jahren in den USA ihren Anfang genommen und ist, das lässt sich zum heutigen Zeitpunkt mit Gewissheit sagen, noch lange nicht abgeschlossen.

Wer sich für ein bestimmtes Lied oder eine bestimmte Band interessiert, muss heute nicht mehr in einen Musikladen gehen oder auf den Versandhandel vertrauen, um sich die gewünschte CD zu kaufen. Jeder, der einen internetfähigen Computer und keine juristischen Bedenken hat, kann innerhalb von Minuten Musik direkt aus dem weltweiten Datennetz herunterladen - abgesehen von Online-Gebühren und einem gewissen zeitlichen Aufwand vollkommen kostenlos.

Grundsätzlich funktionieren dabei alle so genannten Musiktauschbörsen nach dem gleichen Prinzip: Man installiert ein kleines Programm auf seinem Rechner, tritt über das Internet mit anderen Computern in Kontakt und findet über ein Suchfenster die gewünschte Musikdatei. Diese kann nach dem erfolgreichen Download sofort angehört oder auf CD gebrannt werden, die dann wie jede herkömmliche, gekaufte CD nutzbar ist. Vorreiter dieser heutzutage millionenfach angewendeten Tauschmethode ist die Musiktauschbörse „Napster“, die nur wenige Monate nach ihrer Veröffentlichung im Sommer 1999 eine kaum für möglich gehaltene Popularität erreichte. Nach etlichen juristischen Auseinandersetzungen spielt „Napster“ innerhalb der Tauschgemeinschaft keine Rolle mehr, andere haben den Platz eingenommen. So etwa die Tauschbörse „Kazaa“, die den Erfolg des Pioniers längst um ein Vielfaches übertroffen hat und Ende Mai 2003 mit 230 Millionen Downloads zum meist heruntergeladenen Programm aller Zeiten wurde.

Zahlen wie diese haben dazu geführt, dass die Musikindustrie die Kontrolle über den Vertrieb von Musik verloren hat, und es spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, dass nahezu jeder Download illegal ist. Die neuen Möglichkeiten der Musikbeschaffung haben sich ohne Einfluss der Industrie durchgesetzt und verändern nachhaltig ihr traditionelles Geschäftsmodell. Womöglich führen sie sogar zum Zusammenbruch der gesamten Branche.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich diese Arbeit mit den Entstehungszusammenhängen, den gegenwärtigen Schwerpunkten und der Zukunft der Musikbeschaffung über das Internet und hat dabei in erster Linie die Nutzerinnen und Nutzer von Musiktauschbörsen im Fokus.

Gang der Untersuchung:

Die Auswirkungen der großen Popularität von Musiktauschbörsen sind in Teilen bereits erkennbar. Angefangen von fortdauernden Rechtsstreitigkeiten ihrer Betreiber mit Unternehmen der Musikindustrie über die auffallend stark gestiegene Verbreitung von CD-Brennern und dazugehörigen Rohlingen bis hin zum markantesten Kennzeichen des Wandels: Die Musikbranche hat seit drei Jahren enorme Umsatzeinbußen zu beklagen, zuletzt im zweistelligen Prozentbereich. Verantwortlich dafür sind nach Meinung der Industrie in erster Linie Millionen von Raubkopierern.

Was bei der Diskussion meist im Abseits bleibt und auch wissenschaftlich bislang kaum behandelt wurde, ist die Frage, was das eigentlich für Menschen sind, die sich ihre Lieblingsmusik gratis im Internet besorgen. Diese Arbeit wurde deshalb mit dem Ziel verfasst, mehr zu erfahren über die bisher eher undurchsichtige Tauschgemeinschaft. Besteht sie allein aus gleichgültigen Jugendlichen, die Genugtuung dabei empfinden, bestehende Gesetze zu brechen oder aus Spaß oder Langeweile immer neue Lieder, die sie womöglich überhaupt nicht alle anhören können, aus dem Netz herunterladen? Aus welcher Motivation heraus nutzten im Jahr 2002 allein in Deutschland 6,4 Millionen Menschen Musiktauschbörsen? Ist die Kostenersparnis wirklich der einzige Grund? Vor allem interessiert, wie Musiktauschbörsen genau genutzt werden: Wie lange schon, wie oft, in welchen Dimensionen wird getauscht? Welche Folgehandlungen provoziert dies bei den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern? Und: Wie schätzen sie die rechtliche Situation der Musiktauschbörsen ein? Empfinden sie ihr Handeln als illegal oder unbedenklich? All diese Fragen werden in Kapitel acht dieser Arbeit zu beantworten versucht, wo die wichtigsten Ergebnisse einer selbständig durchgeführten Befragung von 1219 Musiktauschbörsen-Nutzern vorgestellt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden den Kern dieser Arbeit und sollen das Nutzungsverhalten im deutschsprachigen Raum verdeutlichen.

Zu Beginn allerdings ist es erforderlich, den Hauptgegenstand der Arbeit, die Musiktauschbörsen, und den von ihnen konstituierten so genannten virtuellen Musikmarkt klar zu definieren, was im ersten Kapitel geschehen wird. Der virtuelle Musikmarkt, das ist der Leitgedanke dieser Arbeit, hat sich bereits heute als Konkurrenz zum traditionellen Musikmarkt etabliert. Um die Unterschiede beider Märkte erkennbar zu machen, wird in Kapitel zwei zunächst die Struktur und Funktionsweise des traditionellen Marktes erklärt. Neben der Darstellung der wichtigsten Akteure der Musikindustrie umfasst dieses Kapitel Erklärungen zum Urheberrecht und zur Bedeutung der Verwertungsgesellschaften. Der anschließende Blick auf die ökonomischen Entwicklungen im Musikgeschäft soll verdeutlichen, wie sehr die Branche lange Jahre von der Digitalisierung profitieren konnte, und wie Besorgnis erregend die derzeitige Lage einzuschätzen ist. Das vierte Kapitel, das verschiedene Formen der Musikpiraterie charakterisiert, leitet über zur ausführlichen Betrachtung der Einflussnahme des Internets auf die Musikbeschaffung. Erst durch die in Kapitel fünf vorgestellten Veränderungen, die sich hinter den Schlagworten Digitalisierung, P2P und MP3 verbergen, konnte ein virtueller Musikmarkt entstehen, dessen Entwicklung in Kapitel sechs skizziert wird. Die Reaktionen der Musikindustrie auf den virtuellen Markt sind Gegenstand des siebten Kapitels, die Reaktionen eines Teils der Musikkonsumenten werden dann in der Online-Studie sichtbar. Nachdem die wichtigsten Erkenntnisse der NutzerBefragung im Kontext einer revolutionären Marktverschiebung diskutiert wurden, schließt die Arbeit mit einem Blick in die Zukunft der Musikdistribution.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 3
1.1 Kontext und Thema der Arbeit 3
1.2 Ziel und Vorgehensweise 4
2. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN 6
3. DER TRADITIONELLE MUSIKMARKT 8
3.1 Die Musikindustrie und ihre Akteure 10
3.2 Musik und Urheberrecht 13
3.3 Verwertungsgesellschaften 17
3.4 Ökonomische Entwicklungen 19
4. MUSIKPIRATERIE 23
4.1 Traditionelle Piraterie 24
4.2 Schulhofpiraterie 25
4.3 Internetpiraterie 25
5. DER EINFLUSS DES INTERNETS AUF DIE MUSIKBESCHAFFUNG 26
5.2 P2P-Filesharing 28
5.3 Datenkompression 31
5.4 Technische Infrastruktur 33
6. DER VIRTUELLE MUSIKMARKT 36
6.1 Entstehung von Musiktauschbörsen 36
6.2 Generationen von Musiktauschbörsen 39
6.2.1 WinMX 40
6.2.2 Bearshare 40
6.2.3 Morpheus 41
6.2.4 Kazaa 42
6.2.5 Kazaa Lite 43
6.2.6 eDonkey 2000 44
6.2.7 Direct Connect 45
6.2.8 Audiogalaxy 46
7. REAKTIONEN DER MUSIKINDUSTRIE 47
7.1 Strafrechtliche Maßnahmen 47
7.2 Kopierschutzmaßnahmen 49
7.3 Sabotierende Maßnahmen 50
7.4 Musikbezahlbörsen 51
8. EXPLORATIVE STUDIE: MUSIKTAUSCHBÖRSEN AUS NUTZERSICHT 54
8.1 Motivation und Ziel 54
8.2 Stand der empirischen Forschung 55
8.3 Vorgehensweise 58
8.3.1 Entwicklung des Fragebogens 58
8.3.2 Bereitstellung des Fragebogens 60
8.3.3 Bekanntmachung der Befragung 60
8.4 Ergebnisse 61
8.4.1 Sozio-Demographie 62
8.4.2 Allgemeines zu Musiktauschbörsen 64
8.4.3 Nutzung von Musiktauschbörsen 65
8.4.4 Einstellungen zu Musiktauschbörsen 69
8.4.5 Verhaltensänderungen durch Musiktauschbörsen 74
8.5 Erkenntnisse 77
8.5.1 Heavy-User und Light-User 78
8.5.2 Tausch-Profis und Tausch-Neulinge 79
8.5.3 Sozio-demographische Merkmale 83
9. DISKUSSION DER ERGEBNISSE IM KONTEXT EINER REVOLUTIONÄREN MARKTVERÄNDERUNG 87
10. FAZIT UND AUSBLICK 91
11. LITERATURVERZEICHNIS 93

Arbeit zitieren:
Schäfer, Thomas März 2004: Musiktauschbörsen im Internet, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Filesharing, Napster, Musikindustrie, Musikklau, Piraterie

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