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Musikerfinden in der elementaren Musikerziehung

Eine Untersuchung zum Musikerfinden in Unterrichtsvorschlägen für den Musikunterricht in der Grundschule

Musikerfinden in der elementaren Musikerziehung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ulrike Ossenkop
  • Abgabedatum: November 2001
  • Umfang: 158 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hildesheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8555-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8555-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8555-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ossenkop, Ulrike November 2001: Musikerfinden in der elementaren Musikerziehung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Musikdidaktik, Musikpädagogik, Musikschulbücher, Kreativität, Improvisation

Diplomarbeit von Ulrike Ossenkop

Einleitung:

„Es genügt nicht, um Musik recht zu verstehen, sie wiederzugeben. Man muß erfinden und eins muß mit dem anderen gelernt werden.“ Jean-Jacques Rousseau.

In der Primarstufe spielt die elementare Musikerziehung eine wichtige Rolle im Hinblick auf (Selbst-)Wahrnehmung und Motorik, aber auch im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, die wiederum verbunden ist mit Erziehung zu einem angemessenen sozialen Verhalten und zu Empathiefähigkeit.

Ein Teil der elementaren Musikerziehung ist der Bereich des Musikerfindens im Sinne musikbezogener Umgangsweisen, der den Anspruch erhebt, die schöpferischen Kräfte des jungen Individuums vor einer ‚Verschüttung’ zu bewahren und zu fördern im Sinne einer kreativen Erziehung. Diese kreative Erziehung wird in den Unterrichtsvorschlägen für das Fach Musik oft unter dem Stichwort der ‚Improvisation’ angestrebt und verwirklicht: Hier betätigen sich die Kinder kreativ, d.h. schöpferisch dahingehend, dass sie etwas für sich Neues erfinden, schaffen, ‚kreieren’.

Bei einer näheren Untersuchung dieser Aussage, lässt sich eine Problematik dahingehend erkennen, dass in der Literatur der Begriff der Kreativität eher zu einem Modewort avanciert ist und daher recht oberflächlich benutzt wird. Ähnliches gilt für den Improvisations-Begriff. Die Diskussionen um Kreativität und Improvisation sind extrem kontrovers. Eine fast unüberschaubare Flut von Veröffentlichungen scheint diese Begriffe immer mehr zu verwässern, obwohl sie das Gegenteil versucht, sie nämlich fassbarer zu machen.

Im ersten Teil der Arbeit werden diese Stichwörter der Kreativität und der Improvisation – unter Berücksichtigung der aktuellen Diskussion – als wesentlicher Bestandteil der theoretischen Voraussetzungen zum Musikerfinden beleuchtet. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei der sogenannte „kreative Prozess“ (Poincaré). Theorien und Strukturschemata werden diskutiert, um diesen vielschichtigen Vorgang verständlicher erscheinen zu lassen. Durch Gegenüberstellung und Vergleich von Improvisation und kreativem Prozess werden Differenzen und Gemeinsamkeiten aufgedeckt sowie die oberflächliche Begriffsverwendung in der Literatur herausgearbeitet. Anschließend werden weitere das Musikerfinden betreffende Komponenten wie anthropologische, soziale, oder gruppenimprovisatorische angesprochen.

Anlass dieser Untersuchung war unter anderem die Beobachtung, dass in diversen Lehrerhandbüchern des Faches Musik immer wieder die Rede von Kreativität ist, ohne sie in ihrer Begrifflichkeit für das entsprechende Werk vorher einzugrenzen.

Um einerseits eine angemessene didaktische Basis für die beabsichtigte Untersuchung zu erwirken und um andererseits aufzuzeigen, welche Kriterien und Vorgaben die Autoren der Unterrichtswerke Musik zum Teil bei ihren Entwürfen beachten (müssen / sollten), werden im Anschluss an die Begriffsdiskussion exemplarisch die Lehrpläne beziehungsweise (Rahmen-)Richtlinien der drei großen westdeutschen Bundesländer Niedersachsen (1984), Nordrhein-Westfalen (1985) und Bayern (2000) im Hinblick auf Aussagen zur Kreativitätsförderung und zum Musikerfinden / Improvisieren untersucht und verglichen. Ein Exkurs über die französischen Richtlinien steht exemplarisch für die Kreativitätserziehung im Musikunterricht als ausländisches, innereuropäisches Beispiel.

Die 90er Jahre sind geprägt von einer Welle von Neuerscheinungen im Fach Musik. Allerdings sind diese Unterrichtswerke bisher – abgesehen von den wenigen Einzelrezensionen –, noch nicht wirklich verglichen und kritisch in die Entwicklung der musikdidaktischen Konzeptionen eingereiht worden. Diese Arbeit versucht hierzu einen ersten Beitrag zu leisten.

Aus quantitativen Gründen wird eine begründete exemplarische Auswahl bestimmter Unterrichtswerke für den Musikunterricht der Grundschule getroffen: Quartett, Rondo und Kolibri sowie die Zeitschrift Musik in der Grundschule als bundesländerübergreifende und von den Lehrplänen relativ unabhängige Ideensammlung.

Der Leser zunächst wird mit den Konzepten der untersuchten Unterrichtswerke vertraut gemacht, um einen Überblick über die Schwerpunktsetzung des jeweiligen Unterrichtswerkes zu bekommen und somit die Rolle des Musikerfindens und der musischen Kreativitätserziehung im Hinblick auf die Elementare Musikerziehung besser verstehen zu können. Die in den Unterrichtswerken vorhandenen Unterrichtsvorschläge und -methoden werden anschließend unter verschiedenen Aspekten im Hinblick auf das Musikerfinden untersucht.

Angesichts der immer wieder aufkeimenden Kreativitäts- und Improvisationsdiskussion erscheint eine solche Untersuchung über das Musikerfinden sehr spannend, zumal die Schulbücher häufig unter dem Aspekt der Liederarbeitung und weniger unter dem der Improvisation beziehungsweise des Musikerfindens untersucht werden, obwohl Lehrpläne und Richtlinien immer wieder auf das Gespann Kreativität und Improvisation ausdrücklich hinweisen.

Eine wichtige Fragestellung bei der Untersuchung ist, ob die Konzepte der Unterrichtswerke die aktuelle Diskussion über Kreativität und Musikerfinden / Improvisation berücksichtigen und entsprechend angemessen verarbeiten. Eine spekulative Frage bleibt die tatsächliche Auswirkung der gekauften Unterrichtswerke auf den Musikunterricht.

Demzufolge kann nur auf Möglichkeiten ihrer Verwendung und die durch ihre Aufbereitung des Themas erzielbaren Methoden, Prozesse und Ergebnisse eingegangen werden. Interessant ist dabei unter anderem die Fragestellung nach der Methodenvielfalt: Wird angesichts der geringen Weiterentwicklung im Musikerfinden seit den 70er Jahren methodisch immer noch nach der gleichen Art und Weise vorgegangen?

Bei der Zusammenfassung der Ergebnisse werden die neuesten neurobiologischen, neurophysischen und neuropsychologischen sowie lerntheoretischen Erkenntnisse laut Gruhn (1998) mit eingebracht, um zu verdeutlichen, wie wichtig das Sich-Ausdrücken in Musik für die kindliche Entwicklung und besonders für das Verstehen von Musik ist.

Die Anhandlung enthält ein detailliertes Literaturverzeichnis, das sowohl entsprechend seines musikdidaktischen Inhalts primär die allgemeine musikpädagogische Literatur zum Thema auflistet, als auch eine Aufstellung der deutschen Lehrpläne und (Rahmen-)Richtlinien für den Musikunterricht in der Grundschule mit einbezieht. Außerdem bietet das Verzeichnis eine informative Auswahl 13 aktueller Musik-Unterrichtswerke für die Grundschule und berücksichtigt somit den Boom der Neuerscheinungen zum Musikunterricht in den 90er Jahren.

Diese Arbeit sollte als konstruktive Kritik verstanden werden. Ein Unterrichtswerk für den Musikunterricht zu konzipieren ist schwierig, es später zu kritisieren, ist wesentlich leichter. Möge diese Untersuchung zu sinnvollen Verbesserungen des aktuellen Musikunterrichts in der Grundschule beitragen sowie auf eventuell hinweisende Aspekte zur Neugestaltung aktueller Musikbücher hinweisen und Lehrpersonen ermutigen, trotz Buchvorgaben auch eigene Wege zu gehen, ohne dabei jedoch die aktuellen musikpädagogischen und -psychologischen Diskussionen außer Acht zu lassen.

Anmerkung: Die theoretische Abhandlung dieser Arbeit wird ergänzt durch die im Jahr 2000 von derselben Verfasserin vorgelegte praxisorientierte Hausarbeit zur Zweiten Staatsprüfung an Grund- und Hauptschulen. Der Titel lautet: „Momente musikalischer Improvisation auf Orff-Instrumenten – dargestellt am Beispiel der Unterrichtseinheit ‚Ein musikalischer Spaziergang’ in einem zweiten Schuljahr“. In dieser Arbeit wird ein kreatives und umfangreiches Beispiel gegeben, wie Musikerfinden im Musikunterricht der Grundschule aussehen könnte, wenn sich zuvor intensiv mit dem theoretischen Hintergrund auseinandergesetzt worden ist.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung: Musikerfinden, Kreativität und Musikunterricht 9
I. Musikerfinden im Musikunterricht der Grundschule
1. Elementare Musikerziehung und die Rolle des Musikerfindens 13
1.1 Zur Systematisierung des Musikerfindens 18
2. Kreativität 20
2.1 Zur Geschichte der Kreativität in der Musikpädagogik 21
2.2 Zur Schwierigkeit der begrifflichen Präzisierung 23
2.3 Zum kreativen Prozess beim Musikerfinden 27
3. Musikerfinden und Improvisation 32
3.1 Zur Problematik der Begriffseingrenzung 32
3.2 Anthropologische Komponenten des Musikerfindens 35
3.3 Improvisation und kreativer Prozess –ein Zwillingspaar oder zwei Pole? 36
3.4 Der soziale Aspekt der Gruppenimprovisation 38
II. Musikerfinden in aktuellen Unterrichtsvorschlägen für den Musikunterricht der Grundschule
1. Aussagen ausgewählter Richtlinien und Lehrpläne 41
1.1 Niedersachsen 44
1.2 Nordrhein-Westfalen 48
1.3 Bayern 51
1.4 Frankreich 54
1.5 Gemeinsamkeiten und Fazit 56
2. Konzepte aktueller Musikbücher und Unterrichtsvorschläge unter dem Gesichtspunkt einer Strukturierung des Musikerfindens 59
2.1 Quartett – Konzept 62
2.1.1 Aufgabenstellung und Ablauf des Musikerfindens 65
2.2 Kolibri – Konzept 74
2.2.1 Aufgabenstellung und Ablauf des Musikerfindens 77
2.3 Rondo – Konzept 84
2.3.1 Aufgabenstellung und Ablauf des Musikerfindens 87
2.4 Musik in der Grundschule – Konzept 96
2.4.1 Aufgabenstellung und Ablauf des Musikerfindens 98
III. Zusammenfassung der Ergebnisse
1. Allgemeine didaktisch-methodische Anmerkungen zu den analysierten Unterrichtsvorschlägen 103
2. Die Beeinflussung des Erfindungsprozesses durch Aufgabenstellung, Erfindungsprozedur und Aufführung 107
2.1 Methodenvielfalt oder methodische Einheitlichkeit 107
2.2 Das Musikerfinden in der tabellarischen Auswertung 110
2.3 Lehrpläne und Unterrichtswerke 117
3. Über den Umgang mit den Sozialformen Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit 120
4. Die Idee der Kreativitätserziehung in der Praxis 123
4.1 Zur Problematik des kreativen Prozesses in der Praxis 124
4.2 Zur Originalität des Erfundenen 127
4.3 Die kreative Lehrperson 129
IV. Musikerfinden in der Schulpraxis
Fazit 131
V. Literaturverzeichnis
1. Allgemeine Literatur 136
2. Lehrpläne und Richtlinien der deutschen Bundesländer 148
3. Musikbücher und Unterrichtswerke für Grundschule 149
VI. Anhang
1. Terminologie zum Musikerfinden I
2. Schaubild Musikerfinden II
3. Schaubild zur Unmöglichkeit der Darstellung des kreativen Prozesses III
4. „Materialpool“ zum Musikerfinden IV

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Lehrerhandbuchkommentare zu den Schülerbuchseiten gliedern sich in mehrere übersichtlich angelegte Stufen, die schrittweise mit den Schülern erarbeitet werden. Für Übersicht sorgen jeweils zu Beginn einer Unterrichtseinheit zwei Kästchen mit dem „Inhalt“ der folgenden Einheit und mit einer Liste dessen, was zur „Organisation“ des Unterrichts benötigt wird. Anliegen der Autoren ist der Aspekt der Ganzheitlichkeit. Der Leser wird aufgefordert, „wo immer es sich anbietet, das Singen und Musizieren, das Hören, das Bewegen und Tanzen, das Malen und Reflektieren“ miteinander zu verknüpfen (Rondo, LB 4, S. 3). Gerade aufgrund dessen ist es für die hier dargestellte Untersuchung so schwierig, das Musikerfinden aus den Unterrichtseinheiten herauszufiltern: Es steht nicht für sich, sondern besitzt meist nur einen kleinen Anteil wie z. B. das Nachahmen von Tierstimmen innerhalb einer Unterrichtseinheit. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird auch in den Tabellen darauf verzichtet, das gesamte Umfeld des Musikerfindens darzustellen; es wird sich vielmehr auf die wesentlichen Aspekte beschränkt, d.h. auf reines Musikerfinden an sich. Skeptisch zu blicken ist auf Aussagen hinsichtlich des Anfangsunterrichts im Lehrerhandbuch wie: „Die Kinder lesen die einzelnen Strophen“ im Schülerbuch (z. B. Rondo, LB 1, S. 64): Die Herausgeber verlangen, dass die Kinder einer 1. Klasse im Musikunterricht bereits ganze Strophen in drei Millimeter großer Schrift selbständig vorlesen können, während der Deutschunterricht im Monat Februar105 noch als Anfangsunterricht geführt wird, in dem die Kinder noch nicht einmal alle Buchstaben – je nach Lernmethode und Vorgehenswiese des Deutschlehrers – beherrschen und das Lesen noch mit extrem großen Buchstaben üben, bzw. diese sogar noch mit zusätzlichem Material fühlen oder kneten! Aufgrund dieses unpädagogischen Verhältnisses sei der unterrichtenden Musiklehrperson geraten, eher auf das Schülerbuch zu verzichten und den Kindern das Lied auswendig spielerisch beizubringen! Des weiteren ist es befremdlich zu lesen, dass man mit Zeichen „klangliche Eindrücke festhalten und wieder zum Erklingen bringen“ kann (Rondo, LB 4, S. 7). An dieser Stelle sei nur sowohl auf die Emotions- als auch auf die Wahrnehmungsforschung hingewiesen, die empirisch gezeigt haben, dass ein klanglicher Eindruck in jedem Individuum je nach Erfahrung, bisherigem Umgang mit Musik, persönlicher Motivation usw. wesent- [...]

Der Name des Werkes, der die Schüler zu einem fachbezogenen Unterrichtsgespräch anregen kann, ist hier ebenfalls wie beim Quartett der musikalischen Fachsprache entnommen, rundet quasi die vier Grundschuljahre ab. Die auf dem jeweiligen Einband abgebildeten fröhlich in der Natur oder auf der Bühne singenden und musizierenden Plüschtiere stehen für ein modernes Layout und scheinen bereits den Schwerpunkt des Gesamtkonzepts vorwegzunehmen (s.u.). Während das Unterrichtswerk schon zu Beginn der 90er Jahre auf dem Markt war (Bd. 1/2, 7. Aufl. / Bd. 3/4, 5. Aufl., Offenburg 1992), erfolgte 1999 eine 1.-3. Auflage der Neubearbeitung mit völlig neuem Layout und neuer Schülerbuchgröße im Din-A4Format: Neben den ursprünglichen Autoren Karl-Heinz Keller und Jürgen Kerger wurde das Herausgeber-Team im baden-württembergischen Mildenberger-Verlag erweitert durch Othmar Kist und Angelika Kühne und beim vierten Band zusätzlich durch HansJoachim Scheurlen. Rondo 1-4 (1. Neuauflage 1999) versteht sich selbst als „Musiklehrgang“, d.h. als geschlossener Lehrgang (s.o.), der von der ersten bis vierten Klasse aufbauend durchstrukturiert ist. Es handelt sich dabei um ein komplettes Unterrichtswerk mit vier Schülerbüchern und zwei Arbeitsheften (Klasse 3/4), entsprechenden Lehrerhandbüchern in Ringordnern mit Kopievorlagen sowie Tonträgern, Transparentfolien und Instrumental-Arrangements für Playback-Singen auf CD / MC. Bei entsprechender Bezahlung wird dem Lehrer eine breite Vielfalt zu jedem Lernfeld des Musikunterrichts geboten. Wie auch im Quartett 84 [...]

schreibungen gelegt. Aufgrund dieser fehlenden formalen Übersicht ist es auch nicht ganz einfach, hier eine übersichtliche Tabellenform zu erstellen. Gleiches gilt für Lehrerimpulse oder sonstiges Lehrerhandeln: Mal werden auf Impulse hingewiesen, mal ist unklar, welche Rolle die Lehrperson in einem Unterrichtsvorschlag überhaupt spielt: Nimmt sie sich ganz zurück, um die Kinder beobachten zu können? Welche Impulse müsste sie dann aber geben? D.h. sogenannte ‘Verlaufsbeschreibungen’ („Stundenschemata“) fehlen völlig. Der Vorteil dabei ist allerdings, dass eine kreative Lehrperson sehr viel Freiheit im Hinblick auf die Unterrichtsgestaltung besitzt und den Unterrichtsverlauf entsprechend der Schülerbeiträge frei gestalten kann. Negativ auffallend ist der Aspekt der Liedbegleitung für die Stücke „Nüsse schütteln“ (SB 3/4, S. 82f), „Aus dem Dschungelbuch“ (SB 3/4, S. 84f) und „Bruder Jakob“ (SB 3/4, S. 86f). Hier sollen jeweils geeignete Instrumente (Nussinstrumente, Schlauchtrompete, Glocken) gebastelt werden. Allerdings wird nicht auf die Anwendung eingegangen. Ein solches Vorgehen birgt die Gefahr in sich, dass Instrumente nur um des Bastelns willen – ‚blinder Aktionismus’ – hergestellt werden (fächerübergreifender Aspekt mit dem Kunst-, Werk- und Sachunterricht), dann aber nicht weiter genutzt werden. Die Kinder sehen somit keinen Sinn, die Instrumente zu pflegen und aufzuheben. Dabei ist gerade die SinnVermittlung dessen, was im Musikunterricht geschieht, wichtig, denn sonst nehmen auch die Schüler den Unterricht nicht mehr erst. Interessant ist, dass Kolibri eine eigene Unterrichtseinheit („Musikalisches Allerlei“, SB 4, A. 118f) über Verklanglichungen entwirft. Die Auswahl der im Buch aufgeführten Beispiele erfolgt nach den Kriterien der Verschiedenheit sowie der Eignung „zum Nachmachen und zur kreativen Eigenproduktion“ (Kolibri, LB 3/4, S. 131). Die Beispiele sollen exemplarischen Charakter haben; das hier vorgeschlagene didaktisch-methodische Prinzip lässt sich auf andere Gedichte und Geschichten übertragen. Auf das Erwähnen einer Ergebnissicherung wird fast nur – wenn überhaupt – nach einer Gruppenarbeit Wert gelegt. Dies ist schade, da der Eindruck entsteht, die Arbeit der Schüler werde nicht angemessen gewürdigt. Vielleicht setzen die Autoren diesen Aspekt aber auch einfach als selbstverständlich voraus. Angemessen wäre dann aber eine Bemerkung o.ä. im Vorwort gewesen. Bezogen auf die Quantität der Verklanglichungs-Aufgaben findet sich wider Erwarten sogar eine Aufgabe mehr als im Band des ersten und zweiten Schuljahres – qualitativ hat dies aber wenig Bedeutung. Wichtig ist festzuhalten, das die Anzahl der Aufgaben nicht wie im Rondo (s.u.) abnimmt. Allerdings sei anzumerken, dass gerade die Liedbegleitung 83 [...]

Arbeit zitieren:
Ossenkop, Ulrike November 2001: Musikerfinden in der elementaren Musikerziehung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Musikdidaktik, Musikpädagogik, Musikschulbücher, Kreativität, Improvisation

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