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Musik in der Mittelalter-Szene

Stilrichtungen, Repertoire und Interpretation

Musik in der Mittelalter-Szene
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Iwen Schmees
  • Abgabedatum: September 2007
  • Umfang: 140 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 30
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1189-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schmees, Iwen September 2007: Musik in der Mittelalter-Szene, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Musik, Mittelalter, Spielleute, Stilrichtung, Interpretation

Magisterarbeit von Iwen Schmees

Einleitung:

„Um Nutz und Notdurft willen dieser Stätten ist der hochwohllöbliche Magistrat allhie zu rath worden, als ernstlich und festiglich Setzender und Gebietender, dass folgende Ordnung und Gebrauch soll gelten auf dem Markte zu Dornum….“ Es handelt sich hierbei nicht um ein Zitat einer mittelalterlichen Quelle, sondern um die Eröffnungsrede für den Mittelaltermarkt zu Dornum anno 2007. So oder ähnlich klang es vermutlich auch auf den anderen 184 Mittelaltermärkten im Bundesgebiet allein im August und September des Jahres 2007. Das Mittelalter scheint heute allgegenwärtig. Sei es unter dem Begriff ‚Lebendige Geschichte‘, ‚Reenactment‘, ‚Kultur‘, oder schlicht neudeutsch ‚Event‘ – die Angebote, sich dem Mittelalter zu nähern sind zahlreicher denn je. Und während sich die einen Holzhäuser im Museumspark für lebendige Geschichtsdarstellung bauen und dort ihre Wochenenden als Hexen, Bildhauer, Seifensieder, Schmied oder Seiler verbringen, holen sich andere blaue Flecken beim Versuch neue Abwehrtechniken beim Bühnenkampf mit dem Schwert zu erlernen. Wiederum andere genießen einfach die Atmosphäre eines mittelalterlichen Marktes und tauschen in der Taverne oder an der Schenke ihre Silberlinge gegen einen Humpen Met oder Gerstensaft, und verspeisen dazu einen halben Furzlaib, den der Backwarenhändler feil hält. Seit den ersten Versuchen Ende der Siebziger Jahre das Mittelalter darzustellen, als man noch auf Ballettausstatter angewiesen war, um sich in mühevoller Handarbeit die passenden Beinkleider für die Darstellung eines mittelalterlichen Spielmanns zusammenzunähen, hat sich im Laufe der Jahre eine wahre Industrie entwickelt, die von mittelalterlichen Gewändern, über Waffen, bis hin zu Ritterrüstungen nahezu alles anbietet, was auch nur im Entferntesten mit dem Mittelalter zu tun hat.

Aus der ehemals kleinen Szene einzelner Gruppen ist ein Massenphänomen geworden, das nicht zuletzt aufgrund der Verbreitung der vielen Mittelaltermärkte gewachsen ist. Das Mittelalter ist wieder modern, sogar das ZDF lud in seinem sonntäglichen ZDF Fernsehgarten im Juli 2007 zu einer „Zeitreise ins Mittelalter“ ein. Für die musikalische Unterhaltung sorgten an diesem Vormittag u.a. die Hot Banditoz, Frank Zander, Bernhard Brink und Patrick Lindner! Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass der Begriff Mittelalter oft dehnbar in seiner Auffassung ist.

In dieser Arbeit werden jedoch weder Interpreten wie Frank Zander noch Patrick Lindner besprochen, denn mit der Entstehung der Mittelalter-Szene Ende der Siebziger Jahre ist parallel eine Musik-Szene herangewachsen, die heute zu den stilistisch am breitesten gefächerten Musik-Szenen gehört. Die Musik der Mittelalter-Szene entwickelte sich von den eher folkloristisch geprägten Versuchen mittelalterliche Texte akustisch zu vertonen, über die Wiedergabe mittelalterlicher Musikstücke auf historischen Instrumenten, bis hin zur Generierung völlig eigener Stile mit E-Gitarren, Synthesizern und Schlagzeug. Die Musik der Mittelalter-Szene ist im Laufe der Jahre über die Grenzen der Mittelaltermärkte hinaus mittlerweile auch in den CD-Verkaufscharts angekommen. So stieg die Gruppe Subway to Sally im Jahr 2005 in der ersten Woche nach Veröffentlichung des Albums Nord Nord Ost auf Platz 5 der offiziellen media control Album-Charts ein. Die so genannten ‚Mittelalterbands‘, oder ‚moderne Spielleute‘ treten auch nicht mehr allein auf Märkten auf, sondern spielen genauso auf Metal- und Gothic-Festivals wie dem Wacken-Open-Air, oder dem M‘era Luna.

Gang der Untersuchung:

In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, was die Musik der Mittelalter-Szene ausmacht, wie eng sie an die Mittelalter-Szene geknüpft ist und welche Formen und Facetten sie von ihren Anfängen bis heute angenommen hat. Welche Stilrichtungen sind in der Musik der Mittelalter-Szene vertreten, welches Repertoire wird verwendet, wie werden mittelalterliche Originale bearbeitet, welche Verbindungen gibt es zu anderen Musik-Szenen und gibt es gegenseitige Beeinflussungen? Dies sind weitere Fragenkomplexe, die in dieser Arbeit behandelt werden.

Daran anknüpfend sind drei Thesen erstellt worden, auf die in den verschiedenen Kapiteln Bezug genommen wird. Sie lauten:

1. Die Musik der Mittelalter-Szene durchlief im Laufe der Jahre drei Phasen, eine ‚Findungsphase‘ ab dem Ende der Siebziger Jahre, eine Phase der Repertoire-Bildung und eine Phase der Loslösung der Adaptionsversuche mittelalterlicher Vorbilder zu einer Bildung eines eigenen Stiles. Diese Entwicklung verlief parallel zur Entwicklung der Mittelaltermärkte, die ganz entsprechend eine Findungsphase durchlief, gefolgt von der Etablierungsphase und der Neuschöpfungsphase.

2. Die Mittelalter-Szene hat zu Beginn ihrer Ausbreitung ab der Mitte der Neunziger Jahre ein Repertoire an Bearbeitungen mittelalterlicher Originaltitel angesammelt, welches seit jener Zeit nicht wesentlich erweitert wurde.

3. Daran schließt die Folgethese an, dass dieses Repertoire mittelalterlicher Originale vornehmlich durch das Covern bzw. durch Übernahme der Titel von bekannten Einspielungen aus der Szene weitergetragen wird und weniger durch eigenständige Bearbeitungen und Auseinandersetzungen mit Handschriften oder mittelalterlichen Quellen.

Im zweiten Kapitel wird zunächst der Versuch unternommen die Mittelalter-Szene (sofern pauschal von einer Szene die Rede sein kann) in ihren Anfängen zu schildern und die Entwicklung bis in die heutige Zeit am Beispiel der Mittelaltermärkte aufzuzeigen.

Das dritte Kapitel behandelt die Musik der Mittelalter-Szene. Dem Versuch einer Definition und der Abgrenzung der Musik der Mittelalter-Szene folgt die ausführliche Darstellung der modernen Spielleute. Hier wird untersucht welche Elemente des/der mittelalterlichen Spielmanns(-frau) heutzutage wieder aufgenommen werden und worin sich der moderne Spielmann und die moderne Spielfrau vom mittelalterlichen Vorbild unterscheidet (in der Arbeit schließt der Begriff ‚Spielmann‘ stellvertretend auch immer die ‚Spielfrau‘ mit ein, somit lassen sich doppelte Nennungen beider Begriffe vermeiden). Es wird zudem ein Überblick darüber gegeben, was den Spielmann zu dieser Figur und diesem Image macht. Darauffolgend beschäftigt sich ein Unterkapitel mit den verschiedenen Stilrichtungen der Musik der Mittelalter-Szene, ausgehend von den Ergebnissen der Charts-Analyse des vierten Kapitels. Zuvor jedoch werden Auszüge aus drei Interviews veröffentlicht, die ich mit Vertretern der Gruppen Die Streuner, Fabula und Saltatio Mortis am 17. und 19. Mai 2007 auf dem Mittelaltermarkt in Rastede geführt habe. Diese Interviews sollen das zuvor theoretisch aufgebaute Bild des modernen Spielmanns durch die eigenen Worte der Künstler vervollständigen. Wenn im weiteren Verlauf der Arbeit von „Interviews“ die Rede ist, wird damit Bezug zu diesen drei Interviews genommen. Die kompletten Interviews sind im Anhang der Arbeit nachzulesen. Das Unterkapitel ‚Spielmann vs. moderner Urheber‘ zeigt mögliche Konflikte auf, die entstehen können bei der Darstellung eines mittelalterlichen Spielmanns einerseits, und der Vermarktung eines musikalischen Produktes im Sinne moderner Urheberschaft andererseits. Die darauffolgenden beiden Kapitel zeigen die Verbindungen zu anderen Musik-Szenen auf und versuchen der Frage nachzugehen, ob es politische und religiöse Motivationen und Tendenzen in der Mittelalter-Szene gibt.

Das vierte Kapitel stellt den quantitativen, empirischen Teil dieser Arbeit dar. Hierfür wurde eine Datenbank aller Titel der von kom4 Medien e.K. ermittelten ‚Mittelalter Album Charts‘ des Jahres 2006 erstellt. Insgesamt 387 Musikstücke wurden hier mit Hilfe von insgesamt 23 Indikatoren untersucht, um die Vielfalt und Eigenschaften der Musik der Mittelalter-Szene zu ermitteln. Der Vorstellung der Methoden folgt die Präsentation und Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Untersuchung.

Im fünften Kapitel werden zwei besonders beliebte mittelalterliche Musikstücke innerhalb der Mittelalter-Szene vorgestellt und verschiedene Bearbeitungen besprochen. Anhand der Bearbeitungen soll exemplarisch aufgezeigt werden, welche Methoden heutzutage in der Mittelalter-Szene angewendet werden, um mittelalterliche Stücke zu interpretieren. Abschließend werden im sechsten Kapitel die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst, weiterführende Fragen und Diskussionsanregungen zum Thema aufgegriffen.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS 3
1. EINLEITUNG 4
2. DIE MITTELALTER-SZENE - DER VERSUCH EINER DEFINITION 8
2.1 DIE ENTSTEHUNG DER MITTELALTER-SZENE 8
2.2 DIE AKTUELLE MITTELALTER-SZENE DARGESTELLT AM BEISPIEL DER MITTELALTERMÄRKTE 11
3. DIE MUSIK DER MITTELALTER-SZENE 19
3.1 MODERNE SPIELLEUTE 32
3.1.1 Die Stilrichtungen der Mittelalter-Szene 38
3.1.2 Die Streuner 44
3.1.3 Saltatio Mortis 47
3.1.4 Fabula 50
3.1.5 Spielmann vs. moderner Urheber 53
3.2 VERBINDUNGEN ZU ANDEREN MUSIK-SZENEN 56
3.3 RELIGION UND POLITIK IN DER MUSIK DER MITTELALTER-SZENE 59
4. MITTELALTER-CHARTS 2006 - EINE BESTANDSAUFNAHME 61
4.1 ZUR METHODIK DER DATENBANK 62
4.2 ERGEBNISSE 72
4.3 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 87
5. DIE ‚HITS' DER SZENE 88
5.1 DAS PALÄSTINALIED 89
5.2 STELLA SPLENDENS 92
5.3 DIE BEARBEITUNGEN IM ÜBERBLICK 95
6. ZUSAMMENFASSUNG, DISKUSSION UND AUSBLICK 96
7. ANHANG 102
8. LITERATURVERZEICHNIS 144

Textprobe:

Kapitel 3.1.5, Spielmann vs. moderner Urheber:

Die bisherigen Kapitel haben deutlich gemacht, dass die Musik der Mittelalter-Szene nicht dem musikwissenschaftlichen Terminus der mittelalterlichen Musik gerecht wird. Im Kapitel über die Mittelaltermärkte wurde unter anderem an den Aussagen und Werbetexten der Veranstalter deutlich, dass diese ebenfalls keinen Anspruch auf historische Korrektheit erheben. Diesen Anspruch erheben auch so gut wie keine der Szene-typischen Bands, wie sich auch in den Interviews gezeigt hat. Diese Tatsache soll an dieser Stelle nicht als Ausgangspunkt einer Kritik oder einer Wertung gesehen werden. Viel mehr knüpft dieses Kapitel daran an, dass die Musiker sich dennoch als Teil einer mittelalterlichen Szene sehen, und dass es durchaus andere Ansätze und Anleihen an der mittelalterlichen Spielmannsmusik innerhalb der Musik der Mittelalter-Szene gibt.

Für viele moderne Spielleute dient der historische Spielmann nicht aus musikalischer Hinsicht als Vorbild, sondern in seiner kultursoziologischen Funktion innerhalb der Gesellschaft und durch seine dort erzeugte Wirkung. Walter Benjamin betonte, dass sich innerhalb großer geschichtlicher Zeiträume die Sinneswahrnehmungen der Menschen verändern, deshalb kann analog dazu, der Versuch, die Musik des Spielmanns zu rekonstruieren, von vornherein als zum Scheitern verurteilt angesehen werden, da die Kunst (bzw. in diesem Falle die Musik) stets unmittelbar verknüpft ist mit der Geschichte und der Struktur einer Gesellschaft. Benjamin sieht das Kunstwerk eingebettet in den Zusammenhang der Tradition, die wiederum außerordentlich wandelbar ist.

Mit Hilfe dieser Argumentation scheint der konzeptionelle Ansatz von Bands wie Saltatio Mortis daher konsequent und logisch, den Spielmann vor allem in seiner Wirkung zu betrachten, und diese auf die heutige Zeit zu übertragen (Zitat aus dem Interview mit Saltatio Mortis: „Wir versuchen die Aussage der Musik zu treffen. Wenn Du liest, dass Spielleute in die Stadt kommen mit donnerlauten Säcken und Trommeln, dass es einem das Ohrenfell zerreißt, dann ist es das, was wir machen.“).

Dass der mittelalterliche Spielmann dabei häufig als Stereotyp für die gesamte weltliche Musik des Mittelalters herhalten muss, zeigt sich u.a. an dem Umgang mit Minne- oder geistlichen Liedern. So findet eines der populärsten mittelalterlichen Stücke der Szene, das Palästinalied, genauso seinen Platz auf dem Mittelaltermarkt wie Stella splendens, obwohl diese Stücke freilich alles andere als die Musik der Spielleute darstellen.

Harald Peinzke, ehemaliges Mitglied der Gruppe Kurtzweyl, schildert die Anfangsjahre der Mittelalter-Szene unter anderem wie folgt: „Holländische, flämische, französische und deutsche Spielleute musizierten gemeinsam, und tauschten das noch spärlich vorhandene Repertoire aus.“ Damit ist bereits in den frühen Jahren der Szene fortgeführt worden, was unter musikwissenschaftlicher Betrachtung als mündliche Überlieferungskultur mittelalterlicher Spielleute bezeichnet werden kann. Die Weitergabe, der Austausch und die Bearbeitung von Melodien, sind wesentliche Aspekte der modernen Spielleute, die zur Bildung eines mittelalterlichen Repertoires geführt haben. Anders ist es z.B. nicht zu erklären, warum dieses Repertoire, das viele Bands beherrschen so relativ klein ist, verglichen mit den vorhandenen Handschriften und Übersetzungen. Als Beispiel seien an dieser Stelle nur die über 400 Stücke der berühmten Cantigas de Santa Maria genannt, oder die nicht minder berühmte Carmina Burana, aus denen jeweils nur einige wenige rezipiert werden. Zudem fällt auf, dass es wenig neue Bearbeitungen in das Repertoire der Szene schaffen, womit die These gestützt wird, dass die Repertoirebildung mittelalterlicher Stücke innerhalb der Mittelalter-Szene im Wesentlichen abgeschlossen ist, und zudem nur von wenigen Gruppen vorangetrieben wurde. Der Austausch dieser Stücke innerhalb der Gruppen scheint stärker vorangeschritten zu sein als die Auseinandersetzung mit ‚unentdeckten‘ mittelalterlichen Originalen (u.a. zu Beobachten an den vielen ‚Coverversionen‘ der Einspielung Thomas Binkleys des Stückes Tempus est iocundum).

Die Repertoirebildung ist ein Phänomen, das es in dieser Form in anderen Bereichen der Popmusik nicht gibt, denn die Weitergabe, Übernahme oder Bearbeitung vorhandener Melodien wird dort zumeist unter dem Begriff des ‚Melodieklaus‘ negativ gesehen. Die Ausnahme bilden einzelne Coverversionen zumeist älterer Titel, die jedoch nicht zu einem Repertoire zu zählen sind. Ein in dieser Hinsicht nicht zu vernachlässigender Vorteil der Mittelalter-Szene besteht freilich in der Tatsache, dass die mittelalterlichen Melodien ‚GEMA-frei‘ sind.

Diese Form der Fortführung der mündlichen Kultur geschieht in der Mittelalter-Szene sowohl bewusst, als auch unbewusst (Zitat Die Streuner: „Die Stücke kommen zu einem irgendwie.“). Während viele Musiker diese Tradition als ein Teil der „gesunden Kultur“ der Mittelalter-Szene ansehen, und das Übernehmen von Liedern beispielsweise als eine gängige und legitime Praxis ansehen, reift innerhalb der Szene durchaus auch eine Art ‚Urheberrechtsgedanke‘ heran, der bisher vor allem in der Pop-Szene häufig zu beobachten war (man denke allein an die zahlreichen Anklagen Dieter Bohlens wegen ‚Melodiediebstahls‘). Dies wurde im Interview mit der Gruppe Fabula deutlich, die diese Praxis mit dem Begriff „Kopie“ eher negativ konnotieren und feststellen, dass dies in „keiner Szene schlimmer“ sei. Dieser neuerliche Urheberrechtsgedanke scheint vor allem dadurch begründet, dass die bearbeiteten mittelalterlichen Originale immer häufiger einer Mehrfachzuschreibung unterliegen. Tanja Weiß belegt dies am Beispiel des Palästinalieds, das auf dem Album Weckt die Toten von In Extremo, der Band, und nicht Walther von der Vogelweide zugesprochen wird. Sowohl auf deren Webseite, in Musikzeitschriften und in den Charts wird dieses Lied zum Lied In Extremos, obwohl sie nicht der eigentliche Urheber sind. Ob dieser allmähliche Wandel der Zuschreibungen von Stücken einen Einfluss hat auf die neuere Repertoirebildung mittelalterlicher Stücke, kann hier nicht analysiert werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Repertoirebildung gebremst wird aufgrund von ‚Beanspruchungen‘ von Titeln einzelner Musikgruppen. Als Beispiel sei an dieser Stelle der Streit zwischen Die Streuner und der Folkgruppe Sangesfolk genannt, denen vorgeworfen wird das Copyright für das Stück Wilde Gesellen zu verletzen, obwohl dieses Stück ein anonym überliefertes traditionelles Volkslied ist, und keine Eigenkomposition der Streuner darstellt.

Arbeit zitieren:
Schmees, Iwen September 2007: Musik in der Mittelalter-Szene, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Musik, Mittelalter, Spielleute, Stilrichtung, Interpretation

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