Musik - ein Medium der Wirtschaftskommunikation?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Müller
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 111 Seiten
- Dateigröße: 767,0 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7144-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7144-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7144-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Müller, Christian Juli 2003: Musik - ein Medium der Wirtschaftskommunikation?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Marke, Medien, Psychologie, Emotion, Werbung
In den Warenkorb
74,00 €
Diplomarbeit von Christian Müller
Einleitung:
Musik wirkt auf Menschen. Jeder kann das aus seiner persönlichen Erfahrung bestätigen. Musik fasziniert Menschen, gefällt oder missfällt ihnen, lässt sie träumen, tanzen, andächtig lauschen, verzweifeln oder in Massen in Konzerte strömen. Aus diesem Grund hat sich bereits eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen mit Musik beschäftigt. Musik spielt auch in verschiedenen Instrumenten der Wirtschaftskommunikation eine Rolle. So gibt es musikalisch untermalte Werbespots in Funk und Fernsehen, Musik in Supermärkten und Kaufhäusern, es gibt musikalisch gestaltete Events und das Sponsoring von Künstlern und Konzerten. Doch es gibt bislang noch keine Ansätze für den übergreifenden und integrierten Einsatz musikalischer Elemente in der Unternehmenskommunikation. Der Begriff der Corporate Acoustics existiert zwar, wird jedoch nur in Bezug auf einzelne der oben erwähnten Einsatzfelder von Musik in der Wirtschaftskommunikation verwendet.
Dabei besteht für Unternehmen in unserer Zeit mehr denn je die Aufgabe, ihre Produkte mit präferenzbildenden Attributen auszustatten, die es den Konsumenten ermöglichen, eine Beschränkung der wahrgenommenen Vielzahl von Marken und Produkten vorzunehmen. In der Kommunikation dieser Attribute konkurrieren sie mit einer großen Zahl anderer Produkt- und Markeninformationen und stoßen auf wenig involvierte Konsumenten. Die Unternehmen müssen sich in ihrer Kommunikationsgestaltung auf diese Bedingungen einstellen.
Der integrierte Einsatz von Musik in der Wirtschaftskommunikation könnte zur besseren Differenzierung von Produkten und Unternehmen im Markt beitragen. Darum soll es die Aufgabe dieser Arbeit sein, Überlegungen anzustellen, wie sich Wirtschaftskommunikation der Musik bedienen kann. Dabei geht es nicht darum, heraus zu finden, ob zu einem bestimmten Produkt eher die Tonart Es-Dur oder Fis-Moll passt. Vielmehr ist es das Ziel zu untersuchen, ob Musik in der Lage ist, als Medium den Erfolg von Wirtschaftskommunikation wahrscheinlicher zu machen.
Zur Beantwortung dieser Frage und zur Untersuchung, inwiefern ein einheitliches musikalisches Klangbild innerhalb der Markenkommunikation vorstellbar ist, müssen im Vorfeld andere Fragen beantwortet werden: Kann Musik Informationen oder Emotionen vermitteln, und wenn ja, unter welchen Umständen kann sie das? Kann Musik in der Wirtschafts- und insbesondere in der Unternehmenskommunikation als Medium dienen? Wie kann Musik zur eindeutigen Differenzierung von Unternehmen oder Produkten beitragen? Für diese Untersuchungen bedarf es eines fächerübergreifenden Ansatzes. Die vorliegende Betrachtung hat dabei ihre Schwerpunkte in der Musikwissenschaft sowie in den Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften. Darüber hinaus bedient sie sich einiger Erkenntnisse aus der Soziologie sowie der Medienwissenschaft. Der Begriff der Musik wird in der Betrachtung weitestgehend von der Sprache abgegrenzt. Das heißt, es wird nicht detailliert auf das Lied als musikalische Erscheinungsform in Verbindung mit der Sprache eingegangen, sondern Musik als allgemeines Phänomen betrachtet.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Einführende Überlegungen | 1 |
| 1.2 | Entwicklung der Fragestellung | 1 |
| 1.3 | Aufbau der Untersuchung | 2 |
| 2. | Der kommunikative Gehalt der Musik | 3 |
| 2.1 | Die Semiotik der Musik | 4 |
| 2.1.1 | Zur Frage nach Zeichen in der Musik | 5 |
| 2.1.2 | Der Inhalt des Tons als musikalisches Zeichen | 7 |
| 2.2 | Betrachtung des Vergleichs von Sprache und Musik | 8 |
| 2.2.1 | Zur Frage nach Begriffen in der Musik | 10 |
| 2.2.2 | Die Bildlichkeit von Musik | 11 |
| 2.2.3 | Zum Informationsgehalt von Musik | 12 |
| 2.3 | Emotionsgehalt in der Musik | 14 |
| 2.4 | Zum Verhältnis von Musik und Zeit | 17 |
| 2.5 | Musik in der Gesellschaft | 20 |
| 2.6 | Musikpräferenzen | 23 |
| 2.7 | Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse | 25 |
| 3. | Musik als Kommunikationsmedium | 26 |
| 3.1 | Einordnung verschiedener Medienbegriffe | 26 |
| 3.2 | Technische Medien | 30 |
| 3.2.1 | Der Begriff der technischen Medien | 30 |
| 3.2.2 | Musik als technisches Kommunikationsmedium | 31 |
| 3.2.3 | Exkurs: Musik und Massenmedien | 32 |
| 3.3 | Medien nach McLuhan | 34 |
| 3.3.1 | McLuhans Medienbegriff | 34 |
| 3.3.2 | Musik als Kommunikationsmedium nach McLuhan | 36 |
| 3.4 | Medien nach Parsons und Habermas | 38 |
| 3.4.1 | Symbolisch generalisierte Medien nach Parsons | 38 |
| 3.4.2 | Soziale Interaktionsmedien nach Habermas | 40 |
| 3.4.3 | Musik als Medium im Sinne Parsons’ und Habermas’ | 42 |
| 3.5 | Medien nach Luhmann | 43 |
| 3.5.1 | Kommunikation nach Luhmann | 43 |
| 3.5.2 | Luhmanns Medienbegriff | 45 |
| 3.5.3 | Musik als Medium nach Luhmann | 47 |
| 3.6 | Zusammenfassung der Erkenntnisse | 49 |
| 4. | Musik als Medium in der Wirtschaftskommunikation | 50 |
| 4.1 | Anwendung der bisherigen Erkenntnisse auf die Wirtschaftskommunikation | 51 |
| 4.1.1 | Besonderheiten in der Wirtschaftskommunikation | 52 |
| 4.1.2 | Instrumente der Wirtschaftskommunikation | 53 |
| 4.2 | Bereiche der Wirtschaftskommunikation mit häufigem Musikeinsatz | 56 |
| 4.2.1 | Musik in der Werbung | 56 |
| 4.2.2 | Funktionen von Musik am Beispiel der Werbung | 59 |
| 4.2.3 | Exkurs: Filmmusik | 63 |
| 4.2.4 | Hintergrundmusik im Sinne der Verkaufsförderung | 67 |
| 4.3 | Weitere Einsatzmöglichkeiten von Musik in der Wirtschaftskommunikation | 70 |
| 4.3.1 | Messen und Events | 70 |
| 4.3.2 | Sponsoring | 71 |
| 4.3.3 | Public Relations | 72 |
| 4.3.4 | Multimedia-Kommunikation | 72 |
| 4.3.5 | Direktkommunikation | 73 |
| 4.3.6 | Mitarbeiterkommunikation | 74 |
| 4.4 | Zusammenfassung der Erkenntnisse | 74 |
| 5. | Musik als Medium der Markenkommunikation | 76 |
| 5.1 | Grundlagen der Markenkommunikation | 76 |
| 5.1.1 | Voraussetzungen heutiger Wirtschaftskommunikation | 76 |
| 5.1.2 | Begriff und Aufgaben der Marke | 78 |
| 5.1.3 | Markenkommunikation und Markenführung | 79 |
| 5.2 | Einsatzbereiche von Musik in der Markenkommunikation | 80 |
| 5.2.1 | Markenimage, Markenwissen, Markenschemata und Musik | 81 |
| 5.2.2 | Musik als Teil der Markenpersönlichkeit | 84 |
| 5.2.3 | Markenbilder | 86 |
| 5.2.4 | Musikalische Erlebniswelten für Marken | 88 |
| 5.3 | Weitere Überlegungen | 91 |
| 5.3.1 | Vergleich von Bildern und Musik in der Markenkommunikation | 91 |
| 5.3.2 | Markensoundtracks | 94 |
| 5.4 | Zusammenfassung der Erkenntnisse | 95 |
| 6. | Zusammenfassung und Schlussbetrachtung | 97 |
| 6.1 | Beantwortung der Fragestellung | 97 |
| 6.2 | Weiterführende Überlegungen | 99 |
| Bibliographie | 100 |
48 aus dessen Umschreibung. Somit könnte man von einer Sprachähnlichkeit der Musik sprechen. Interpretiert man die Aufgabe funktioneller Musik in der Weise, dass sie verhältnismäßig unwahrscheinliche Kommunikation, z.B. zwischen Wirtschaftsunternehmen und Verbraucher, zur Annahme der Selektionsvorschläge und damit zum Erfolg verhelfen soll, so könnte man Musik als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium auffassen. Symbolische Generalisierung lässt sich in diesem Zusammenhang vor allem als eine Allgemeingültigkeit in der Interpretation des vorhandenen symbolischen Bezuges dieser jeweiligen Medien deuten.191 Diese ist bei Musik insoweit gegeben, dass innerhalb einer Gesellschaft eine Ähnlichkeit der mit Musik in Verbindung gebrachten Assoziationen und Emotionen vorstellbar ist. Dabei wird Musik von Luhmann zwar nur im Zusammenhang mit dem Kultursystem und dem Medium der Kunst benannt. Sie verfügt jedoch über den Bereich der Kultur hinausgehende gesellschaftliche Verständigungsqualitäten. „Aber die nichtsprachliche Kommunikation der körperlichen Berührung bietet einen wichtigen nichtlogischen Interpretationshorizont für sprachliche Mitteilungen; sie bietet die Möglichkeit eines Unterlaufens und Ergänzens der Sprache, einer konkretisierenden Interpretation des gesprochenen Wortes auf das hin, was sich an ihm an Meinungen und Absichten zeigt. Man kann in den Kommunikationsweisen der Liebe Unsagbares zum Ausdruck bringen, Gesagtes verstärken oder abschwächen, bagatellisieren, zurücknehmen, durchkreuzen, kann Missverständnisse ausgleichen […].“192 Was Luhmann als Beschreibung des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums Liebe aufführt, kann in dieser Art auch auf Musik übertragen werden, da wie bereits gezeigt werden konnte, Musik Aspekte zum Ausdruck bringen kann, die mit Hilfe der Sprache nur begrenzt ausdrückbar sind. Auch kann Musik den Bedingungen, die Luhmann für symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien benennt, entsprechen. So symbolisiert sie einen Bezug zur leiblichen Beteiligung von Menschen in Kommunikationssystemen sowohl auf der Ebene der Wahrnehmung, der Bedürfnisbefriedigung193 wie auch der Emotionalität. Zudem verwendet Musik eine realitätsbezogene Semantik in Form des Ausdrucks von Gefühlen, aber auch als kulturelles Tauschmittel. Schließlich besitzt sie, wie schon im ersten Abschnitt gezeigt, eine Selbstreferenz in Form der Symbolisierung des Musikalischen in der Musik. [...]
47 ches, und mit diesen Orientierungen auf Sachverhalte hin wird in der Anwendung der Medien operiert.“182 Als dritte Bedingung fordert er das Verfügen über eine Selbstreferenz, auf der semantischen Ebene in Form einer Geschlossenheit der Codierung sowie auf Prozessebene in Gestalt der Reflexivität.183 Zur oben genannten Dreiteilung führt Luhmann die Medium/Form-Unterscheidung ein.184 Als Medium bezeichnet er dabei die lose Kopplung von Elementen, ohne nach den Elementen selbst zu fragen.185 Die Form ist dabei als die Anordnung der Elemente des Mediums aufzufassen. Beispielhaft wäre Sand ein Medium und ein Fußabdruck eine Form, Sprache bzw. Worte sind ein Medium, zu Sätzen verbunden eine Form.186 Eine erweiterte Bedeutung der Medium/Form-Unterscheidung ergibt sich aus den Begriffen, die Luhmann mit ihr zu ersetzen anstrebt: „Die Unterscheidung Medium/Form dient dazu, die Unterscheidung Substanz/Akzidenz oder Ding/Eigenschaft zu ersetzen.“187 Des Weiteren bietet sie auch Ersatz für den Begriff der Übertragung. Dabei erscheint das Medium immer nur in einer Form. „Der Beobachter kann, so scheint es, das Medium nur als Form entdecken.“188 Als Medium der Kunst, zu der Luhmann auch die Musik zählt, benennt er die Gesamtheit der Möglichkeiten, Formgrenzen zu durchkreuzen.189 Das Kunstmedium hält immer auch andere Möglichkeiten der Festlegung bereit. [...]
46 Wahrscheinlichkeit, dass eine Kommunikation als Grundlage für weitere dient, vergrößert, aber im Vergleich zu anderen Übertragungsformen von Kommunikation durch ihre Standardisierungen zugleich auch eingeschränkt.177 Als symbolisch generalisierte Medien bezeichnet Luhmann solche, „[...] die Generalisierungen verwenden, um den Zusammenhang von Selektion und Motivation zu symbolisieren, das heißt: als Einheit darzustellen.“178 Entsprechend der Erklärung kommunikativer Prozesse als Selektionen stellen symbolisch generalisierte Medien in der Interaktion hinreichend sicher – Luhmann spricht von Motivation –, dass der Selektionsvorschlag befolgt wird. In dieser Weise beeinflussen, steuern und konditionieren sie den Selektionsprozess. Als Beispiele für symbolisch generalisierte Medien führt Luhmann Wahrheit, Liebe, Eigentum/Geld, Macht/Recht sowie in Ansätzen Glaube und Kunst an. „Allgemein handelt es sich bei symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien um semantische Einrichtungen, die es ermöglichen, an sich unwahrscheinlichen Kommunikationen trotzdem Erfolg zu verschaffen. ‚Erfolg verschaffen’ heißt dabei: die Annahmebereitschaft für Kommunikationen so zu erhöhen, daß die Kommunikation gewagt werden kann und nicht von vornherein als hoffnungslos unterlassen wird.“179 Im Weiteren formuliert Luhmann verschiedene Anforderungen an symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien: „Mit der Ausdifferenzierung eines symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums hängt ferner zusammen, daß der Bezug zur organischen Faktizität des Zusammenlebens spezifiziert werden muß.“180 Die Medien müssen also einen Bezug zur leiblichen Beteiligung von Menschen in Kommunikationssystemen mitsymbolisieren. So ordnet er verschiedenen, symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien die zugehörigen organischen Prozesse zu: Macht zur physischen Gewalt, Wahrheit zur Wahrnehmung, Geld zur Bedürfnisbefriedigung, Liebe zur Sexualität. Hierbei ist zur symbolischen Entfaltung des jeweiligen Mediums auch die Negation des Prozesses nicht ausgeschlossen, sondern wird mitbenutzt.181 Eine weitere Anforderung und Charakteristik für symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien benennt Luhmann so: „Die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien […] benutzen eine realitätsgebundene Semantik: Wahrheit, Liebe, Geld, Macht usw. Diese Terminologien bezeichnen Eigenschaften von Sätzen, Gefühlen, Tauschmittel, Drohmittel und Ähnli177 [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832471446
Arbeit zitieren:
Müller, Christian Juli 2003: Musik - ein Medium der Wirtschaftskommunikation?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Marke, Medien, Psychologie, Emotion, Werbung



