Museumspädagogische Arbeit in Kinder- und Jugendmuseen
Eine Übersicht über Entstehung, Legitimation und derzeitige Situation dieser Museumsgattung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: K. Marijke Clark-Brodel
- Abgabedatum: Mai 2005
- Umfang: 140 Seiten
- Dateigröße: 34,1 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9028-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9028-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9028-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Clark-Brodel, K. Marijke Mai 2005: Museumspädagogische Arbeit in Kinder- und Jugendmuseen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kindermuseum, Children's Museum, Pädagoge, Museumspädagogik, Science Center
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Diplomarbeit von K. Marijke Clark-Brodel
Einleitung:
In den letzten Jahren hat sich die Entwicklung der Kindermuseen verstärkt. Erst im Januar 2004 wurde das bisher neueste und modernste Kindermuseum, das Atlantis, in Duisburg eröffnet.
Schon vor meinem Studium habe ich in der Phänomenta in Lüdenscheid, einer Ausstellung, die sich mit physikalischen Phänomenen befasst, ein Praktikum absolviert. Des Weiteren habe ich unterschiedliche Kindermuseen und Science Center in Deutschland besucht, wie z.B. das MachMit Museum in Aurich, das MitMach Museum in Minden und das Universum Bremen. Dieses Praktikum, die Besuche der Science Center und Kindermuseen hier in Deutschland und die Erfahrungen, die ich bei Besuchen von Kindermuseen (z.B. das Children´s Museum of Indianapolis) und Science Centern (z.B. das Franklin Institut in Philadelphia, Pennsylvania und das Science Center in Hartford, Connecticut) während verschiedener USA-Aufenthalte gesammelt habe, haben mich sehr fasziniert und ich habe mich von da an verstärkt für das Thema Kinder- und Jugendmuseen interessiert. Im Sommersemester 2004 habe ich das Seminar „Kindermuseen“ bei Angela Kahre an der Universität Bielefeld besucht und mich entschlossen für die Diplomarbeit dieses Gebiet auszuwählen.
Material- und Informationssuche:
Zunächst habe ich mich bemüht Literatur zu diesem Thema zu finden. Da es in der Universitätsbibliothek nur wenig Literatur zu diesem speziellen Thema gibt, habe ich meine Suche auch auf die Fernuniversität Hagen und über die Fernleihe auf weitere Bibliotheken ausgedehnt. Zusätzlich habe ich im Internet nach Webseiten über Kindermuseen gesucht, um diese zu bitten mir neue praxisorientierte Materialien zukommen zu lassen und um weitere Informationen zu erhalten.
Da der Ursprung der Kindermuseen in den USA liegt, habe ich mich auch an amerikanische Einrichtungen gewandt. Über das Internet bin ich auf Webseiten von Kindermuseen in Europa gestoßen, die ich ebenfalls angeschrieben habe.
Der Fragebogen (in einer englischsprachigen und einer deutschsprachigen Variante), den ich, hauptsächlich per Email an die Museen geschickt habe, um Ihnen das Zusammensuchen von Informationen zu erleichtern, findet sich im Anhang A.
Rücklauf der Museen:
Viele der angeschriebenen Kindermuseen haben mir schon innerhalb der ersten zwei Wochen nach Versand der Fragebögen geantwortet. Einige haben mir lediglich den ausgefüllten Fragebogen zurückgeschickt, andere haben mir ganze Publikationen und viele Flyer und weitere Materialien zukommen lassen. Manche Museen haben sich bei mir dafür entschuldigt, dass sie zu wenig Zeit und Personal hätten, um mir Informationen zu schicken, die meisten haben sich aber gar nicht auf meine Anfrage gemeldet.
Von den insgesamt 238 weltweit angeschriebenen Museen haben mir 34 den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt. Bei diesen Museen, die im Anhang aufgelistet sind, möchte ich mich gerne für ihre Hilfsbereitschaft und die reichlichen Materialien bedanken.
Sehr interessant fand ich den Hinweis des Universums Bremen und der Phänomenta Lüdenscheid, dass sie kein (Kinder-)Museum seien, sondern ein Science Center.
Obwohl Science Center nach dem „Hands on!“ Prinzip, welches ich im Verlauf dieser Arbeit noch näher erläutern werde, verfahren, lassen sie sich nicht in die Kategorie Museum einordnen, sondern bilden ihre eigene Kategorie. Zielgruppe der Science Center sind nicht ausschließlich Kinder und Jugendliche und die Angebote sind auch nicht, sieht man von möglichen Überschneidungen mal ab, an den Bedürfnisse und Interessen dieser orientiert. Vielmehr wollen die Science Center interessierte Jugendliche, Erwachsene und Schulklassen ansprechen. Sie haben den Bedarf frühzeitig erkannt und eine Nische für sich erobert. Dass ein Bedarf vorhanden war und immer noch ist, lässt sich davon ableiten, wie viele Erwachsene man, auch ohne Kinder, in Kinder- und Jugendmuseen antrifft und wie gut auch bei ihnen das Prinzip des „Hands on!“ ankommt.
Aufbau der Arbeit:
Ziel dieser Arbeit ist es einen Überblick über das Feld der Kinder- und Jugendmuseen, ihrer Entwicklung und ihrer Praxis zu geben.
Das Thesenpapier zur Zukunftskonferenz „Kommunale Jugendhilfe in Bonn: Quo Vadis?“ am 09. März 2001 fasst die wichtigsten Punkte eines Kinder- und Jugendmuseums in sechs Thesen zusammen (Anhang B):
„Investitionen in die Kinder und Jugendlichen sind unumgänglich, da sie die auf sie zukommenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozesse bewältigen, gestalten und lenken werden müssen und dazu Kraft, Mut, Fantasie, Visionen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Prozesse in ihrer Vernetztheit zu denken und Selbstvertrauen benötigen werden.
Ein möglicher Ort, den jungen Menschen in seiner Entwicklung zu stärken, ist das Kinder- und Jugendmuseen, ein integrativer Kultur-, Lern- und Freizeitort für Kinder, Jugendliche und Familien.
Gegenstand sind ‚die Dinge, die die Welt bedeuten’, Phänomene aus Kunst und Kultur, Technik, Geschichte und Natur.
Ziel wie Methode ist neben den musealen Prinzipien des Sammelns, Ordnens, Erforschens und Bewahrens: wahrnehmen ‚mit allen Sinnen’ – spielend erkennen – selber schaffen und das in seiner Ganzheit und Unmittelbarkeit, also das Begreifen der Welt nach dem Vermittlungsprinzip ‚hands-on’.
Kinder- und Jugendmuseen sind Schnittstelle zwischen Kindergärten, Schulen sowie den anderen städtischen Jugendeinrichtungen: sie bieten ein Präsentationsforum und die Möglichkeit, interaktive Erlebnisausstellungen aus der Kinder- und Jugendmuseumsszene zugänglich zu machen.
Kinder- und Jugendmuseen verstehen sich nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Museen mit ihren museumspädagogischen Angeboten, sondern durch ihren besonderen Ausgangspunkt als Bereicherung der Kinder- und Jugendszene.“ Die genannten Punkte finden sich in dieser Arbeit wieder und werden in verschiedenen Kapiteln ausführlicher erläutert.
Nach einer Einführung ins Thema (Kapitel 1) geht es zunächst darum die historische Entwicklung der traditionellen Museen im Allgemeinen und die Museumspädagogik darzustellen (Kapitel 2).
Im dritten Kapitel wird der klassische Museumstyp vom Typ der Kindermuseen abgegrenzt und Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten dargestellt. Darauf folgend werden die verschiedenen Typen von Kinder- und Jugendmuseen näher erläutert und ihre Ziele und Aufgaben vorgestellt.
Des Weiteren werden die theoretischen Wurzeln der Grundkonzeptionen der Kinder- und Jugendmuseen beschrieben und nun auch die Entwicklung der ersten Kindermuseen zunächst in den USA und dann in Deutschland dargestellt.
Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, warum es überhaupt Kinder- und Jugendmuseen gibt und ob diese unter einem pädagogischen Hintergrund als alternative Bildungsstätten gelten können und was für eine Legitimation sie haben.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Praxis der Kinder- und Jugendmuseen. Hierzu werde ich zunächst theoretisch die Vermittlungsmethoden der Museen, also z.B. Ausstellungen, Führungen, Arbeitsblätter, Schulprogramme, Demonstrationen, Workshops sowie die „Museen auf Rädern“ und die Partizipation der Kinder, beleuchten, bevor ich im vierten Kapitel die Praxis einzelner Museen aus Deutschland und den USA genauer vorstellen werde.
Wie die Konzeption eines Kindermuseums vonstatten gehen kann, möchte ich im fünften Kapitel anhand eines praktischen Beispiels erläutern. Im oben erwähnten Seminar wurde der Gruppe die Aufgabe gestellt, zu einem von sechs verschiedenen Themen (Familie, Labyrinth, Formen und Farben, Fliegen, Fließen, Zeit) ein Konzept für ein Kindermuseum zu entwickeln. Da ich zu der Gruppe gehöre, die das Thema „Familie“ übernommen hat, werde ich unser Vorgehen, als eine Möglichkeit des Herangehens, exemplarisch vorstellen.
Zum Abschluss meiner Arbeit werde ich zusammenfassend die Bedeutung der Kinder- und Jugendmuseen in der heutigen Zeit beschreiben und auf meine Erfahrungen eingehen (Kapitel 6).
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einführung | 4 |
| 1.1 | Material- und Informationssuche | 4 |
| 1.2 | Rücklauf der Museen | 5 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 5 |
| 2. | Traditionelle Museen | 9 |
| 2.1 | Begriffsbegrenzung und Funktionen traditioneller Museen | 9 |
| 2.2 | Historische Entwicklung | 10 |
| 2.3 | Museumspädagogik | 11 |
| 2.3.1 | Historische Entwicklung | 11 |
| 2.3.2 | Versuch einer Begriffsbegrenzung | 13 |
| 2.3.3 | Heutige Situation der Museumspädagogik | 14 |
| 3. | Kinder- und Jugendmuseen - ein Überblick über Entstehung, Situation und Legitimation | 16 |
| 3.1 | Was ist ein Kinder- und Jugendmuseum? Begriffsbegrenzung im Unterschied zum traditionellen Museum | 16 |
| 3.1.1 | Typen von Kinder- und Jugendmuseen | 20 |
| 3.1.2 | Ziele und Aufgaben | 21 |
| 3.1.3 | Theoretische Wurzeln der Grundkonzeptionen der Kinder- und Jugendmuseen | 24 |
| 3.2 | Vorstellung und Entwicklung der ersten Kindermuseen | 33 |
| 3.3 | Entwicklung und Situation der Kinder- und Jugendmuseen in Deutschland | 35 |
| 3.4 | Legitimation von Kinder- und Jugendmuseen | 38 |
| 3.4.1 | Kinder- und Jugendmuseen als alternative Bildungsstätte? | 40 |
| 3.4.2 | Der umstrittene Museumsbegriff | 43 |
| 3.4.3 | Der Wandel der Kindheit | 45 |
| 3.4.4 | Das Spiel der Kinder | 47 |
| 3.5 | Umsetzung der Museumspädagogik in Kinder- und Jugendmuseen | 50 |
| 3.5.1 | Museumspädagogische Praxis | 50 |
| 3.5.2 | Partizipation der Kinder und Jugendlichen | 60 |
| 3.5.3 | Ehrenamtliche und Praktikanten | 61 |
| 4. | Kinder- und Jugendmuseen in den USA und in Deutschland | 64 |
| 4.1 | Pädagogik der Kinder- und Jugendmuseen in den USA | 64 |
| 4.1.1 | Allgemeine Situation | 64 |
| 4.1.2 | Phoenix Family Museum | 66 |
| 4.1.3 | Arizona Museum for Youth | 68 |
| 4.1.4 | Children's Museum of Houston | 69 |
| 4.2 | Pädagogik der Kinder- und Jugendmuseen in Deutschland | 74 |
| 4.2.1 | Allgemeine Situation | 74 |
| 4.2.2 | Jugend Museum Schöneberg | 75 |
| 4.2.3 | Kinderreich des Deutschen Museums | 77 |
| 4.2.4 | Labyrinth Kindermuseum Berlin | 79 |
| 4.2.5 | Miraculum MachMit Museum Aurich | 81 |
| 4.2.6 | Mobiles Kindermuseum Vahrenwald | 83 |
| 4.3 | Pädagogik der Kinder- und Jugendmuseen weltweit | 84 |
| 4.4 | Eigene Überlegungen zu möglichen Leitkriterien für museumspädagogische Arbeit in Kinder- und Jugendmuseen | 85 |
| 5. | Konzeptionelle Entwicklung einer Ausstellung zum Thema „Familie“ | 89 |
| 5.1 | Konzept | 93 |
| 5.2 | Didaktische Überlegungen | 95 |
| 5.3 | Mögliche Anwendungszwecke | 98 |
| 6. | Schlussbemerkungen | 102 |
| Literaturverzeichnis | 105 | |
| Danksagungen | 111 | |
| Anhang | 115 |
Vorstellung der Konzeption Bei der Planung und Durchführung von Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen geht das Museum von einer Konzeption aus, die auf den Arbeiten der Entwicklungspsychologen Jean Piaget, Lev Vygotsky und Constance Kammi und der Kognitivisten Howard Gardner, John Dewey, Benjamin Bloom und Mel Levine beruhen. Das Museum hat eine Liste von Kriterien zusammengestellt, die ihre Philosophie zusammenfassen: • • • • • • Kinder brauchen Aktivitäten, die Lernen nach den Prinzipien des „Hands on!“ und „Minds on!“ fördern Kinder haben schon von Natur aus Spaß am Lernen und sie erfahren Befriedigung durch den Prozess des Problemlösens Kinder brauchen Möglichkeiten um ihre Phantasie und ihre Kreativität auszudrücken Kinder müssen die Möglichkeit bekommen Vertrauen in ihre Fähigkeiten aufzubauen Kinder brauchen Freiräume, um Fragen zu stellen und ihre Vermutungen zu testen Kinder profitieren davon, genug Zeit für die Arbeit an einem bestimmten Problem zu haben 70 [...]
Das Child ren’s Museum of Houston wurde im November 1980 von einer Gruppe engagierter Eltern gegründet. 1984 wurde die erste Ausstellung „Kidtechnics“ in der Blaffer Gallery der Universität Houston gezeigt, bevor das Museum 1985 in eigenen Räumen eröffnet wurde. Ziel des Museums ist es eine Gemeinschaft durch innovatives, kindgerechtes Lernen zu verändern, da es in der heutigen Zeit immer wichtiger wird, nicht nur Wissen anzuhäufen, sondern dieses Wissen zu nutzen, um neue Lösungen und Möglichkeiten zu entdecken. Das Museum hat als Zielgruppe die Gruppe der Null- bis Zwölfjährigen, da es überzeugt davon ist, dass gerade in den frühen Jahren der Kindheit ein Grundstein gelegt wird für die Entwicklung von kognitiven, emotionalen, sozialen, und moralischen Kenntnissen und Fähigkeiten. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Children’s Museum of Houston auf die Rolle der Eltern als erste Lehrer ihrer Kinder und unterstützt Eltern bei dieser Aufgabe durch [...]
Schwerpunkte der Museumsarbeit Man kann sagen, dass das Phoenix Family Museum sehr an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen interessiert ist, da es z.B. seine Ausstellungsstücke in Schulen testen lassen will. Eine Orientierung an Alltagserfahrungen ist zumindest bei der oben beschriebenen Ausstellung gegeben, denn fast jedes Kind hat schon mal Töpfe zu Trommeln und befüllte Dosen zu Rasseln umfunktioniert. Auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Ideenfindung, Planung und Umsetzung legt das Museum einen großen Wert, was die oben beschriebenen Wege der Partizipation verdeutlichen. Schon die Bezeichnung als Familienmuseum lässt Rückschlüsse darauf zu, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern lernen und Spaß haben sollen. Das zeigt, dass vor allem die [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832490287
Arbeit zitieren:
Clark-Brodel, K. Marijke Mai 2005: Museumspädagogische Arbeit in Kinder- und Jugendmuseen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kindermuseum, Children's Museum, Pädagoge, Museumspädagogik, Science Center



