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Multiplikatorverfahren in der Unternehmensbewertung

Empirische Befunde zur Wertrelevanz von Multiples und Anwendung in der Praxis

Multiplikatorverfahren in der Unternehmensbewertung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jörg Schöttler
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 84 Seiten
  • Dateigröße: 599,8 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 90
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9951-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9951-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9951-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schöttler, Jörg November 2005: Multiplikatorverfahren in der Unternehmensbewertung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Discounted Cash Flow, Unternehmensbewertung, Rechnungswesen, Rechnungslegung, Multiplikator

Diplomarbeit von Jörg Schöttler

Problemstellung:

Dem Multiplikatorverfahren kommt in der Praxis der Unternehmensbewertung eine erhebliche Bedeutung zu: Insbesondere bei der Erstellung von Fairness Opinions durch Investmentbanken oder bei Börseneinführungen finden Multiplikatoren regelmäßig Verwendung. Zahlreiche Studien belegen zudem den hohen Stellenwert, den das Bewertungsverfahren bei Venture Capital Gesellschaften, Private Equity Firmen sowie Unternehmungsberatungen besitzt.

Diese offensichtliche Beliebtheit des Bewertungsverfahrens in der Praxis wird in der Literatur vor allem mit seiner einfachen Anwendung und der leichten Vergleichbarkeit der Ergebnisse erklärt. Darüber hinaus wird dem Verfahren von einigen Autoren eine grundsätzliche Eignung zur Erhöhung der Objektivität zugesprochen.

Gleichwohl sieht sich das Multiplikatorverfahren in der wissenschaftlichen Diskussion starker Kritik ausgesetzt, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Hierbei werden vor allem eine mangelnde theoretische Fundierung und die scheinbar willkürliche Auswahl der Eingangsgrößen in die Bewertung beklagt.

Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Betrachtungsweisen setzt sich die vorliegende Arbeit detailliert mit dem Verfahren auseinander. Ziel der Arbeit ist es, Vor- und Nachteile unterschiedlicher Vorgehensweisen bei der Anwendung des Verfahrens herauszuarbeiten und auf Grundlage von theoretischen Überlegungen und empirischen Befunden mögliche Verbesserungen aufzuzeigen.

Dazu soll zum einen geprüft werden, ob eine Bewertung mit Multiplikatoren auch bewertungstheoretisch begründbar ist. Zum anderen soll anhand von empirischen Befunden zur Wertrelevanz des Verfahrens aufgezeigt werden, welche Anwendungsmethodik zu den besten Bewertungsergebnissen führt.

Nach Einführung in die Problemlage und Definition des Ziels der Arbeit werden in Kapitel 2 zunächst einige grundlegende Begriffe definiert und Zusammenhänge sowie Verfahren der Unternehmensbewertung dargestellt.

In Kapitel 3 wird das Multiplikatorverfahren ausführlich beschrieben und ein Bezug zu anderen vorgestellten Bewertungsmethoden hergestellt.

Kapitel 4 widmet sich den empirischen Befunden zur Wertrelevanz der Multiplikatoren in ihren unterschiedlichen Anwendungsformen. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt dabei auf den Ergebnissen zu einer „optimalen“ Anwendung des Verfahrens.

Vor dem Hintergrund der gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse wird in Kapitel 5 eine exemplarische Anwendung des Multiplikatorverfahrens in der Praxis dargestellt.

Im abschließenden Kapitel 6 werden die Ergebnisse zusammengefasst und thesenartige Handlungsempfehlungen gegeben.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Theoretische Grundlagen 2
2.1 Grundlagen der linearen Regression 2
2.1.1 Zielsetzung und Vorgehensweise 2
2.1.2 Annahmen des Verfahrens 3
2.2 Objektivierter innerer Unternehmenswert undEntscheidungswert 6
2.3 Informationseffizienzhypothese 7
2.4 Verfahren der Unternehmensbewertung 8
2.4.1 Überblick und Systematisierung 8
2.4.2 Das Dividend Discount Model (DDM) 10
2.4.3 Das Ertragwertverfahren 10
2.4.4 Das Discounted Cash Flow (DCF) Verfahren 11
2.4.4.1 Nettoverfahren FTE Verfahren 13
2.4.4.2 Bruttoverfahren 13
2.4.4.2.1 WACC Verfahren 14
2.4.4.2.2 APV Verfahren 15
2.4.4.3 Kritische Würdigung 16
2.4.5 Das Residual Income Valuation (RIV) Verfahren 17
3. Das Multiplikatorverfahren 19
3.1 Der traditionelle Ansatz 19
3.1.1 Grundkonzeption 19
3.1.2 Verfahrensarten 20
3.1.3 Theoretische Fundierung 21
3.1.3.1 Herleitung ausgewählter Multiplikatoren 21
3.1.3.2 Vergleich mit Zukunftserfolgswertverfahren 24
3.1.4 Problembereiche in der Anwendung 25
3.1.4.1 Auswahl der vergleichbaren Unternehmen (Peer Group) 25
3.1.4.1.1 Branchenzugehörigkeit als Vergleichskriterium 25
3.1.4.1.2 Fundamentalfaktoren als Vergleichskriterium 27
3.1.4.1.3 Überlegungen zur Anzahl der Vergleichsunternehmen 28
3.1.4.2 Auswahl der Bezugsgröße 28
3.1.4.2.1 Entity Multiplikatoren vs. Equity Multiplikatoren 29
3.1.4.2.2 Stromgrößen vs. Bestandsgrößen 30
3.1.4.3 Auswahl der Verdichtungsmethode 30
3.1.4.3.1 Arithmetisches Mittel 31
3.1.4.3.2 Harmonisches Mittel 32
3.1.4.3.3 Median 32
3.1.4.3.4 Lineare Regression 33
3.1.4.4 Zusammenfassung 33
3.2 Der Regressionsansatz als Alternative 34
3.3 Zwischenfazit 36
4. Empirische Befunde zur Wertrelevanz der einzelnen Vorgehensweisen 36
4.1 Befunde zur Auswahl der Comparable Companies 37
4.1.1 Boatsman/Baskin (1981) 37
4.1.2 Alford (1992) 38
4.1.3 Kaplan/Ruback (1995) 39
4.1.4 Kim/Ritter (1999) 40
4.1.5 Cheng/McNamara (2000) 41
4.1.6 Weitere Befunde zum Branchenkriterium - ein Überblick 41
4.1.7 Bhojraj/Lee (2002) 42
4.1.8 Herrmann (2002) 43
4.1.9 Kelleners (2004) 44
4.2 Befunde zur Auswahl der Bezugsgröße 45
4.2.1 LeClair (1990) 45
4.2.2 Kim/Ritter (1999) 46
4.2.3 Baker/Ruback (1999) 46
4.2.4 Gilson/Hotchkiss/Ruback (2000) 47
4.2.5 Liu/Nissim/Thomas (2002a) 47
4.2.6 Lie/Lie (2002) 48
4.2.7 Herrmann (2002) 49
4.2.8 Kelleners (2004) 49
4.3 Befunde zur Auswahl der Verdichtungsmethode 50
4.3.1 Baker/Ruback (1999) 50
4.3.2 Liu/Nissim/Thomas (2002a) 50
4.3.3 Weitere Befunde 51
4.4 Vergleich von traditionellem Ansatz und Regressionsansatz 51
4.5 Zusammenfassung 53
5. Das Multiplikatorverfahren in der Praxis -Exemplarische Darstellung des Vorgehens bei der Deutsche Bank Corporate Advisory Group 54
5.1 Allgemeines Vorgehen 54
5.1.1 Grundsätzlicher Ablauf der Bewertung 54
5.1.2 Auswahl der vergleichbaren Unternehmen 55
5.1.3 Auswahl der Bezugsgröße 55
5.1.4 Auswahl der Verdichtungsmethode 56
5.2 Bewertungsbeispiel: Spin-Off Lanxess 56
6. Schlussbetrachtung 60
Anhang 62
Literaturverzeichnis 68
Ehrenwörtliche Erklärung 78
Textprobe:

Kapitel 2: In der Literatur herrscht überwiegend Einigkeit, dass der Unternehmenswert von den zukünftig erwarteten entnehmbaren Zahlungsüberschüssen determiniert wird. Auf diesem Grundgedanken aufbauend existieren unterschiedliche Konzeptionen des Unternehmenswertes, die sich vor allem aus der Zweckabhängigkeit der Unternehmensbewertung ergeben.

Im Rahmen dieser Arbeit ist vor allem die Unterscheidung zu treffen zwischen dem Begriff des inneren Unternehmenswertes („intrinsic value“), wie er in der anglo-amerikanischen Literatur anzutreffen ist, und der aus der Kölner Funktionenlehre entstandenen Konzeption des transaktionsspezifischen Entscheidungswertes.

Der intrinsische Unternehmenswert ergibt sich aus der Bewertung der erwarteten zukünftigen Zahlungsströme durch einen fiktiven „allwissenden Analysten“. Es handelt sich somit um einen objektivierten Wert, der transaktionsspezifische Einflüsse, insbesondere mögliche Synergien, unberücksichtigt lässt.

Demgegenüber ist der Entscheidungswert als subjektiver Grenzpreis im Rahmen einer potentiellen Unternehmenstransaktion zu verstehen. Bei der Ermittlung des Entscheidungswertes werden die individuellen Erwartungen und situationsspezifischen Einflussfaktoren der jeweiligen Partei berücksichtigt wie z.B. höhere erwartete Zahlungsüberschüsse durch Verbundeffekte oder die subjektive Risikoaversion. Somit ist der Entscheidungswert stets auf ein bestimmtes Bewertungssubjekt bezogen und gibt die jeweilige marginale Preisschwelle der Transaktionspartner an, bis zu welcher sich der Abschluss der Transaktion ökonomisch gerade noch lohnt. Er markiert also im Falle des Verkäufers eine Preisuntergrenze, im Falle des Käufers eine Preisobergrenze.

Eine wichtige Annahme für das Multiplikatorverfahren im Allgemeinen und für die im Kapitel 4 vorgestellten empirischen Befunde im Speziellen ist die Informationseffizienz der Märkte. Gemäß dieser von Fama (1970) spezifizierten Hypothese wird ein Markt als (informations)effizient bezeichnet, wenn die auf ihm gebildeten Preise jederzeit alle verfügbaren Informationen vollständig widerspiegeln. Die beobachteten Marktpreise enthalten in diesem Fall alle bewertungsrelevanten Informationen und stellen somit den besten Schätzer für den inneren Wert des Investments dar. Abweichungen des Marktwertes vom inneren Unternehmenswert sind also stets unverzerrt und zufällig.

Der Grad der Informationseffizienz lässt sich hierbei in drei Stufen einteilen: Bei der schwachen Informationseffizienz werden alle verfügbaren historischen Informationen von den Preisen reflektiert. In der mittelstrengen Form sind zusätzlich alle öffentlich verfügbaren Informationen in den beobachteten Preisen enthalten. Bei der strengen Informationseffizienz wird des Weiteren die vollständige Berücksichtigung aller privaten Informationen in den Marktwerten gefordert.

Begründet werden kann die Annahme informationseffizienter Märkte mit dem Arbitragegedanken: Weicht ein Marktpreis vom Wert des Unternehmens ab, so ergeben sich risikolose Gewinnmöglichkeiten. Durch Verkauf von überbewerteten und Kauf von unterbewerteten Finanztiteln werden Ineffizienzen folglich (nahezu) sofort aufgrund der Aufmerksamkeit gewinnmaximierender Investoren beseitigt. Die Ineffizienzen werden hierbei umso schneller korrigiert, je größer die Liquidität auf dem Markt ist, je geringer die Transaktionskosten des Handelns sind und je mehr aufmerksame Anleger die Preisbildung verfolgen. Obwohl die Informationseffizienzhypothese nach wie vor kontrovers diskutiert wird, erscheint somit für die großen Kapitalmärkte (insbesondere für den US-amerikanischen Markt) die empirisch gestützte Annahme vertretbar, dass zumindest Informationseffizienz in ihrer mittelstrengen Form vorliegt.

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die bisherigen Darstellungen haben gezeigt, dass über die Betrachtung der wertrelevanten Faktoren der einzelnen Multiples ein direkter Zusammenhang zwischen Multiplikator- und Zukunftserfolgswertverfahren herzustellen ist, so dass der Kritikpunkt einer mangelnden theoretischen Fundierung der Multiplikatorbewertung entkräftet werden konnte. Weiterhin wurde dargestellt, welche theoretischen Aspekte bei der Anwendung des Verfahrens eine Rolle spielen, und wo die Vor- und Nachteile der jeweiligen Anwendungsoptionen liegen können. In Kapitel 4 werden nun empirische Befunde zur Wertrelevanz des Verfahrens diskutiert vor dem Hintergrund der Fragestellung, welche der jeweiligen Auswahlentscheidungen zu den besten Bewertungsergebnissen führen. Anschließend wird in Kapitel 5 den relevanten theoretischen und empirischen Ergebnissen das Vorgehen in der Praxis gegenübergestellt. [...]

Problematisch sind jedoch die vielfältigen Annahmeverletzungen des linearen Regressionsmodells. Zunächst ist der unterstellte lineare Zusammenhang von Multiplikator und seinen wertbestimmenden Faktoren fragwürdig. Dies verdeutlicht z.B. Gleichung (23), welche eindeutig nichtlineare Zusammenhänge zeigt.169 So ist beispielsweise der Einfluss des Wachstums auf den Multiplikator exponentieller Natur. Infolgedessen wird die Annahme A2 (Linearer Zusammenhang zwischen abhängiger und unabhängiger Variable) des Regressionsmodells verletzt, so dass die ermittelten Schätzwerte für den Multiplikator erheblich verzerrt sein können. Zur Herstellung einer linearen Beziehung wäre somit die Analyse des wahren funktionalen Zusammenhangs zwischen dem Multiple und den Fundamentalfaktoren und darauf aufbauend eine adäquate Transformation der unabhängigen Variablen notwendig.170 Ferner sind die eingehenden Fundamentalfaktoren oft in hohem Maße miteinander korreliert, so dass auch die Annahme A7 (fehlende Multikollinearität der unabhängigen Variablen) nicht erfüllt ist. Beispielhaft sind hier die Faktoren Risiko und Wachstum zu nennen, die nicht voneinander unabhängig sind.171 Somit werden die geschätzten Regressionskoeffizienten aufgrund der resultierenden hohen Standardabweichung unpräzise. Da die Multiplikatoren eine linkssteile Verteilung aufweisen, können auch die Residuen nicht normalverteilt sein, und es liegt somit eine Verletzung der Annahme A8 (Normalverteilung der Residuen) vor. Damit sind Signifikanztests in ihrer Aussagekraft beschränkt und sollten kritisch hinterfragt werden.172 Aufgrund der angesprochenen Approximation einer Normalverteilung bei einer zunehmenden Samplegröße ist diese Prämissenverletzung allerdings weniger schwerwiegend, insbesondere dann, wenn eine Regression über den Gesamtmarkt vorgenommen wird. Schließlich ist noch die Instabilität der Regressionskoeffizienten im Zeitablauf zu nennen, was die Annahme A3 verletzt. Da beispielsweise steigende Zinsen auch steigende Kapitalkosten zur Folge haben, können sich die Steigungsparameter teilweise „drama168 169 [...]

Als unabhängige Variablen können die oben abgeleiteten Fundamentalfaktoren der Multiples verwendet werden, wobei auch hier teilweise wieder das Problem einer geeigneten Operationalisierung der jeweiligen Größen besteht. Die Regression kann dann sowohl für den einzelnen Sektor des Unternehmens als auch für den gesamten Markt durchgeführt werden. Der gesuchte Multiplikator für das Bewertungsobjekt ergibt sich schließlich durch Einsetzen der jeweiligen Fundamentalfaktoren des Zielunternehmens.167 Vorteilhaft an diesem Verfahren ist insbesondere der Verzicht auf die zum Teil willkürlich erscheinende Auswahl vergleichbarer Unternehmen. In diesem Zusammenhang wird auch das Problem einer möglicherweise zu kleinen Anzahl ähnlicher Firmen umgangen, das vor allem bei einer branchenorientierten Selektion der Peer Group besteht. Werden als Regressoren die aus den Zukunftserfolgsverfahren abgeleiteten wertrelevanten Faktoren verwendet, weist die Methodik zudem eine hohe investitionstheoretische [...]

Arbeit zitieren:
Schöttler, Jörg November 2005: Multiplikatorverfahren in der Unternehmensbewertung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Discounted Cash Flow, Unternehmensbewertung, Rechnungswesen, Rechnungslegung, Multiplikator

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