Motopädagogische Verfahren in der Begleitung von Menschen im Vierten Lebensalter
Am Beispiel des Snoezelenansatzes
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Benedikt Bögge
- Abgabedatum: Oktober 2007
- Umfang: 130 Seiten
- Dateigröße: 5,3 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Mainz Deutschland
- Bibliografie: ca. 60
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2760-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bögge, Benedikt Oktober 2007: Motopädagogische Verfahren in der Begleitung von Menschen im Vierten Lebensalter, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Geragogik, Motopädagogik, Modellprojekt Sinneswagen, Senioren, Demenz
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Diplomarbeit von Benedikt Bögge
Einleitung:
Die Idee zu diesem Thema entstand während meiner beiden Praxissemester. Ich leistete die beiden Praxissemester in der Pro Seniore Seniorenresidenz Frankenhöhe in Mainz-Hechtsheim ab. Während des Praktikums fiel mir auf, dass es für immobile, bettlägerige BewohnerInnen meist nur wenig bis gar keine Angebote seitens der psychosozialen Betreuung durch den Sozialdienst gibt. Diesen Zustand wollte ich durch ein gezieltes Projekt für diese Zielgruppe abändern. Also informierte ich mich darüber, welche möglichen Angebote für diese Personengruppe in anderen ähnlichen Einrichtungen angeboten werden. Dabei stieß ich auf die Idee eines mobilen Snoezelenwagens, welcher für Angebote der Einzelfallhilfe für diese Zielgruppe ausgearbeitet worden war. Nach weiterer Recherche entwickelte ich ein Konzept für einen Sinneswagen, der bei dieser Personengruppe eingesetzt werden kann. Dieses Projekt wird als Modellprojekt später in dieser Arbeit noch einmal detaillierter ausgeführt.
Die Gliederung der Arbeit sieht wie folgt aus. Als erstes werden die leitende Fragestellung und die damit verbundenen Hypothesen dargestellt. Danach wird die Zielgruppe definiert. Im Folgenden wird auf die Bildung im Vierten Lebensalter eingegangen. Außerdem findet die biografische Arbeit in der Ausarbeitung Berücksichtigung. Daraufhin wird auf die Motopädagogik und im Speziellen auf den Snoezelenansatz ein weiterer Schwerpunkt gesetzt. Des Weiteren wird das Modellprojekt vorgestellt, woraufhin eine Diskussion über beide dargestellten Ansätze und ein Ausblick die Arbeit abschließt.
Leitende Fragestellung:
Die leitende Fragestellung, der in dieser Arbeit nachgegangen wird lautet:
Ist Motopädagogik, in Form des Snoezelenansatzes oder des Modellprojektes, ein sinnvoller Ansatz der Bildungsarbeit im Vierten Lebensalter? Welche Rolle spielt bzw. wie wichtig ist dabei das biografische Arbeiten?
Hypothesen:
Folgende Hypothesen habe ich aufgestellt, welche ich in der Arbeit überprüfen werde.
Der Einsatz von Motopädagogik ist im Vierten Lebensalter sinnvoll. Es ist ein pädagogischer Ansatz, der speziell für diese Zielgruppe in Form der Motogeragogik schon angewendet wird.
Auch im Vierten Lebensalter spielt der Gedanke des ‘Lebenslangen Lernens’ eine wichtige Rolle. Nur weil Menschen immobil geworden sind, sind sie nicht damit gleichsetzend von der Bildungsarbeit als Zielgruppe auszuschließen.
Es liegt eine Notwendigkeit für biografisches Arbeiten im Vierten Lebensalter vor. Biografisches Arbeiten ist zwar sinnvoll von der Kindheit bis ins hohe Alter, aber speziell für immobile Menschen im Vierten Lebensalter ist biografisches Arbeiten eine notwendige Methode.
Der Einsatz des Snoezelenansatzes bei Menschen im Vierten Lebensalter ist sinnvoll. Der Snoezelenansatz ist aus gutem Grund nicht mehr nur in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen im Einsatz, sondern u.a. auch im gerontologischen Bereich.
Der Ansatz des vorgestellten Modellprojektes bei Menschen im Vierten Lebensalter ist besonders sinnvoll. Das Modellprojekt ist im Gegensatz zum Snoezelenansatz genau auf die Zielgruppe der Menschen im Vierten Lebensalter abgestimmt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 1.1 | Entstehung der Idee zu diesem Thema | 5 |
| 1.2 | Leitende Fragestellung | 5 |
| 1.3 | Hypothesen | 6 |
| 2. | Darstellung der Zielgruppe und deren Abgrenzung zum Dritten Lebensalter | 6 |
| 2.1 | Menschen im Vierten Lebensalter | 6 |
| 2.2 | Immobile Menschen im Vierten Lebensalter | 9 |
| 2.3 | Demenziell erkrankte, immobile Menschen im Vierten Lebensalter | 10 |
| 3. | Bildung im Vierten Lebensalter (Geragogik) | 14 |
| 3.1 | Definition und Erörterung | 14 |
| 3.2 | Anwendungsformen/Beispiele | 22 |
| 3.2.1 | Vielfalt/Facetten der Geragogik | 22 |
| 3.2.2 | Chancen und Möglichkeiten der Bildung im Vierten Lebensalter | 32 |
| 4. | Biografische Arbeit | 35 |
| 4.1 | Definition Biografische Arbeit | 35 |
| 4.2 | Skizzierung der Anwendungsformen Biografischer Arbeit | 36 |
| 4.2.1 | Aussagen über Zweck und Nutzen Biografischer Arbeit | 40 |
| 4.2.2 | Einsatz Biografischer Arbeit mit Schwerpunkt auf Menschen (mit Demenz) im Vierten Lebensalter | 43 |
| 5. | Motopädagogik | 46 |
| 5.1 | Definition und Erörterung | 46 |
| 5.2 | Zielgruppen der Motopädagogik | 54 |
| 5.2.1 | Allgemein | 54 |
| 5.2.2 | Zielgruppe Menschen im Vierten Lebensalter | 55 |
| 5.3 | Bildung im Vierten Lebensalter mit demenziell erkrankten Menschen am Beispiel Biografischer Arbeit mit Snoezelen | 70 |
| 5.3.1 | Definition des Snoezelenansatzes | 70 |
| 5.3.2 | Entstehung und Grundlagen des Snoezelenansatzes | 71 |
| 5.3.3 | Der Weg des Snoezelansatzes in die geriatrische Arbeit | 86 |
| 5.3.4 | Formen des Einsatzes des Snoezelenansatzes in der geriatrischen Arbeit | 88 |
| 5.3.5 | Schwerpunkt des Snoezelenansatzes auf immobile Menschen im Vierten Lebensalter | 90 |
| 6. | Modellprojekt Sinneswagen | 91 |
| 6.1 | Entstehung der Idee und deren Umsetzung | 91 |
| 6.2 | Konzeption des Modellprojektes | 94 |
| 6.3 | Ausstattung des Sinneswagens | 97 |
| 6.4 | Durchführung des Modellprojektes | 98 |
| 6.5 | Ergebnisse des Modellprojektes | 100 |
| 7. | Diskussion + Ausblick | 102 |
| 7.1 | Snoezelenansatz im geriatrischen Bereich (immobiler Menschen im Vierten Lebensalter) und des Modellprojektes im Vergleich | 102 |
| 7.2 | Ausblick | 106 |
| Literaturverzeichnis | 110 | |
| Abbildungs- und Tabellenverzeichnis | 116 | |
| Anhang | 120 |
Textprobe:
Kapitel 5.2, Zielgruppen der Motopädagogik In diesem Kapitel werden die Zielgruppen der Motopädagogik genannt und Einrichtungen in denen Motopädagogik angewandt wird.
Die Motopädagogik kann bei unterschiedlichen Zielgruppen angewandt werden: wahrnehmungs- und bewegungsbeeinträchtigte Kinder, hyperaktive und hypoaktive Kinder, ängstliche und gehemmte Kinder und Jugendliche, aggressive und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, sprachauffällige Kinder und Jugendliche, adipöse Kinder und Jugendliche, Kinder und Jugendliche mit ausgeprägten Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen, sowie mit Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen.
Motopädagogik wird auch in verschiedensten Einrichtungen angewandt: in Beratungs- und Förderstellen z.B. der Frühförderung, Erziehungsberatung und dem Gesundheitsamt; in klinischen Einrichtungen und Krankenhäusern mit speziellen Abteilungen, wie z.B. der Sozialpädiatrie, Neuropädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und im Suchtbereich; in sozial- und heilpädagogischen Einrichtungen z.B. in Heimen, integrativen Kindergärten und Sonderkindergärten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung(-en), sowie Alten- und Pflegeheime; in schulischen Einrichtungen wie z.B. Sonder- und Grundschulen, sowie Schulkindergärten; in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen z.B. in Behindertensportvereinen und Familienbildungsstätten; in Vereinen und Praxen, sowie in Fort- und Weiterbildungseinrichtungen. Also ist die Spannweite der Zielgruppen sehr weit gefächert.
Zielgruppe Menschen im Vierten Lebensalter:
In diesem Unterkapitel wird auf die Motogeragogik bei der Zielgruppe von Menschen im Vierten Lebensalter eingegangen.
‘Bewegung ist Leben oder Leben ist Bewegung’ ist eine Kernthese der Motologie. Darüber hinaus ist Bewegung ein Aspekt der alltäglichen Wirklichkeit und damit des täglichen Lebens. Die individuelle und soziale Wirklichkeit üben Einfluss auf die Bewegung aus. Bei der Motogeragogik wird zwischen vier Dimensionen der Motorik unterschieden:
Die instrumentelle Dimension bezieht sich darauf, dass der Mensch seinen Körper und die damit verbundenen Bewegungsmöglichkeiten benötigt, um handeln zu können. Damit Ziele bzw. Pläne erreicht werden können, muss Bewegung eingesetzt werden. Vor dem Trinken muss z.B. ein Getränk in einen Becher eingegossen und daraufhin der Becher an den Mund geführt werden, der Kopf und der Arm mit der Hand so gehalten werden, dass der Becher den höchsten Punkt einnimmt, so dass das Trinken möglich ist. Also sind bei diesem Vorgang, die unterschiedlichsten Bewegungen nötig, um die Handlung durchzuführen. Im Erwachsenenalter werden die meisten Bewegungen unbewusst eingesetzt, aber mit ansteigendem Alter müssen immer mehr Handlungen bewusst und konzentriert durchgeführt werden, damit sie erfolgreich ausgeführt werden können. Lässt die Feinmotorik nach, werden Handlungen wie z.B. Briefe schreiben und Formulare ausfüllen, erschwert, Nahrungszubereitung, Hausarbeit und Körperpflege sind nicht mehr selbstständig zu erledigen, wenn dann die Selbstversorgung auch mit unterstützender Hilfe nicht mehr gewährleistet werden kann, ist häufig der Einzug in ein Altenheim das Ergebnis.
Die erkundende Dimension zielt auf die Bewegung ab, als Medium um Erkenntnisse über Gegenstände und die physikalische Beschaffenheit der Umwelt zu erzielen. Neue, unbekannte Gegenstände werden mit den einzelnen Sinnen wahrgenommen. Ein Beispiel hierfür ist ein als Elefant geformtes blaues Stück Seife. Es wird in die Hand genommen, gedreht und gewendet. Das Gewicht wird geprüft, der Geruch und wie sich die Oberfläche der Seife anfühlt. Dies sind alles Bewegungshandlungen, die dazu dienen Erkenntnisse und damit Wissen über die Dinge der Welt zu sammeln und wie man mit diesen Gegenständen umgehen kann. Sensomotorische Erkenntnisgewinnung ist ein grundlegender Teil der Intelligenz. Höhere kognitive Funktionen, wie z.B. schlussfolgerndes Denken, abstrakte Zusammenhänge erkennen, gehen bei Abbauprozessen des Gehirns verloren, sensomotorische Erkenntnisgewinnungen jedoch bleiben erhalten. Über dieses materielle Umgehen mit der Umwelt realisiert sich der Umweltbezug einer Person. Leider kann sich diese Art der Erkenntnisgewinnung, wenn sie nicht regelmäßig angewandt wird, mehr und mehr einschränken und in Vergessenheit geraten. Dies grenzt ältere Menschen ein.
Die soziale Dimension meint, dass Bewegung als Medium benutzt wird, um soziale Beziehungen zu verwirklichen. Soziale Kontakte sind ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Wenn Bewegungs- und verbale Kommunikationsfähigkeiten sich verringern, erschwert es die Aufrechterhaltung und Gestaltung von sozialen Beziehungen. Soziale Interaktionen sind für jeden Menschen notwendig, auch wenn verbale Kommunikation durch krankheitsbedingte Einschränkungen erschwert oder unmöglich geworden ist, gibt es weiterhin ein Bedürfnis nach sozialer Nähe.
Die personale Dimension bezieht sich auf die unweigerliche Verbindung von Bewegung und Körper mit der Persönlichkeit eines Menschen. Es gibt eine so untrennbare Verknüpfung zwischen Körper und Psyche, Bewegung und Ich, dass eine wechselseitige Beeinflussung zwischen diesen Teilen stattfindet. Körperliche Behinderungen sowie Mobilitätseinschränkungen können sich im Alter auf das psychische Wohlergehen und sogar auf die Persönlichkeit auswirken. Eine Einschränkung an Handlungsmöglichkeiten, die nicht mehr durchgeführt werden können, muss erst einmal verarbeitet werden. Wenn Bewegung gefördert wird und Bewegungsabläufe wieder durchgeführt werden können, hat dies einen positiven Einfluss auf die Befindlichkeit und auf die Persönlichkeit der älteren Person.
Bei der Motogeragogik sollten nicht allgemeine Normen der Entwicklung aufgestellt werden, sondern das individuelle Verhalten des Individuums mit der Berücksichtigung des kalendarischen Alters Berücksichtigung finden.
Die enge wechselseitige Verknüpfung von somatischem und geistigem, von physiologischem und psychischem Geschehen ist für das Mobilitätsverhalten bei älteren Menschen prägend. Die Altersvariable hat lediglich eine untergeordnete Rolle bei Veränderungen der Reaktionsfähigkeit von Bewegung. Durch spezifische regelmäßige Aktivitäten und Übungen können neurophysiologische Veränderungen, also eine Verlangsamung physiologischer Reizleitungsvorgänge, im Bezug auf die Reaktionszeit kompensiert werden.
Gleichgewichtsfähigkeiten gehören auch zu entwicklungsbedingten Veränderungen, wie die Reaktionsfähigkeit. Durch eine hohe Anzahl von Wahrnehmungs- und Bewegungsmustern können spezifische Gleichgewichtsleitungen erlernt werden. Jedoch wenn diese Wahrnehmungs- und Bewegungsmuster verloren gehen, die mit funkionellem Verlust von vestibulären und kinästhetischen Sinnesleistungen verbunden sind, liegt auch eine Verringerung der Gleichgewichtsleistungen vor. Gleichgewichtsleistungen haben bei älteren Menschen eine lebenswichtige Bedeutung, da Stürze meist zu Knochenbrüchen und damit zu längerfristigen Mobilitätseinschränkungen führen. Deshalb ist eine Förderung der Wahrnehmungs- und Bewegungsmuster in der Motogeragogik wesentlich.
Zum weiteren Verständnis sollten Definitionen der Begriffe Kinästhesie und Vestibulum noch angegeben werden.
Nach dem Brockhaus lautet die Definition von Kinästhesie, ‘kinästhetische Empfindungen [zu griech. Kineĩn >bewegen< und aísthēsis >Empfindung<], Bewegungsempfindungen, Bewegungssinn, Kinästhesie, die Fähigkeit vieler Wirbeltiere und des Menschen, die über Propriorezeptoren wahrgenommene Stellung der Körperteile zueinander sowie Lage und Bewegungsrichtung derselben im Raum (v.a. unbewusst reflektorisch) zu kontrollieren und zu steuern’.
| Die Definition von Vestibularapparat, sowie den Vestibularreflexen und dem Vestibulum lauten nach dem Brockhaus, ‘Vestibular | apparat [v-], Teil des Innenohrs, Ohr.’, ‘Vestibular | reflexe [v-], von Rezeptoren im Innenohr ausgelöste Reflexe, die der Erhaltung des Gleichgewichts dienen. Man unterscheidet die bei ruhiger Körperhaltung auftretenden statischen Reflexe, die bestimmte Haltungen von Körperteilen zueinander oder bestimmte Stellungen des Körpers im Raum bewirken (z.B. das Gegenrollen der Augen bei seitl. Neigung des Kopfs), und die statokinetischen Reflexe, die bei Bewegung auftreten und selbst die Form einer Bewegung annehmen können’ und ‘Vestibulum [v-; lat. >Vorhof<, >Vorplatz<] das, -s/…la, […] 2) Anatomie: Vorhof, […] i.e.S. der Vorhof im Innenohr, der zur Schnecke und den häutigen Bogengängen überleitet und in dem Sacculus und Utriculus liegen’. |
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Bögge, Benedikt Oktober 2007: Motopädagogische Verfahren in der Begleitung von Menschen im Vierten Lebensalter, Hamburg: Diplomica Verlag
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Geragogik, Motopädagogik, Modellprojekt Sinneswagen, Senioren, Demenz



