Motivierende Kurzintervention als Konzept in der Dopingprävention: Eine Analyse der Möglichkeiten und Grenzen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Chantal Höffer
- Abgabedatum: November 2011
- Umfang: 91 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 104
- ISBN (eBook): 978-3-8428-3123-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Höffer, Chantal November 2011: Motivierende Kurzintervention als Konzept in der Dopingprävention: Eine Analyse der Möglichkeiten und Grenzen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Dopingprävention, Motivierende Kurzintervention, Motivierende Gesprächsführung, Suchtprävention, Sport
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Diplomarbeit von Chantal Höffer
Einleitung:
In Deutschland wird seit mehr als zehn Jahren Dopingprävention betrieben. Die diesbezüglichen Maßnahmen werden auf der Ebene der Verhaltens- und der Verhältnisprävention durchgeführt. Die Präventionsarbeit der Nationalen Anti-Doping Agentur für Deutschland (NADA) beschränkt sich vornehmlich auf Wissensvermittlung als Strategie zur Verhaltensänderung (siehe Kap. 2.2.1).
In der Suchtprävention hingegen kommen verschiedene Strategien zum Einsatz, um das Verhalten von Menschen zu ändern. Das Konzept der Motivierenden Kurzintervention (MOVE) wird dabei als besonders erfolgreich angesehen. Es basiert auf den Grundlagen der Motivierenden Gesprächsführung nach Miller & Rollnick (2009), sowie auf dem Transtheoretischen Modell der Verhaltensänderung nach Prochaska, DiClemente und Velicer (vgl. Marzinzik & Fiedler, 2005). Die theoretische Grundlage für MOVE beruht auf der Annahme, dass die Veränderung eines Konsumverhaltens ein Prozess ist, der verschiedene Stadien durchläuft (siehe hierzu auch ginko – Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW, 2008).
Der Bedarf einer Ergänzung und/oder Anpassung der Dopingpräventionsmaßnahmen auf nationaler Ebene, resultiert aus einer Reihe von Studien und Beiträgen, zum Beispiel ‘zur Häufigkeit des Dopings im deutschen Spitzensport’ (Pitsch, Maats & Emrich, 2009, S. 15-19; Dannemann, Meutgens & Singler, 2011, S. 272f.).
Die Notwendigkeit ergänzende Maßnahmen im Bereich der Dopingprävention zu erarbeiten und anzubieten resultiert u.a. aus der Studie des Heidelberger Zentrums. Das Heidelberger Zentrum für Dopingprävention hat anlässlich des Auftrages des Rheinland-pfälzischen Ministeriums des Innern und für Sport, den Stand der Dopingprävention eruiert. Die Einstellungen und Wahrnehmungen der Landesfachverbands-Funktionäre zum Thema Doping und Dopingprävention wurden von Dezember 2008 bis September 2009 mittels Fragebögen und Interviews ebenfalls untersucht (Singler, 2009a; Singler, 2009b; siehe hierzu auch Singler, 2011).
Es gibt bisher kaum wissenschaftliche Studien, die verlässliche Aussagen über die Qualität und Beschaffenheit von Dopingpräventionsmaßnahmen in Deutschland geben. Diese Tatsache wirft u.a. die Frage auf, ob die jeweiligen Bundesfachverbände eine einheitliche Auffassung von Dopingprävention vertreten. Anhand von Stichproben auf ihren Internetseiten wurde die Verwendung des Be-griffs ‘Dopingprävention’ analysiert. Das Ergebnis macht deutlich, dass die Interpretationen des Begriffs bzw. die darunter aufgeführten Maßnahmen große Unterschiede aufweisen (Singler, 2009a). Eine negativpädagogische Orientierung ist z.B. beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und beim Deutschen Schwimmverband (DSV) festzustellen, da Präventionsmaßnahmen ausschließlich als repressive oder informative Interventionen (Dopingkontrollen, Warnungen vor den Gefahren des Dopings etc.) dargelegt werden. Diese Orientierung ist nicht mehr zeitgemäß, da das Augenmerk auf Abschreckung, Information und moralische Appelle gelegt wird (vgl. Hurrelmann, 2006). Das Anti-Doping-Konzept des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) beinhaltet dagegen zusätzlich die Vorstellung einer an sozialen Umweltbedingungen ansetzenden Verhältnisprävention durch Förderung der Handlungskompetenz, Stärkung der Ressourcen etc. und ist demzufolge positivpädagogisch ausgerichtet. Der BDR lehnt sich somit an das Präventionskonzept der Deutschen Sportjugend und des Heidelberger Zentrums für Dopingprävention an (Singler, 2009b, S. 25ff.; siehe hierzu auch Singler & Treutlein, 2010, S. 174).
Die Feststellung, dass zumeist wenig effektive Präventionsmaßnahmen eingesetzt wurden und werden, war Anlass für eine Überprüfung des Standes der Dopingprävention und diesbezüglicher Einstellungen und Motive bei Sportfunktionären in Rheinland-Pfalz. 48 Verbände bzw. Arbeitsgemeinschaften wurden via Kurzfragebogen befragt. 31 Fragebogen wurden beantwortet und zurückgeschickt. Das Ergebnis der schriftlichen Befragung offenbarte, dass die Zuständigkeit für Dopingprävention innerhalb des Sports vornehmlich auf Bundes- und nicht auf Landesebene gesehen und dem Staat keine Zuständigkeit eingeräumt wird. Des Weiteren sind 45% der Befragten für eine Intensivierung der Dopingprävention (Singler, 2009b, S. 34-38).
Das Ziel dieser Untersuchung ist es herauszufinden, ob und inwiefern sich das Konzept der Motivierenden Kurzintervention (MOVE) in die bestehenden Konzepte der Dopingprävention integrieren lässt. Demgemäß werden in Kapitel 2 die Begriffe Doping und Dopingprävention und die Ziele der Dopingprävention beschrieben sowie zwei ausgewählte Konzepte dargestellt. Um das große Themenfeld einzugrenzen, werden sich die Ausführungen ausschließlich auf Deutschland, also auf die nationale Ebene, beziehen.
Kapitel 3 gibt zunächst einen Überblick über die theoretischen Grundlagen des MOVE-Konzeptes. Die wesentlichen Elemente, z.B. die Motivierende Gesprächsführung, sowie die Einsatzbereiche und Evaluation dieses Konzeptes werden ausführlicher beschrieben.
Inwiefern sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus der theoretischen Betrachtung ausgewählter Konzepte der Dopingprävention und der des MOVE-Konzeptes herauskristallisieren lassen, ob es Anknüpfungspunkte gibt und wie ein Transfer aussehen könnte, werden die Kapitel 4 und 5 zeigen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1 | Einleitung | 1 |
| 2 | Dopingprävention in Deutschland | 4 |
| 2.1 | Definition des Begriffs Doping | 4 |
| 2.2 | Dopingprävention | 9 |
| 2.2.1 | Grundgedanke | 9 |
| 2.2.2 | Ziele | 16 |
| 2.2.3 | Ausgewählte aktuelle Konzepte | 17 |
| 3 | Motivierende Kurzintervention (MOVE) | 26 |
| 3.1 | Definition | 26 |
| 3.1.1 | Motivation | 26 |
| 3.1.2 | Transtheoretisches Modell der Verhaltensänderung | 29 |
| 3.1.3 | Motivierende Gesprächsführung | 33 |
| 3.2 | Einsatzbereiche | 38 |
| 3.3 | Ziele | 39 |
| 3.4 | Ergebnisse | 41 |
| 4 | Vergleich der Konzepte | 43 |
| 4.1 | Suchtprävention und Dopingprävention: Eine Gegenüberstellung | 43 |
| 4.2 | Vergleich der Motivierenden Kurzintervention mit dem Konzept der Deutschen Sportjugend | 54 |
| 5 | Diskussion | 58 |
| 6 | Verzeichnisse | 64 |
| 6.1 | Abkürzungen | 64 |
| 6.2 | Abbildungen | 65 |
| 6.3 | Tabellen | 65 |
| 6.4 | Literatur | 66 |
| 7 | Anhang | 73 |
| 7.1 | Expertengespräch mit Dipl.-Sozialpäd. Stefan Becker | 73 |
| 7.2 | Expertengespräch mit Prof. Gerhard Treutlein | 80 |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Einsatzbereiche:
Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Zielgruppe bzw. die möglichen Einsatzbereiche der Motivierenden Kurzintervention.
Das Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht jedes Jahr den Drogen- und Suchtbericht, der Projekte und Maßnahmen der Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung, aktuelle Zahlen und die Entwicklung des Konsumverhaltens in Deutschland dokumentiert. Bei dem aktuellen Bericht aus dem Jahr 2011 liegt ein Schwerpunkt auf Präventionsprojekten für Kinder und Jugendliche. Diesem ist zu entnehmen, dass Erfahrungen mit Alkohol und Drogen trotz rückläufiger Entwicklung nach wie vor bei einem großen Teil der Kinder und Jugendlichen zum Alltag gehören (Bundesministerium für Gesundheit, 2011b; siehe hierzu auch Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), 2011).
Das MOVE-Konzept wurde, wie in Kapitel 3.1 bereits erwähnt, ursprünglich für Kinder und Jugendliche mit riskantem Konsumverhalten entwickelt. Es erweist sich jedoch auch bei Menschen, die keine manifesten Abhängigkeitsprobleme, jedoch riskante Konsummuster aufweisen, als besonders effektiv.
MOVE wendet sich ebenfalls an pädagogische Fachkräfte, die in den verschiedensten pädagogischen Arbeitsfeldern, wie der außerschulischen Jugendarbeit, den Einrichtungen der Jugendhilfe, in Sportvereinen und Streetwork tätig sind. Sie sind durch ihren engen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen besonders prädestiniert, ein problematisches Konsumverhalten frühzeitig wahrzunehmen und entsprechend zu intervenieren (Marzinzik, 2004, S. 2ff.). Neben dem seit 2006 existierenden Fortbildungsangebot für Personen, die in diesen Arbeitsfeldern tätig sind, gibt es seit 2010 ein weiteres Angebot, welches speziell die Gestaltung von Gesprächen mit Eltern suchtgefährdeter Kinder und Jugendliche vorbereiten und trainieren soll (ginko - Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW, 2010) .
3.3, Ziele:
‘Zentrales Ziel suchtpräventiven Handelns ist es, Krankheiten und vorzeitige Todesfälle, die assoziiert sind mit dem schädlichen Gebrauch von legalen und illegalen Substanzen, so weit wie möglich zu verringern. Zusätzlich zu der Verminderung der Krankheits- und Todesfälle ist Suchtprävention darüber hinaus dem Ziel verpflichtet, auch nicht direkt gesundheitsbezogene, negative Begleitformen des Missbrauchverhaltens zu minimieren. Das Jugendalter spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn zu diesem Zeitpunkt werden in der Regel erste Experimente mit psychoaktiven Substanzen durchgeführt und Gebrauchsmuster für den Umgang mit legalen und illegalen Drogen erprobt’ (Marzinzik, 2004, S. 3).
MOVE greift das zentrale Ziel der Suchtpräventionsarbeit auf, das im vorangegangen Zitat beschrieben wurde. Es verfolgt die Intention ein Beratungsangebot für stark konsumierende Jugendliche zu entwickeln, das lebenswelt- und konsumentenorientiert ist.
Im Vordergrund steht der Motivationsaufbau zur Verhaltensänderung bei konsumierenden Kindern und Jugendlichen. Dabei stellt MOVE die Frage, wie motiviert der einzelne Jugendliche ist, sich mit seinem Konsumverhalten und den daraus resultierenden Risiken auseinander zu setzen oder etwas daran zu verändern. Ein wesentlicher Bestandteil ist hierbei auch die Verbesserung der Kommunikation über Konsumverhalten zwischen Kontaktpersonen und Jugendlichen. Um angemessen auf die Situation des Jugendlichen eingehen zu können, ist eine empathische, respektvolle und sachliche Gesprächshaltung eine wesentliche Voraussetzung. Die Kinder und Jugendlichen sollen in ihrer Selbstwahrnehmung und Eigenverantwortung gefördert und somit ihre Ressourcen gestärkt werden. Darüber hinaus will MOVE die Motivation zur Veränderung stärken, gemeinsam mit dem Jugendlichen Ziele formulieren und gegebenenfalls konkrete Pläne vereinbaren (Schwarz, 2004, S. 61ff.). In Kapitel 3.1.3 wurden die wesentlichen Elemente der MI skizziert, welche die Basis der MOVE darstellen, und somit die relevanten Vorgehensweisen zum Motivationsaufbau erläutert. Die kritische Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen mit dem eigenen Konsumverhalten soll durch MOVE gesteigert und darüber hinaus die Inanspruchnahme weiterführender Hilfen durch Beratung, Behandlung und/oder ambulante Reha-Sportgruppen, z.B. für Alkohol- oder Drogenabhängige, gefördert werden (Marzinzik, 2004, S. 5ff.).
Zur erfolgreichen Umsetzung der Ziele ist es unerlässlich, dass die Kooperation zwischen den jeweiligen Institutionen und Ämtern, z.B. der Jugend- und Drogenhilfe, ständig aufrecht erhalten wird. Ebenso wichtig ist das Anbieten von Fortbildungsmaßnahmen für Kontaktpersonen, um Sicherheit im Umgang mit Suchtmittel konsumierenden und auffälligen Kindern und Jugendlichen zu gewinnen. Als aktuelles Beispiel seien die Fortbildungsangebote und Maßnahmen für Lehrer erwähnt, die diese dabei unterstützen sollen, den Kontakt mit Eltern suchtgefährdeter Kinder in ihrem Arbeitsfeld gezielt für Interventionen zu nutzen. Die Fortbildungsteilnehmer lernen Interventionsformen und Strategien kennen, wie sie auffälliges Verhalten bspw. von Jugendlichen ansprechen können. Praxis- und realitätsnahe Simulationen werden geübt, um in schwierigen Situationen, z.B. bei Widerstand, im Gespräch mit den Kindern zu bleiben. Des Weiteren erhalten sie Informationen, welche Fachstellen zur Unterstützung betroffener Kinder in Frage kommen (ginko - Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW, 2010).
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842831230
Arbeit zitieren:
Höffer, Chantal November 2011: Motivierende Kurzintervention als Konzept in der Dopingprävention: Eine Analyse der Möglichkeiten und Grenzen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Dopingprävention, Motivierende Kurzintervention, Motivierende Gesprächsführung, Suchtprävention, Sport




