Motive, Arbeit und Lebensumstände polnischer Migrantinnen, die in Deutschland in privaten Haushalten tätig sind
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marta Galant
- Abgabedatum: Januar 2009
- Umfang: 123 Seiten
- Dateigröße: 1,9 MB
- Note: 2,1
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
- Bibliografie: ca. 75
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2812-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Galant, Marta Januar 2009: Motive, Arbeit und Lebensumstände polnischer Migrantinnen, die in Deutschland in privaten Haushalten tätig sind, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Haushalt, Geschlechterverhältnis, Polen, Migration, Transnationalität
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Diplomarbeit von Marta Galant
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Problematik illegal beschäftigter migrantischer Haushalts- und Putzhilfen in deutschen Privathaushalten. Sie basiert im größten Teil auf sozialwissenschaftlichen Quellen, die untersuchen wie der Arbeitsmarkt Privathaushalt strukturiert ist, wo und warum ein wachsender Beschäftigungsbedarf an ausländischen Putzhilfen besteht und zuletzt, wer diese Putzfrauen sind, warum sie im Ausland illegal tätig sind und wodurch ihr Leben gekennzeichnet wird.
Ich stelle meiner Arbeit vier Thesen voran:
- Der überwiegende Teil bezahlter Hilfen im Haushalt sind Migrantinnen.
- Die Migrantinnen, die in deutschen Privathaushalten arbeiten, halten sich hier illegal auf. Die Arbeitsverhältnisse sind nahezu immer illegal.
- Die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen führt zu einer Umverteilung der Hausarbeit. Diese Umverteilung findet mit der Anstellung von haushaltsfremden Personen statt (Putz -, Haushalts- und Pflegehilfen, Au-Pairs, Babysitter). Dabei bleibt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung unverändert. Die Hausarbeit wird nach wie vor von einer weiblichen Person erledigt.
- Die sozialen Beziehungen zwischen Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen sind meistens gut.
Der empirische Teil meiner Arbeit beschreibt den Arbeitsmarkt Privathaushalt aus der Sicht einer deutschen Arbeitgeberin und von zwei polnischen Putzhilfen. Ich habe hierfür im Zeitraum von Juni 2008 bis September 2008 Interviews mit ihnen durchgeführt. Dafür wurde von mir eine sozialwissenschaftliche Methodentriangulation gewählt, indem ich mich für narrative Interviews und offene Leitfadeninterviews entschieden habe. Basierend auf der Methode vom narrativen Interview wollte ich den Befragten eine Möglichkeit geben, ihre Erlebnisse als zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Die anschließend gestellten Fragen (offene Leitfragen) dienen als Ergänzung. Durch diese Methode konnte ich zuerst die Situation der Befragten klären, um mich später auf die für mich relevante Problematik konzentrieren zu können. Diese sog. ‘Betroffeneninterviews’ hatten als Ziel die Gegenüberstellung der Beziehungen zwischen der Arbeitgeberin und der Arbeitnehmerin im privaten Haushalt sowie die Aspekte von ‘brain drain’ und ‘brain waste’ zu verdeutlichen sowie einige aus der Literatur bekannte Thesen zu analysieren. Zusätzlich zu den Beziehungen in ihren Privathaushalten hinterfragte ich die Lebenserfahrungen und Alltags- sowie Arbeitsstrategien der Frauen. Die Interviewpartnerinnen stammen überwiegend aus meinem Bekanntenkreis.
So konnte ich von Anfang an auf einem bereits bestehenden Vertrauensverhältnis aufbauen. Obwohl es sich um ein heikles Thema (illegale Beschäftigung, Leben in der Illegalität etc.) handelt, das in der Öffentlichkeit nach wie vor tabuisiert wird, waren die Interviewten bereit, auf meine Fragen zu antworten. Die jeweiligen Gespräche dauerten bis zu zwei Stunden. Sie wurden auf Deutsch und Polnisch geführt. Sie haben meistens in der Wohnung der Betroffenen stattgefunden. Im Haushalt der interviewten Arbeitgeberin (Barbara S.) waren zu dieser Zeit ihre Kinder anwesend. Aus diesem Grund wurden unsere Gespräche mehrmals unterbrochen. Im Zimmer (Wohnort) einer Arbeitnehmerin (Sylwia Nowak) waren keine anderen Personen anwesend. Das einzige Gespräch mit der zweiten Arbeitnehmerin (Hanna Kowalska) fand in einer Cafeteria in der Nähe der Universität statt. Obwohl dort auch andere Menschen anwesend waren, konnten wir uns ungestört unterhalten. Die Gespräche wurden entweder schriftlich dokumentiert oder teilweise mithilfe eines MP3-Players aufgenommen. Ich habe aus Gründen der Anonymität keine Fotos gemacht. Die Namen und Adressen der Befragten wurden auf ihren Wunsch geändert. Alle Interviews liegen transkribiert vor.
Als interviewte Arbeitnehmerinnen wählte ich (Pendel-) Migrantinnen aus Polen. Ich komme selbst aus diesem Land und schon als zehnjähriges Kind konnte ich die weibliche Arbeitsmigration nach Deutschland an meiner Mutter und ihren Freundinnen beobachten. Im Laufe der Zeit hat sich die Situation insofern geändert, dass die in den deutschen Privathaushalten als Putzfrauen arbeitenden polnischen Migrantinnen, die ich direkt oder indirekt kenne, überwiegend über eine hohe Ausbildung verfügen, meist Single sind und wie viele deutsche Frauen nach einer Karriere in ihrem erlernten Beruf streben bzw. strebten.
Obwohl ich mich im Rahmen dieser Diplomarbeit auf die Motive, die Arbeit und die Lebensumstände polnischer Migrantinnen, die in Deutschland in privaten Haushalten tätig sind, konzentriere, entschied ich mich zusätzlich zu den Interviews mit einer deutschen Arbeitgeberin, um die analysierte Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen zu können.
Als Grundlage dient aber im Wesentlichen die Analyse bestehender Literatur zum Untersuchungsgegenstand sowie im weiteren die Auswertung von empirischen Studien und Datenmaterial.
Die vorliegende Diplomarbeit ist inhaltlich in drei Teile gegliedert.
Im ersten Teil, der die Kapitel zwei und drei umfasst, wird die politische Situation Polens thematisiert. Kapitel zwei beinhaltet eine Darstellung der Entstehung neuer Migration in Bezug auf die politischen Veränderungen in Polen, die mit der Systemtransformation und allgemeinen Verarmung der gesamten polnischen Bevölkerung im Zusammenhang stehen. Es wird insbesondere auf die Frauenerwerbslosigkeit eingegangen und die daraus resultierende Pendelmigration nach Deutschland. In diesem Kapitel werden die Push-Faktoren der Migration wie ökonomische Krise, Arbeitslosigkeit und Armut erläutert. Kapitel drei stellt die wichtigsten europäischen, politischen Ereignisse seit dem Jahr 1989 dar. Sowohl die visumfreie Einreise nach Deutschland ab dem Jahr 1989 als auch der Beitritt Polens in die Europäische Union im Jahr 2004 und schließlich die Unterzeichnung des Schengener Abkommens im Jahr 2007 brachten viele Vorteile für die (Pendel)-Migrantinnen aus Polen, die in deutschen Privathaushalten einer Beschäftigung nachgehen.
Im zweiten Teil werden vor allem die wirtschaftlichen Aspekte des Phänomens der Anstellung migrantischer Putzhilfen in privaten Haushalten Deutschlands vorgestellt. Dementsprechend werden die Pull-Faktoren der Migration - also die Aspekte der rasch zunehmenden Nachfrage nach Haushaltsbetreuungsleistungen in den reichen Zentren bzw. bei den wohlhabenden Gesellschaften - charakterisiert. Mithilfe der Literaturrecherchen zu den Themen ‘Geschichte der Hausarbeit’ und ‘Arbeitsteilung im Haushalt’ gehe ich im Kapitel vier mit der Definition des Begriffs Hausarbeit einem komplexen Thema nach. Dieses Kapitel diskutiert unter anderem die Wanderungsprozesse und die Arbeitsteilung im Privaten. Dementsprechend wird z. B. die Analyse von Barbara Thiessen mit dem aktuellen Forschungsstand zu diesem Thema vorgestellt. Dieses Kapitel beinhaltet zugleich die Problematik der Frauenerwerbsarbeit und die daraus resultierende Doppelbelastung von deutschen Frauen, die letztendlich zur Anstellung einer Haushaltshilfe führt. Des Weiteren enthält Kapitel vier und das nachfolgende Kapitel fünf eine zusammenfassende Betrachtung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen in privaten Haushalten. Dementsprechend wird im Kapitel vier die Arbeitsteilung im privaten Bereich als typisch weibliches Strukturmerkmal und als Quelle der Ungleichheit vorgestellt. Dabei gehe ich hauptsächlich den Profilen der Haushaltsarbeiterinnen genauer nach.
Kapitel fünf stellt dann im Wesentlichen das Alltagsleben in Deutschland arbeitender (Pendel-) Migrantinnen dar und öffnet damit den dritten Teil der vorliegenden Diplomarbeit, in dem die soziale Lage sowohl der Arbeitnehmerinnen als auch ihrer Arbeitgeber thematisiert wird. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Lösungsstrategien von polnischen Frauen, die als (Pendel-) Migrantinnen in deutschen privaten Haushalten als Putzfrauen tätig sind. Im Kapitel 6 wird der Frage nachgegangen, wie die Alltagsabhängigkeiten zwischen Frauen funktionieren. Abschließend beschreibe ich in diesem Kapitel die Entstehung von transnationalen Haushalten und transnationalen Mutterschaftsarrangements. Darüber hinaus sollen die zentralen Ergebnisse der Doing Gender und Doing Ethnicity kurz betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 1 | |
| 1. | Einleitung und methodische Vorgehensweise | 1 |
| 2. | Neue Migration (Pendelmigration, Feminisierung der Migration) | 5 |
| 2.1 | Ursachen der neuen Migration | 6 |
| 2.2 | Systemtransformation in Polen, Verarmung und Frauenerwerbslosigkeit | 9 |
| 2.2.1 | Polnische Putzfrauen der ersten und zweiten Generation | 11 |
| 3. | Entwicklung und Veränderung der rechtlichen Lage für die polnischen Migrantinnen in Deutschland | 14 |
| 3.1 | Visumfreie Einreise in die BRD (ab 1989) | 15 |
| 3.2 | EU- Osterweiterung | 15 |
| 3.3 | Das Schengener Abkommen | 17 |
| 4. | Der neue Arbeitsmarkt: Der ‘private Haushalt’- Rückkehr zur Dienstbotengesellschaft | 19 |
| 4.1 | Begriff der Hausarbeit aus soziologischer Sicht | 23 |
| 4.2 | Veränderungen im deutschen Haushalt | 26 |
| 4.2.1 | Heutige Arbeitsgeberinnenhaushalte | 27 |
| 4.2.1.1 | Ein Fallbeispiel: Barbara S. und ihr Haushalt | 29 |
| 4.2.2 | (Keine) Partnerschaftliche Aufteilung der Haus- und Familienarbeit in der deutschen Gesellschaft | 29 |
| 4.3 | Vereinbarkeit Familie und Beruf | 34 |
| 4.3.1 | Frauenerwerbsarbeit und die Doppelbelastung der Frau | 36 |
| 4.4 | Anstellung einer Haushaltshilfe als eine Notlösung | 37 |
| 5. | Das Alltagsleben in Deutschland arbeitender (Pendel-) Migrantinnen | 41 |
| 5.1 | Polnische Migrantinnen als Putzhilfen in deutschen Privathaushalten : Zwei Fallbeispiele | 42 |
| 5.1.1 | ‘Brain drain’ und ‘brain waste’ am Beispiel einer polnischen Studentin und Putzfrau. Geschichte von Hanna Kowalska | 42 |
| 5.1.2 | Sylwia Nowak - polnische (Pendel-) Migrantin - ein Fallbeispiel | 44 |
| 5.2 | Wohnverhältnisse | 46 |
| 5.3 | Freizeit und Freunde | 49 |
| 5.4 | Wohlbefinden, Gesundheit und Krankheit sowie Emotionen | 50 |
| 5.5 | Arbeitsverhältnisse und Erfahrungen mit den Arbeitgebern | 55 |
| 5.6 | Leben und Arbeit in der Schattenwelt und der Illegalität | 60 |
| 6. | Alltagsabhängigkeiten zwischen Frauen. Zur Entstehung von transnationalen Haushalten und transnationalen Mutterschaftsarrangements | 65 |
| 6.1 | Bedeutung der Begriffe Transnationalität, transnationaler sozialer Raum und Transmigration | 65 |
| 6.2 | Transnationale Netzwerkbildungen | 67 |
| 6.3 | Transnationale Dienstleistungen im deutschen Privathaushalt | 70 |
| 6.3.1 | Verhältnisse im Privathaushalt (Gemeinsamkeiten, Abhängigkeiten, Machtverhältnisse) | 70 |
| 6.3.2 | Doing Gender und Doing Ethnicity | 72 |
| 6.4 | Mutterschaft auf Distanz. Transnationale Haushalte und Mutterschaften | 73 |
| 6.4.1 | Folgen der (Pendel-) Migration für die im Herkunftsland verbliebenen Familien | 75 |
| 6.5 | Institutionelle Ebenen transnationaler Dienstleistungen | 76 |
| 7. | Zusammenfassung | 79 |
| Literaturverzeichnis | 83 | |
| Abbildungsverzeichnis | 91 | |
| Tabellenverzeichnis | 91 | |
| Anhangsverzeichnis | 91 | |
| Anlage 1: Gespräche mit einer polnischen Putzfrau Sylwia N. | 92 | |
| Anlage 2: Gespräche mit einer deutschen Arbeitgeberin Barbara S. | 106 | |
| Anlage 3: Gespräch mit einer polnischen Studentin Hanna K. | 110 | |
| Anlage 4: Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung-EU für Staatsangehörige der neuen EU-Mitgliedstaaten | 113 | |
| Anlage 5: Minijobregelung | 116 |
Textprobe:
Kapitel, 5.3. Freizeit und Freunde:
Viele Berichte über ausländische Putzfrauen erzählen hauptsächlich von ihren Arbeitsverhältnissen und Erfahrungen mit den Arbeitgebern sowie von Illegalität und den Problemen des Alltags. Zwischen allen arbeitsabhängigen Aspekten wird wenig auf die Freizeit und Freundschaftsverhältnisse dieser Frauen eingegangen. Die Freizeit und gemeinsame Erlebnisse mit den Freunden geraten infolge von Arbeitsbelastung ins Hintertreffen. Sie spielen jedoch eine sehr wichtige Rolle im Leben einer Migrantin.
Freizeit hat im Leben einer migrantischen Putzhilfe hat mit Spaß und Freude nicht viel zu tun. Statt Erholung muss viel erledigt werden. Während des Aufenthalts in Deutschland kümmert sich eine pendelnde Migrantin um die Besorgungen für die Familie im Herkunftsland. Befindet sie sich im Heimatland, übernimmt sie die Rolle der Ehefrau und/oder Mutter. Für die Zeit ihrer Abwesenheit richtet sie die Familie und den Haushalt so ein, dass die Familie allein auskommen kann. Es wird vor allem viel geputzt und vorgekocht, damit sich die Mitglieder der Familie durch ihre Abwesenheit nicht benachteiligt fühlen. Die (Pendel-) Migrantin organisiert sowohl, die Betreuung für die kleinen Kinder, als auch die schulischen und haushaltsbezogenen Verpflichtungen im Voraus. Obwohl sie momentan nicht als Putzhilfe arbeitet, weil sie nicht im Ausland, sondern zu Hause ist, hat sie keine Verschnaufpause. Die Tätigkeiten, die sie vor Ort erledigen muss, haben im Endeffekt mit Freizeit und Erholung nichts zu tun. In der Regel sind nur Feiertage wie Weihnachten, Silvester und Ostern wirklich freie Arbeitstage einer Migrantin.
‘Mein Urlaub ist dann, wenn ich zuhause bin. Er sieht meistens so aus, dass ich meinen Haushalt führe und meine Familie versorge. Ich bin eine Mutter und Hausfrau. Die Zeit zu Hause ist mein schönster Urlaub.’ (Sylwia N.).
Freizeit während des Aufenthaltes in Deutschland kommt zwar nicht oft vor und manchmal sogar nur ungewollt und überraschend. Es passiert z.B. im Falle des vorher nicht angekündigten Urlaubes von Arbeitgebern. Simone O. berichtet von einer Regelung, die allen Putzfrauen bekannt ist. ‘Wer nicht arbeitet, sei es, weil sie auf eigenen Wunsch ausfällt oder weil die Arbeitgeber verreist sind, verdient in der Regel auch nichts’. Weil es sich meistens um illegale Arbeitsverhältnisse handelt, wird kein offizielles Urlaubsgeld ausgezahlt.
In einem Monat muss Sylwia N. so viel verdienen, dass sie einen weiteren Monat in Polen finanziell auskommen kann. Demzufolge kann sie sich einen Ausfall der Arbeit zum Urlaubszweck nicht leisten. Sie berichtet, dass für sie die Sommermonate finanziell nicht attraktiv sind. Die Arbeitgeber verreisen und oft hört sie, dass sie in dieser Zeit nicht kommen muss.
‘Es ist sehr ärgerlich. Meine Kosten und Rechnungen sinken im Sommer nicht, aber niemand nimmt Rücksicht auf mich, Keinen interessiert es, ob ich genug Geld habe oder nicht. Ich kriege Urlaub, ob ich will oder nicht. Neulich hat mich der Urlaub von einer Arbeitgeberin 120€ gekostet. Manchmal möchte ich laut sagen, dass ich nicht aus Spaß oder Langeweile putzte. Aber ich will mich nicht jedes Mal streiten’.
Während des Aufenthalts in Deutschland konzentriert sich Sylwia N. vor allem auf ihre Arbeit. Sie hat keinen ganzen freien Tag. Trotz viel Beschäftigung erzählt sie mit Begeisterung über ihre engsten Freundinnen.
‘Außer meiner Cousine und ihrer Familie habe ich in Hannover einen kleinen Freundschaftskreis. Es sind 3 Freundinnen, denen ich vertraue und auf die ich zählen kann. Wir treffen uns oft freitags oder samstags am Abend, dann gehen wir meistens tanzen. Sonntags versuchen wir gemeinsam in die Kirche zu gehen und im Sommer ins Schwimmbad. Manchmal bin ich zu müde zum Feiern, aber wenn wir uns schon treffen, genieße ich diese Zeit. Obwohl ich weiß, dass ich am nächsten Tag sehr müde zur Arbeit gehe, während die meistens noch ausschlafen. Aber ich kann auch nicht nur arbeiten.’ Wohlbefinden, Gesundheit und Krankheit sowie Emotionen:
Sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als auch in der Presse und anderen Medien werden die Migrantinnen als ‘die modernen Sklavinnen’ oder ‘neuen Dienstmädchen im Zeitalter der Globalisierung’ bezeichnet. Obwohl die Migrantinnen ihre Entscheidung selbst treffen, werden sie als Opfer der modernen Zeiten bezeichnet. Die Entscheidung für die Migration wird damit begründet, dass sie nicht dauerhaft sondern nur als vorübergehend betrachten wird. Sobald die finanziellen Probleme beseitigt sind, ist in der Regel eine Rückkehr ins Heimatland vorgesehen. In der Wirklichkeit zieht sich die Migration über mehrere Jahre. Als Priorität betrachten die Arbeiterinnen nicht die Gesundheit oder das eigene Wohlbefinden, sondern die Arbeit und die finanziellen Vorteile. ‘Denn eine gute körperliche Verfassung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um sich überhaupt auf diesen Weg machen zu können’. Vielen Putzfrauen sind zu Beginn der Migration die gesundheitlichen Folgen der harten Arbeit nicht bewusst. Aufgrund der zahlreichen Putzstellen arbeiten sie zu viel und zu schwer. Es wird abends, sonntags und an den Feiertagen gearbeitet. Daraus entstehen im Laufe der Jahre gesundheitliche Probleme. ‘Die körperlichen Auswirkungen werden mit Schulter- und Nackenschmerzen sowie Rückenbeschwerden beschrieben’. Die Migrantinnen streben so sehr nach der Verbesserung der momentanen finanziellen Notlage, dass sie die eigene Gesundheit völlig vergessen. Die zukünftige finanzielle Absicherung und/oder Altersvorsorge bleiben fast unbeachtet.
‘Ich habe dauerhafte Probleme beim Atmen. Besonders in den Wintermonaten leide ich unter verstopfter Nase und Husten. Am Anfang dachte ich, es ist Grippe oder eine Erkältung. Ich ernährte mich fast nur von Honig, Zitrone, Zwiebeln und trank Holundersaft und Bronchialtee. Beim Arzt war ich erst in Polen. Ich bin hier nicht krankenversichert und müsste sonst viel Geld bezahlen. Ich versuchte es immer mit häuslichen Arzneimitteln. Es hat meistens vorübergehend geholfen.’(Sylwia N.).
Ebenso wie meine Interviewpartnerin berichtet Rerrich von den Migrantinnen, die keine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben. Auch sie haben gewartet, bis sie wieder in Polen sind.
‘Letztes Jahr - statt mit den Kindern Urlaub zu machen - lag ich einen Monat lang mit Lungenentzündung. Wäre ich früher beim Arzt gewesen, hätte ich es vielleicht verhindern können. In der letzten Zeit verbringe ich meine Aufenthalte in Polen nur noch bei den Ärzten. Ich habe erfahren, dass ich auf Katzen- und Meerschweinchenhaare allergisch bin und musste ein paar Putzstellen verlassen. Bei einem Arbeitgeber war es ganz schlimm. Er hat 3 Meerschweinchen. Ich wurde sofort rot und bekam keine Luft. Obwohl ich noch ein paar Male bei ihm geputzt habe, habe ich mich endlich entschlossen, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Ich bin nicht mal 40 Jahre alt und schon fühle ich mich wie eine Rentnerin. Vor 3 Jahren hatte ich starken Haarausfall. Ich dachte, es sei stressbedingt, weil ich zu dieser Zeit die Führerscheinprüfung nicht bestanden habe. Letzten Monat, nach einer weiteren ärztlichen Untersuchung, wurde bei mir eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt. Manchmal möchte ich nur weinen. Es sind die gesundheitlichen Folgen meiner Migration!’ (Sylwia N.).
Frau N. sagte weiter, sie hätte Angst, irgendwann aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeitsverhältnisse beenden zu müssen. Sie hat in Polen eine private Kranken- und Rentenversicherung abgeschlossen. Sie ist zwar teurer als eine gesetzliche Krankenkasse, aber als langjährige Arbeitslose ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld und spätere Rente wollte Frau N. eine finanzielle Vorsorge treffen.
Die Hausarbeit ist mit Zeitaufwand, Last und Mühsam verbunden. Zudem müssen sich die Putzfrauen oft mit psychischen Belastungen auseinander setzen. Die Arbeit ist oft sehr monoton, weil die Frauen dabei meist allein sind und keine beruflichen bzw. sozialen Kontakte haben. Zu den häufigsten Gründen der Depression gehört die Einsamkeit. Die Migrantinnen verlassen ihre Familien und Kinder und fangen ein neues Leben in einer unbekannten Umgebung an. Aufgrund ihrer Illegalität leiden sie zusätzlich unter Angst und Stress. Sie müssen jeder Zeit mit einer Zollkontrolle am Arbeitsplatz sowie polizeilicher Überprüfung rechnen. ‘Am Anfang weint Frau Figa auf der Straße, weil sie sich so verloren und ängstlich fühlt’.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836628129
Arbeit zitieren:
Galant, Marta Januar 2009: Motive, Arbeit und Lebensumstände polnischer Migrantinnen, die in Deutschland in privaten Haushalten tätig sind, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Haushalt, Geschlechterverhältnis, Polen, Migration, Transnationalität



