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Das Motiv des Doppelgängers in der deutschen Romantik und im russischen Realismus

(Hoffmann, Chamisso, Dostojewskij)

Das Motiv des Doppelgängers in der deutschen Romantik und im russischen Realismus
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Agnes Derjanecz
  • Abgabedatum: August 1998
  • Umfang: 79 Seiten
  • Dateigröße: 3,3 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1538-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1538-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1538-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Derjanecz, Agnes August 1998: Das Motiv des Doppelgängers in der deutschen Romantik und im russischen Realismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Magisterarbeit von Agnes Derjanecz

Einleitung:

Der Doppelgänger ist ein altes Motiv. Es spielt bereits im Glauben der Naturvölker eine Rolle: sie haben sich die Seele als ihr zweites Ich (double) vorgestellt, dessen Trennung vom Körper den Untergang des Individuums verursacht. Das zweite Ich übernahm auch schützende Funktionen, so der daimon bei den antiken Griechen, der auch in Platos Schöpfungsmythos beschrieben wird oder der genius in der römisch-antiken Mythologie, der den Menschen beseelt. Im antiken Denken betritt jeder Mensch die Erde mit einem unsichtbaren geistigen Doppelgänger, der ihn zeitlebens begleitet, schützt und zu seiner Bestimmung und Entfaltung leiten will.

In vielen Schöpfungsmythen ist der Mensch, der nach dem göttlichen Ebenbild geschaffen wird, 'Doppelgänger' seines Schöpfers,was auch die Umkehrung zuläßt, daß der Mensch sich seine Götter als ideales Ebenbild selbst erschafft und unerreichbar macht. Diese Gottähnlichkeit ist jedoch ein zweischneidiges Schwert: sie ist einerseits Auszeichnung, andererseits aber auch Herausforderung. Das göttliche Ebenbild wird zum Wunschbild, indem es etwas Unerreichbares in sich verbirgt.

Auch in der Literatur läßt sich das Alter ego bis zu den Anfängen zurückverfolgen: die Ähnlichkeit zweier Personen verursacht schon in der Antike - zum Beispiel in den Komödien Plautus`- Konflikte oder komische Situationen in den Verwechslungs- oder Zwillingskomödien. Hier ist die doppelgängerische Identität biologisch bestimmt und daher objektiv vorgegeben. In der Lustspieltradition der Antike kommt es am Ende immer zu einer wohlwollenden Auflösung der Verwirrung zwischen den beiden, visuell ähnlichen Gestalten.

Das Motiv begegnet uns zur Zeit der deutschen Romantik am häufigsten, wobei seine psychologische Interpretation in den Vordergrund tritt und die Aufhebung der Einmaligkeit des Individuums eine bedeutende Neubelebung und Umdeutung erfährt.

Doppelgängergestalten erscheinen oft in Märchen oder im Rahmen der phantastischen Literatur, die das Wunderbare und das Unheimliche in einer Weise darstellt, die die Leser und Figuren zwischen Realität und Imagination unschlüssig werden läßt. So wird es ermöglicht, daß ein Alter ego in verschiedenen Formen auftritt, handelt oder sich in anderen Dimensionen bewegt.

Diese Arbeit nimmt sich vor, die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Motivs in der deutschen Romantik und dem russischen Realismus in drei Werken (Adelbert von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, E.T.A. Hoffmann: Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde und F.M. Dostojewskij: Der Doppelgänger) zu untersuchen. Dabei werde ich versuchen, die Variationsmöglichkeiten der Verdoppelung in der literarischen Darstellung zu zeigen. Die Interpretation der drei Werke - mittels des Motivs - ermöglicht auch den Vergleich zwischen zwei Epochen der Literatur und den beiden Kulturkreisen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Begriffsklärung 4
3. Der Jungsche Schatten 6
4. Adelbert von Chamissos Held ohne Schatten
4.1 Das Schattenmotiv in der Forschungsliteratur 8
4.2 Das Symbol des Schattens: Schattenvorstellungen 12
4.3 Peter Schlemihls Schatten 13
4.4 Schlemihls Persönlichkeit vor dem Schattenverkauf 16
4.5 Schlemihls Schattenlosigkeit 18
4.6 Herr Johns Welt: Geld und Schein 19
4.7 Die Ambivalenz des Schattensymbols bei Chamisso 21
4.8 Mina und Bendel als Vertreter echter menschlichen Werte 22
4.9 Der eigentliche Teufelspakt 24
4.10 Schlemihls Versöhnung mit seinem Schicksal - der Weg in die soziale Isolation 25
4.11 Parallelen zu Adelberts Fabel 28
4.12 Aufklärerische, romantische und realistische Züge der Novelle 29
4.13 Die literarische Rezeption 31
5. E. T. A. Hoffmanns Doppelgänger
5.1 Einführung 32
5.2 Das Spiegelbild als Indiz der Ich-Spaltung 33
5.3 Die Abenteuer der Silvesternacht 36
5.4 Die Figur des Enthusiasten 38
5.5 Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild 39
5.5.6 Giulietta bzw. Julie im Kontrast zur frommen Hausfrau 42
5.5.7 Die Verwandtschaft der drei Figuren - zur Struktur der Abenteuer 44
5.5.3 Über die Nähe zu Chamissos Schlemihl 48
5.5.4 Realismus und Märchenhaftigkeit 50
6. Fjodor Dostojewskij: Der Doppelgänger
6.1 Einführung 52
6.2 Inhaltsangabe 53
6.3 Die verschiedenen Interpretationen des Romans 54
6.4 Bruch mit der literarischen Tradition 55
6.5 Goljadkin vor dem Erscheinen des Doppelgängers 57
6.6 Das erwünschte und verwünschte Ich 59
6.7 Zwischen Halluzination und Realität 60
6.8 Original und Kopie 62
7. Ein Schlußwort als Zusammenfassung 63
Literaturverzeichnis 67

Arbeit zitieren:
Derjanecz, Agnes August 1998: Das Motiv des Doppelgängers in der deutschen Romantik und im russischen Realismus, Hamburg: Diplomica Verlag

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