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Moralentwicklung und Bindung

Moralentwicklung und Bindung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katharina Stecher
  • Abgabedatum: September 1998
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 6,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1657-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1657-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1657-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stecher, Katharina September 1998: Moralentwicklung und Bindung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kognitive Entwicklung, Moral, Empathie, Bindungsforschung, Affekt

Diplomarbeit von Katharina Stecher

Gang der Untersuchung:

Den ersten Teil der Arbeit bildet die kognitive Entwicklungstheorie Lawrence Kohlbergs. Sein Stufenmodell der Moralentwicklung fußt auf Piagets strukturgenetischem Ansatz. Ähnlich wie Piaget geht Kohlberg von der Parallelität der Entwicklung mentaler Prozesse und des moralischen Urteilsvermögens aus. Er zielt nicht darauf ab, Inhalte des moralischen Urteils, sondern die Strukturen der Denkoperationen zu erfassen. Seiner Theorie zufolge resultiert Entwicklung aus den in Auseinandersetzung mit der Umwelt hervorgebrachten Rekonstruktionen der Realität. Kohlbergs Bestimmung der ersten vier Stufen liegt die Beschreibung der Entwicklung anhand realer Urteile zugrunde. Zur Vermeidung des sog. naturalistischen Fehlschlusses verortet Kohlberg die höchsten Stufen, das Entwicklungsziel, im Idealen. Auf der postkonventionellen Ebene setzt er die Einsicht in die Legitimität von Regeln als Motiv für moralisches Handeln voraus. Zudem postuliert er die Einheit von moralischem Urteil, moralischer Motivation und moralischem Handeln.

Im Anschluß an die Stufentheorie wird die Frage der Abgrenzung von Philosophie und Psychologie, sowie der - nachgewiesen monotone - Zusammenhang von moralischem Urteil und Handeln problematisiert.

Die Bedeutung der Emotion wird im zweiten Teil der Arbeit ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Im sozio-kulturellen Kontext wird der Zusammenhang von Emotion und Handeln beleuchtet. Die Emotion erscheint als wichtige Determinante für das Handeln. Das Kapitel widmet sich vorrangig Hoffmans Affekttheorie der Moralentwicklung. Das Konzept der Empathie, die sich als Ursprung des moralischen Handelns erweist, wird elaboriert.

Die Affekte sind für die Auslösung der Empathie via Affektausdruck ursächlich. In Anlehnung an Bischof-Köhler gilt es, Empathie von Affektansteckung zu unterscheiden.

Hoffman beansprucht nicht, alle Aspekte der Moral zu erfassen. Sein auf Empathie ausgerichteter Ansatz weist eine gewisse Komplementarität zur kognitiven Moraltheorie Kohlbergs auf.

Die Darlegung verschiedener Aspekte von Krauses Affekttheorie ermöglicht ein differenziertes Verständnis nicht nur der Affekte und ihres Ausdrucks, sondern auch der frühen Affektstörungen. Die im Kontext der Moral relevanten Ausfälle oder Hypertrophien von Gefühlen wie Schuld und Scham deuten auf den Stellenwert der Bindung hin .

Es kann festgehalten werden, daß sowohl die Auseinandersetzung mit Kohlbergs Theorie als auch die Analyse der Affekte von Hoffman bis Krause auf die Signifikanz der Bindung und des Selbst verweisen.

Der dritte Teil der Arbeit widmet sich daher der Bindungstheorie. Diese erklärt die Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Bindungsfigur und der kindlichen Entwicklung. Die Interaktionen mit den Bezugspersonen schlagen sich nieder in komplementären Selbstbildern; diese verfestigen sich zu kognitiven Strukturen. Die inneren Arbeitsmodelle spiegeln soziale Erfahrungen wider und prägen Verhaltenserwartungen. Bindungstheorie stellt sowohl den Einfluß kindlicher Temperamentsunterschiede als auch traumatischer Lebensereignisse nicht in Abrede. Sie will nicht als deterministische Theorie verstanden sein, sondern vielmehr als eine klinische, die Aufschluß über Muster, Strukturen und damit Anleitung zum (therapeutischen) Handeln gibt.

Die Zusammenhänge von sicherem Bindungsmuster und Erfahrungen mit primären Bezugspersonen sind dargelegt.

Diese Wertschätzung von Bindungsbeziehungen spannt erneut den Bogen zu Carol Gilligan (s. Kohlberg-Kapitel), die zusammen mit Grant Wiggins die Koaleszenz von Bindung und moralischer Entwicklung reformuliert im Sinne einer Erweiterung des älteren Ansatzes.

Das abschließende Kapitel dient zur Darlegung von Verbindungslinien zwischen den vorgestellten Entwicklungstheorien.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Eine kognitive Theorie der Moralentwicklung 6
2.1. Die Stufen der moralischen Entwicklung nach Kohlberg 8
2.2. Entwicklungsfaktoren 11
2.3. Kritik an Kohlbergs Theorie 12
2.4. Gerechtigkeit versus Fürsorge 17
2.5. Kontroverse zu Gilligan 19
3. Emotion 22
3.1. Exkurs: Handlung und Emotion 23
3.2. Die Affekttheorie der Moralentwicklung nach Hoffman 28
3.2.1. Das moralische Motiv 29
3.2.1.1. Phylogenetische Grundlagen 29
3.2.1.2. Empathie 31
3.2.1.3. Empathische Erregung 32
3.2.1.4. Die Anfänge der sozialen Kognition 33
3.2.1.5. Entwicklungsstufen der Empathie 34
3.2.2. Empathischer und sympathischer Distreß 37
3.2.3. Exkurs: Gefühlsansteckung versus Empathie 37
3.2.4. Kausalattributionen und ihr Einfluß auf den empathischen Affekt 41
3.2.5. Empathie als moralisches Motiv? 42
3.2.6. Grenzen einer Affekttheorie der Moral 43
3.2.7. Empathie, Gerechtigkeit und Moral 43
3.2.8. Empathie und Rawls Prinzipien 44
3.2.9. Empathie und Sozialisation 46
3.2.9.1. Der induktive Erziehungsstil 46
3.2.9.2. Hoffmans Modell der Entwicklung von Schuldgefühlen 48
3.2.9.3. Die Bedeutung der Peer Group 48
3.2.9.4. Moralische Internalisierung 49
3.3. Empathie als negativer Affekt 50
3.4. Eine differenzierte Analyse des Affektausdrucks und der Affekte 51
3.4.1. Das Affektsystem 52
3.4.2. Die Primäraffekte 53
3.4.3. Entstehung und Störungen der selbstreflexiven Emotionen 55
4. Bindungstheorie 60
4.1. Das Bindungssystem 61
4.2. Ontogenese der Bindungsentwicklung 62
4.3. Die inneren Arbeitsmodelle 68
4.4. Die Bindungsmuster 70
4.4.1. Kontinuität der Bindungsqualität 72
4.4.2. Die Bindungsmodelle Erwachsener 73
4.4.3. Bindungsqualität und -verhalten der Bezugsperson 74
4.5. Physisches versus psychologisches Selbst 77
4.6. Bindung und Empathie 78
4.7. Bindung und Kognition 82
4.8. Bindung und Moral 83
5. Schluß 87
6. Bibliographie 95

Arbeit zitieren:
Stecher, Katharina September 1998: Moralentwicklung und Bindung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kognitive Entwicklung, Moral, Empathie, Bindungsforschung, Affekt

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