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Möglichkeiten normativer Orientierungen in der Massenkommunikation

Wechselwirkungen zwischen Massenmedien und Öffentlichkeit

Möglichkeiten normativer Orientierungen in der Massenkommunikation
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Nils Grübel
  • Abgabedatum: März 2000
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 593,5 KB
  • Note: 2,5
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2525-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2525-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2525-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Grübel, Nils März 2000: Möglichkeiten normativer Orientierungen in der Massenkommunikation, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ethik, Medientheorie, Öffentlichkeit, Kommunikation, Massenmedien

Magisterarbeit von Nils Grübel

Einleitung:

Wir leben heute in einer Welt, in der Kommunikation einen wesentlichen Anteil hat. In der westlichen Gesellschaft wird diese Kommunikation dominiert von den Massenmedien. Fernsehen, Radio, Presse, und seit jüngster Zeit computerisierte Elektronik, wie das Internet, aber auch kulturell-künstlerische massenmediale Bereiche, wie Kino, Compact Disc oder „Multi-Media“, sind inzwischen in jegliche Sphäre der Gesellschaft eingedrungen und nicht mehr daraus wegzudenken. Selbst wenn man sich in der Betrachtung auf die traditionellen Massenmedien, also Fernsehen, Radio und Presse, konzentriert, wie es diese Arbeit tut, ist diese Entwicklung unverkennbar. Sie wird von den sogenannten „Neuen Medien“, die hier nicht eingehend behandelt werden können, nur noch verstärkt.

Massenmedien sind heutzutage schnell und flexibel, pluralistisch und autonom, publikums- und gewinnorientiert, professionell und kommerziell. Sie liefern das Wissen über die Welt, sie bilden, überzeugen, erklären, orientieren und unterhalten. Dass die Medien allgegenwärtig sind und ihr Einfluss in der Gesellschaft enorm ist, hat sich als Faktum im öffentlichen Bewusstsein festgesetzt. Das Wissen darum und das daraus resultierende Gefühl der Abhängigkeit und Machtlosigkeit bewirkt nun eine Gegentendenz. Die Massenmedien werden verantwortlich gemacht für Defizite und Fehlentwicklungen in der Gesellschaft, ihnen wird Machtmissbrauch und Manipulation vorgeworfen. „Das Fernsehen ist schuld an der immer größer werdenden Gewaltbereitschaft der Jugend.“ oder: „Die Medien verdummen uns.“ oder: „Die Zeitungen lügen sowieso alle.“ Der Ruf nach stärkerer Kontrolle der Medien wird laut, genau wie die Forderung nach einer Ethik der Massenmedien, der Medienethik.

Gang der Untersuchung:

Diese Arbeit will versuchen, einige der damit verbundenen Fragen aufzuwerfen und Vorschläge zu deren Beantwortung zu machen. Was ist Funktion und Wirkungsweise der Massenmedien in der heutigen Gesellschaft? Sind Massenmedien überhaupt in der Lage, ethisch zu handeln (Abschnitt 2)? Wer wären die Adressaten einer möglichen Medienethik (Abschnitt 3)?

Medien sind wirksam in der Öffentlichkeit. Einerseits sind sie konstitutiv für diese, andererseits werden sie durch Öffentlichkeit erst zu Massenmedien. Anhand des von Jürgen Habermas entwickelten Begriffs der bürgerlichen Öffentlichkeit werde ich diese Wechselwirkung beleuchten (Abschnitt 4). Ich gehe auf den Verfall der Öffentlichkeit ein und auf den Anteil, den die Medien in der heutigen Zeit daran haben (Abschnitt 6). Andererseits versuche ich die Chancen aufzuzeigen, die einer räsonierenden Öffentlichkeit im Umgang mit den Massenmedien eröffnet werden können (Abschnitt 7).

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Reinstallation einer politisch fungierenden Öffentlichkeit und die Herstellung einer anspruchsvollen Medienkommunikation als sich gegenseitig bedingende normative Zielsetzungen herauszuarbeiten (Abschnitt 8). Dass hierbei der Bereich der Philosophie zu dem der Soziologie überschritten wird, liegt in der Natur der Sache.

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorbemerkungen 4
2. Massenmedien in der heutigen westlichen Gesellschaft 5
2.1 Massenmedien als Weltvermittler 7
2.2 Massenmedien und die Konstruktion von Realität 9
2.2.1 Systemtheoretischer Ansatz 10
2.2.2 „Ptolemäischer“ versus „Kopernikanischer“ Ansatz 12
2.3 Medienmacht und ihre Grenzen 14
3. Probleme bei der normativen Einflussnahme auf die Medien 16
3.1 Probleme bei der Adressierung der Normen 17
3.1.1 Individualethik für den einzelnen Journalisten 17
3.1.2 Standesethik für den Journalistenberuf 20
3.1.3 Organisationsethik für Medienunternehmen 22
3.2 Probleme bei der Setzung der Normen 24
3.2.1 Normierung durch Staat und Recht 24
3.2.2 Normierung durch den Markt und das Eingreifen der Öffentlichkeit 26
4. Öffentlichkeit im Medienzeitalter 27
4.1 Zum Begriff Öffentlichkeit 28
4.2 Habermas’ Konzept der bürgerlichen Öffentlichkeit 29
4.2.1 Strukturen der bürgerlichen Öffentlichkeit 30
4.2.2 Die öffentliche Meinung 33
4.2.3 Universelles Prinzip und Funktion der kritischen Öffentlichkeit 35
4.3 Strukturwandel der Öffentlichkeit 36
4.4 Verwandlung von Öffentlichkeit in Masse 37
4.5 Auswirkungen des Wandels 39
5. Exkurs: Medientheorie 41
6. Wechselwirkungen zwischen Öffentlichkeit und Massenmedien 44
6.1 Die Rolle der Medien bei der Herausbildung der kritischen Öffentlichkeit 44
6.2 Strukturwandel der Medien 46
6.3 Anteil der Massenmedien am Verfall des kritischen Potentials der Öffentlichkeit 48
6.3.1 Politische Aspekte 49
6.3.2 Ökonomische Aspekte 51
6.4 Kritik an Habermas’ Theorie des Zerfalls der Öffentlichkeit 53
6.5. Kritik an Habermas’ Darstellung der Medien 55
7. Massenmedien und Kulturkonsum 57
7.1 Der inhaltliche Verfall der Kunst durch ihre technische Reproduzierbarkeit 58
7.2 Kulturindustrie als Massenbetrug 59
7.3 Umgang mit Kultur als Chance für die Öffentlichkeit 64
8. Reinstallation einer politisch-fungierenden Öffentlichkeit und anspruchsvolle Massenmedien als sich gegenseitig bedingende normative Zielvorgaben einer Kommunikationsethik 68
9. Literaturliste 73

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.1.2. Standesethik für den Journalistenberuf Hier wird versucht, eine Normierung an der Berufsgruppe der Journalisten festzumachen. Standesoder Berufsethiken haben eine lange Geschichte, und so ist es nicht verwunderlich, daß die Journalisten daran anknüpfen. Man denkt natürlich in erster Linie an die Ärzte, die mit ihrer auf dem Eid des Hippokrates beruhenden Ethik auf eine jahrtausende alte Tradition zurückblicken.36 Verständlicherweise gibt es derart ehrwürdige Erklärungen einer journalistischen Berufsethik nicht, da der Journalistenberuf ein recht junger ist. Auch hatten die Journalisten lange Zeit und teilweise bis zum heutigen Tag ganz andere Probleme, als ihr Tun einer freiwilligen Selbstkontrolle zu unterwerfen. Vielmehr hatten und haben sie zu kämpfen, um sich einer massiven Fremdkontrolle zu entziehen. Die Geschichte des Journalismus ist vor allem die Geschichte des Kampfes gegen Bevormundung und Zensur und für Presse- und Meinungsfreiheit. Erst die Verwirklichung der Voraussetzungen für eine unabhängige journalistische Berufsausübung in der demokratischen Gesellschaft der heutigen Zeit führte, und das ist eine ‘Ironie der Geschichte’, zur Notwendigkeit, die ‘moralisch richtige’ Anwendung dieser Rechte festzulegen.37 Gerade die oben erwähnten Geschehnisse wie die ‘Barschelaffäre’ oder das Gladbecker Geiseldrama haben der Gesellschaft Stoff geliefert, um intensiv über ethische Maßstäbe journalistischer Arbeit nachzudenken. Interessant dabei ist, daß im Gefolge dieser Ereignisse nun auch die Rezipienten involviert wurden. Sie, in deren Namen und mit Blick auf deren Interessen jedes journalistische Handeln angeblich geschieht, erkannten die Fragwürdigkeit manchen journalistischen Vorgehens und mahnten plötzlich ethische Normen für Journalisten an. Bei Ruß-Mohl und Seewald heißt es dazu: „Und vor allem nahmen viele Leser, Hörer und Zuschauer - vielleicht sogar erstmalig - wahr, daß auch im Journalismus der Zweck nicht alle Mittel heiligt, daß nicht nur alles, was in der Zei36 [...]

Zeitalter - eine Chimäre?, in A. Holderegger (Hrsg.), Ethik der Medienkommunikation. Grundlagen, Freiburg/Schweiz 1992, S. 106 34 Diese Normen werden schon von Aristoteles als Tugenden in seiner Handlungsethik eingefordert, wobei er auf deren Genese eingeht: „So verhält es sich also auch bei den Tugenden. Denn indem wir im Geschäftsverkehr den Menschen gegenüber handeln, werden wir, die einen gerecht, die anderen ungerecht; handelnd in Gefahr und uns an Furcht oder Mut gewöhnend, werden wir tapfer oder feige....Die Eigenschaften entstehen aus den entsprechenden Tätigkeiten. Darum muß man die Tätigkeiten in bestimmter Weise formen....Es kommt also nicht wenig darauf an, ob man gleich von Jugend auf an dies oder jenes gewöhnt wird; es kommt viel darauf an, ja sogar alles.“ Nikomachische Ethik II,1 1103 b 13-25 35 Dazu eine Zeitungsmeldung aus jüngster Zeit: „24 Journalisten in 17 Ländern sind im vergangenen Jahr weltweit bei und wegen ihrer Arbeit ermordet worden. In zwölf weiteren Todesfällen konnte das Motiv nicht zweifelsfrei geklärt werden. Das geht aus einer am Freitag in Washington veröffentlichten Untersuchung des „Komitees zum Schutz von Journalisten“ hervor. ... Insgesamt seien 50 Journalisten verschiedener Nationalitäten während der Unruhen auf dem Balkan getötet worden. Nach weiteren Angaben des Komitees, das pro Jahr etwa 2000 Fälle von Übergriffen gegen Medien weltweit untersucht, saßen Ende vergangenen Jahres 118 Journalisten wegen ihrer Arbeit in Gefängnissen. (dpa) Quelle: Berliner Zeitung vom 22.11.1999 [...]

Der Prozeß der Medienproduktion ist gekennzeichnet durch starke Arbeitsteilung, in deren Folge jeder einzelne nur geringen Einfluß auf das Endprodukt hat, das dann auf dem Markt erscheint. Die Arbeitsfelder und Themen - man kann auch sagen: die Realitätsausschnitte -, mit denen sich die Journalisten beschäftigen, entspringen in der Regel nicht der Wahrheitssuche einer mythisch verbrämten journalistischen Selbstdeutung, sondern werden von leitenden Angestellten ganz prosaisch nach den Anforderungen des Marktes ausgewählt. Sie richten sich also nach der Nachfrage des Publikums. Gerade an Journalisten werden hohe Anforderungen gestellt, seine menschliche und moralische Integrität betreffend. Doch das sind im allgemeinen Forderungen, wie sie an jeden anderen Bürger einer im weitesten Sinne humanistischen Gesellschaft auch gestellt werden, wenn auch meist nicht so explizit. Es geht dabei also um Normen, wie sie der faire Umgang unter Menschen immer erfordert und wie sie jedem Menschen von klein auf vertraut sein sollten: Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Verläßlichkeit, Rücksichtnahme, Höflichkeit u.a.. Das allerdings sind keineswegs speziell medien-ethisch relevante Normen.34 Die Person des Journalisten wird zum Gegenstand ethischer Überlegungen immer dann, wenn von der ihn beschäftigenden Medienorganisation Handlungen verlangt oder gebilligt werden, die seinen persönlichen ethischen Maßstäben zuwiderlaufen. Andererseits wird der Journalist auf persönliche Normen und Werte zurückverwiesen, wenn der Sinn der Tätigkeit durch existenzielle Gefährdung in Frage gestellt wird35, oder, und das sei dem Journalisten bei aller Einschränkung zugestanden, wenn er durch persönliches Engagement gesellschaftliche Mißstände öffentlich macht. Auch dann ist jedoch keine Individual- Medienethik gefordert, sondern schlicht Gewissen und Zivilcourage. [...]

Arbeit zitieren:
Grübel, Nils März 2000: Möglichkeiten normativer Orientierungen in der Massenkommunikation, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ethik, Medientheorie, Öffentlichkeit, Kommunikation, Massenmedien

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