Möglichkeiten biographischen Lernens im Pädagogikunterricht
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Stefan Rogal
- Abgabedatum: Oktober 1999
- Umfang: 206 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5856-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5856-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5856-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rogal, Stefan Oktober 1999: Möglichkeiten biographischen Lernens im Pädagogikunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Didaktik, Lebensgeschichte, Lernkonzepte, Erziehung, Literatur
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Dissertation / Doktorarbeit von Stefan Rogal
Einleitung:
Durchgängig praxisnah und beispielorientiert werden konkrete Möglichkeiten und Schwierigkeiten Biographischen Lernens im Pädagogikunterricht sowie im Unterricht allgemein beleuchtet.
Biographisches Lernen gehört zu den großen Herausforderungen für die Fundierung ganzheitlicher Bildung im beginnenden 21. Jahrhundert - dies gilt gerade vor dem Hintergrund der PISA-Studie!
Die der Lebenswirklichkeit junger Menschen verwandten Unterrichtsinhalte legen ein didaktisches Konzept nahe, das „Subjektorientierung“ als konsequente Würdigung der Lebensgeschichte der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers umsetzt. Die Synthese von themenbezogener Biographischer Selbstreflexion und fachlicher (wissenschaftsorientierter/-propädeutischer) Reflexion kann zu einem erfahrungsgesättigten, sinnvollen und existenziell bedeutsamen Verständnis unterrichtlicher Lerninhalte führen.
Auf dem aktuellen Stand von Didaktik und Unterrichtsmethodik werden erprobte Praxisbeispiele, konkrete Impulse und vielfältige Materialien angeboten, die für den Unterricht genutzt werden können:
- ein differenziertes Modell zur Planung biographisch orientierter Unterrichtsreihen.
- Anregungen für die „Biographische Selbstreflexion von Schulerfahrungen“; dieser Unterrichtsbaustein kann in den verschiedensten Themenbereichen sprachlicher sowie gesellschaftswissenschaftlicher Fächer verortet werden.
ausformulierte Impulse und einsatzfähige Kopiervorlagen - eine Fülle von Materialien zum Thema „Schulerfahrungen 1900 - Schulerfahrungen 2000“.
- Verweise auf anspruchsvolle literarische Texte, die die Lernenden zu einer Reflexion eigener Schulerfahrungen motivieren können (Möglichkeiten der Kooperation mehrerer Unterrichtsfächer).
- die Dokumentation von Erfahrungen mit Biographischem Lernen, auch aus Sicht der Schülerinnen und Schüler.
Die offene und übertragbare Darstellung möchte für die faszinierenden Möglichkeiten Biographischen Lernens sensibilisieren.
Eine wirkliche Innovation für alle Fächer, in denen persönliche Erfahrungen nicht nur oberflächlich thematisiert werden sollen.
Das hier präsentierte Grundkonzept ist für sämtliche Schulformen und Schulstufen sowie zahlreiche Unterrichtsfächer und -themen anwendbar und lässt sich für individuelle Bedingungen anpassen bzw. weiterentwickeln.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Vorwort | |
| I. | Einleitung | |
| 2. | Wie ist es zu dieser Arbeit gekommen? | |
| 3. | Zielsetzung der Arbeit | |
| 4. | Gliederung dieses Buches | |
| II. | Grundlagen | |
| 5. | Die gesellschaftliche Notwendigkeit Biographischen Lernens | |
| 6. | Wozu ist die Schule da? | |
| 7. | Das Konzept der Biographischen Selbstreflexion | |
| 8. | Heidrun Hoppes „Begründung einer biographiezentrierten Didaktik der Gesellschaftswissenschaften“ | |
| 9. | Edwin Stillers Dialogische Fachdidaktik Pädagogik | |
| 10. | Phoenix: Der etwas andere Weg zur Pädagogik - ein Weg auch Biographischen Lernens | |
| 11. | Ein Konzept Biographischen Lernens - Integration Biographischer Selbstreflexion in themengebundenen Unterricht | |
| III. | Unterrichtspraxis | |
| 12. | Unsere Schule - ein „Haus des Lernens“? – Impressionen | |
| 13. | Unterrichtswirklichkeit und die existentielle Situation Jugendlicher | |
| 14. | Altersangemessenheit und gestufter Anspruch Biographischen Lernens | |
| 15. | Welche personalen-, Unterrichts- und außerunterrichtlichen Voraussetzungen für Biographisches Lernen bringen die Schülerinnen und Schüler mit? | |
| 16. | Rollen von biographisch lernenden Schülerinnen und Schülern | |
| 17. | Rollen von Lehrerinnen und Lehrern, die Biographisches Lernen begleiten | |
| 18. | Die Beziehung(en) zwischen den im Unterricht am Biographischen Lernen Beteiligten | |
| 19. | Warum legen insbesondere pädagogische Sachinhalte Biographisches Lernen nahe? | |
| 20. | „Schulerfahrungen 1900 - Schulerfahrungen 2000“ - Themenauswahl und -begründung für eine biographisch orientierte Unterrichtsreihe | |
| 21. | Lehrplanbezüge des Themas | |
| 22. | Verwirklichung weitreichender Schülerinnenorientierung und Schülerorientierung durch Biographisches Lernen | |
| 23. | Materialauswahl | |
| 24. | Didaktische Reduktion | |
| 25. | Sensibilisierung für Biographisches Lernen | |
| 26. | Lernziele beim Biographischen Lernen | |
| 27. | Struktur biographischer Unterrichtsreihen | |
| 28. | Freiarbeit als Realisierungsform Biographischen Lernens | |
| 29. | Biographisches Schreiben - Voraussetzungen, Formen, Richtungen | |
| 30. | Spezifische Probleme Biographischen Schreibens | |
| 31. | Lernanforderungen und mögliche Lernschwierigkeiten | |
| 32. | Leistungsbewertung | |
| 33. | Bedeutung biographisch orientierten Unterrichts für die Lernenden | |
| IV. | Aktionsforschung | |
| 34. | Biographisches Lernen am Lehrerseminar Kreuzlingen | |
| 35. | Biographische Didaktik und Aktionsforschung | |
| V. | Ergebnisse | |
| 36. | Reihenorientierung für Unterricht mit Komponenten Biographischen Lernens | |
| 37. | Ergebnisse/Weiterarbeit | |
| 38. | Gedanken zur Rezeption dieser Arbeit | |
| VI. | Impulse | |
| A. | Schulzeit – Freizeit | |
| B. | Schulhefte | |
| C. | Zeugnisse | |
| D. | Ich und die Mitschüler/innen | |
| E. | Schulfächer | |
| F. | Der erste Lehrer | |
| G. | Meine Lehrerinnen und Lehrer | |
| H. | Abitur | |
| I. | „Schul-Bilder“ | |
| J. | 6 Gedanken | |
| K. | Schul-Fotos | |
| L. | Lebenslinie | |
| M. | Mind Map „Mein Leben“, „Meine Schulzeit“ | |
| N. | Tagebücher | |
| O. | Lerninhalte | |
| P. | Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz | |
| Q. | Schul-“Karriere“ | |
| R. | „Schulzeit - Problemzeit?“ | |
| S. | Schul-Szenen | |
| T. | Schul-Tagebuch | |
| U. | Persönlich bedeutsame Lernerfahrungen | |
| V. | Äußere Schulwirklichkeit - inneres Schulerleben | |
| Vorlage für die Impulse L und Q | ||
| VII. | Materialien | |
| Übersicht | ||
| A. | Wie erlebe ich die Schule? | |
| B. | Wie erlebt Hanno Buddenbrook die Schule? | |
| C. | Ein Tag im Leben eines Berliner Gemeindeschülers | |
| D. | Aus dem Tagebuch eines Oberprimaners | |
| E. | „Rudi Ratlos“ kritzelt Seelenpein | |
| F. | Jens L Christensen - Der moderne Bildungsschwindel | |
| G. | J Abner Peddiwell-Das Säbelzahn-Curriculum | |
| H. | Der Club der toten Dichter | |
| I. | Wie herrlich, als „tote Frau“ auf den Wellen zu treiben | |
| J. | Sachkompetenz - Selbstkompetenz – Sozialkompetenz | |
| K. | Der Klassenraum | |
| L. | Hilbert Meyer - Konkrete Utopie | |
| M. | Die vernichtende Kritik der Reformer an der „alten“ Schule | |
| N. | Ziele der Reformer für eine „neue“ Schule | |
| VIII. | Text-/Filmvorschläge | |
| IX. | Literaturverzeichnis |
Beschreiben, was Angstgefühle auslöst Das Arbeitsergebnis selber beurteilen Sich Hilfen organisieren Situationsgerecht lernen Die gestellte Aufgabe selber ausweiten Schwierigkeiten zunächst selber zu überwinden versuchen Darauf bestehen, angehört zu werden Die eigene Meinung vertreten, auch wenn man nicht auf Zustimmung hoffen kann • Erfahrene Ungerechtigkeiten ansprechen • Sich durch Kritik nicht verunsichern lassen • Sich durch Misserfolge anspornen lassen • Schwächen erkennen • Sich zu gegebener Zeit von einer Gruppe lösen können (In Anlehnung an Janowski, Fittkau, Rauer, 1981)“ (Baeriswyl, in schweizer schule 5/98, 16) „Die Sozialkompetenz beurteilen [...] • Die Arbeit innerhalb einer Gruppe so verteilen, dass jeder motiviert ist, sie auszuführen • Lernmaterialien gemeinsam suchen und sie austauschen • Schwächere Schüler in der Gruppe akzeptieren und respektieren • Schwächere Schüler unterstützen, ihnen helfen • Auch unattraktive Aufträge übernehmen • Auf Bedürfnisse anderer Schüler eingehen • Gefühle der Kameraden und Kameradinnen wahrnehmen • Eigene Gefühle verbalisieren • Kameradinnen und Kameraden zuhören • Vereinbarte Regeln einhalten • Persönliche Interessen zugunsten der Gruppe zurückstecken • Konflikte ansprechen • Konflikte fair regeln • Einen Konflikt aus der Perspektive anderer betrachten (Nach Janowski, Fittkau, Rauer, 1981)“ (Baeriswyl, in schweizer schule 5/98, 17) Wenn wir über Leistungsbewertung -nicht nur im Zusammenhang Biographischen Lernens- nachdenken, sollte selbstverständlich sein: in einem „Haus des Lernens“ muß es auch notenfreie Räume geben, ohne daß die Schülerinnen und Schüler deshalb gleich „abschalten“. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, jungen Menschen zu zeigen: Es gibt Ansprüche, die es lohnen, sich ihnen zu widmen, ohne dafür sofort einen Tauschwert einzufordern! Ziel ist nicht eine Note, sondern die Einsicht in die persönliche Relevanz dieses Wissens. Biographisches Lernen baut kein träges, sondern lebendiges Wissen auf. [...]
32 Leistungsbewertung „Wer die Noten aus den Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine Bildungseinrichtungen, die auf das nächste Jahrtausend vorbereiten!“ (Äußerung vom deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog, zit. n. Küng 1998) Wer die umfangreiche Fotodokumentation der Unterrichtsreihe „Schulerfahrungen 1900 - Schulerfahrungen 2000“ (Lehrerseminar Kreuzlingen, Frühlingssemester 1998) studiert, wird feststellen, daß sich der Großteil der Schülerinnen und Schüler in „Kuschelecken“ eingerichtet hat, um eine dem jeweiligen Lerntyp entsprechende optimale Haltung für die konzentrierte Arbeit zu finden. Daß keine Note drohte, wirkte nicht kontraproduktiv, sondern ermöglichte es, daß sich die Lernenden öffneten und die Barriere zwischen „privater“ Biographischer Selbstreflexion und „öffentlichem“ schulischen Lernen etwas weniger störend wirkte. Unverrückbar bleibt: wir werden „Verfahren zur empirischen Kontrolle oder zur Meßbarkeit der Ergebnisse biographischer Arbeit vergeblich suchen“ (Gudjons u.a. 1992, 10). Das liegt nicht etwa daran, daß die Konzepte „Biographische Selbstreflexion“ und „Biographisches Lernen“ (in der hier vorgestellten Eigenart) aus ihren Kinderschuhen noch nicht herausgewachsen und kompatible Meßverfahren einfach noch nicht entwickelt und erprobt wären. Intime lebensgeschichtliche Anteile und die für das Lernende Subjekt selbst kaum abwägbare existentielle Relevanz von Lernprozessen und -ergebnissen (welche überdies nicht abschließbar sind) sperren sich jeglicher Fremdbeurteilung in höchstem Maße, und das erachte ich -offen gesagt- als ein ungemein beruhigendes Faktum! Biographisches Lernen kann und darf nicht benotet werden! Dieser Befund darf nun nicht den Eindruck völliger Beliebigkeit biographischen Arbeitens hervorrufen. Schülerinnen und Schüler können ihre konkreten Lernergebnisse, -erfolge und -schwierigkeiten (z.B. in der Auseinandersetzung mit einem jeweiligen Impuls/Material/fachlichen Gegenstand) durchaus selbständig einschätzen und verbalisieren. Hier ein Beispiel: Kommentar zum Lesetagebuch einer Mitschülerin (Gymnasium, 10. Klasse, Deutschunterricht, akzentuierte Lektüre von Hesses Unterm Rad) biographisch [...]
Alle beim Biographischen Lernen auftauchenden Schwierigkeiten können im Gespräch (S-S, S-L, Kurs-L) thematisiert und dadurch z.T. minimiert werden. Eine Lernprozeßreflexion sollte in biographisch orientierten Unterrichtsreihen nicht zu spät erfolgen, sondern eher in der Reihenmitte stattfinden, damit Lösungsmöglichkeiten auch noch erprobt werden können. Eine schöne Kopiervorlage für das Feedback bieten die „Mimürfel-Gesichter“ nach Hajo Bücken (in Phoenix I, 209 und II, 733). Lernschwierigkeiten einzelner Schülerinnen und Schüler können in während der Freiarbeit stattfindenden Gesprächen individuell angegangen werden. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß eine gut durchdachte biographisch orientierte Unterrichtsreihe völlig mißlingt, doch halte ich es (als worse-case-scenario) nicht für gänzlich abwegig. Generell sollte Verständnis dafür aufgebracht werden, wenn eine Schülerin/ein Schüler mit dieser Art des Lernens nicht zurecht kommt - aus welchen Gründen auch immer. Am Lehrerseminar Kreuzlingen haben wir für solche Situationen alternative Materialien und Aufgabenstellungen bereitgehalten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die eigentlichen „sensitiven Phasen“ für Biographische Selbstreflexion und in Konsequenz auch für Biographisches Lernen erst in einer auf die Schulzeit folgenden Entwicklungsstufe liegen: nachdem sich die z.T. über 13 Jahre parallel ereignenden Bildungslaufbahnen mit einem Schlag drastisch differenzieren, nach gravierenden Enttäuschungen wie Trennungen und und und Schwierigkeiten werden daraus resultieren, daß Schülerinnen und Schüler sich aus Unkenntnis oder Angst dem Biographischen Lernen verweigern. Dagegen gibt es kein Patentrezept. Wir können lediglich vielfältige Beispiele geben, interessante Lernangebote präsentieren und uns bemühen, eine förderliche Atmosphäre zu schaffen ... Biographisches Lernen stellt hohe Anforderungen; trotzdem sollte in der Schule auf dieses Konzept nicht verzichtet werden. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832458560
Arbeit zitieren:
Rogal, Stefan Oktober 1999: Möglichkeiten biographischen Lernens im Pädagogikunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
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Didaktik, Lebensgeschichte, Lernkonzepte, Erziehung, Literatur



