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Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung

Ein konzeptioneller Vorschlag

Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Karim P. Fathi
  • Abgabedatum: September 2007
  • Umfang: 70 Seiten
  • Dateigröße: 557,8 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 55
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0972-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fathi, Karim P. September 2007: Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konflikt, Friedensforschung, Politologie, Wilber, Mediation

MA-Thesis / Master von Karim P. Fathi

Problemstellung:

Im Zeitalter der Globalisierung wird die Konfliktbewältigung eine immer wichtigere Kompetenz, sowohl im Alltag als auch in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur. Die letzten Jahre brachten eine große Vielfalt von Methoden und Ansätzen mit sich, mit unbestreitbaren Fortschritten und wachsender Professionalisierung. Zugleich wächst auch die Unübersichtlichkeit (angefangen mit den begrifflichen Unterscheidungen) und es zeigen sich zunehmend methodische Grenzen und Defizite. Im Rahmen der Veranstaltung „COMPAIR – Methoden im Dialog“, die vom 25.07. bis 01.08.2004 in Stadtschlaining, Österreich, stattfand, lud die 1. Internationale Akademie für Konfliktlösung Vertreter wegweisender mediativer Methoden ein, in einen bislang einzigartigen Dialog zu treten: Welchen Beitrag leisten die unterschiedlichen Methoden für Theorie und Praxis im Allgemeinen? Welche Grenzen haben die jeweiligen Methoden und wie können sie einander ergänzen?

Unter den Referenten fanden sich Prof. Dr. Friedrich Glasl mit seinem Ansatz für Mediation und Konfliktmanagement, Prof. Dr. Johan Galtung, Dr. Wilfried Graf und Gudrun Kramer mit der Transcend-Methode und Dr. Marshall Rosenberg mit der Gewaltfreien Kommunikation (GFK).

Aus einer Veranstaltung wie COMPAIR erwächst nicht nur die Einsicht, dass eine Welt immer komplexerer Konflikte neuer Methoden der Konfliktbewältigung bedarf. Zunehmend sind auch Ansätze von Nöten, die unübersichtliche Vielfalt bestehender Methoden zu integrieren. In Anlehnung an den COMPAIR-Dialog sollen in der vorliegenden Arbeit Möglichkeiten untersucht werden, unterschiedliche Ansätze der Konfliktbearbeitung in ein Gesamtkonzept zu integrieren.

Den theoretischen Rahmen auf den sich die Überlegungen dieser Arbeit stützen, liefert der Integrale Ansatz (IA) von Ken Wilber – eine so genannte „Theorie von Allem“. Die Wahl dieser Theorie begründet sich mit der Prämisse dieser Arbeit, dass jeder Akteur (un-)bewusste erkenntnistheoretische Vorannahmen von sich und seiner Umwelt anstellt. Dies hat mit der Prämisse der Konfliktforschung, dass der Konflikt (unabhängig von seiner konkreten Definition) ein Phänomen ist, das im Leben unvermeidbar ist, zwei weitere Annahmen für diese Arbeit zur Konsequenz: 1) Alles Leben ist Konfliktbewältigung. 2) Jede Handlung eines Akteurs – im engen Sinne: jede Form der Konfliktbewältigung – birgt eine Strategie, die aus seinem Wahrnehmungsrahmen bzw. seinen erkenntnistheoretischen Vorannahmen über seine Bezugswelt resultiert.

In seinem letzten Werk „Alles Leben ist Problemlösen“ (2004) – im engen Sinne: „Alles Leben ist Konfliktbewältigung“ – nannte der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper diese (un-)bewussten hypothetischen Vorannahmen eines jeden Akteurs „Erwartung“ (vgl. ebd.: 16). Der in der Friedens- und Konfliktforschung wenig beachteten Epistemologie könnte unter diesem Gesichtspunkt eine besondere Stellung zukommen.

Am Beispiel der in der COMPAIR-Veranstaltung vorgestellten Methoden sollen in den folgenden Schritten Überlegungen angestellt werden. Nach einer kurzen theoretischen Eingrenzung der Untersuchung und einer Klärung der Schlüsselbegriffe (II.), sollen die vorgestellten Ansätze zusammengefasst wiedergegeben werden (III.). Danach werden die für die anschließenden Überlegungen wesentlichen Dimensionen des IA von Ken Wilber dargestellt (4.1.).

Unter Anwendung des IA wird eine Möglichkeit zur epistemologischen Integration der vorgestellten Ansätze skizziert (4.2.).

Darauf aufbauend, werden zwei Möglichkeiten dargestellt, die Schnitt- und Ergänzungspunkte der Heuristiken dieser Ansätze zu integrieren (4.3.).

Die Ergebnisse, wie auch der Mehrwert des IA für die Friedens- und Konfliktforschung werden im Fazit kritisch bewertet und eingeschätzt (V.).

Inhaltsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
I. Einleitung 1
II. Theoretische Eingrenzung und Klärung von Begriffen 3
2.1 Theoretische Eingrenzung 3
2.2 Klärung von Schlüsselbegriffen 3
III. Kurzdarstellung der unterschiedlichen Methodiken zur Konfliktbewältigung 5
3.1 Konfliktmanagement nach Friedrich Glasl 5
3.1.1 Generelle Komponenten und Wirkungsrichtungen der Interventionen 6
3.1.2 Indikatoren für eine flexible Strategie- und Rollenwahl 8
3.1.2.1 Aktueller Eskalationsgrad 8
3.1.2.2 Konflikttypus 12
3.1.2.3 Kulturelle, gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen 14
3.1.2.4 Rahmenvorgaben 14
3.2 Transcend nach Johan Galtung 14
3.2.1 Theoretische Grundlagen 15
3.2.2 Konfliktintervention im Konfliktlebenszyklus 17
3.2.3 Konfliktbewältigung durch Konflikttransformation 18
3.2.4 Die Dialog-Methode nach Gudrun Kramer und Wilfried Graf 20
3.3 Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg 21
3.4 Zwischenfazit 24
IV. Überlegungen zur Integration der vorgestellten Methoden in ein theoretisches Gesamtkonzept 24
4.1 Integraler Ansatz nach Ken Wilber 24
4.1.1 Methodologie 25
4.1.2 Quadranten 26
4.1.2.1 Vier Geltungskriterien 27
4.1.2.2 Acht Horizonte 28
4.1.3 Ebenen 31
4.1.4 Entwicklungslinien 34
4.1.5 Typen 36
4.1.6 Zustände 36
4.1.7 Konfliktdimensionen im Integralen Ansatz 37
4.2 Epistemologische Integration der vorgestellten Methoden 37
4.2.1 Konfliktmanagement nach Glasl 38
4.2.2 Transcend nach Galtung 40
4.2.3 Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg 42
4.2.4 Epistemologische Überschneidungen und Ergänzungen der Methoden 43
4.3 Vorschläge zur heuristischen Integration der vorgestellten Methoden 49
4.3.1 Umfassende Integration unterschiedlicher Herangehensweisen der Konfliktintervention 49
4.3.1.1 Integration unterschiedlicher Interventionsmethoden in ein vertikales Schema 49
4.3.1.2 Horizontale Integration unterschiedlicher Interventionsmethoden 50
4.3.2 Breitenwirksame Integration mediativer Interventionsansätze 53
V. Kritische Würdigung und Fazit 59
5.1 Allgemeine Kritik am Integralen Ansatz 59
5.2 Konkrete Kritik am Integralen Ansatz 61
5.3 Fazit 61
5.4 Ausblick 62
VI. Quellenangaben 63

Textprobe:

Kapitel 3.3, Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg:

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) gründet sich auf die kommunikative Fähigkeit, selbst unter herausfordernden Umständen menschlich zu bleiben. Bei der AnwenderIn impliziert dies die antrainierte Fertigkeit Konfliktsituationen sorgfältig zu beobachten, den zugrunde liegenden Bedürfnissen aller Beteiligten auf die Spur zu kommen und diese Inhalte wertungsfrei und klar auszudrücken.

Durch diese Umgestaltung des sprachlichen Ausdrucks und der eigenen Art zuzuhören, werden die alten Muster von Widerstand, Abwehr und gewalttätigen Reaktionen auf ein Minimum reduziert). Die Kommunikation soll also dahingehend geändert werden, dass aus gewohnheitsmäßigen, automatischen Reaktionen bewusste Antworten werden. Als sog. „Sprache des Lebens“ ist dieser Ansatz an und für sich nichts Neues. Es geht vielmehr darum, sich an das zu erinnern, wofür die zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.

Auf ihrer tiefsten Ebene ist die GFK eine „ständige Mahnung“ die eigene Aufmerksamkeit in eine Richtung zu lenken, in der die Wahrscheinlichkeit steigt, das zu bekommen, wonach man selbst sucht. Daher ist die GFK nicht an die direkte Kommunikationskultur westlicher Gesellschaften gebunden, sondern universell in jedem kulturellen Kontext anwendbar.

Vier Komponenten der „life-alienating Communication“:

Die GFK unterscheidet vier Formen einer Kommunikation, die aus einer ignoranten Haltung gegenüber den Gefühlen und Bedürfnissen der Konfliktbeteiligten resultiert:

Die Kritik impliziert alle Formen, die auf eine Beleidigung, Diagnose, Anprangern, Wertung, Tadel oder Heruntermachen des Kommunikationspartners hinauslaufen. Beispiele: „Das Problem mit Dir ist...“.

Die Verneinung eigener Verantwortung resultiert aus der Unkenntnis der Kommunizierenden über ihre eigenen Gefühle, Gedanken und Handlungen. Stattdessen wird die Verantwortung auf Faktoren wie z.B. die Handlungen anderer, unkontrollierbare Impulse, Gruppenzwang, die vorherrschenden Rollenzwänge etc. abgewälzt. Beispiele: „Ich habe es getan, weil ich es machen musste“, „ ...weil es mir befohlen wurde“, „ ...weil es immer so war“ etc.

Forderungen, verstanden als Ansinnen, die eine Form von Tadel oder Strafe implizieren, wenn sie vom Kommunikationspartner nicht erfüllt werden, sind ebenfalls fern von der „Sprache des Lebens“.

Das Konzept, dass Handlungen eine Belohnung oder Bestrafung „verdienen“ ist eine weitere Form der „life alienated communication“.

Vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation:

Ebenso fußt die GFK auf vier Komponenten. Bei der Anwendung der GFK sind zwei Kommunikationsvarianten zu unterscheiden: zum einen formuliert die AnwenderIn in Bezug auf sich, wie es ihr geht und was ihr Leben bereichern könnte. Zum anderen nimmt die AnwenderIn in Bezug auf ihr Gegenüber, empathisch an wie es ihm geht (ohne Kritik) und was sein Leben bereichern würde; beides ohne Wertung oder Forderung:

Beobachtungen: Es wird beobachtet, was in der Situation tatsächlich geschieht. Die Kunst besteht darin, dem Gegenüber diese Beobachtung ohne Bewertung mitzuteilen. In Bezug auf die AnwenderIn würde dies z.B. mit den Worten „wenn ich (sehe, höre)...“ eingeleitet werden, in Bezug auf den Gegenüber z.B. „als Du (gesehen, gehört hast)...“.

Gefühle: Es wird ausgesprochen wie sich die AnwenderIn bzw. ihr Gegenüber fühlt in Verbindung mit der wahrgenommenen Handlung. Anwender: „...fühle ich mich/ bin ich...“; Gegenüber: „... hast Du Dich ... gefühlt / warst Du...“.

Bedürfnisse: Es werden die Bedürfnisse artikuliert, die hinter diesen Gefühlen stehen. AnwenderIn: „...weil ich (brauche, gerne hätte, möchte, ...)...“; Gegenüber: „...weil Du (brauchst, gerne hättest,...)...“.

Bitten: Es wird um das gebeten bzw. es wird empathisch vom Gegenüber angenommen, was das Leben der beiden Beteiligten bereichern würde. AnwenderIn: „Und würdest Du bitte...“. Gegenüber: „Und hättest Du gerne, dass ich...“.

Arbeit zitieren:
Fathi, Karim P. September 2007: Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konflikt, Friedensforschung, Politologie, Wilber, Mediation

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