Möglichkeiten und Grenzen gezielter Anreizgestaltung für Aufsichtsräte
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Josef Mathias Gilger
- Abgabedatum: August 2000
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 578,4 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4155-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4155-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4155-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gilger, Josef Mathias August 2000: Möglichkeiten und Grenzen gezielter Anreizgestaltung für Aufsichtsräte, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Haftung, principal-agent-Theorie, Kontrolldefizit, Motivationspsychologie, Vergütung
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Diplomarbeit von Josef Mathias Gilger
Einleitung:
Der Aufsichtsrat der deutschen Gesellschaften: Seit seiner Entstehung stets ein Objekt der Kritik, prägte er auch in den letzten Monaten die öffentliche Diskussion und die Kommentare der Wirtschaftspresse. Die Holzmann-Krise, das Bilanzierungsverhalten der HypoVereinsbank, der Bremer Vulkan, die Metallgesellschaft, Balsam oder die Schneider-Affäre: Bei allen Skandalen und Firmenzusammenbrüchen stand zuletzt der Aufsichtsrat mit im Zentrum der Kritik. Die Vorwürfe des „Old Boys Network“ (Deckstein 2000: 25) und des „Versagens“stehen dabei ebenso im Raum, wie Forderungen und Empfehlungen zur Verbesserung. Selbst der Gesetzgeber sah sich im Jahre 1998 dazu veranlasst, den Aufsichtsrat durch das ‚Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich‘ zu einer höheren Professionalität zu bewegen.
Das deutsche Aufsichtsgremium steht damit im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion der Corporate Governance und an seinen Grundfesten wird gerüttelt. Doch welche Ursachen verbergen sich hinter dem ‚Versagen der Aufsichtsräte‘ und welche Wege sind zu beschreiten, um diese zu vermindern oder zu vermeiden? Eine Frage, mit der sich seit geraumer Zeit wirtschaftswissenschaftliche Experten wie Erich Potthoff, Karl Trescher, Fredmund Malik und viele andere beschäftigen. Sie alle haben umfangreiche Analysen vorgelegt, Forderungen formuliert, Missstände angeprangert und Verbesserungskonzepte entwickelt. Doch kaum ein Vorschlag wurde von der aufsichtsrätischen Wirklichkeit aufgefasst und umgesetzt. Die Frage, die sich hieraus stellt, ist zum einen die nach den Gründen für diesen Mangel an Professionalisierung der Gremien. Zum anderen, und dies bildet das Zentrum der vorliegenden Arbeit, stellt sich die Frage, ob und wie die Aufsichtsräte zu einer Verminderung ihrer Defizite und zu einer Verbesserung ihrer Arbeit motiviert werden können: Die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen gezielter Anreizgestaltung für Aufsichtsräte.
Bei einer näheren Betrachtung dieses Titel gelangt man schnell zu dem Bewusstsein, dass sich unter seinem Dach in Wirklichkeit zwei eng verwandte und aufeinander aufbauende Fragestellungen verbergen: Zum einen die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Anreizgestaltung für Aufsichtsräte als solche – die Frage danach, welche Rahmenbedingungen rechtlich und faktisch bestehen und welche Vergütungsformen generell verwendet werden können. Die vorliegende Arbeit soll jedoch einen Schritt weitergehen und eine zweite Fragestellung verfolgen:
Die Frage danach, welche Anreize geeignet erscheinen, Aufsichtsräte zu motivieren, wie diese zu gestalten und einzusetzen sind und welche Wirkungen man sich von ihnen erhoffen darf. In der Schnittmenge der Ergebnisse werden dann neue Wege zur Verbesserung der Corporate Governance aufgedeckt und die Möglichkeiten und Grenzen einer Umsetzung thematisiert.
Zur Klärung dieser beiden Fragestellungen wird nun ein Vorgehen in drei Schritten gewählt: In einem ersten Hauptkapitel wird eine Untersuchung des Aufsichtsrates als solchem erfolgen. Seine Funktion im System der Corporate Governance und seine Rechte, Aufgaben und Pflichten werden dabei ebenso untersucht, wie die empirische Wirklichkeit seiner Aktivitäten, seine Schwachstellen und die vielversprechendsten Konzepte zur Verbesserung seiner Arbeit. Am Ende dieser ersten Untersuchung wird sich die bereits angesprochene Frage stellen, warum diese Konzepte bislang nicht angewendet wurden. Doch diese soll nicht der Gegenstand der Untersuchungen sein, sondern erst in der Schlussbetrachtung aufgegriffen werden. Vielmehr wird aus den Untersuchungen die Relevanz des gewählten Themenzuganges hervorgehen und die beiden Fragenkomplexe in den Raum gestellt, durch welche Anreize die Kontrollorgane zu einer Verbesserung ihrer Schwachstellen motiviert werden können und welche Vergütungsformen generell verwendet werden dürfen.
Zum Einstieg in diese Diskussion wird im Verlauf des zweiten Hauptkapitels ein Fundament zum Verständnis und zur Diskussion von Anreizsystemen geschaffen. Es werden hierzu die wichtigsten theoretischen Zugänge zur Vergütungsthematik vorgestellt, die generellen Grundlagen der Anreizgestaltung dargelegt und praktische Konzepte diskutiert.
Aufbauend auf dieser Basis erfolgt schließlich die Beantwortung der Kernfragen der gewählten Zugänge. In einem ersten Teil werden dazu die gesetzlichen und faktischen Möglichkeiten und Grenzen der Anreizgestaltung ihre Diskussion finden. In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse der theoretischen Untersuchungen zur Anreizentwicklung auf das Aufsichtsgremium übertragen und damit die Frage der Möglichkeiten und der Grenzen einer gezielten Anreizgestaltung und die der Bedeutung solcher Systeme für Aufsichtsräte aus dem Blickwinkel der wichtigsten Theorien der relevanten Literatur beantwortet. In einem dritten Schritt werden dann die Wirkungen dieser Vergütungsformen angesprochen, praktische Gestaltungshinweise untersucht und das Grundgerüst eines möglichen Aufsichtsratsvergütungssystems vorgestellt. Im Rahmen der Zusammenfassung dieses dritten Hauptkapitels wird sich schließlich die Frage nach den ‚wahren Möglichkeiten und Grenzen gezielter Anreizgestaltung für Aufsichtsräte‘ stellen – diese soll Gegenstand der Schlussbetrachtung sein.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Einleitung | ||
| Anreize für Aufsichtsräte: Ein Zugang auf zwei Wegen | 1 | |
| Erstes Kapitel | ||
| Aufsichtsräte in Deutschland - ausgewählte Aspekte der deutschen Corporate Governance | 3 | |
| 1.1 | Aufgaben und Pflichten des Aufsichtsrates | 4 |
| 1.2 | Handlungsmuster und Schwachstellen des Aufsichtsrates | 7 |
| Zeitlicher Aufwand | 8 | |
| Umfang der Prüfung | 9 | |
| Strukturelle Aspekte | 12 | |
| Interessen-kollisionen | 16 | |
| 1.3 | Aufsichtsratsvergütung und Regressansprüche - was motiviert Aufsichtsräte | 20 |
| Vergütung der Aufsichtsräte | 21 | |
| Haftungs- und Regresspflichten der Aufsichtsräte | 22 | |
| 1.4 | Handlungsbedarfe, Optimierungsvorschläge und die Realität: Ein erstes Fazit | 24 |
| Zweites Kapitel | ||
| Motivation, Anreize und Vergütung – Eine allgemeine Betrachtung | 30 | |
| 2.1 | Alternative Zugänge zur Thematik der Motivation und Anreize | 31 |
| Motivationspsychologische Zugänge | 31 | |
| Die Prinzipal-Agent-Theorie | 36 | |
| Die Anreiz-Beitrags-Theorie | 40 | |
| 2.2 | Anreizgestaltung und Vergütungspraktiken | 43 |
| Grundlagen der Anreizgestaltung | 44 | |
| Pay for Performance | 47 | |
| Nicht-monetäre Vergütungsformen | 48 | |
| Monetäre Vergütungsformen und wertorientierte Anreizgestaltung | 48 | |
| Individualisierte Vergütungssysteme: der Cafeteria-Ansatz | 51 | |
| Drittes Kapitel | ||
| Gezielte Anreizgestaltung für Aufsichtsräte: Möglichkeiten, Grenzen und Vorschläge | 53 | |
| 3.1 | Anreize für Aufsichtsräte: Die Rahmenbedingungen | 54 |
| Gesetzliche Rahmenbedingungen der Aufsichtsratsvergütung | 54 | |
| Faktische Rahmenbedingungen der Aufsichtsratsvergütung | 58 | |
| Der Aufsichtsrat vor dem Hintergrund alternativer Zugänge zur Anreizthematik | 60 | |
| 3.2 | Praktische Anreizgestaltung und gezielte Vergütungssysteme für Aufsichtsräte: Möglichkeiten, Grenzen und Vorschläge | 67 |
| Anreizgestaltung und Vergütungspraktiken für Aufsichtsräte | 68 | |
| Die Aufsichtsrats-Cafeteria: Ein Gestaltungsvorschlag | 71 | |
| 3.3 | Der goldene Weg oder eine Forderung unter vielen: ein zweites Fazit | 74 |
| Schlussbetrachtung | ||
| Die wahren Möglichkeiten und Grenzen gezielter Anreizgestaltung | 76 | |
| Literaturverzeichnis | 81 |
und die Aufgabe selbst hervorgerufen. Eine rein extrinsische Motivation (man arbeitet rein zum Gelderwerb, ohne Spaß und Erfüllung in der Tätigkeit zu finden) stellt nun eine sehr ungenügende Basis für eine langfristige Arbeitsmotivation dar.110 Wertvoller erscheint die intrinsische Motivation, welche die dauerhafte Bindung und Leistungsbereitschaft des Arbeitnehmers sichert und durch Maßnahmen wie einer Arbeitsplatz- und Verantwortungsbereichsgestaltung zu beeinflussen ist.111 Die Frage ist nun, ob Geld als Anreiz rein extrinsischer Art ist und damit in der Lage, die intrinsische Motivation zu verdrängen (‚Verdrängungseffekt‘) oder ebenfalls intrinsische Aspekte in sich vereint und keine schädliche Wirkung auf die langfristige Motivation ausübt.112 Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander und konnten auch durch empirische Studien nicht endgültig geklärt werden.113 Als mögliche Antwort ist die Aussage zu treffen, daß Geld über seine extrinsische Anreizfunktion hinaus, durch seine Eigenart als universelles Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, auch intrinsische Effekte in sich vereint. Es ist jedoch unter speziellen Voraussetzungen möglich (beispielsweise wurde eine Tätigkeit anfänglich nur um ihrer selbst Willen ausgeführt, bevor sie sehr hoch entlohnt wurde und sich der Hauptanreiz auf die Vergütung verschob), daß schädliche Verdrängungseffekte auftreten. Ein weiterer Aspekt ist die Möglichkeit durch extrinsische Anreize einen langfristigen Sozialisationsprozeß auszulösen, damit neue Motive zu erzeugen und letztendlich eine intrinsische Motivation und einen intrinsischen Anreiz zu Verhaltensweisen zu erzeugen, welche ursprünglich extrinsisch belohnt wurden.114 Auch hier ist daher stets die spezifische Situation und die Persönlichkeit des Individuums zu betrachten und von generalisierenden Aussagen abzusehen. [...]
(1) Das grundsätzliche Menschenbild, welches Manager vor Augen haben, und damit auch der Gestaltung der Vergütungsstrukturen zugrunde legen, kann in zwei konträre Klassen eingeteilt werden: Den durch den Betriebspsychologen Douglas Mc Gregor entwickelten Typen X und Y.107 Bei einem Menschenbild vom Typ X wird davon ausgegangen, daß der Mensch prinzipiell arbeitsscheu und faul ist und daher Zwang benötigt, um zur Leistung angespornt zu werden. Bei einem Y-Typ wird unterstellt, daß der Mensch arbeitsfreudig und aktiv ist und daher Freiraum und Chancen benötigt. Das Bild, das Menschen vorrangig als X-Typen klassifiziert, ist dabei in der Unternehmenspraxis noch immer vorherrschend und bestimmt weitgehend die Vergütungsgestaltung der unteren Hierarchiestufen.108 [...]
(1) Die Inhaltstheorien der motivationspsychologischen Forschung konzentrieren sich auf die Frage nach der Art, dem Inhalt, der Bedeutung und der Anzahl der menschlichen Motive.102 Ausgehend von der Erstellung reiner Motivlisten, wurden in dieser Forschungstradition als bedeutendste Ansätze die Bedürfnispyramide von Maslow und Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie entwickelt.103 Maslow (1981) unterstellt dabei eine streng hierarchische und aufeinander aufbauende Gliederung in fünf Bedürfniskategorien (physiologische Grundbedürfnisse, Sicherheit, Zugehörigkeit, Achtung und Selbstverwirklichung), wobei zur Erreichung der nächst höheren Stufe die Erfüllung der darunterliegenden Bedürfnisse gewährleistet sein muß. Herzberg konnte hingegen nach den Darstellungen Berthels (1995: 25 f.) bei seinen Pittsburgh-Studien festhalten, daß zwei Dimensionen von Arbeitszufriedenheit und Motivatoren existieren: Die Motivatoren, wie beispielsweise Anerkennung, Verantwortung und Erfolg, die als primär intrinsische Anreize die Motivation und die Leistungsbereitschaft erhöhen und die Hygienefaktoren, wie beispielsweise Bezahlung und Vorgesetztenverhalten, die als primär extrinsische Faktoren die Grundlage für das Arbeitsverhältnis schaffen, jedoch keine zusätzliche Motivation erzeugen können. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832441555
Arbeit zitieren:
Gilger, Josef Mathias August 2000: Möglichkeiten und Grenzen gezielter Anreizgestaltung für Aufsichtsräte, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Haftung, principal-agent-Theorie, Kontrolldefizit, Motivationspsychologie, Vergütung



