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Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung des reformpädagogischen Ideenguts von Helen Parkhurst an kaufmännischen Berufsschulen

Eine berufspädagogische Untersuchung

Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung des reformpädagogischen Ideenguts von Helen Parkhurst an kaufmännischen Berufsschulen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Hubert Ertl
  • Abgabedatum: Dezember 1995
  • Umfang: 102 Seiten
  • Dateigröße: 5,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0052-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0052-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0052-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ertl, Hubert Dezember 1995: Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung des reformpädagogischen Ideenguts von Helen Parkhurst an kaufmännischen Berufsschulen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Berufspädagogik, Berufsschule, Parkhurst, Reformpädagogik, Wirtschaftspädagogik

Diplomarbeit von Hubert Ertl

Zusammenfassung:

Ausgangspunkt der Arbeit ist die andauernde Kritik am Dualen System der Berufsausbildung in der Bundesrepublik Deutschland (Vorwort, Kap. 1). Der tiefgreifende Wandel der Arbeitswelt - ausgelöst vom anhaltenden Einzug der Mikroelektronik sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie, vom Zusammenwachsen der internationalen Märkte und von der betriebswirtschaftlich notwendigen, verstärkten Kundenorientierung - erfordert nach Ansicht der Kritiker des Dualen Systems eine Neuorientierung der beruflichen Ausbildung nicht nur in inhaltlicher, sondern vor allem auch in intentionaler und methodischer Hinsicht. Eine Reihe von Modellversuchen an berufsbildenden Schulen und/oder Ausbildungsbetrieben haben daher zum Ziel, die vielfach geforderte Vermittlung von Schlüsselqualifikationen durch didaktische Konzepte wie Handlungsorientierung oder fächerübergreifenden bzw. projektorientierten Unterricht zu erproben. Die Wurzeln dieser Konzepte lassen sich häufig in die Reformpädagogik zurückverfolgen, eine erziehungswissenschaftliche Bewegung, die um die Jahrhundertwende in nahezu allen Ländern Europas und Nordamerikas ähnliche Zielvorstellungen für Erziehung und Bildung entwickelte.

Vor diesem Hintergrund wird in der Diplomarbeit untersucht, inwieweit die Ideen der amerikanischen Reformpädagogin Helen Parkhurst den Unterricht unter den speziellen Rahmenbedingungen der kaufmännischen Berufsschule zu fördern und damit zu einer zukunftsorientierten Berufsausbildung beizutragen vermögen.

Als erkenntnisleitende Axiomatik dient dabei der personalistische Ansatz nach Johannes Baumgardt (Kap. 1). Ausgehend von den darin getroffenen paradiginatischen und anthropologischen Grundannahmen wird Parkhursts Konzeption anhand der drei Dimensionen personale Selbstverwirklichung, fachgerechte Sachmeisterung und lebensdienliche Situationsbewältigung geprüft (Kap. 3-5), da diese Kriterien nach Baumgardt maßgeblich für das Ziel der Erziehung, das ganzheitliche Höherführen der Person, sind.

Dazu wird zunächst die Konzeption des Daltonplans (benannt nach der Stadt Dalton im US-Bundesstaat Massachusetts, wo der Plan von Helen Parkhurst entwickelt und an der örtlichen Schule umgesetzt wurde) kurz vorgestellt und seine Anwendungs- und Rezeptionsgeschichte in den USA und Europa beleuchtet (Kap. 2, Anhang). Besonderer Wert wird dabei auf die Wurzeln des Plans gelegt, die sich im Leben Parkhursts sowie in der "Progressive Era" und im Pragmatismus als amerikanische Strömungen der internationalen Reformbewegung zu Beginn dieses Jahrhunderts finden.

Zur intendierten personalen Selbstverwirklichung (Kap. 3) der Auszubildenden kann ein nach den Empfehlungen des Daltonplans organisierter Unterricht an der kaufmännischen Berufsschule in vielfäItiger Weise beitragen. In der Arbeit werden vor allem die von Parkhurst thematisierten Grundsätze "Experience Leaming", Selbststeuerung der Lernenden, Mix der Sozialformen sowie die schillerzentrierte Organisation der Lernzeit betrachtet. Zusammenfassend kann dazu festgestellt werden, daß der Daltonplan die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wie Kooperationsfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit und selbständiges planerisches Handeln durch die schülerorientierte Flexibilisierung des Unterrichts sehr gut zu unterstützen vermag. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß nicht zu unterschätzende organisatorische und institutionelle Widerstände gegen die Umgestaltung des Unterrichts, wie z. B. das unangemessene Festhalten am Frontalunterricht als Regelfom der Wissensvermittlung, abgebaut werden können.

Die Befähigung der Auszubildenden zu fachgerechter Sachmeisterung (Kap. 4j kann der Daltonplan durch einen angemessenen Umgang mit der wachsenden Heterogenität der Berufsschüler, durch die Überbrückung des Spannungsfeldes zwischen Theorie und Praxis in der beruflichen Bildung und durch die ausgewogene Abwechslung zwischen fachspezifischem und fächerübergreifendem Unterricht unterstützen. Die Untersuchung der Rahmenbedingungen an der kaufmännischen Berufsschule in diesen Punkten bringt aber deutlich zum Ausdruck, daß besonders die bestehenden Prüfungsordnungen durch ihre ausschließliche Messung von Einzelleistungen den von Parkhurst vorgeschlagenen Konzepten entgegenstellen.

Im Hinblick auf die angestrebte lebensdienliche Sitaationsbewältigung (Kap. .5) der Auszubildenden kann gesagt werden, daß die Konzeption Parkhursts vor allem dann zu einer sinnvollen Revision des Unterrichts an Berufsschulen beitragen kann, wenn die in ihr liegenden Möglichkeiten der Lernortkooperation zwischen den Partnern im Dualen Systen4 der Veränderung der Lehrerrolle und der Motivation der Schüler genutzt werden können. In der Diplomarbeit werden im letzten Hauptteil deshalb Veränderungsvorschläge in diesen Bereichen, wie sie von Parkhurst selbst und anderen Anwendern des Daltonplans gegeben werden, auf eine mögliche Realisierung in der kaufmännischen Berufsschule hin untersucht. Deutlich wird dabei, daß die von Parkhurst entwickelten Lehr- und Lernarrangements der Offenheit und des Engagements von Lehrern, Schülern und betrieblichen Ausbildern bedürfen. Insbesondere die Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals mußte dahingehend erweitert und abgestimmt werden.

Aufgrund der weitreichenden Veränderungen und Vorbereitungen, die eine Ein g des Daltonplans als leitendes didaktisches Prinzip an kaufmännischen Berufsschulen erfordern würde, wird im abschließenden Teil der Arbeit die Erprobung in einem Modellversuch vorgeschlagen (Kap. 6). Zusammenfassend werden die Abkehr vom Prinzip des "Durchschnittsschüler" durch binnendifferenzierten Unterricht und die Befähigung zum Umgang mit Entscheidungsfreiheit als die wichtigsten, übergeordneten Faktoren betont, durch die Helen Parkhursts reformpädagogische Ideen einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung der Qualifizierung im Dualen System der Berufsbildung und damit zur langfristigen Sicherung des hohen Ausbildungsniveaus in Deutschland leisten können.

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT
1. EINFÜHRENDE BEMERKUNGEN UND METHODISCHE, AXIOMATISCHE VORGEHENSWEISE 1
1.1 GEGENSTAND UND AUFBAU DER UNTERSUCHUNG 1
1.2 ZUGRUNDELIEGENDE AXIOMATIK: PERSONALISTISCHER ANSATZ NACH JOHANNES BAUMGARDT 2
1.2.1 Anthropologische Grundlagen und die sich daraus ergebende Bestimmung von Berufs- und Erziehungsbegriff 2
1.2.2 Das Verhältnis zwischen Beruf und Erziehung in personalistischem Sinne 4
2. HELEN PARKHURSTS REFORMPÄDAGOGISCHE KONZEPTION DES DALTONPLANS 6
2.1 DIE GRUNDPRINZIPIEN DES DALTONPLANS 6
2.2 DIE ENTSTEHUNG DES DALTONPLANS UND SEINE ANWENDUNG IN DEN USA 7
2.3 DIE EINORDNUNG VON HELEN PARKHURSTS IDEEN IN DEN HISTORISCHEN UND REFORMPÄDAGOGISCHEN KONTEXT ZU BEGINN DES 20. JAHRHUNDERTS 10
2.3.1 Die „Progressive Era“ als amerikanischer Teil einer internationalen Bewegung 10
2.3.2 Einflüsse des amerikanischen Pragmatismus zu Beginn des Jahrhunderts auf den Daltonplan 12
3. PERSONALE SELBSTVERWIRKLICHUNG DER EDUKANDEN DURCH DEN DALTONPLAN AN KAUFMÄNNISCHEN BERUFSSCHULEN 14
3.1 FORMALE UND MATERIALE ASPEKTE DES „EXPERIENCE-LEARNINGS“ im RAHMEN DES DALTONPLANS 14
3.1.1 Die Gewichtung von Formal- und Materialaspekt der Bildung im Daltonplan 14
3.1.2 Mögliche Wege der Erfahrungsaneignung des Edukanden an der Berufsschule 15
3.1.3 Erfahrungs- und handlungsorientierte Unterrichtsformen im kaufmännischen Bereich und ihre Einbindung in den Daltonplan 17
3.2 DIE SELBSTTÄTIGKEIT DER EDUKANDEN ALS KONSTITUTIVES ELEMENT VON UNTERRICHT UND UNTERWEISUNG AN DER KAUFMÄNNISCHEN BERUFSSCHULE 20
3.2.1 Einordnung der aktiven Lernprozesse des Daltonplans in die personalistischen Grundannahmen dieser Arbeit 20
3.2.2 Voraussetzungen für die aktiven Lernprozesse des Daltonplans an der kaufmännischen Berufsschule 21
3.2.3 Die aktiven Lernprozesse des Daltonplans als Verinnerlichung von Erfahrung und Wissen 24
3.3 DIE SOZIALFORMEN DES LEHRENS UND LERNENS IM DALTONPLAN: INDIVIDUALITÄT UND SOZIALITÄT IM SPEZIELLEN BEZIEHUNGSFELD DER AUSBILDUNG IM „DUALEN SYSTEM“ 25
3.3.1 Beurteilung des Frontalunterrichts als „Regelform“ des Lehrens und Lernens unter Berücksichtigung des Menschen als „Individual-Sozial-Wesen“ 25
3.3.2 Individuelles und partnerschaftliches Lernen im Daltonplan 27
3.3.3 Der Daltonplan als Rahmen für den „Mix der Sozialformen“ an kaufmännischen Berufsschulen 29
3.4 FREIE EINTEILUNG DER LERNZEIT ALS WEG ZUR EIGENVERANTWORTLICHKEIT DER EDUKANDEN IM UNTERRICHTSMODELL VON HELEN PARKHURST 32
3.4.1 Eigen- und Fremdbestimmung in der Ausbildung im „Dualen System“ 32
3.4.2 Die Strukturierung der Lernzeit nach Parkhurst 33
3.4.3 Das Ausmaß eigenständiger Zeiteinteilung im Hinblick auf die gewünschte Eigenverantwortlichkeit der kaufmännischen Edukanden 35
4. FACHGERECHTE SACHMEISTERUNG DER EDUKANDEN DURCH DEN DALTONPLAN AN KAUFMÄNNISCHEN BERUFSSCHULEN 37
4.1 ALLGEMEIN VERBINDLICHE GRUNDLEISTUNGEN ALS MITTEL DES DALTONPLANS, DIE WACHSENDE HETEROGENITÄT DER EDUKANDEN ZU BERÜCKSICHTIGEN 37
4.1.1 Fundamentale und kulminale Aspekte des Daltonplans in der beruflichen Schulbildung 37
4.1.2 Die Heterogenität der Edukanden im „Dualen System“ der Berufsausbildung 38
4.1.3 Der Umgang mit der Heterogenität der Edukanden im Daltonplan 40
4.1.4 Die Berücksichtigung der fundamentalen und kulminalen Leistungen der Edukanden im Bewertungssystem des Daltonplans 42
4.2 THEORETISCHES UND PRAKTISCHES LERNEN IN EINER AUSBILDUNG NACH DEM DALTONPLAN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER SCHULISCHEN LERNORTE 44
4.2.1 Die kaufmännische Berufsausbildung im „Dualen System“ im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis 44
4.2.2 Theorie und Praxis der beruflichen Ausbildung im Daltonplan 45
4.2.3 Die schulischen Lernorte im Daltonplan 46
4.3 FÄCHERÜBERGREIFENDE UND FACHSPEZIFISCHE AUFGABENGESTALTUNG IN DEN DALTONPLAN-„ASSIGNMENTS“ 48
4.3.1 Spezial-/Universalaspekt und Elementar-/Komplexitätsaspekt im Daltonplan 48
4.3.2 Die Gestaltung der „assignments“ im Hinblick auf personalistische Aspekte fachgerechter Sachmeisterung 49
4.3.3 Fächerübergreifender und fachspezifischer Unterricht an der kaufmännischen Berufsschule 52
5. LEBENSDIENLICHE SITUATIONSBEWÄLTIGUNG DER EDUKANDEN DURCH DEN DALTONPLAN AN KAUFMÄNNISCHEN BERUFSSCHULEN 55
5.1 DAS ERLERNEN FLEXIBLER UND HABITUELLER ABLÄUFE IM RAHMEN DES DALTONPLANUNTERRICHTS 55
5.1.1 Der Trend zu erhöhter Flexibilität im Beruf und in der beruflichen Ausbildung 55
5.1.2 Die Motivation der Edukanden als Voraussetzung für das Lernen an der Berufsschule 56
5.1.3 Übung und Transfer im Daltonplan 57
5.2 POTENTIELLE DISZIPLINPROBLEME UND DIE VERÄNDERTE ROLLE DES EDUKATORS AN DER BERUFSSCHULE IM DALTONPLAN 59
5.2.1 Die Institutionsbezogenheit beruflicher Erziehung 59
5.2.2 Die Disziplin im Daltonplanunterricht 60
5.2.3 Die veränderte Rolle der Edukatoren 62
5.3 DIE UMSETZUNG DES DALTONPLANS IM TRADITIONELLEN RAHMEN DER KAUFMÄNNISCHEN BERUFSSCHULE 64
5.3.1 Der Daltonplan als offenes Unterrichtskonzept 64
5.3.2 Block- und Teilzeitunterricht an der Berufsschule 66
5.3.3 Die Zusammenarbeit der „Dualen Partner“ der Ausbildung im Daltonplan 67
6. ABSCHLIESSENDE BEWERTUNGEN UND AUSBLICKE 69
ANHANG I 71
DIE BIOGRAPHIE HELEN PARKHURSTS UND IHRE REFORMPÄDAGOGISCHEN IDEEN 71
ANHANG II 74
DIE DALTONPLANPRAXIS IN DEN NIEDERLANDEN 74
ANHANG III 77
DAS GRAPHSYSTEM HELEN PARKHURSTS 77
LITERATURVERZEICHNIS I

Arbeit zitieren:
Ertl, Hubert Dezember 1995: Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung des reformpädagogischen Ideenguts von Helen Parkhurst an kaufmännischen Berufsschulen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Berufspädagogik, Berufsschule, Parkhurst, Reformpädagogik, Wirtschaftspädagogik

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