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Möglichkeiten und Grenzen des Risk-Managements von Tsunami-Risiken in Südostasien, insbesondere ihre Versicherbarkeit

Möglichkeiten und Grenzen des Risk-Managements von Tsunami-Risiken in Südostasien, insbesondere ihre Versicherbarkeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anjana Buchholz
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 11,0 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9010-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9010-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9010-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Buchholz, Anjana August 2005: Möglichkeiten und Grenzen des Risk-Managements von Tsunami-Risiken in Südostasien, insbesondere ihre Versicherbarkeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Versicherung, Erdbeben, Indischer Ozean, Naturkatastrophe, Risiko

Diplomarbeit von Anjana Buchholz

Problemstellung:

Am 26. Dezember 2004 ereignete sich im Indischen Ozean vor der Westküste Sumatras ein Seebeben der Stärke 9,0 auf der Richterskala. Das Hypozentrum lag 3,307° nördlicher Breite und 95,947° östlicher Länge in ca. 30 km Tiefe. Das Meer ist hier rund 1.000 m tief. Es war das heftigste Beben seit 40 Jahren und das viertstärkste seit 1900. Die Kontinentalplatten wurden entlang der etwa 1.200 km langen Bruchzone um bis zu 30 m verrückt und stellenweise um mehr als 20 m angehoben. Der Meeresboden hob sich durch das ruckartige Abtauchen der Indischen unter die Eurasische Platte um bis zu zehn Meter an. Dies löste den Tsunami aus. Innerhalb von weniger als 30 Minuten erreichten die ersten Wellen gemäß Abb. 1 die Nordspitze Sumatras und die Inselgruppen der Andamanen und Nikobaren. In den folgenden 30 bis 60 Minuten wurden Bangladesch, Myanmar und Thailand, dann auch Indien, Sri Lanka, Malaysia und die Malediven von den Tsunami-Wellen getroffen sowie in den nachfolgenden Stunden die Tausende von Kilometern entfernten Küsten Somalias, Kenias, Tansanias und der Seychellen. Noch nie waren so viele Nationen gleichzeitig von einem Elementarschaden betroffen.

Zusätzlich waren als Konsequenz der Globalisierung Menschen aus über 50 Ländern unter den Opfern. Die grausame Bilanz der Naturkatastrophe: ca. 280.000 Tote, unzählige Verletzte, Millionen Obdachlose, kilometerlange Trümmerfelder und akute Seuchengefahr. Die Höhe der volkswirtschaftlichen Schäden wird auf 10 Mrd. USD geschätzt, davon waren nur ca. 1 Mrd. USD versichert.

Auch ohne die Flutwelle in Südostasien war 2004 mit rund 40 Milliarden USD das schadenreichste und teuerste Jahr in der Geschichte der internationalen Versicherungswirtschaft. Es lässt sich ein eindeutiger Trend erkennen: in den vergangenen 40 Jahren vervielfachten sich die volkswirtschaftlichen Schäden um den Faktor 5,3, die versicherten Schäden sogar um den Faktor 9,6. Es sind vor allem die großen wetterbedingten Naturkatastrophen, wie Stürme und Überschwemmungen, die in den letzten 60 Jahren massiv zugenommen haben. Zu diesem Themenkreis gibt es daher in der Literatur zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.

Ein Tsunami als Folge einer Ursache-Wirkungskette wurde jedoch bislang unterschätzt. Unabhängig vom oft diskutierten Klimawandel, der für die Häufung von Wind- und Wetterereignissen verantwortlich gemacht wird, treten Tsunamis selten auf und sind gerade aufgrund des Datenmangels über solche Ereignisse nur schwer zu prognostizieren.

Versicherungstechnisch werden Tsunami-Schäden weltweit sehr unterschiedlich, in Form einer Zusatzdeckung, gehandhabt. Es handelt sich hier bislang um einen noch nicht systematisch aufgearbeiteten Bereich in der Versicherungswirtschaft. Es gibt keine isolierten Tsunami-Deckungen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich daher mit der Frage, ob ein Tsunami nicht unabhängig von dem vorausgehenden Ereignis als eigenständiger Versicherungsfall betrachtet und versichert werden kann. Andernfalls müssten separate Versicherungen gegen Meteoriteneinschlag, Vulkanausbruch, Erdbeben und Hangrutsch abgeschlossen werden, um sich komplett gegen das Tsunamirisiko abzusichern. Denn Tsunamis können verschiedene Ursachen haben. Neben der Privatversicherung existieren Schutzalternativen, die im Rahmen eines Risk-Managements von Tsunamirisiken in Entwicklungsländern den Menschen helfen können, die sich privaten Versicherungsschutz nicht leisten können. Ziel ist neben Präventivmaßnahmen eine finanzielle Wiederaufbauhilfe nach einem Tsunami.

Gang der Untersuchung:

In dieser Arbeit soll versucht werden, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob in den Entwicklungsländern Südostasiens eine Versicherung in Bezug auf Tsunami-Risiken möglich ist, und wo ihre Grenzen liegen. Welche Alternativen gibt es dort zum privaten Versicherungsschutz im Rahmen eines Risikomanagements von Tsunamirisiken?

Zunächst soll auf versicherungsrelevante Aspekte Südostasiens eingegangen werden, um die Besonderheiten der geographischen Lage, der klimatischen Verhältnisse und des Versicherungsstandes dieser Länder herauszuarbeiten. Mit Blick auf das Tsunami-Ereignis 2004 werden die Risiken in Südostasien betrachtet. Dabei wird bewusst der westliche Teil der betroffenen Zone (Sri Lanka, Indien, Malediven, Somalia) ausgeklammert, um sich regional zu beschränken. Danach wird das Phänomen „Tsunami“ näher beleuchtet: Wie entsteht er, und mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen? Anschließend wird anhand mehrerer Kriterien am Beispiel Südostasiens überprüft, ob eine Tsunamiversicherung grundsätzlich möglich ist, und welche Probleme im Zusammenhang mit der Versicherbarkeit in diesen Entwicklungs- bzw. Schwellenländern auftreten können. Den Schwerpunkt der Arbeit rundet schließlich das Herausarbeiten von Alternativvorschlägen zur privaten Versicherung ab. Auf eine jeweilige allgemeine Erklärung der Konzepte folgen konkrete Anwendungsbeispiele für einzelne Länder.

Den Schluss der Arbeit bildet schließlich eine Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse mit Ausblick auf die Entwicklung der Tsunami-Forschung im Indischen Ozean und deren Bedeutung für die Versicherungswirtschaft.

Inhaltsverzeichnis:

Anlageverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 10
Symbolverzeichnis 13
1. Einleitung 15
1.1 Problemstellung 15
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung 17
2. Versicherungsrelevante Aspekte Südostasiens in Bezug auf Naturkatastrophen 18
2.1 Geographische Lage 18
2.2 Klimatische Verhältnisse und bisherige Naturkatastrophen 19
2.3 Versicherungsdichte 21
3. Das Tsunami Phänomen 24
3.1 Entstehungsursachen 24
3.2 Auswirkungen 29
4. Analyse der Versicherbarkeit von Tsunamis 33
4.1 Kriterien der Versicherbarkeit 33
4.1.1 Zufälligkeit 33
4.1.2 Schätzbarkeit 34
4.1.3 Unabhängigkeit 38
4.1.4 Eindeutigkeit 39
4.1.5 Größtmöglicher Schaden 40
4.1.6 Versicherungswürdigkeit 43
4.1.7 Prämie 45
4.2 Ergebnis 47
4.2.1 Risikoadäquate Prämie 47
4.2.2 Selbstbehalte 49
4.2.3 Deckungsformen 51
4.2.4 Schadenverhütung und -vorbeugung 53
4.2.5 Kumulkontrolle 54
4.2.6 Haftungslimite und Ausschluss bestimmter Regionen 57
5. Alternative Schutzmöglichkeiten für strukturschwache Regionen Südostasiens 58
5.1 Schadenvermeidung/Schadenbegrenzung 58
5.1.1 Raumplanung und Baunormen 58
5.1.2 Frühwarnsysteme 62
5.2 Schadenbewältigung 65
5.2.1 Länderkonzepte 65
5.2.2 Microfinance- und Microinsurance-Lösungen 68
5.2.3 Staatliche Versicherungskonzepte 72
5.2.4 Public Private Partnerships 75
5.2.5 Internationale Beteiligungen - Spenden - öffentlicher Druck 80
6. Zusammenfassung und Ausblick 83
Literaturverzeichnis 87

Automatisiert erstellter Textauszug:

ceh eine militante Gruppierung für einen unabhängigen islamischen Staat kämpft,141 betrug die Inflation 2003 6,6 %.142 Eine risikoadäquate Prämie würde nicht zum Abschluss einer Versicherung beitragen. Durch Versicherungsnehmer abgeschlossene Policen können für das VU im Falle eines Tsunamis aufgrund der negativen Risikoauslese zu beträchtlichen Schäden führen. Eine Absicherung des Erstversicherers gegen Überschäden ist daher unerlässlich. Dem Erstversicherer steht eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, wie er sein versicherungstechnisches Risiko streuen kann. Die konsequente Anwendung der folgenden Maßnahmen macht damit auch Großschäden für die Assekuranz tragbar. 4.2.2 Selbstbehalte Selbst wenn die Risikoprämie objektiv richtig kalkuliert ist, verbleibt ein Teil des Risikos beim Erstversicherer.143 Selbstbehalte oder Franchisen (frz. Franchise = Freibetrag) reduzieren das Risiko, das das VU übernimmt, und belassen einen gewissen Teil beim VN. Sie dienen mehreren Zwecken: Durch Selbstbeteiligung kann das moralische Risiko (Moral hazard) gemindert werden, d.h. Selbstbehalte schaffen beim VN einen Anreiz zur Schadenprävention, wenn er im Schadenfall einen Teil der Kosten selbst tragen muss. Schadenmeidung und Schadenminderung sind folglich positive Effekte. Des weitern können Schadenbearbeitungskosten reduziert werden, da kleine Bagatellschäden, die den Selbstbehalt des VN nicht übersteigen, gar nicht gemeldet werden. Die Anzahl der zu regulierenden Schäden vermindert sich somit. Da der VN durch Selbstbehalte ein geringeres Risiko an den Versicherer abgibt, reduziert sich die Prämie entsprechend.144 Ein kurzer Überblick über die wichtigsten proportionalen und nicht-proportionalen Selbstbeteiligungsformen soll im folgenden die Eignung der einzelnen Formen für die Versicherbarkeit des Tsunamirisikos aufzeigen: Zu den nicht-proportionalen Selbstbeteiligungsformen gehören die Integralfranchise, die Abzugsfranchise, die Verschwindende Abzugsfranchise und die Zeitfranchise. Die Integralfranchise ist für das VU nicht von Vorteil, da der VN Schäden x bis zu einem Franchisebetrag a selbst trägt, höhere Schäden werden vom VU komplett über141 142 143 144 [...]

Tsunamis stellen so seltene Ereignisse dar - und die damit verbundenen Schäden treten entsprechend selten auf - dass sie keine signifikante Risikoprämie erzeugen würden.136 Aus diesem Grund wird das Tsunamirisiko derzeit in Erdbeben- oder Überschwemmungspolicen teilweise sehr kostengünstig mitversichert. Wenn der Tsunami separat versichert würde, müsste die Prämie risikoinadäquat höher angesetzt werden, um rentabel zu sein. Ein Risiko ist dann nicht mehr versicherbar, wenn die geforderte Prämie die Zahlungsbereitschaft des Versicherungsnehmers übersteigt. Da Versicherbarkeit auf einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Versicherungsmarkt beruht, muss die Nachfrageseite genauer betrachtet werden. Tsunamirisiken könnten derzeit lediglich gegen überhöhte Prämien versichert werden. Da Policen für die Tsunamiversicherung, insbesondere in Touristenzentren gängig, kostengünstig als Zusatz zu teuren Erdbeben-, Feuer- oder Überschwemmungspolicen angeboten werden, mangelt es an Nachfrage für eine Versicherung, die überteuert erscheint und u.U. in den nächsten 40 Jahren nicht beansprucht werden muss. Dies wird auch durch den Umstand nicht geändert, dass Tsunamis, die durch andere Ereignisse als Erdbeben ausgelöst werden, bislang aufgrund ihrer Seltenheit generell nicht mitversichert sind. Die Abschlussfähigkeit wird im Wesentlichen von der Höhe des verfügbaren Einkommens gesteuert, das in Entwicklungsländern allgemein recht niedrig ist. Dem Versicherer bietet sich folglich die Möglichkeit, das Risiko bewusst kurzfristig untertarifiert zu decken.137 Bei Tsunamis sollte aufgrund der Eintrittswahrscheinlichkeit jedoch langfristig geplant werden. Eine Abweichung von Zeichnungsgrundsätzen würde daher auf lange Sicht zum Ruin des VU führen.138 Die Abschlussbereitschaft hingegen unterliegt psychologischen Faktoren wie Erwartungen und Einstellungen.139 Hier blockieren religiöse und ethische Probleme als zweite Hürde Vertragsabschlüsse. Zur Unterzeichnung eines langfristigen Versicherungsvertrages sind Motive wie Sicherheit, Optimismus, Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft Voraussetzung für einen Vertragsabschluss.140 Politische Instabilität und hohe Inflation stellen somit z.B. in Indonesien Kernprobleme für Versicherungen dar. Während in A- [...]

abzuschließen. Somit befinden sich nur Individuen mit schlechten Risiken im Risikopool. Die Situation verschärft sich auf der Ebene der Rückversicherer, da diese den größeren Bestand an Großrisiken halten und dadurch schwankungsanfälliger sind.130 Der Anteil der von einer Tsunamigefahr bedrohten und versicherten Gebäude läge wohl unter einem Prozent des landesweiten Gebäudebestandes. Damit ist die Risikogemeinschaft zu klein, um eine für Versicherungsnehmer und Versicherer wirtschaftliche Lösung über einen Risikoausgleich im Kollektiv zu ermöglichen.131 Konsequenzen sind überhöhte Risikoprämien, die sich die Menschen nicht leisten können oder nicht bereit sind zu bezahlen. Sie hoffen, im Katastrophenfall eine Entschädigung vom Staat oder Spendengelder zu erhalten.132 In diesem Fall ist das Risiko unversicherbar, wenn die vom Versicherungsunternehmen geforderte Prämie die Zahlungsbereitschaft des Versicherungsnehmers übersteigt. Umgekehrt bietet der Versicherer in solchen Situationen wegen mangelnder Nachfrage gar keine Deckung an.133 Damit ist zu erwarten, dass der Markt hier versagt, da der Versicherer überhöhte Versicherungsprämien ansetzen müsste, die dem Markt nicht gerecht werden.134 4.2 Ergebnis 4.2.1 Risikoadäquate Prämie Als Zwischenergebnis muß festgestellt werden, dass nicht nur das Kriterium der Unabhängigkeit nicht erfüllt ist, wie bei vielen Naturkatastrophen, sondern unter derzeitigem Forschungsstand auch eine Schätzbarkeit von Tsunamis im Indischen Ozean unmöglich ist. Mangels kartographischer Erfassung und Tsunamiforschung lässt sich noch keine probabilistische Gefährdungskarte der Region erstellen. Die Eindeutigkeit stellt ebenso ein Problem dar wie Bestimmung und Wirtschaftlichkeit einer risikoadäquaten Prämie. Versicherbarkeit ist daher auf den ersten Blick ausgeschlossen. Da Versicherungswettbewerb die Verneinung der Versicherbarkeit jedoch ausschließt,135 muss erörtert werden, wie Versicherbarkeit erweitert und dadurch doch noch Versicherungsschutz geboten werden kann. [...]

Arbeit zitieren:
Buchholz, Anjana August 2005: Möglichkeiten und Grenzen des Risk-Managements von Tsunami-Risiken in Südostasien, insbesondere ihre Versicherbarkeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Versicherung, Erdbeben, Indischer Ozean, Naturkatastrophe, Risiko

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