Die Möglichkeiten und Grenzen des PRSP-Ansatzes in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Thorsten Volberg
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 90 Seiten
- Dateigröße: 667,1 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8554-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8554-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8554-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Volberg, Thorsten März 2004: Die Möglichkeiten und Grenzen des PRSP-Ansatzes in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: HIPC, Ruanda, Entschuldung, Entwicklungspolitik, Krisenprävention
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Magisterarbeit von Thorsten Volberg
Einleitung:
In vielen Regionen des subsaharischen Afrikas verschärfen sich vor dem Hintergrund fundamentaler Entwicklungskrisen die gesellschaftlichen Widersprüche und Verteilungskämpfe. Deformierte bzw. fehlgeschlagene Modernisierungs- und Transformationsprozesse manifestieren sich und lassen eine wachsende Politisierung von Gesellschaftszusammenhängen erkennen. Ethnisch geprägte Auseinandersetzungen, Staatszerfall und soziale Chaotisierungsprozesse bis hin zu kriegerischen Konflikten, prägen auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts große Teile des afrikanischen Kontinents. Die steigende Anzahl von Ländern mit nicht mehr beherrschbaren Zahlungsbilanz- und Verschuldungsproblemen, enormen Einkommensunterschieden und einer unzureichenden sozialen Grundversorgung der Bevölkerung, verdeutlichen das globale Gefälle zwischen den Industrienationen des „Nordens“ und den Ländern des „Südens“.
Diese Negativentwicklung basiert unter anderem auf wirtschafts- und sozialpolitischen Einflüssen und Maßnahmen, die auch die Wirksamkeit der bisher geleisteten Entwicklungshilfe in Frage stellen. Entwicklungspolitische Handlungsspielräume müssen in diesem Zusammenhang jedoch realistisch eingeschätzt und im Kontext der politischen Interessen - sowohl der internationalen Gebergemeinschaft, als auch der Akteure in den Empfängerstaaten – betrachtet werden. Beide Seiten agieren zudem in einem sich intensivierenden Globalisierungsprozess, in der die Nationalstaaten zwar weiterhin die weltpolitisch mächtigsten Akteure darstellen, ihre Position aber zwischen den verschiedensten Interessengruppen und global agierenden Institutionen handlungsärmer geworden ist.
Auf dem G8-Gipfel 1999 in Köln wurde die ‚Highly Indebted Poor Country’ (HIPC) - Initiative eingeleitet, eine Entschuldungskampagne, die eine Politikausrichtung der Partnerländer an das Ziel der Armutsbekämpfung knüpft. Die HIPC-Staaten haben sich im Rahmen des Schuldenerlasses gegenüber der Weltbank dazu verpflichtet, nationale Strategiepapiere zu erstellen und die, aufgrund des Erlasses eingesparten öffentlichen Mittel, für die Armutsbekämpfung einzusetzen. Die ‚Poverty Reduction Strategy Paper’ (PRSPs) sollen zudem einen Rahmen für die Geberkoordinierung schaffen, an dem sich zukünftig die Programme der Entwicklungsbanken und des IWF, aber auch die der bilateralen und multilateralen Geber orientieren. Die Grundprinzipien des PRSP-Ansatzes bestehen in der Übertragung der Verantwortlichkeiten auf die betroffenen Länder selbst (‚ownership’) und einer breiten Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure (‚participation’) in den Gestaltungsprozess.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Umsetzungsproblematik dieser Prinzipien in solchen Ländern des subsaharischen Afrikas, in denen staatliche Strukturen aufgrund von Bürgerkriegen erst wieder aufgebaut werden müssen. Innerstaatliche Konflikte sind zudem von einer zunehmenden Einbeziehung der Zivilbevölkerung in Kampfhandlungen geprägt. Somit wird den betroffenen Ländern die Basis für eine aktive Mitgestaltung in der Etablierung eines breitenwirksamen Wirtschaftswachstums – eine grundlegende Voraussetzung für nachhaltige Armutsbekämpfung – entzogen. Die oftmals nur rudimentär oder formal existierenden Staaten, sowie deren Ökonomie und Gesellschaft, bleiben auch in der Post-Konflikt-Phase durch Gewaltstrukturen gekennzeichnet und behindern so die Einleitung eines friedlichen Transformationsprozesses.
Da die afrikanischen Länder in ihren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen enorme Unterschiede aufweisen, ist eine PRSP-individuelle Betrachtung notwendig, um die Möglichkeiten und Grenzen der Armutsbekämpfungsstrategie anhand einer konkreten Konfliktregion zu verdeutlichen. Ruanda gilt in diesem Zusammenhang unter anderem aufgrund seiner spezifischen ethnischen Polarisierung - die wiederum aus der Kolonialzeit heraus zu betrachten ist - als Beispiel für ein komplexes und krisenanfälliges gesellschaftspolitisches Umfeld. Auch wenn der 1994 begangene Völkermord und die nachfolgende Fluchtbewegung als ein „Extremfall“ und nicht als repräsentative Sozialkatastrophe für den gesamten Kontinent gesehen werden darf, sind die direkten Auswirkungen des Konflikts auf die Armut der Bevölkerung vergleichbar mit anderen, von Kriegen betroffenen Regionen.
Gerade in Post-Konfliktsituationen sind politische Entscheidungen von großer Tragweite und immer in direktem Zusammenhang mit der Gefahr eines möglichen Wiederausbruch von Gewalt zu betrachten. Es stellt sich daher die Frage, inwieweit politische, wirtschaftliche und soziale Regelungsinstrumente in den subsaharischen Staaten geschaffen werden können, die den Aufbau eines langfristigen Friedens zu unterstützen vermögen.
Der Einfluss der Geberstaaten - vor allem aus ihrer Position innerhalb der Weltbank heraus – spielt eine entscheidende Rolle dabei, entwicklungspolitische Maßnahmen krisenpräventiv auszurichten. Aber auch jene Voraussetzungen, die von Seiten der Nehmerstaaten erfüllt werden müssen, um Konfliktsituationen auf Basis eines gesellschaftlichen Konsens zu lösen, werden in dieser Arbeit thematisiert. Inwieweit nun die HIPC-Initiative und die Umsetzung des PRSP-Ansatzes einen Beitrag zur Friedenssicherung und nachhaltigen Armutsbekämpfung leisten kann und worin ihre Schwächen – gerade in Konfliktregionen - bestehen, bildet den abschließenden Schwerpunkt dieser Analyse.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 1.1 | Einführung in das Thema | 5 |
| 1.2 | Begriffsbestimmung | 7 |
| 1.3 | Forschungsstand und Quellen | 9 |
| 2. | Entwicklungspolitische Wendepunkte | 11 |
| 2.1 | Entkolonialisierung und der Ost-West-Konflikt | 11 |
| 2.2 | Die 90er Jahre | 12 |
| 2.3 | Der 11. September 2001 | 15 |
| 3. | Das PRSP-Konzept der Weltbank | 16 |
| 3.1 | Schuldenproblematik und Strukturanpassung | 17 |
| 3.2 | Entschuldungsinitiativen HIPC I und HIPC II | 20 |
| 3.3 | Entschuldungsansätze in Konfliktländern | 24 |
| 4. | Gewaltkonflikte | 26 |
| 4.1 | Konflikttheoretischer Diskurs | 26 |
| 4.1.1 | Das ‚Zivilisierungstheorem’ als Konflikttheorie nach Senghaas | 27 |
| 4.1.2 | Kritik am Theorem | 28 |
| 4.2 | Innerstaatliche Konflikte | 29 |
| 4.3 | Konfliktauswirkungen auf Armut | 31 |
| 4.4 | Die Politische Ökonomie von Bürgerkriegen | 32 |
| 5. | Der PRSP-Ansatz in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas | 35 |
| 5.1 | Die politische Entwicklung im subsaharischen Afrika | 35 |
| 5.2 | Konflikte im subsaharischen Afrika | 39 |
| 5.2.1 | Konfliktursachen | 39 |
| 5.2.2 | Konfliktfelder | 41 |
| 5.3 | Post-Konflikt-Situationen | 42 |
| 5.4 | Der PRSP-Ansatz in Konfliktregionen | 45 |
| 5.4.1 | ‘participation’ | 45 |
| 5.4.2 | ‚ownership’ | 46 |
| 5.5 | Die ‚Poverty Reduction Strategy’ Ruandas | 47 |
| 5.5.1 | Die Ursprünge des „ethnischen“ Konflikts | 48 |
| 5.5.2 | Entwicklungspolitische Ansätze in Ruanda | 50 |
| 5.5.3 | Darstellung des ruandischen PRSPs | 51 |
| 6. | Entwicklungspolitische Maßnahmen in Konfliktregionen | 54 |
| 6.1 | Krisenprävention, Konflikttransformation und Friedensaufbau (‚Peacebuilding’) | 54 |
| 6.2 | Der Stellenwert der Krisenprävention im Armutsbekämpfungskonzept der Weltbank | 55 |
| 6.3 | ‚Human Security’ nach der Definition von OECD und UNDP | 57 |
| 6.4 | Konfliktspezifische Maßnahmen in Krisenregionen | 59 |
| 6.4.1 | ‚Institution Building’ | 61 |
| 6.4.2 | Die Möglichkeiten einer konfliktspezifischen Umsetzung des PRSP-Ansatzes | 62 |
| 6.5 | Der krisenpräventive Ansatz im PRSP-Konzept Ruandas | 63 |
| 6.5.1 | Die gerichtliche Aufarbeitung des Völkermords | 64 |
| 6.5.2 | ‚participation’ und ‚ownership’ in Ruanda | 65 |
| 7. | Fazit | 66 |
| 8. | Abkürzungsverzeichnis | 71 |
| 9. | Quellen- und Literaturverzeichnis | 74 |
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die weltweite Entkolonialisierungsphase, die mit der Unabhängigkeit Ghanas von Großbritannien 1957 schließlich auch den afrikanischen Kontinent erreichte.134 Die Ausbeutung von Bodenschätzen und landwirtschaftlichen Ressourcen durch die Kolonialmächte hinterließ den neu gegründeten Staaten dabei ein labiles Wirtschaftssystem; viele Länder wurden vom Export weniger Produkte abhängig und somit extrem anfällig für Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.135 Diese wirtschaftliche Schwäche, unter der vor allem die zentralafrikanischen Staaten litten, erschwerte die Arbeit der neuen Regierungen bei der Bildung einer Nation. Zudem beließ es sie in einer starken wirtschaftlichen aber auch machtpolitischen Abhängigkeit zur ehemaligen Kolonialmacht.136 Trotz der übernommenen Verfassungen nach dem Vorbild des britischen und französischen Systems, bot die Kolonialherrschaft keine ausreichende Vorbereitung für einen demokratisch-parlamentarischen Staat; die zu Beginn der Unabhängigkeit gegründeten Mehrparteiensysteme zerfielen und wurden in den meisten afrikanischen [...]
größere Teile der Wirtschaft agieren tendenziell kriminell und gewaltorientiert, was eine Verfestigung von Milieus und Strukturen mit sich bringt, die ein Interesse an der Fortsetzung der Konfliktsituation haben.124 Das Weltbank-Diskussionspapier ‚PostConflict Recovery in Africa: A proposed agenda for the Africa Region’ spricht mit Blick auf die Staaten des subsaharischen Afrikas sogar von einer „stable situation of instability“.125 Ein weiterer Erklärungsansatz für die Entstehung von Gewaltökonomien geht über den o.g. Ansatz hinaus und lenkt den Blick auf Dynamiken und Folgewirkungen von Globalisierungsprozessen. Denn, wie bereits im ‚Zivilisierungstheorem’ von Senghaas, werden auch hier innerstaatliche Kriege „untrennbar in ihre internationale Umwelt“ eingebunden.126 Im Zuge dieses Prozesses haben sich international organisierte und im Kern kriminelle Handels- und Schmugglernetzwerke herausgebildet, die in den rechtsfreien Räumen von Konfliktgebieten eine Art Konzept der ‚Schattenwirtschaft’ benutzen.127 Eine Entwicklung, die mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung aus der regulären Ökonomie - „in der Tausch in einem rechtsstaatlichen Rahmen erfolgt und der Staat das Monopol legitimer Gewaltausübung innehat“ - ausschließt.128 [...]
vom Krieg profitierender Unternehmen in Verbindung setzt.119 So würden Kriege nach außen hin zwar ideologisch (ethnisch, religiös u.a.) legitimiert, kreisen im Kern aber um die Kontrolle von Ressourcen.120 Gerade die Dauerhaftigkeit solcher Konflikte in rohstoffreichen afrika-nischen Ländern - wie Sierra Leone, Nigeria, Angola, Liberia und der ‚DR Kongo’ - ließe sich aufgrund der mit ihnen zusammenhängenden vielfältigen und verflochtenen wirtschaftlichen Interessen, erklären.121 Da allerdings Staaten wie Botswana über ertragreiche Diamantenvorkommen verfügen, diese aber ökonomisch und gesellschaftlich sinnvoll nutzen, trifft dieses – auf rein ökonomische Faktoren reduzierte – Erklärungsmuster wohl eher auf Länder zu, in denen Staatsverfall (Failed States) bereits vor Ausbruch der Gewaltkonflikte stattgefunden hat.122 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832485542
Arbeit zitieren:
Volberg, Thorsten März 2004: Die Möglichkeiten und Grenzen des PRSP-Ansatzes in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
HIPC, Ruanda, Entschuldung, Entwicklungspolitik, Krisenprävention



