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Möglichkeiten und Grenzen der Medienerziehung an einer Sonderschule für Lernbehinderte

Am Beispiel des Experiments "Schüler machen Radio"

Möglichkeiten und Grenzen der Medienerziehung an einer Sonderschule für Lernbehinderte
Über dieses Buch
  • Art: Seminararbeit
  • Autor: Helmut Zilliken
  • Abgabedatum: Februar 1997
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2453-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2453-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2453-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Zilliken, Helmut Februar 1997: Möglichkeiten und Grenzen der Medienerziehung an einer Sonderschule für Lernbehinderte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schülerradio, Sonderschule, Medienerziehung, Lernbehinderte, Bürgerfunk

Seminararbeit von Helmut Zilliken

Einleitung:

"Gestern noch in der Schule - heute schon bei uns im Tonstudio!" - so oder ähnlich könnte das Motto der Landesbildstelle in Düsseldorf lauten, die mit ihrem Projekt "Rads" (Radio aus der Schule) für eine Einbindung der Bürgerfunkarbeit in die Schulen des Landes NRW wirbt. Da ich selbst auf eine langjährige Mitarbeit in einer Bürgerfunkgruppe zurückblicken kann, und seit vier Jahren lernbehinderte Schüler unterrichte, war schnell die Idee entstanden, dieses Projekt wissenschaftlich zu begleiten. Kann der lernbehinderte Schüler Radiobeiträge produzieren, die sendefähig sind? Kann er vielleicht sogar Förderung durch den Umgang mit dem Medium Radio erfahren? Diese Fragestellungen versucht die vorliegende Arbeit zu untersuchen.

Gang der Untersuchung:

In einem theoretischen Teil (Gliederungspunkte 2-4) sollen dazu die Basisinformationen zur Entstehung des Bürgerfunks und das technisch-journalistische Grundwissen im Hinblick auf seine Anwendbarkeit an einer Schule für Lernbehinderte dargelegt werden. Des weiteren wird die Frage zu beantworten sein, wie die Produktionsabläufe eines Radiobeitrags und eines kompletten Magazins didaktisch und methodisch umgesetzt werden können. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht werden, ob das Produzieren von Radiobeiträgen dem Lernbehinderten helfen kann, seine Lerndefizite abzubauen, ob das "Radiomachen" vielleicht sogar Fördermöglichkeiten bietet. Kann der Lern- und Förderort Schule zu einem Lern- und Förderort Tonstudio werden? Nach dem Motto: vom Klassenraum direkt ins Studio!?

Das Projekt "Rads" soll in einem weiteren Kapitel (Gliederungspunkt 5.1) dargestellt werden. Intentionen und Konzept des auf drei Jahre festgeschriebenen Projekts werden vorgestellt, und es wird zu prüfen sein, ob die Aus- und Fortbildung der Lehrer den Anforderungen an den schulischen Alltag gerecht wird. Der Beobachtungszeitraum von fünf Monaten läßt dabei nur eine eingeschränkte Beurteilung zu. Die sich unmittelbar anschließende Darstellung (Glie-derungs-punkt 5.2) über die Produktion eines Radiomagazins mit einer 10. Klasse wird zeigen, ob und unter welchen Bedinungen eine solche Produktion möglich ist, und wie sie organisatorisch und didaktisch-methodisch vorbereitet und durchgeführt werden muß. Kann sich so etwas wie eine Redaktionsgruppe etablieren und auf Dauer im schulischen Alltag integrieren lassen?

Die vorhandene Literatur bzgl. Radioarbeit mit Kindern und Jugendlichen beschränkt sich, mit wenigen Ausnahmen, auf den außerschulischen Bereich. Hier werden Projekte im Freizeit- und Sozialbetreuungsbereich vorgestellt, oder rein theoretische Ausführungen angeboten. Die vorliegende Arbeit kann somit auch eine Lücke schließen und Anlaß sein, die Möglichkeiten der im Landesrundfunkgesetz verankerten Bürgerbeteiligung am privaten Rundfunk, für die Schule zu erschließen.

Der Gliederungspunkt 6 versucht, die theoretischen Vorgaben und die Praxistauglichkeit in einer kritischen Reflexion darzulegen. Im Vordergrund der Betrachtungen sollen dabei die gemachten Erfahrungen im Projekt stehen. Die Praktikabilität und somit die langfristige Einbindung von Radioarbeit in den pädagogischen Alltag einer Lernbehindertenschule sollen dabei hinterfragt werden. Ein Ausblick auf weitere mögliche wissenschaftliche Untersuchungen und Hinweise bzgl. der Möglichkeiten und Grenzen des "Radiomachens in der Schule" schließen sich an.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Darstellung des Hörfunks und Entwicklung des Bürgerfunks 6
2.1 Das Medium Hörfunk unter historischen Gesichtspunkten 6
2.2 Das Landesrundfunkgesetz Nordrhein-Westfalen (LRG NW) 7
3. Das Medium Hörfunk in der Schule 9
3.1 Technisch-organisatorische Voraussetzungen 9
3.1.1 Das Reportagegerät 11
3.1.2 Das Tonstudio 12
3.2 Sendeformen 13
3.2.1 Nachricht 13
3.2.2 Interview 14
3.2.3 Umfrage 15
3.2.4 Gebauter Beitrag 15
3.2.5 Hörspiel 16
4. Didaktisch-methodische Planung 18
4.1 Kinder/Jugendliche und ihre Hörfunkgewohnheiten 19
4.2 Richtlinien und Lehrpläne 20
4.3 Das Radio als Fördermaterial 22
4.3.1 Fördermöglichkeiten von lernbehinderten Schülern 26
4.4 Projektorientierter Unterricht 34
4.5 Handlungsorientierter Gruppenunterricht 37
4.6 Bedingungsfelder bei Radioproduktionen 41
4.6.1 Technische Voraussetzungen 41
4.6.2 Organisatorische Voraussetzungen 41
4.7 Planung einer Unterrichtsreihe 42
4.7.1 Ziele 42
4.7.2 Didaktisch-methodische Überlegungen 44
4.7.3 Verlaufsplanung 53
5. Projektbeschreibung: "Radio aus der Schule" - Landschaftsverband Rheinland, Landesbildstelle Rheinland 61
5.1 Zielvorstellung und Organisationsstrukturen des Projekts 61
5.1.1 Intentionen 63
5.1.2 Durchführung von Schulungen 64
5.1.3 Radioarbeit als Unterrichtsmethode 67
5.2 Beschreibung der Durchführung eines Projekts an einer Schule für Lernbehinderte 69
5.2.1 Technisch-organisatorische Bedingungen 70
5.2.2 Didaktisch-methodische Planung 70
5.2.3 Durchführung 71
5.2.3.1 Zeitlicher Planungsverlauf der Produktion 72
5.2.3.2 Reaktionen der Schüler 73
5.2.3.3 Möglichkeiten und Grenzen 74
5.2.3.4 Produktionsbeispiele 74
6. Kritische Reflexion 75
6.1 Ist eine Förderung möglich? 75
6.2 Das Projekt "Rads" 78
6.3 Ausblicke 80
6.4 Erstellung der Ton-Kassette 81
6.5 Reaktionen nach Ausstrahlung der Sendung 83
7. Schlußwort 85
8. Literaturverzeichnis 87
9. Anlagen 93

Automatisiert erstellter Textauszug:

43 4.7.1 Ziele Bezug nehmend auf die oben bereits genannten allgemeinen didaktischmethodischen Überlegungen (s.a. 4.1 - 4.6), sollten die Lern- und Lehrziele für eine Unterrichtsreihe genannt werden. Diese Unterrichtsreihe ist unabhängig von evtl. gedachten Schulprojekten oder Arbeitsgemeinschaften zu sehen. Die Ziele lassen sich jedoch auf Projekte und AGs übertragen. Dort sollten sie dann den jeweiligen Lern- und pädagogischen Bedingungsfeldern angepaßt werden. Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung geht in seiner Publikation „Aktive Medienarbeit - Beispiel: Lokalradio“ (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 1993) näher auf die Aufgabenfelder von Medienpädagogik in der Schule (ebd. S. 9ff) ein. Besonderer Wert wird u.a. auch auf die „Produktive Medienpädagogik“ (ebd. S. 10) gelegt. Dieser Denkansatz ist für die Arbeit mit Lernbehinderten deshalb von besonderer Bedeutung, weil er die Gesamtpersönlichkeit des Schülers berücksichtigt (s.a. 4.3 - 4.5). Unter produktiver Medienpädagogik wird verstanden: „Die Produktive Medienpädagogik intendiert als Leitbild den aktiven und selbsttätigen Kommunikator mit allen Medien, die Aufhebung der vom Massenkommunikationsprozeß bedingten Opposition zwischen Produzent und Rezipient, also die Emanzipation des Rezipienten und seine Befähigung wie Anerkennung als Produzent [...] (Baacke und Kübler in: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, S. 10, 11). Produktive Medienpädagogik ist gekennzeichnet durch eine ganzheitliche Lernsituation, verknüpft werden praktisches Tun und kognitive Einsicht - Abstraktion und Sinnlichkeit - Phantasie und Systematik - soziales Lernen und individuelle Anstrengung. ‘Da macht es dann plötzlich Spaß, selbst aktiv zu sein, Informationen einzuholen, Erkundungen und Befragungen durchzuführen, Aufgaben und ‘Rätsel’ zu lösen, Fakten und Erkenntnisse zu ordnen und zu strukturieren (...), mit anderen Schülern zu diskutieren- kurzum: praktisch etwas zu machen“ (Klippert in: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, S.11). „Produktive Medienarbeit fördert Selbstentfaltung, Selbstverwirklichung und gesellschaftliche Bewußtseinsbildung. [...] Produktive Medienpädagogik wird im Bereich der Medienerziehung als ‘Königsweg’ im Kontext der systematischen Varianten medienpädagogischen Handelns angesehen“ (ebd. S. 10, 11). Als überge- [...]

42 funk“) und Fördergelder zur Verfügung. Letztere werden jedoch in der Institution verbleiben, da hiermit die laufenden Kosten gedeckt werden. Ein Entgeld für die Produktion wird in aller Regel nicht erhoben (im Einzelfall gibt es Sonderregeln, ggf. eine geringe Gebühr). Eine produzierende Schülergruppe kann also in aller Regel mit einer professionellen Betreuung und kostenfreier Nutzung rechnen. Der Produktionsprozeß gestaltet sich in aller Regel in Phasen (s.a. 4.7). Die einzelnen Produktionsschritte können in der Schule, auf der Straße/beim Interview oder im Produktionsstudio stattfinden. Zudem müssen Aufnahmeeinheiten entliehen werden. Dies setzt voraus, daß die anzusprechende „Radiowerkstatt“ im näheren Einzugsbereich der Schule sein sollte, um unnötige Anfahrtszeiten zu vermeiden. In größeren Städten ist dies i.d.R. unproblematisch, da sich viele Institutionen anbieten (s.a. 3.1). Der Lehrer sollte bemüht sein, die Unterrichtsgänge gut zu organisieren, um die Schüler nicht bereits im Vorfeld zu demotivieren. I.d.R. sind die Produktionsstätten auch am Vormittag geöffnet, oder es lassen sich Termine vereinbaren. 4.7 Planung einer Unterrichtsreihe [...]

Die Produktion von Sendebeiträgen erfordert im außerschulischen Bereich ein Mindestmaß an technischen und organisatorischen Voraussetzungen. Dasselbe gilt entsprechend für die Arbeit in der Schule. Damit bei der Planung und Durchführung von Radioprojekten unnötige Kontinuitätsprobleme vermieden werden, sollten sowohl die technischen, als auch die organisatorischen Voraussetzungen im jeweiligen Einzugsbereich vom Lehrer im Vorfeld genau eruiert werden. Es wird dabei davon ausgegangen, daß Schulen im allgemeinen nicht über ein eigenes technisches Equipment verfügen. Dieses wird jedoch von den entsprechenden Stellen zur Verfügung gestellt (s.a. Punkt 3.1). 4.6.1 Technische Voraussetzungen Erste Übungen und Versuche mit der Tonaufzeichnung können mit einfachen Kassettenrecordern gemacht werden. Diese sind in aller Regel an Schulen bereits vorhanden oder können aus privatem Fundus beigebracht werden. Ebenso ist zu vermuten, daß die meisten Schüler bereits über die notwendigen Fertigkeiten zur Bedienung eines solchen Rekorders verfügen. Für die Beitragsproduktion zur späteren Ausstrahlung im Lokalfunksender ist es jedoch notwendig, professionelles Equipment zu nehmen (näheres s.u. 3.1). 4.6.2 Organisatorische Voraussetzungen Die unter 3.1 genannten Institutionen (Radiowerkstätten, Produktionsstudios) erfüllen die Voraussetzungen der Landesanstalt für Rundfunk. Sie sind von der Landesanstalt anerkannt und bieten so die Voraussetzung, um mit Bürgerfunkbeiträgen auf Sendung gehen zu können. Die dort Verantwortlichen stellen in aller Regel auch die notwendigen Anträge („Sendeanmeldung für den Bürger- [...]

Arbeit zitieren:
Zilliken, Helmut Februar 1997: Möglichkeiten und Grenzen der Medienerziehung an einer Sonderschule für Lernbehinderte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schülerradio, Sonderschule, Medienerziehung, Lernbehinderte, Bürgerfunk

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