Möglichkeiten und Grenzen der Kunsttherapie in der Behandlung von Panikstörungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Meike Lorenzen
- Abgabedatum: Mai 2001
- Umfang: 135 Seiten
- Dateigröße: 998,4 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6341-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6341-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6341-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lorenzen, Meike Mai 2001: Möglichkeiten und Grenzen der Kunsttherapie in der Behandlung von Panikstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Psychosomatik, Psychotherapieforschung, Grawe, Bildnersiches Gestalten, Kreativität
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Diplomarbeit von Meike Lorenzen
Zusammenfassung:
In der Therapie von Panikstörungen (Panikstörung ohne Agoraphobie und Panikstörung mit Agoraphobie) ist der Stellenwert verhaltenstherapeutischer Methoden, vor allem der Reizkonfrontation, unbestritten. Dennoch wirft die Residual- und Rückfallquote Fragen in Bezug auf mögliche Hintergrundproblematiken, die es eventuell stärker zu berücksichtigen gilt, auf.
In dieser Arbeit werden die Vielschichtigkeit, d. h. die verschiedenen Problembereiche des Krankheitsbildes Panikstörung herausgestellt und die Notwendigkeit einer Berücksichtigung dieser Facetten der Erkrankung in therapeutischen Konzeptionen betont. Im Vordergrund stehen dabei die Flexibilisierung von Kognition und Verhalten, Emotionsarbeit, Wahrnehmungsdifferenzierung, Arbeit am Selbstkonzept und eine Erweiterung der interaktionellen Kompetenz.
Vor dem Hintergrund eines eklatanten Mangels an entsprechend mehrdimensionalen Behandlungsmodellen wird dargestellt, daß Kunsttherapie über ein Potential verfügt, der notwendigen Berücksichtigung der einzelnen Problembereiche des Krankheitsbildes Panikstörung gerecht zu werden. Im Therapieverbund – mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen als einem wesentlichen Bestandteil – bietet sich für einen langfristigen Therapieerfolg Kunsttherapie als wesentliches ergänzendes therapeutisches Angebot an. Herausgestellt werden in diesem Zusammenhang spezifische Wesensmerkmale bildnerischen Gestaltens, die hier von zentralem therapeutischen Wert sind.
Konkretisiert wird dies durch die Ausarbeitung eines methodischen kunsttherapeutischen Behandlungskonzepts, das sich an den zuvor herausgestellten Problembereichen orientiert und an dem Phasenverlauf der Therapie im therapeutischen Verbund ausgerichtet ist. Dabei werden im kunsttherapeutischen Prozeß störungsspezifische, klärungsorientierte und ressourcenorientierte Variablen angesprochen.
Die Aktualität eines solchen Ansatzes, der an den Problembereichen eines Störungsbildes ausgerichtet ist und die eben genannten Variablen aktualisiert, korrespondiert mit aktuellen Tendenzen zu schulenübergreifenden Konzepten in der Psychotherapie.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Aspekte des Krankheitsbildes | 5 |
| 1.1 | Klassifikation und Begriffsbestimmung | 6 |
| 1.2 | Differentialdiagnostische Aspekte | 7 |
| 1.3 | Verlauf und Prognose | 8 |
| 1.4 | Psychosoziale Situation des Erkrankten | 9 |
| 2. | Krankheitsmodelle der Panikstörung | 11 |
| 2.1 | Angst als gelerntes Verhalten - Ein frühes Modell der Verhaltenstherapie | 11 |
| 2.1.1 | Zwei-Faktoren-Modell der Angstentstehung nach Mowrer | 13 |
| 2.1.2 | Modellernen | 13 |
| 2.2 | Angst als Produkt des Geistes - Das Modell der kognitiven Verhaltenstherapie | 14 |
| 2.2.1 | Therapeutische Interventionen | 16 |
| 2.3 | Modelle der Psychoanalyse | 21 |
| 2.3.1 | Angst als Folge eines Konfliktes | 21 |
| 2.3.2 | Angst als Folge von Ich-Schwäche | 22 |
| 2.3.3 | Angst als Bindungsverlustangst | 23 |
| 2.3.4 | Therapeutische Interventionen | 26 |
| 2.4 | Angst als Folge von Inkongruenz zwischen Selbstkonzept und Erfahrung - Ein Modell der Humanistischen Psychologie | 31 |
| 2.4.1 | Persönlichkeitstheorie nach Carl Rogers | 32 |
| 2.4.2 | Therapeutische Interventionen - Der gesprächspsychotherapeutische Prozeß | 34 |
| 2.4.3 | Zum Verständnis des Krankheitsbildes der Panikstörung | 36 |
| 2.4.4 | Gesprächspsychotherapeutischer Prozeß und Panikstörung | 41 |
| 3. | Zur Notwendigkeit eines mehrdimensionalen Behandlungskonzepts | 45 |
| 3.1 | Tendenzen in der Therapie der Panikstörung | 46 |
| 3.2 | Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Psychotherapie | 50 |
| 3.3 | Therapeutische Zielsetzungen in der Behandlung der Panikstörung - Eine Zusammenfassung | 52 |
| 3.4 | Behandlung der Panikstörung im stationären Klinikkontext | 53 |
| 4. | Aspekte der Kunsttherapie | 55 |
| 4.1 | Zur aktuellen Problematik der Disziplin Kunsttherapie | 57 |
| 4.2 | Schwerpunktsetzung im Rahmen der Arbeit | 58 |
| 4.3 | Der erweiterte Therapie- und Kunstbegriff | 59 |
| 4.4 | Kreativitätstheoretische Aspekte | 61 |
| 4.4.1 | Die erste kreative Handlung des Kindes | 62 |
| 4.4.2 | Zur Bedeutung des Intermediären Raumes für die Entwicklung von Selbstregulierungsfähigkeit | 63 |
| 4.4.3 | Übergangsobjekt und Intermediärer Raum im Fokus der Kunsttherapie | 63 |
| 4.5 | Eine Theorie Bildnerischen Gestaltens | 64 |
| 4.5.1 | Eine kritische Hinterfragung des Begriffs Kunsttherapie | 65 |
| 4.5.2 | Das Wesen bildnerischen Gestaltens | 66 |
| 4.5.3 | Aspekte der Praxis | 71 |
| 4.6 | Zur Rolle bildhafter Denkprozesse in der Therapie | 75 |
| 5. | Zentrale Krankheitsfaktoren der Panikstörung im Fokus kunsttherapeutischer Methoden | 79 |
| 5.1 | Der Einstieg in den kunsttherapeutischen Prozeß | 80 |
| 5.1.1 | Scribble-Technik | 80 |
| 5.1.2 | Linkshändiges Zeichen | 82 |
| 5.1.3 | Kleckerbilder | 82 |
| 5.2 | Flexibilisierung von Kognition und Verhalten | 83 |
| 5.2.1 | Konfrontation mit dem Angstauslöser auf der Bildebene | 84 |
| 5.2.2 | Neuroimaginatives Gestalten | 85 |
| 5.2.3 | Papier-Transparent-Kombination | 86 |
| 5.2.4 | Ton-Ton-Kombination | 88 |
| 5.3 | Emotionsarbeit | 89 |
| 5.3.1 | Collagetechnik | 89 |
| 5.3.2 | Gefühlssterne | 90 |
| 5.3.3 | Messpainting und Dialogische Bildgeschichte im Zeichen einer emotionszentrierten Kunsttherapie | 92 |
| 5.4 | Wahrnehmungsdifferenzierung | 97 |
| 5.4.1 | Bildreise | 98 |
| 5.4.2 | Therapeutisches Triptychon | 100 |
| 5.5 | Arbeit am Selbstkonzept | 101 |
| 5.5.1 | Reise zum inneren Ort der Bewertung | 103 |
| 5.5.2 | Namensbilder | 104 |
| 5.5.3 | Maskenbau und -spiel | 105 |
| 5.6 | Erweiterung der interaktionellen Kompetenz | 107 |
| 5.6.1 | Besonderheiten des Gruppen-Settings | 108 |
| 5.6.2 | Farb- und Gestalterische Interaktion | 109 |
| 5.6.3 | Thematische Gruppengestaltungen | 111 |
| 5.6.4 | Dialogisches Gestalten | 112 |
| 6. | Grundgedanken zu einer Integration der Kunsttherapie in den Therapieprozeß der Panikstörung | 114 |
| 6.1 | Grenzen der Kunsttherapie | 114 |
| 6.2 | MIMBA - Beispiel eines mehrdimensionalen Behandlungsverlaufs | 115 |
| 6.3 | Ableitungen für eine Integration der Kunsttherapie | 116 |
| 7. | Zusammenfassung und Ausblick | 121 |
| Literaturverzeichnis | 123 |
Da SCHOTTENLOHER das therapeutische Potential bildnerischen Gestaltens in erster Linie im Gestaltungsprozeß sieht, werden im folgenden einzelne von ihr hervorgehobene Aspekte, das Wesen und die Eigenschaften des gestalterischen Prozesses betreffend, zusammengefaßt. Mustererkennung und -veränderung Diesem Aspekt möchte ich zunächst ein Zitat von BIRGIT BEHLEN voranstellen, da dieses sehr klar die dieser Eigenschaft zugrundeliegende Äquivalenz des bildnerischen Gestaltens zur Lebensgestaltung verdeutlicht. „Die Art und Weise wie wir malen, steht in direkter Beziehung dazu, wie wir denken und fühlen. Wie wir Linien, Formen und Farben in Beziehung zueinander nutzen, weist darauf hin, wie wir unser Leben formen. Die Struktur oder der Mangel an Struktur in unseren Formen steht in Beziehung zu unserem Verhalten in Lebenssituationen. Über das Malen in therapeutischer Begleitung [...] kann nun auf der bildhaften Gestaltungsebene ein aktiver Entwicklungsprozeß in Gang gebracht werden.[...] Festgefügte Strukturen können gelockert, zum Fließen gebracht werden; dem „Zerfließen“ kann durch den Aufbau von Strukturen entgegengewirkt werden.“1 SCHOTTENLOHER sieht als entscheidend für diesen Aspekt das „Hier und Jetzt“ des gestalterischen Prozesses an. Durch die Augenblicklichkeit des Erlebens können wiederkehrende bekannte und damit zunächst Sicherheit gewährende Muster des Erlebens und Verhaltens erfahren und zugleich auf der Bildebene experimentell einer Veränderung zugeführt werden.2 Damit kann der gestalterische Prozeß als aktiver Strukturbildungsprozeß, der strukturierend auf die Psyche des Gestalters zurückwirkt, angesehen werden.3 Das Objekt als Übungsfeld Die soeben angesprochene unmittelbare Veränderbarkeit von sich wiederholenden Mustern auf der Bildebene steht in Zusammenhang mit dem Übungsfeldcharakter der [...]
Im Vorfeld der Ausführungen ist darauf hinzuweisen, daß SCHOTTENLOHER den im deutschen Sprachraum geläufigen Terminus „Kunsttherapie“ im Zuge einer kritischen Hinterfragung als problematisch wertet. Für sie stellt diese Bezeichnung kein gleichwertiges Äquivalent zu dem im angelsächsischen Bereich verwendeten Begriff „art-therapy“ dar; entsprechend zieht sie eine andere Bezeichnung, die der „Bildnerischen Therapie,“ vor.1 Bei letzterer liegt die Betonung auf dem Prozeß bildnerischen Gestaltens, welcher in SCHOTTENLOHERs Betrachtungen eine zentrale Position einnimmt und, sich der Bezeichnung „art-therapy“ annähernd, dem dargestellten erweiterten Therapie- und Kunstverständnis weitaus näher kommt. Da das Schaffen von „Kunst“ im traditionellen Verständnis nicht Intention bildnerischer Therapie ist, kommt der ästhetischen Qualität der Werke in diesem Kontext keine Bedeutung zu. Im Gegenteil, ein Bemühen um eine technisch korrekte Darstellung von Dingen der Außenwelt, geprägt von einem von außen vorgegebenen Kunstanspruch, wird abgelehnt. Dies geschieht zugunsten der Authentizität des Ausdrucks im Hinblick auf die Darstellung des Erlebens des Gestalters und der Betonung des Prozesses als therapeutisch wirksames Element (s.u.). Eine solche Gewichtung in Bezug auf den Stellenwert der Ästhetik bildnerischer Werke, wie sie auch gleich zu Beginn der Therapie dem Patienten vermittelt werden sollte, kann dem an einer Panikstörung Erkrankten eine wichtige Entlastung bieten und die Bereitschaft, sich auf den kunsttherapeutischen Prozeß einzulassen, verstärken. Dies wird besonders einsichtig unter der Berücksichtigung der Persönlichkeitsvariablen des Klientels wie sie in Kapitel 2.4.3 angerissen wurden: Dem oftmals vorherrschenden Perfektionsanspruch sowie einer übermäßigen Selbstkritik, verbunden mit einer starken Außenorientierung, d.h., einer Orientierung an Meinungen und Werten anderer - in diesem Falle einem von außen vorgegebenen Kunstverständnis. Diese könnten die Authentizität blockieren und eine angespannte Haltung sowie Angst, sich auf den Prozeß einzulassen, zur Folge haben. [...]
ben, den inneren Bildern des Patienten, auf der anderen Seite wird sie im Zuge der Ausgestaltung und in der Auseinandersetzung mit den bildnerischen Materialien Teil der äußeren Realität, sie wird für den Therapeuten (die Gruppe) anschaulich. Auf dem Wege der Veräußerung erfolgt, äquivalent zur kindlichen Entwicklung, eine aktive Auseinandersetzung mit subjektiven Wahrnehmungen; sie werden kommunizierund bearbeitbar. Die Gestaltung (die Problematik) kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und verändert werden und so eine am Subjekt ausgerichtete Verarbeitung (Integration) ermöglichen. Durch die eigenschöpferische Tätigkeit im Rahmen der Therapie verringert sich zudem die Gefahr einer Abhängigkeit von der Person des Therapeuten, was für einen langfristigen Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung ist: Durch das vom Patienten geschaffene „Dritte“ wird dieser vom Be-Handelten zum Handelnden.1 Im Zuge der damit verbundenen sich verändernden Einstellung zu eigener Beeinflußbarkeit sowie eigenen Problemlösefähigkeiten wird, parallel zur kindlichen Entwicklung, die Autonomieentwicklung gefördert. Im Spiegel bindungstheoretischer Annahmen und der zuvor dargestellten abhängigen Persönlichkeit des hier fokussierten Klientels sowie entsprechenden beobachteten Abhängigkeitswünschen in Bezug auf die Person des Therapeuten, ist dieser Gesichtspunkt kreativ-bildnerischer Elemente im Rahmen der Therapie von besonderem Interesse. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832463410
Arbeit zitieren:
Lorenzen, Meike Mai 2001: Möglichkeiten und Grenzen der Kunsttherapie in der Behandlung von Panikstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Psychosomatik, Psychotherapieforschung, Grawe, Bildnersiches Gestalten, Kreativität



