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Möglichkeiten und Grenzen des Internet als Vertriebsinstrument für die deutsche Automobilindustrie

Möglichkeiten und Grenzen des Internet als Vertriebsinstrument für die deutsche Automobilindustrie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nadine Fickinger
  • Abgabedatum: August 2000
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Universität Kassel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4792-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4792-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4792-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fickinger, Nadine August 2000: Möglichkeiten und Grenzen des Internet als Vertriebsinstrument für die deutsche Automobilindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Internet, Vertriebsaktivitäten, Sales, Vertrieb, Automobil

Diplomarbeit von Nadine Fickinger

Einleitung:

Die rasante Entwicklung und Verbreitung des Internet in den vergangenen Jahren veränderte viele Bereiche in unserer Gesellschaft. Zwar wird das Internet noch hauptsächlich zur Informationsbeschaffung und zum Informationsaustausch genutzt, doch steigt die Bereitschaft über den Computer einzukaufen immer mehr und führt zur Entstehung neuer Vertriebskanäle.

Viele Unternehmen erkannten den Nutzen des Internet als interaktives Kommunikationsmedium anfangs vor allem für das Marketing. Durch die Möglichkeiten des Internet als Kommunikationsmedium ergeben sich neue Chancen zur Gestaltung von Beziehungen zwischen Kunden und Unternehmen, die es ermöglichen, den einzelnen Kunden individueller und schneller zu betreuen und diese Informationen für zukünftige Interaktionen in Datenbanken zu speichern. Diese Form von individuellem Kundenmarketing war davor aufgrund hoher Kosten und Zeitaufwand kaum möglich.

Die steigende Präsenz von Unternehmen im World Wide Web und die sinkenden Kosten für die Internet-Nutzung führen dazu, daß die Zahl der Internetnutzer weiterhin ansteigt und dieses Medium nun auch von zahlreichen Unternehmen zum Vertrieb ihrer Produkte genutzt wird. Es gibt zahlreiche Beispiele für innovative Unternehmen, sog. „virtuelle“ Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen sogar ausschließlich über das Internet vertreiben, wie z.B. Amazon.com, der weltweit größte Online-Buchversandhandel. Auch CDs, Reisen und Mietwagen werden immer häufiger über das Internet gebucht. Doch nicht jedes Produkt läßt sich so einfach online verkaufen. Besonders beim Kauf komplexer und teurer Produkte, wie etwa ein Neuwagen, verlangen Kunden oft nach persönlicher Beratung und der Möglichkeit, das Produkt vor dem Kauf zu testen. Doch durch die Vorteile, die das Internet bietet, werden immer mehr Autokunden dazu animiert, ihren Kauf in der virtuellen Welt zu tätigen.

Nach einer Prognose von Professor Ferdinand Dudenhöffer werden in fünf Jahren über ein Drittel aller privat verkauften Neuwagen und mehr als 50 Prozent der Firmenwagen in Deutschland über das Web gekauft.

Diese Prognose beruht vor allem auf der gegenwärtigen Situation des Automobilvertriebs, der mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert wird. Zu hohe Vertriebskosten, zu dichte Händlernetze, niedrige Renditen im Autohandel, Auslastungsprobleme im Service, neue Wettbewerber, die Entwicklung des Internet, aber auch rechtliche Aspekte, wie das Auslaufen der Gruppenfreistellungs-verordnung (GVO) Ende 2002, setzen die deutsche Automobilwirtschaft unter enormen Druck.

Nachdem das Vertriebssystem in der deutschen Automobilwirtschaft sich in den letzten 50 Jahre im Gegensatz zu anderen Branchen kaum verändert hat, und der Fokus in den letzten Jahren auf einer Neustrukturierung der Produktion und Beschaffung lag, rückt nun zunehmend die Distribution in den Mittelpunkt, die durchschnittlich 32 Prozent des Listenneupreises eines Automobils ausmacht. Bei einem Durchschnittspreis von knapp 36.000 DM entspricht das etwa 12.000 DM pro Fahrzeug.

In den USA agieren mit zunehmendem Erfolg neue, oft branchenfremde Wettbewerber, die das Internet als Instrument zur Vermarktung von Fahrzeugen (Neu- und Gebrauchtfahrzeuge) und/oder damit verbundenen Services (Finanzierung, Versicherungen, etc.) nutzen. Nach und nach versuchen sich diese Anbieter, wie z.B. Autobytel, auch in Europa zu etablieren.

Diese sog. Online-Car-Broker versuchen, sich in der automobilen Wertschöpfungskette zwischen Hersteller und Handel zu positionieren. Dabei wird nicht nur die Position des Automobilhandels als traditioneller Absatzkanal in Deutschland gefährdet, sondern ebenfalls die Position der Automobilhersteller, deren Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung ihrer Vertriebskanäle sinken und deren Vormachtstellung im Absatzkanal dadurch gefährdet wird.

Die GVO als Grundlage für den selektiven Vertrieb über Vertragshändler läuft im Jahr 2002 aus und wird dann von der EU-Kommission neu verhandelt. Eine Verlängerung in der jetzigen Form gilt als eher unwahrscheinlich. Der markenexklusive Vertrieb der Hersteller könnte dadurch in Zukunft gefährdet sein. Doch gerade in Zeiten der wachsenden Bedeutung von E-Commerce ist es wichtig, die Marke zu stärken und dadurch Wettbewerbsvorteile gegenüber solchen Drittanbietern wie Autobytel zu erzielen, die die niedrigen Markteintrittsbarrieren des Internet dazu nutzen, ihre Handelsorganisation in den Vordergrund zu stellen. Nur durch das rechtzeitige Eingreifen der Automobilhersteller im Bereich E-Commerce lässt sich der Markteintritt branchenfremder Unternehmen erschweren und die eigene Position verteidigen.

Aus dieser Problemstellung heraus ergibt sich der Zugzwang für die deutsche Automobilindustrie. Ziel dieser Arbeit ist es daher, geeignete Absatzkanalstrategien für Neuwagen im Electronic Commerce aus Sicht der Automobilhersteller zu finden. Dabei sollen allgemeine Optionen aufgezeigt werden, die unternehmensindividuell angepasst werden können. Die offene Frage dabei ist, ob das Internet in Zukunft den konventionellen Handel in Deutschland ersetzen kann.

Die folgende Arbeit wird durch folgende Bedingungen eingeschränkt:

Die Analyse bezieht sich auf den Automobilmarkt in Deutschland. Diese nationale Abgrenzung erscheint aufgrund länderspezifischer Gegebenheiten, wie z.B. Rechtssystem und Konsumentenverhalten, sinnvoll. Als Vergleich werden Entwicklungen in den USA, die als Benchmark im Bereich E-Commerce rangieren, herangezogen.

Die Untersuchung erfolgt aus Herstellerperspektive.

Die Arbeit bezieht sich ausschließlich auf den Vertrieb von neuen Personenkraftwagen (PKW).

Die Handlungsoptionen der Automobilhersteller im E-Commerce beziehen sich dabei ausschließlich auf die Prozesse zwischen Hersteller und Kunde (Business to Customer). Die Prozesse zwischen Hersteller und Zulieferer (Business to Business) werden in dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort I
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis I
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit 1
1.2 Vorgehensweise 4
1.3 Begriffliche Abgrenzung 4
1.3.1 Begriffliche Abgrenzung der Distribution 4
1.3.2 Begriffliche Abgrenzung der Automobilwirtschaft 6
2. Die Bedeutung des Internet als elektronisches Vertriebsinstrument 6
2.1 Definition und Entwicklung des Internet 7
2.2 Die Verbreitung des Internet - Status und Zukunftsprognosen 8
2.3 Demographie von Internet-Nutzern 10
2.4 Die Nutzung des Internet zu Vertriebszwecken 12
2.5 Nutzenpotentiale des Internet im Vertrieb 13
3. Der Vertrieb von Automobilen 16
3.1 Die traditionelle Vertriebsstruktur im Automobilsektor 16
3.1.1 Direktvertrieb 17
3.1.2 Vertrieb über Vertragshändler 18
3.2 Der Strukturwandel im Automobilvertrieb 21
3.2.1 Machtverschiebung zum Kunden 21
3.2.2 Produktpolitischer und -technologischer Wandel 24
3.2.3 Wirtschaftspolitischer und Rechtlicher Wandel 25
3.2.4 Markteintritt neuer Wettbewerber 27
3.2.5 Informations- und kommunikationstechnologische Entwicklungen 29
3.3 Der virtuelle Automobilvertrieb 32
3.3.1 Der virtuelle Vertrieb von Neuwagen in den USA 32
3.3.2 Ablauf eines Autokaufs via Internet am Bsp. Autobytel 36
3.3.3 Bedeutung des elektronischen Automobilvertriebs in Deutschland 39
4. Entwicklung und Analyse von elektronischen Vertriebsstrategien für die deutsche Automobilindustrie 42
4.1 Verzicht der Automobilhersteller auf elektronische Vertriebsstrategien 42
4.2 Verzicht der Automobilhersteller auf den traditionellen Automobilvertrieb 44
4.3 Entwicklung von elektronischen Vertriebsstrategien unter Berücksichtigung des Handels 46
4.4 Anforderungen an einen elektronischen NW-Vertrieb über das Internet 47
4.4.1 Die Anforderungen der Hersteller 47
4.4.2 Die Anforderungen der Händler 49
4.4.3 Die Anforderungen der Kunden 49
4.5 Analyse elektronischer Vertriebsstrategien 51
4.5.1 Markenexklusiver Vertrieb durch den Ausbau der eigenen Aktivitäten 51
4.5.2 Kooperation mit anderen Herstellern 53
4.5.3 Kooperation mit erfahrenen Dienstleistern 55
5. Zusammenfassung und Ausblick 57
Literaturverzeichnis VII
Erklärung XIII

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ausstattung sowie Marketingaufwendungen nicht mehr notwendig sind.152 Laut J.D. Power können Händler ihre Verkaufskosten auf diese Weise sogar um 67 Prozent reduzieren. Der US-Händlerverband NADA spricht sogar von 80 Prozent.153 Zum weiteren Standardangebot der Services gehören neben NW auch GW, Finanzierungs- und Leasingangebote, Versicherungen, Garantien sowie Zubehör und Teile. Die Vermittlung dieser sekundären Services stellt neben den Werbeeinnahmen eine weitere Einnahmequelle der Online-Car-Broker dar. Dennoch verzeichnen die Online-Broker Nettoverluste in Millionenhöhe. So erwirtschaftete Autobytel im ersten Quartal 2000 einen Nettoverlust von 8,1 Mio. US-Dollar bei einem Umsatz von 15,1 Mio. US-Dollar.154 Die hohen Verluste sind dabei vor allem auf die hohen Kosten für Marketing- und Werbeaktionen, die Akquisition von CarSmart.com, die Einführung von AutobytelDIRECT sowie die Expansion von Autobytel nach Europa und Japan zurückzuführen.155 Autobytel rechnet weiterhin mit Verlusten bis zur zweiten Hälfte 2001.156 Die Prognosen gehen jedoch davon aus, dass immer mehr Kunden ihre Autokäufe über das Internet abwickeln werden. Broker wie Autobytel haben sich schon längst auf diesem Markt etabliert und können daher für die Zukunft auch mit steigenden Umsätzen rechnen, die das Geschäft profitabel machen und die hohen Verluste der letzten Jahre ausgleichen. Für den Hersteller stellen diese Services eine große Bedrohung dar. Die Herstellermarke gerät beim Kaufprozess über einen Broker in den Hintergrund. Durch den direkten Markenvergleich wird die Marke transparenter und eher austauschbar.157 Der Car-Broker übernimmt den direkten Kontakt zum Kunden und degradiert somit das klassische Händlernetz zu „Fahrzeugauslieferungs-Depots“.158 Durch die Veröffentlichung der Händlereinstandspreise und der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller, gibt der Broker die Margen der Händler bekannt und sorgt dafür, dass die Preise und somit die Gewinne der Händler sinken. Durch die steigende Akzeptanz der Online-Car-Broker beim Autokauf ist es von immenser Bedeutung für die Hersteller, dieselben Funktionen in ihren InternetAuftritt zu integrieren um den Kundenkontakt zu erhalten. [...]

carpoint, ein Microsoft Tochterunternehmen.143 Das Vorgehen von Autobytel und seinen Wettbewerbern ist ähnlich. Sie nehmen Autohändler verschiedener Marken und Regionen unter Vertrag und leiten Kundenanfragen an die Händler weiter, die für die jeweilige Region des Interessenten verantwortlich sind.144 Der genaue Verkaufsprozess wird in Abschnitt 3.3.2 näher erläutert. Autobytel hat im Februar 2000 den Service CarSmart.com, der 10 Prozent Marktanteil besitzt und 1500 Händler unter Vertrag hat, aufgekauft. Damit kommt Autobytel auf einen Marktanteil von ca. 45 Prozent und hat derzeit ca. 5131 akkreditierte Händler.145 An diese Händler leitet Autobytel pro Monat 200 000 Internet Kaufanfragen weiter. Davon werden ca. 25 Prozent zu Autokäufen. Das entspricht einem Umsatzvolumen von 1,2 Mrd. US-Dollar pro Monat.146 80 Prozent ihrer Einnahmen erzielen diese Vermittlungsservices über die Händler.147 Diese zahlen bei Autobytel eine einmalige Aufnahmegebühr zwischen 4500 – 6000 US-Dollar und zusätzlich eine monatliche Gebühr, die von der Größe des Händlergebietes und von der Anzahl der weitergeleiteten Kaufanfragen abhängt.148 Es gibt jedoch auch andere Modelle, bei denen z.B. Gebühren pro Vermittlung erhoben werden wie beim Anbieter Stoneage, der dem Händler 25 USDollar pro Vermittlung in Rechnung stellt, wenn die übermittelten Kundendaten qualifiziert waren.149 Der im Januar 2000 eingeführte Service AutobytelDIRECT verlangt vom Händler zwischen 100 und 300 US-Dollar pro realisierter Kaufanfrage. Die Gebühr basiert dabei auf dem Verkaufspreis des Fahrzeugs.150 Für den Händler bringt die Zusammenarbeit mit dem Broker zwar zusätzliche Geschäfte, aber gleichzeitig auch den Verkauf von Fahrzeugen zu Tiefstpreisen. Nach einer Studie des US-Marktforschungsinstituts J.D. Power and Associates im Jahr 1999 erhalten akkreditierte Händler pro Monat durchschnittlich 37 Kundenanfragen über den Online Service, wovon ca. 6 zu Verkäufen werden.151 Dennoch sind die Händler wegen der nicht realisierten Käufe und den niedrigen Preisen nicht unzufrieden, da sie über den Broker hochwertige Kaufanfragen erhalten und somit die kostenintensive Beratung bezüglich Fahrzeugmodell und [...]

Laut J.D. Power machen die Neuwagenkäufe im Internet derzeit ca. 2,7 Prozent des US-Gesamtmarktes aus. Nach wie vor entfällt der größte Anteil der Internetnutzung auf das Suchen und Sammeln von Informationen. Mit der wachsenden Akzeptanz des Internet nimmt die Häufigkeit der Online Transaktionen jedoch zu. Die Prognosen für die Zukunft liegen nach J.D. Power bei 10 Prozent, nach Forrester Research sogar bei 35 Prozent. Die Entwicklungen in den USA haben die sog. Online-Car-Broker vorangetrieben, die heute die wichtigste Rolle beim Autokauf mit Internet-Unterstützung spielen.141 Diese Broker können als Online Vermittlungsservices verstanden werden. Sie stellen die Verbindung zwischen dem Kunden und dem Handel her. Ziel ist es, dem Kunden in kürzester Zeit das gewünschte Auto zum besten Preis anzubieten. Für seine Tätigkeit erhält der Broker eine Maklergebühr (Brokerage) vom Händler. Mittlerweile gibt es in den USA eine ganze Reihe solcher Services. Die bedeutendsten unter ihnen sind der Marktführer Autobytel, eine General-ElectricTochter mit einer 10,5 prozentigen Beteiligung des Handelsriesen Metro142, und [...]

Arbeit zitieren:
Fickinger, Nadine August 2000: Möglichkeiten und Grenzen des Internet als Vertriebsinstrument für die deutsche Automobilindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Internet, Vertriebsaktivitäten, Sales, Vertrieb, Automobil

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