Möglichkeiten und Grenzen der Bestimmung operationeller Risiken im Bankbetrieb
Eine kritische Analyse unter besonderer Berücksichtigung kreditgenossenschaftlicher Ansätze
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Sven Reimer
- Abgabedatum: August 2004
- Umfang: 112 Seiten
- Dateigröße: 6,7 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Berufsakademie für Bankwirtschaft Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8911-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8911-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8911-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Reimer, Sven August 2004: Möglichkeiten und Grenzen der Bestimmung operationeller Risiken im Bankbetrieb, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Operationelle Risiken, Operational Risk Management, Basel II, Kreditgenossenschaften, Risikomanagement
In den Warenkorb
74,00 €
Bachelorarbeit von Sven Reimer
Einleitung:
Vielen Menschen sind die Bilder des 11. September 2001 noch sehr deutlich vor Augen. Der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York war dabei nicht nur eine menschliche Tragödie. Hierbei trat auch ein bankbetriebliches Phänomen der, aktuellen Zeit in den Vordergrund: Die verstärkte Wahrnehmung von operationellen Risiken.
Bis vor einigen Jahren fokussierten die Banken ihre Anstrengungen im Bereich Risikomanagement primär auf die Marktpreisrisiken und die Kontrahentenrisiken. Dieses hat sich im Laufe der letzten Jahre geändert, die Banken richten ihr Augenmerk nunmehr verstärkt auch auf die Beherrschung der operationellen Risiken. Operationelle Risiken selbst sind dabei keine neue Risikoart, vielmehr sind dies die ältesten Risiken im, Bankgeschäft überhaupt. Sie treten bereits auf, bevor eine Bank das erste Mal ihre Türen für die Kunden öffnet. Dies war in Deutschland das erste Mal im Jahre 1590 der Fall, seit diesem Zeitpunkt existieren demzufolge auch operationelle Risiken.
Die aktuelle Fokussierung in der Bankenlandschaft auf operationelle Risiken hängt zum einen damit zusammen, dass in mehreren gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen, wie z.B. im Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) als auch im Zuge von Basel II dieses von ihnen gefordert wird. Laut der aufsichtsrechtlichen Vorlage Basel II beispielsweise sind Kreditinstitute in Zukunft verpflichtet, für operationelle Risiken Eigenkapital vorzuhalten. Zum anderen steigt in der aktuellen Zeit die Komplexität der Geschäftsstrukturen im Bankensektor stark an, die Transaktionsgeschwindigkeit sowie die -menge nehmen zu, die Produktentwicklungszyklen werden kürzer, die- Anzahl der Produktinnovationen nimmt zu und es entstehen neue Geschäftsfelder. Die genannten Faktoren haben in der jüngeren Vergangenheit dazu geführt, dass es zu einigen aufsehenserregenden und für die Banken sehr teuren Eintritten von operationellen Risiken kam. Einige Verlustfälle gerieten auch in den Fokus der Öffentlichkeit, wie beispielsweise die Barings-Bank mit ihrem damaligen Mitarbeiter Nick Leeson.
Bankseitige Probleme bei der Behandlung der operationellen Risiken treten an mehreren Schnittstellen auf. Die Abgrenzung zu anderen Risikoarten ist nicht immer trennscharf gegeben, oftmals kommt es zu Überschneidungen. Die Datenbasis, auf deren Grundlage die operationellen Risiken einer Bank quantifiziert und gesteuert werden sollen, ist oftmals nicht ausreichend vorhanden. Zudem ist die genaue quantitative Messung von operationellen Risiken noch nicht völlig ausgereift, es existieren dabei mehrere verschiedene Ansätze.
Um einen Überblick zu verschaffen, weiches Ausmaß operationelle Risiken für die Geschäftstätigkeit eines Kreditinstituts haben können, werden nachfolgend zwei Beispiele aus der Praxis dargestellt.
Am 26.2.1995 meldete ein alteingesessenes englisches Kreditinstitut unerwartet Insolvenz an: Barings Plc. Die Bank war gezwungen, dies nach einem Schaden von ca. 1,3 Mrd. USD zu tun. Das bilanzielle Eigenkapital von Barings Plc bestand vergleichsweise zu dem Zeitpunkt aus 310 Mio. USD, das gesamte Haftungskapital aus 615 Mio. USD. Der Schaden entstand durch unautorisiertes Handeln mit Derivaten durch den Mitarbeiter Nick Leeson. Chronologisch spielte sich der Vorgang, der zur Insolvenz führte, folgendermaßen ab:
Singapur forderte daraufhin Sicherheitsleistungen, so genannte Variation Margins, von BFS. Die Stellung dieser immer höheren Margins wurde für Leeson unmöglich. Die Börsenaufsicht überprüfte daraufhin das Konto 88888, ebenso wie eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Nick Leesons Geschäfte kamen in vollem Umfang zum Vorschein. Barings PIc musste daraufhin Insolvenz anmelden und wurde eine Woche später von der International Netherland Group NV (ING) übernommen. Nick Leeson wurde zu 6,5 Jahren Haft verurteilt.
Das operationelle Risiko bestand in diesem Fall nicht lediglich aus dem Personalrisiko Nick Leeson. Vielmehr führten u.a. das Fehlen von Funktionstrennungen im Wertpapierbereich sowie das Fehlen einer angemessenen Kontrolle zu der Möglichkeit Leesons, solch einen Betrug zu begehen. Zudem gab es keine tiefergehenden Befragungen der Konzernzentrale bezüglich des übermäßigen Gewinns.
Der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 ist ein Beispiel für eine andere Variante des operationellen Risikos, für das so genannte Katastrophenrisiko. Von dem Terroranschlag waren ca. 650 Firmen und Banken direkt betroffen. Die Büros waren zerstört, die Telefonanlagen ausgefallen und die Mitarbeiter dem Anschlag zum Opfer gefallen. Das gesamte globale Finanzsystem war durch die Schäden und den Schock über den Anschlag schwer angeschlagen. Unter anderem war das Abrechnungssystem der Bank of New York ausgefallen, die Deutsche Bank AG in New Jersey sprang statt dessen mit ihrem Clearingsystem ein. Auch Merril Lynch kam in Schwierigkeiten, da die für solche Fälle vorgesehenen Ausweichbüros zu nah am Anschlagsort lagen und somit nicht bezogen werden konnten. Das gewichtigste Problem war jedoch der erhöhte Liquiditätsbedarf auf dem Kapitalmarkt, den die Notenbanken nur mit Mühe über die Kreditinstitute befriedigen konnten. Die Auswirkungen des Anschlags trafen dabei nicht nur Kreditinstitute, vielmehr befand sich im Anschluss daran die gesamte, Weltwirtschaft in einer prekären Lage.
Der finanzielle Schaden durch den Anschlag wird auf ungefähr 8,5 - 10,3 Mrd. USD geschätzt, ähnliche Ausmaße erreichten bis dato lediglich Naturkatastrophen. Auf die Auswirkungen des 11. Septembers haben die Banken mit der verstärkten Einrichtung von Notfallkapazitäten in räumlicher, technischer und personeller Art reagiert.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit soll die Bedeutung der operationellen Risiken mit besonderer Beachtung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben, und unter Betrachtung der kreditgenossenschaftlichen Seite für Banken erläutern. Hierzu wird in Kapitel 2 Risiko anhand der verschiedenen Ansätze definiert, kategorisiert und der Begriff des operationellen Risikos und seine einzelnen Bestandteile werden erläutert.
Im dritten Teil werden die wichtigsten gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben für Banken dargestellt, , die den Bereich operationelle Risiken zum Inhalt haben. Im Rahmen dessen wird speziell auf die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, Basel II, eingegangen. In Kapitel 4 werden die verschiedenen Phasen des Risikomanagementprozesses für operationelle Risiken dargestellt. Insbesondere werden daraufhin die Phasen der Identifikation und der Quantifizierung der Risiken beleuchtet. Im Zuge dessen werden verschiedene Ansätze für die beiden jeweiligen Phasen erläutert und bewertet. Daraufhin zeigt der fünfte Teil, inwieweit der genossenschaftliche Bankensektor auf die Vorgaben von Basel II vorbereitet ist und mit weichen Methoden und Systemen hier das operationelle Risiko gesteuert werden soll. Abschließend wird im Kapitel 6 ein Fazit der aktuellen Diskussion um die Quantifizierung des operationellen Risikos und der Umsetzung der Vorgaben von Basel lI gezogen und ein kleiner Ausblick in die nähere Zukunft versucht.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | ||
| Abkürzungsverzeichnis | ||
| 1. | Operationelle Risiken – eine Einführung | 1 |
| 1.1 | Barings Bank | 2 |
| 1.2 | 11. September | 4 |
| 1.3 | Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit | 5 |
| 2. | Bankbetriebliche Risiken | 7 |
| 2.1 | Definition des Begriffs Risiko | 8 |
| 2.1.1 | Entscheidungstheoretischer Risikobegriff | 9 |
| 2.1.2 | Zielbezogener Risikobegriff | 10 |
| 2.1.3 | Synthese der unterschiedlichen Ansätze | 12 |
| 2.2 | Systematisierung von bankbetrieblichen Risiken | 12 |
| 2.2.1 | Risiken des internen Leistungsbereichs vs. Risiken des externen Leistungsbereichs | 13 |
| 2.2.2 | Liquiditätsrisiken vs. Erfolgsrisiken | 15 |
| 2.2.3 | Weitere Ansätze zur Risikosystematisierung | 16 |
| 2.3 | Operationelles Risiko und seine Bestandteile | 16 |
| 2.3.1 | Personalrisiko | 18 |
| 2.3.2 | Technisches Risiko | 19 |
| 2.3.3 | Organisatorisches Risiko | 19 |
| 3. | Geänderte gesetzliche und aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für operationelle Risiken | 21 |
| 3.1 | Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) | 21 |
| 3.2 | Eigenkapitalvereinbarung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht | 24 |
| 3.2.1 | Basel I | 24 |
| 3.2.2 | Basel II | 27 |
| 4. | Identifikation und Analyse operationeller Risiken | 31 |
| 4.1 | Die Identifikation operationeller Risiken | 33 |
| 4.1.1 | Die Risikoinventur | 34 |
| 4.1.2 | Die Prozessrisikoanalyse | 38 |
| 4.1.3 | Simulationsansätze | 40 |
| 4.1.4 | Frühaufklärungssysteme | 41 |
| 4.2 | Ansätze zur Quantifizierung des operationellen Risikos | 43 |
| 4.2.1 | Der Basisindikatoransatz | 46 |
| 4.2.2 | Der Standardansatz | 49 |
| 4.2.3 | Ambitionierte Messverfahren (AMA) | 53 |
| 4.2.3.1 | Der interne Bemessungsansatz | 54 |
| 4.2.3.2 | Der Verlustverteilungsansatz | 56 |
| 4.2.3.3 | Der Scorecardansatz | 59 |
| 5. | Umsetzung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben im genossenschaftlichen Bereich | 60 |
| 6. | Fazit | 67 |
| Literaturverzeichnis | 71 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 83 | |
| Anhangverzeichnis | 84 | |
| Anhang 1. | Risikotypen der Risikokategorie "Person" | 85 |
| Anhang 2. | Die drei Säulen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung | 87 |
| Anhang 3. | Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung | 89 |
| Anhang 4. | Die Risikoindikatorenmatrix für den internen Bemessungsansatz | 105 |
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832489113
Arbeit zitieren:
Reimer, Sven August 2004: Möglichkeiten und Grenzen der Bestimmung operationeller Risiken im Bankbetrieb, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Operationelle Risiken, Operational Risk Management, Basel II, Kreditgenossenschaften, Risikomanagement



