Möglichkeiten und Grenzen der Balanced Scorecard für das qualitative Rating von Unternehmen im Bekleidungseinzelhandel
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Phillipp Kruse
- Abgabedatum: Dezember 2003
- Umfang: 90 Seiten
- Dateigröße: 715,9 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9730-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9730-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9730-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kruse, Phillipp Dezember 2003: Möglichkeiten und Grenzen der Balanced Scorecard für das qualitative Rating von Unternehmen im Bekleidungseinzelhandel, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Performance Messung, Erfolgsfaktoren, Unternehmenssteuerung, Kreditwürdigkeit, Informationsinstrument
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Diplomarbeit von Phillipp Kruse
Problemstellung:
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlichte im Januar 2001 das zweite Konsultationspapier zur neuen Eigenkapitalvereinbarung (Basel II). Dieses Abkommen, das voraussichtlich Ende 2006 in Kraft treten wird, beinhaltet die grundlegende Änderung der Eigenkapitalunterlegung der Kreditausfallrisiken bei Banken. Die Eigenkapitalausstattung der mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist sehr gering.
Daraus resultieren niedrige Eigenkapitalquoten, die darauf zurückzuführen sind, dass vom deutschen Steuer-, Bilanz- und Insolvenzrecht starke Anreize zur Fremdfinanzierung ausgehen. Deshalb sind die Mittelständler von den künftigen Eigenkapitalregeln besonders betroffen, da diese Unternehmensform in hohem Maße über Fremdkapital resp. Bankkredite finanziert wird. Vor allem für die kleineren mittelständischen Unternehmen wird der Bankkredit in näherer Zukunft die Hauptquelle für Fremdkapital sein, da alternative Formen der Unternehmensfinanzierung, wie z.B. der Gang an die Börse, eher den Großunternehmen vorbehalten sein werden.
Es wird somit zu einem Wettbewerb der kleineren Unternehmen um den Zugang zu Fremdkapital kommen, da die Aufrechterhaltung der Liquiditätsversorgung eng an die strengeren Bedingungen von Basel II geknüpft sein wird. Das Ergebnis ist eine „risiko-adäquate Unterlegung der Kreditrisiken mit Eigenkapital“, d.h., es bekommen nicht wie bisher alle Kredite die gleichen Konditionen (à gute Kredite subventionieren die schlechten), sondern die Banken machen ihre Konditionen von einer Risikoklassifizierung des Kreditnehmers abhängig. Daraus ergibt sich für ein mittelständisches Unternehmen die Problematik, eine adäquate Darstellung seiner Performance, d.h. eine „Abschätzung zur Beurteilung von Leistungspotentialen“, bzgl. des nachhaltigen Erfolges des Unternehmens gewährleisten zu müssen. In Deutschland ist besonders der mittelständische Einzelhandel durch sehr schwache Eigenkapitalquoten gekennzeichnet.
Außerdem liegt der Einzelhandel bei einem Vergleich der Kreditausfallquoten nach Branchen mit einer Quote von 7,3% direkt hinter dem Gast- und Baugewerbe (8,3% bzw. 8,2%). Da in Zukunft voraussichtlich alle Unternehmen des Mittelstandes im Vorfeld einer Kreditvergabe ein Ratingverfahren durchlaufen müssen, ist also gerade für den Einzelhandel die Auseinandersetzung mit dieser Form der Beurteilung unerlässlich. Der deutsche Textileinzelhandel, der größtenteils durch den Bekleidungseinzelhandel repräsentiert wird, ist traditionell sehr stark mittelständisch strukturiert. Aufgrund von Basel II werden daher auch die meisten Unternehmen im Bekleidungseinzelhandel dazu gezwungen sein, gegenüber ihren Kapitalgebern eine gute Performance zu präsentieren und somit Kreditwürdigkeit zu kommunizieren.
Die Kreditqualität eines Unternehmens muss durch ein positives Ergebnis in Form eines Ratings signalisiert werden. Es stellt sich somit für die betroffenen Unternehmen die Frage, wie ein solches Resultat erreicht bzw. forciert werden kann. Der Bekleidungseinzelhandel ist in erster Linie von qualitativen Erfolgsfaktoren geprägt. Bei einem Rating im Bekleidungseinzelhandel ist daher von einer schwerpunktmäßigen Beurteilung dieser Faktoren auszugehen. Allerdings existiert hier das Problem, dass bislang kaum einheitliche Bewertungsgrundlagen in Bezug auf diese qualitativen Aspekte vorliegen.
In diesem Kontext muss die Frage gestellt werden, ob sich das Unternehmen überhaupt gezielt auf mögliche Anforderungen eines Ratings vorbereiten kann. Wenn dem so ist, könnte es daher sinnvoll sein, eine optimale Bearbeitung der entscheidenden Faktoren anzustreben, durch die das Unternehmen seine Performance verbessern könnte, was dann im Rahmen der Beurteilung kommuniziert werden müsste. In jedem Fall stellt sich die Frage, mit welchem Instrument der Bekleidungseinzelhandel die Qualität seines Handelns gezielt bearbeiten könnte, um diese gegenüber Banken als Indiz für Kreditwürdigkeit darzustellen. Die Balanced Scorecard könnte ein geeignetes Instrument sein, da sie neben den üblichen finanziellen Größen in besonderem Maße qualitative Aspekte in die Darstellung einbezieht.
Gang der Untersuchung:
Nach der Einführung in die Problemstellung in Kapitel 1, wird im Grundlagenteil (Kapitel 2) zunächst auf die Gegebenheiten des Bekleidungseinzelhandels eingegangen. Insbesondere werden die für diesen Bereich relevanten Erfolgsfaktoren dargestellt. Anschließend werden die Grundlagen zum Rating präsentiert. Dabei wird Bezug auf die Beurteilung qualitativer Aspekte genommen und es wird eine Bestimmung des Begriffs des „qualitativen Ratings“ zur weiteren Verwendung in der vorliegenden Arbeit gegeben. Die Erläuterung der Balanced Scorecard erfolgt im letzten Teil von Kapitel 2. Hier werden die spezifischen Eigenschaften dieses Managementsystems dargestellt und erläutert.
Inwiefern eine Balanced Scorecard zum Management und zur Darstellung der Performance im Bekleidungseinzelhandel geeignet ist und wie diese Performance für ein Rating mit Schwerpunkt auf qualitativen Faktoren eingesetzt werden kann, wird in Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit betrachtet und diskutiert. Dazu werden zunächst die Potentiale und Ziele beschrieben und erläutert, die beim Einsatz ausgeschöpft bzw. erreicht werden sollen. Anschließend wird eine Balanced Scorecard für ein Unternehmen im mittelständischen Bekleidungseinzelhandel konzipiert, die die genannten Möglichkeiten nutzbar machen soll. Hierzu wird zuerst der Ablauf der Konzeption beschrieben, die anschließend durchgeführt wird. Am Ende von Kapitel 3 werden aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes gegenübergestellt und erörtert.
In Kapitel 4 wird schließlich eine Zusammenfassung gegeben und ein Ausblick in Form von Handlungsempfehlungen präsentiert.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| 1. | Zur Notwendigkeit der Darstellung guter Performance für den Bekleidungseinzelhandel der Zukunft | 1 |
| 1.1 | Einführung in die Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 4 |
| 2. | Grundlagen zur Bestimmung der Performance imBekleidungseinzelhandel | 5 |
| 2.1 | Der Bekleidungseinzelhandel | 5 |
| 2.1.1 | Einführung in die Gegebenheiten | 5 |
| 2.1.2 | Branchenspezifische Besonderheiten | 7 |
| 2.1.3 | Erfolgsfaktoren des Bekleidungseinzelhandels | 8 |
| 2.2 | Das Rating | 12 |
| 2.2.1 | Aufgaben und Ziele | 12 |
| 2.2.2 | Bestandteile und Aufbau | 14 |
| 2.2.3 | Das qualitative Rating | 16 |
| 2.3 | Die Balanced Scorecard als Instrument zur Unternehmenssteuerung | 19 |
| 2.3.1 | Die Besonderheiten der Balanced Scorecard - nicht nur ein Kennzahlensystem | 19 |
| 2.3.2 | Der Aufbau einer Balanced Scorecard | 21 |
| 3. | Der Einsatz einer Balanced Scorecard für das qualitative Rating unter Berücksichtigung der Gegebenheiten des Bekleidungseinzelhandels | 25 |
| 3.1 | Ziele und Potentiale beim Einsatz einer Balanced Scorecard für ein qualitatives Rating | 25 |
| 3.1.1 | Die Kommunikation der Kreditwürdigkeit gegenüber dem Kapitalgeber | 25 |
| 3.1.2 | Steigerung der Transparenz in allen Unternehmensbereichen | 28 |
| 3.1.3 | Schaffung eines Informationsinstrumentariums für das Management | 29 |
| 3.1.4 | Zur ganzheitlichen Betrachtung der Zielsetzungen | 31 |
| 3.2 | Konzeption einer Balanced Scorecard für das qualitative Rating im Bekleidungseinzelhandel | 32 |
| 3.2.1 | Die Konzeption des Ablaufs | 32 |
| 3.2.2 | Der Aufbau | 34 |
| 3.2.2.1 | Festlegung der Perspektiven | 34 |
| 3.2.2.2 | Festlegung der Erfolgsfaktoren und Ziele | 37 |
| 3.2.2.3 | Festlegung der Kennzahlen | 41 |
| 3.2.2.3.1 | Die Kennzahlen der Kundenperspektive | 41 |
| 3.2.2.3.2 | Die Kennzahlen der Lieferantenperspektive | 43 |
| 3.2.2.3.3 | Die Kennzahlen der Mitarbeiterperspektive | 45 |
| 3.2.2.3.4 | Die Kennzahlen der Perspektive der internen Geschäftsprozesse | 48 |
| 3.3 | Gegenüberstellung der Potentiale und Grenzen der Balanced Scorecard für das qualitative Rating im Bekleidungseinzelhandel | 51 |
| 3.3.1 | Möglichkeiten des Einsatzes der Balanced Scorecard | 51 |
| 3.3.2 | Grenzen beim Einsatz der Balanced Scorecard | 54 |
| 4. | Zusammenfassung und Ausblick | 59 |
| Literaturverzeichnis | 63 | |
| Anhang | 74 |
im mittelständisch strukturierten Einzelhandel mit Bekleidung die Eigenkapitaldecke dünn ist, sollte diese Perspektive auf die Kapital gebenden Einrichtungen fokussiert sein. „Letztendlich ist in jedem kunden- und marktorientierten Unternehmen der nachhaltige finanzielle Erfolg für Fortbestehen“ und erfolgreiches Arbeiten entscheidend.134 In Abschnitt 3.1.1 wurde erläutert, dass die Ergebnisse, die in den anderen Perspektiven gemessen und dargestellt werden, als ursächliche Treiber der finanziellen Perspektive dienen. Damit sind die finanzwirtschaftlichen Ziele der „Fokus für die Ziele und Kennzahlen aller anderen Scorecard-Perspektiven“.135 Da eine Balanced Scorecard konzipiert wird, die in erster Linie zur Unterstützung eines Ratings der qualitativen Unternehmensaspekte eingesetzt werden soll, wird der Schwerpunkt auf die vier Perspektiven gelegt, die das Ergebnis der Finanzperspektive durch ihre zu bearbeitenden Erfolgsfaktoren unterstützen. In der Kundenperspektive werden in erster Linie die strategischen Größen definiert, die „den Erfüllungsgrad von Kundenwünschen und – bedürfnissen widerspiegeln“.136 Es werden solche Maßgrößen abgebildet, durch die strategisch bedeutende Aussagen über Kundenzufriedenheit, Kundentreue, etc. gemacht werden können. Diese stellen die Leistungstreiber für den zukünftigen Erfolg und die Wettbewerbsposition des Unternehmens dar. Gerade diese Größen sind für ein positives Ratingergebnis von entscheidender Bedeutung. Für die Perspektive der Zulieferer werden vorwiegend Strategien implementiert, die eine adäquate Gestaltung des Sortiments ermöglichen. Es werden somit die Erfolgsfaktoren hervor- [...]
3.2.2.1 Festlegung der Perspektiven Um die Sicherung der im Wettbewerb erzielten Erfolge nachhaltig zu gewährleisten, muss das Unternehmen fortlaufend die Anforderungen der Kunden erfüllen.126 Zur Beurteilung der betrieblichen Leistungsfähigkeit werden für den Bekleidungseinzelhandel im Allgemeinen Lieferzeit, Qualität, Service und Preis als die wesentlichen kundenbezogenen Kriterien genannt.127 Ebenso wichtig für den Erfolg des Unternehmens ist aber, dass es gelingt, einen Ausgleich zwischen den Anforderungen einzelner Stakeholder zu schaffen.128 Speziell bei Handelsunternehmen sind die Geschäftsbeziehungen mit Zulieferern von entscheidender Bedeutung.129 Des Weiteren spielen auch der Grad an Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter eine dominierende Rolle. Dieses ist vor allem im Bekleidungseinzelhandel der Fall.130 Kaplan/Norton betonen explizit, dass die vier Perspektiven der Balanced Scorecard „als Schablone und nicht als Zwangsjacke“ gedacht sind.131 Es sollen die Faktoren bewertet und gemessen werden, die dem Unterneh- [...]
stimmten Vision basieren kann.122 Diese beschreibt die „Zielorientierung für einen überschaubaren Zeitraum“123 und sagt z.B. aus, was den Kunden auch in einigen Jahren noch dazu verleitet, sein Geld für Leistungen des entsprechenden Unternehmens auszugeben. Für ein Unternehmen im Bekleidungsfacheinzelhandel könnte eine Vision beispielsweise lauten: „Beste Qualität und hervorragender Service für den modebewussten Kunden“. Die aus einer solchen Vision abgeleitete Strategie besteht in der Regel aus einer Vielzahl strategischer Ziele, die wiederum jeweils einer der festgelegten Perspektiven zugewiesen werden.124 Hier wird eine Balanced Scorecard konzipiert, die auch zur Darstellung der ganzheitlichen Performance für eine mittelständische Unternehmung im Bekleidungseinzelhandel mit verschiedenen Filialen geeignet ist. Auf die Möglichkeit des Einsatzes für einzelne Filialen wird hier verzichtet, da die Minimalanforderung für den Aufbau einer eigenständigen Balanced Scorecard einer organisatorischen Einheit u.a. die Existenz einer eigenen Strategie ist.125 Diese ist bei einer einzelnen Filiale, z.B. eines Modehauses, i.d.R. nicht gegeben. Wenn die Perspektiven und die strategischen Ziele festgelegt sind, werden die entsprechenden Kennzahlen implementiert, die die Ziele bzw. Erfolgsfaktoren darstellen und messbar machen. Bei der Festlegung der Kennzahlen ist darauf zu achten, dass sie ein ausgewogenes und transparentes Bild der Unternehmung wiedergeben, um das anstehende Rating positiv zu beeinflussen. Für den Fall im Detail bekannter Rating-Kriterien der Bank können die Kennzahlen hierauf abgestimmt werden. Auf eventuel- [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832497309
Arbeit zitieren:
Kruse, Phillipp Dezember 2003: Möglichkeiten und Grenzen der Balanced Scorecard für das qualitative Rating von Unternehmen im Bekleidungseinzelhandel, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Performance Messung, Erfolgsfaktoren, Unternehmenssteuerung, Kreditwürdigkeit, Informationsinstrument



