Möglichkeiten des Einsatzes von Wissensmanagement bei der Standardisierung von Anwendungssoftware
Mit Fallbeispiel
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Pukallus
- Abgabedatum: März 2010
- Umfang: 68 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hamburger Fern-Hochschule Deutschland
- Bibliografie: ca. 31
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0809-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pukallus, Stefan März 2010: Möglichkeiten des Einsatzes von Wissensmanagement bei der Standardisierung von Anwendungssoftware, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wissensmanagement, Softwareentwicklung, Standardisierung, Formalisierungsmethoden, De- Kontextualisierung
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Diplomarbeit von Stefan Pukallus
Einleitung:
Ausgangssituation und Problemstellung:
Das Bestreben in der klassischen Investitions- und Konsumgüterproduktion, im Handwerk, in der Landwirtschaft oder im Dienstleistungssektor permanent standardisierte Fertigungsverfahren zu entwickeln und anzuwenden, ist fast so alt wie diese Wirtschaftszweige selbst. In Standards wurde und wird noch immer das Wissen von wirtschaftlichen Einheiten kumuliert. So werden Produktentwicklungs- und Folgekosten gemindert, Ressourcen geschont und vor allem Kompatibilität zu anderen Produkten hergestellt.
Auch in der Softwareentwicklung ist man bestrebt, über standardisierte Produkte Entwicklungskosten zu senken und die Produkte so zu gestalten, dass sie einem breiten Markt zugänglich sind. Dem Standardisierungsgedanken steht jedoch entgegen, dass Unternehmen als Softwareanwender immer individuelle Vorstellungen haben und sich dementsprechend genau angepasste Software wünschen. Die Interessen des Herstellers und die des Nutzers weisen zunächst widersprüchlichen Charakter auf.
Kleine Hersteller oder Entwicklergruppen haben mit Individualentwicklungen häufig auch kein Problem, da sich alle Informationen über das Wissensgebiet bei einer kleinen Teamgröße organisatorisch gut handhaben lassen bzw. ein eigenständiger Selbstorganisationsprozess die Entwicklung trägt. Externe Eingriffe in die Arbeitsprozesse nach Taylor'schen Prinzipien wirken hier eher störend als fördernd.
Größere Hersteller mit vielen organisatorisch, inhaltlich und z.T. räumlich verteilten Teams können aus Effizienzgründen nicht permanent auf die individuellen Anforderungen und das spezielle Wissen des Nutzers eingehen. Hinzu kommt, dass Individuallösungen zahlreiche Nachteile aufweisen. Sie sind teurer, ihre Implementierung dauert länger und sie sind fehleranfälliger als Standardlösungen. Das sind Gründe, die auch die Anwender bei ihrer Entscheidung über Softwareanschaffungen berücksichtigen müssen. Denn sie haben die Folgekosten von nicht-standardisierten Lösungen zu tragen, indem sie eigenverantwortlich für den Support und die Weiterentwicklung aufkommen müssen. Dies bindet Ressourcen und ist technologisch kaum noch aufrechtzuerhalten. Hier treffen sich die Interessen von Hersteller und Nutzer wieder. Hersteller und Nutzer streben nun doch eine Konfliktlösung im Sinne von Produktstandards an, um die daraus resultierenden Vorteile in einer Win-win-Strategie zu nutzen.
Die Herausforderung und Problemstellung besteht in der Praxis darin, das verfügbare Wissens hinsichtlich der Kundenanforderungen und Software-Elemente aus den unterschiedlichen personellen und technischen Wissensträgern effektiv und so vollständig wie möglich zu gewinnen. Ohne Standardisierung werden immer wiederkehrende Fragestellungen immer und immer wieder neu durchdacht und programmiert. Die Ursachen hierfür liegen häufig in der heterogenen Verteilung des Wissens im Softwareunternehmen.
Diese für alle am Entwicklungsprozess beteiligten Personen unbefriedigende Situation gilt es zu überwinden, insbesondere um die Wissensaggregation und -organisation in Form der Standardisierung von Unternehmenssoftware voranzutreiben. Nur so können die Entwicklungskosten reduziert werden und die Produkte eine gefestigte breite Marktstellung erreichen. Einen möglichen Lösungsansatz bietet in diesem Zusammenhang das WM. Denn es sind bezogen auf die jeweilige Entwicklungsphase die Methoden, Ansätze und Tools des Umgangs mit Wissen auszuwählen und anzuwenden, die den Entwicklungsprozess hin zur Standardisierung effizient unterstützen.
Bisher fehlt eine Einschätzung der Möglichkeiten des Einsatzes von Methoden und Instrumenten des WM für die Standardisierung von Softwarelösungen. Ein entscheidender Faktor ist dabei jedoch auch die Anwendung der Methoden. Denn das Wissen über ihre Eignung und die Auswahl allein genügen nicht. Eine systematische Übersicht soll Entscheider, Projektmanager oder Entwickler bei den Standardisierungsbemühungen mit WM unterstützen. Dadurch soll der Umgang mit Wissen in Softwareprojekten professionalisiert werden.
Die aus der geschilderten Problemstellung abgeleitete Fragestellung findet ihren Ausdruck in der Forschungsfrage und soll im letzten Kapitel als Forschungsergebnis mit dem erforderlichen Erkenntnisgewinn dargestellt werden.
Forschungsfrage:
Kann im Zuge des Software- Entwicklungsprozesses die gezielte Anwendung von Methoden und Instrumenten des Wissensmanagement die Entwicklung standardisierter Softwareprodukte fördern und in welcher Phase der Softwareentwicklung sind diese einzusetzen?
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | 3 | |
| Tabellenverzeichnis | 3 | |
| 1. | Einleitung | 4 |
| 1.1 | Ausgangssituation und Problemstellung | 4 |
| 1.2 | Ziel der Arbeit- Forschungsfrage | 5 |
| 1.3 | Methodisches Vorgehen | 6 |
| 2. | Standardisierung von Software | 7 |
| 2.1 | Grundlagen der Standardisierung | 7 |
| 2.1.1 | Notwendigkeit der Standardisierung | 7 |
| 2.1.2 | Vor- und Nachteile der Standardisierung | 7 |
| 2.1.3 | Der Standardisierungsprozess | 8 |
| 2.1.4 | Das KANO-Modell | 11 |
| 2.2 | Standardisierung mittels ‘De- Kontextualisierung’ | 12 |
| 2.2.1 | Identifikation derWiederverwendbarkeit | 12 |
| 2.2.2 | Identifikation der Kontextgrenze | 13 |
| 2.2.3 | Identifikation der Allgemeingültigkeit | 15 |
| 2.2.4 | Identifikation der Stakeholder | 16 |
| 2.3 | Formalisierung von Anforderungen | 18 |
| 2.3.1 | Das Dilemma der Softwareentwicklung | 18 |
| 2.3.2 | Grundlagen der Formalisierung | 20 |
| 2.3.3 | Formalisierung von Anforderungen | 20 |
| 2.4 | Formalisierungsmethoden | 21 |
| 2.4.1 | Ontologie-basierende Formalisierung | 21 |
| 2.4.2 | Normsprachliche Formalisierung | 23 |
| 2.4.3 | Modellierung | 25 |
| 2.4.4 | Eigenschaften der Formalisierungsmethoden | 26 |
| 2.4.5 | Zusammenfassung | 27 |
| 3. | Wissensmanagement | 28 |
| 3.1 | Grundlagen zum Thema ‘Wissen’ | 28 |
| 3.2 | Bausteine des Wissensmanagements | 30 |
| 3.3 | DieWissensträger imWissensmanagement (WM) | 33 |
| 3.3.1 | Der Stakeholder | 33 |
| 3.3.2 | DerWissensarbeiter | 33 |
| 3.3.3 | DieWissenstreiber - Community of Practice (COP) | 34 |
| 3.3.4 | DieWissensnutzer - Community of Interest (COI) | 34 |
| 3.4 | Methoden des Wissensmanagement | 35 |
| 3.4.1 | Wissenskarten nach Probst | 35 |
| 3.4.2 | Lessons Learned | 36 |
| 3.4.3 | Best Practice Sharing | 37 |
| 3.4.4 | Wissensmanager | 37 |
| 3.4.5 | Unterstützende Kreativitätstechniken | 38 |
| 3.4.6 | Befragungsmethoden | 38 |
| 3.4.7 | Beobachtung | 39 |
| 3.4.8 | Methode der Wissensfabriken-Experience Factory | 39 |
| 3.5 | Ausgewählte Instrumente desWissensmanagements | 40 |
| 3.5.1 | Systematisierung | 40 |
| 3.5.2 | Intranet | 40 |
| 3.5.3 | Groupware | 41 |
| 3.5.4 | Weblogs | 41 |
| 3.5.5 | EnterpriseWiki | 42 |
| 3.5.6 | Knowledge-Mail | 42 |
| 3.5.7 | Enterprise Lösungen | 43 |
| 4. | Forschungsergebnis und Erkenntnisgewinn | 44 |
| 4.1 | Arbeitshypothese auf Basis der Forschungsfrage | 44 |
| 4.2 | Lösungsansatz zur Forschungsfrage | 45 |
| 4.3 | Perspektive 1-Analogiesuche | 46 |
| 4.3.1 | Analogie der Strukturen | 46 |
| 4.3.2 | Analogie des Prozesses | 47 |
| 4.3.3 | Analogie der Methoden | 49 |
| 4.4 | Perspektive 2- Bewertung der Methoden | 50 |
| 4.4.1 | Motivation | 50 |
| 4.4.2 | Terminologie der Bewertung | 50 |
| 4.4.3 | Bewertung der Methoden | 52 |
| 4.4.4 | Bewertung der Instrumente | 54 |
| 4.5 | Perspektive 3-Fallbeispiel | 55 |
| 4.6 | Zusammenfassung | 58 |
| 5. | Fazit und Ausblick | 60 |
| Literaturverzeichnis | 61 | |
| Abkürzungsverzeichnis | A | |
| Anlage 1 -Einzelbewertung derWissensmanagement Methoden | A | |
| Anlage 2 -Einzelbewertung derWissensmanagement Instrumente | C |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Grundlagen zum Thema ‘Wissen’:
Beim Versuch, sich dem Thema ‘Wissensmanagement’ anzunähern stößt man auf eine Vielzahl unterschiedlich geprägter und fokussierter Erklärungsansätze und Definitionen verschiedener Autoren. So entsteht zunächst ein uneinheitliches, schwer durchdringliches Bild des Themengebietes. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass alle Autoren dem Wissen personengebundene Eigenschaften zusprechen. Die Wissensentstehung vollzieht sich in einem fortlaufenden Zyklus der Vernetzung bestehenden Wissens mit Informationen und Erfahrungen aus der Umwelt der Person. Beispielsweise ist das Lesen und Verstehen einer DIN/ISO Normschrift nicht nur an die Lesetechnik, sondern immer an die bestehende Wissensbasis des Lesers gebunden, der den ‘Rohstoff’ des Wissens, die Information, in seine Gedankenwelt einbaut und vernetzt. So kann man fast im Sinne Einsteins meinen, dass das Ergebnis dieses Zyklus vom ‘Wissensstandpunkt’ des Beobachters (Lesers) selbst abhängig ist. So erscheint es möglich, den Aufbau von Wissen durch den Aufbau gemeinsamer ‘Beobachtungsstandpunkte’ zu fördern oder zu harmonisieren.
Personengebundenes Wissen ist zunächst implizit und kann nur in Form von Sprache, Zeichen oder visuellen Effekten (Informationen) in die Umwelt transportiert bzw. mit dieser ausgetauscht werden. Ein Hochschulprofessor hält Vorlesungen und publiziert. Es gelingt ihm dadurch nicht, dieses Wissen auf seine Studenten zu ‘kopieren’. Er gibt die Informationen in der Hoffnung oder Zuversicht ab, dass diese die Studenten erreichen und in richtiger und wirksamer Weise von diesen vernetzt werden. So werden die Studenten nur so viel neues Wissen aufbauen, wie ihr Standpunkt (Erfahrung, Wissensbasis, aber auch Meinungen und Emotionen) dies zulassen. Gelingt dies, wird Wissen durch Informationsabgabe expliziert und von den Studenten sofort wieder implizieren. So wird es möglich, Personengruppen durch Informationszugabe zur Synchronisation ihrer Handlungen zu inspirieren.
Die Erfahrung der Softwareentwicklung zeigt, dass dieser Assimilationsprozess von Wissen in kleinen Teams sehr gut funktioniert. Ein Managementeingriff zur Wissensorganisation wirkt hier eher negativ. Dieses implizite Selbst-Management kleiner Gruppen bricht mit wachsender Teamgröße und steigender Komplexität des fachlichen und softwaretechnischen Sachverhaltes in sich zusammen und muss durch eine Explizierung von Wissen kompensiert werden.
Die gemeinsame Wissensbasis eines Personenkreises kann so zur Handlungstriebfeder für gemeinschaftliche Aktivitäten werden und belebt so die Wertschöpfung im Unternehmen. Das Wissen wird sozusagen in Form von Produkten und Dienstleistungen ‘`materialisiert’'. Ein Softwareentwicklungsteam tut nichts anderes, als das Wissen von Fachleuten in Form von Programmcode zu materialisieren. Das Ergebnis dieses Vorganges ist so direkt abhängig von der Qualität und Sorgfalt der Informationsgewinnung und -weitergabe des ‘wissenden’ Teils des Teams.
Je umfangreicher sich die ‘Wissensmenge’ am gesamten Wertschöpfungsprozess darstellt, desto höher sind die Anforderungen an die erwähnte Qualität und Sorgfalt der Informationsverarbeitung über ein Wissensgebiet. North qualifiziert den ‘Wissensgehalt’ einer Wertschöpfungskette mit dem Begriff der Wissensintensität .
Jede Wertschöpfung lässt sich theoretisch durch ‘Wissensanreicherung’, d.h. durch Zugabe weiterer Informationen, auf eine nächsthöhere Ebene heben. Praktisch ist dieser Schritt beispielsweise mit der Ablösung der Konstruktion von Bauteilen auf dem Zeichenbrett (Ebene 2) durch CAD-gestützte Zeichenfunktionen (Ebene 3) vollzogen worden. Wenn durch die Zugabe von Informationen die Wissensintensität erhöht wird, kann so der ‘Wissensgehalt’ der Wertschöpfung und damit die Produkt- und Prozessintelligenz erhöht werden.
Wissensmanagement soll demzufolge der Optimierung des Transformations- und Transportprozesses des Wissensrohstoffes Information dienen und der Angleichung der Wissensbasis der Mitarbeiter dienlich sein. Die Instrumente und Methoden des Wissensmanagements stellen vereinfacht gesagt lediglich die Evaluierung, Verteilung und Sicherung von Wissen sicher.
Voraussetzung für ein optimiertes Wissens-Übertragungsverfahren ist die klare Strukturierung und die abgestimmte Basis des ‘`Wissen-Senders’' und des ‘Wissens-Empfängers’. Beide müssen übereinstimmende semantische und syntaktische Regeln vereinbaren und einhalten.
Dabei ist der ‘Sender’ verantwortlich für die regelkonforme Transformation seines Wissens in die entsprechenden Übertragungs- und Transportstrukturen. Hierzu bedient er sich aus einem Fundus an Begriffen, sprachlichen und visuellen Konstruktionen, die es dem Empfänger erleichtern, die Informationen zu verarbeiten. Sobald der Sender Schwierigkeiten bei der Verwendung dieser Strukturen hat, wird die Übertragungsqualität geschmälert oder verschleiert, was zu einem ‘Wissensverlust’ oder zu einer unbewussten Deformation der Wissensbasis beim ‘Empfänger’ führt.
Auf der Übertragungsstrecke dürfen keine Inhalte und Strukturen des ‘Wissenspaketes’ durch äußere Einflüsse verändert werden oder verloren gehen. Der Empfänger muss die ‘Wissensbotschaft’ ‘entpacken’ können und durch Transformation in seinen Wissenskontext einbauen. Im theoretischen Idealfall hätte der Empfänger den vom Sender beabsichtigten Wissenszuwachs erreicht.
Dies ist jedoch ausgeschlossen, da der Wissenszuwachs des Empfängers immer von dessen bestehender Wissensbasis und dem personengebundenen Implizierungsprozess (also dem ‘Lesen’ und Verarbeiten der Daten und Informationen) abhängig ist. Sprachliche Konstrukte führen immer zu einer Kompression, d.h. zur Reduzierung des Inhaltes und der Struktur, des ‘Wissenspaktetes’.
Die genannten Aspekte bilden können als Kernanforderungen an die Methoden und Instrumente des Wissensmanagements verstanden werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842808096
Arbeit zitieren:
Pukallus, Stefan März 2010: Möglichkeiten des Einsatzes von Wissensmanagement bei der Standardisierung von Anwendungssoftware, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wissensmanagement, Softwareentwicklung, Standardisierung, Formalisierungsmethoden, De- Kontextualisierung



