Die Modifizierung des dualen Systems der Berufsausbildung durch die Integration von Ausbildungsmodulen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marc Fischbach
- Abgabedatum: Januar 2001
- Umfang: 96 Seiten
- Dateigröße: 841,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4265-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4265-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4265-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fischbach, Marc Januar 2001: Die Modifizierung des dualen Systems der Berufsausbildung durch die Integration von Ausbildungsmodulen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Berufsausbildung, Duales System, Modularisierung, Module, Reform
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Diplomarbeit von Marc Fischbach
Problemstellung:
Fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch galt das duale System der Berufsausbildung als der entscheidende Vorteil der deutschen Wirtschaft gegenüber ihren Mitbewerbern auf dem Weltmarkt. Die Wurzeln des deutschen Berufsbildungssystems reichen hierbei bis in die mittelalterliche Ständegesellschaft zurück. Durch die im 18. Jahrhundert einsetzende industrielle Revolution erhielt das duale System seine noch heute bestehende industriegesellschaftliche Basis.
Durch die Strukturveränderungen in der Wirtschaft, ausgelöst durch einen globalen Wettbewerb und einen immer rascheren technologischen Wandel, gerät jedoch auch diese industriegesellschaftliche Basis ins Wanken. So weist das duale System der Berufsausbildung in den letzten Jahren verstärkt Krisensymptome, wie etwa eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, auf. Diese sind nach Auffassung vieler Experten nicht als vorübergehende Schwächen des Systems, sondern als ernsthafte Infragestellung seiner Grundlagen zu interpretieren. Eine Modifizierung des dualen Systems scheint somit erforderlich. Darüber hinaus wird eine Vereinheitlichung der Berufsausbildung in den Mitgliedsstaaten der EU angestrebt, so dass sich das duale System zukünftig direkt mit den Bildungssystemen der anderen EU-Mitgliedsstaaten vergleichen lassen muss.
Hierbei ist verstärkt in den Mittelpunkt der Reformdiskussion die Vorstellung einer Modularisierung des dualen Systems der Berufsausbildung gerückt, d.h. es sollen Ausbildungsmodule in das Berufsbildungssystem integriert werden. Dabei wird auf allgemeiner Ebene unter einem Modul ein Ausbildungsabschnitt oder eine abgeschlossene Lehr- oder Lerneinheit innerhalb eines Bildungsganges verstanden. Hierbei handelt es sich jedoch um einen sehr vielschichtigen Ansatz. In dieser Arbeit sollen daher die unterschiedlichen Vorstellungen und Zielsetzungen, die im Zusammenhang mit einer Modularisierung diskutiert werden, näher vorgestellt werden.
Gang der Untersuchung:
Dazu beschäftigt sich diese Arbeit zunächst mit dem dualen System der Berufsausbildung und skizziert die wesentlichen Elemente der dualen Berufsausbildung, wobei gesondert auf das deutsche Berufskonzept eingegangen wird. Hierauf aufbauend werden zunächst aktuelle Probleme der dualen Berufsausbildung dargestellt und anschließend wird das Spektrum der Überlegungen zur Modernisierung dessen aufgezeigt. Eine Überlegung in diesem Zusammenhang stellt die bereits erwähnte Modularisierung des dualen Systems der Berufsausbildung dar. Dieser Aspekt wird herausgegriffen und anschließend einer näheren Betrachtung unterzogen.
Dazu werden zunächst Wesen und Bedeutung des Modulbegriffs auf einer allgemeinen Grundlage erklärt, um anschließend zum besseren Verständnis den politischen und rechtlichen Hintergrund einer europäischen Berufsbildungspolitik darzustellen. Darauf aufbauend werden die drei Grundvarianten von Modularisierungstendenzen wiedergegeben, wie sie derzeit in Deutschland diskutiert werden.
Als erste Variante werden Module als curricular-didaktische Bausteine kurz erläutert und ein Modellversuch aus der Praxis hierzu vorgestellt. Anschließend wird die zweite Variante einer Modularisierung unter Aufhebung des Berufskonzepts anhand des britischen Berufsbildungssystems dargestellt, da dieser Ansatz in Großbritannien bereits seit Jahren angewendet wird. Darauf aufbauend werden die Auswirkungen einer solchen Modularisierung auf das deutsche Berufsbildungssystem diskutiert.
Die dritte Variante hingegen beschäftigt sich mit einer Modularisierung innerhalb des Berufskonzepts. Hierzu wird zunächst die Zielsetzung einer solchen Modularisierung vorgestellt, um anschließend auf die Integration solcher Module in die Praxis einzugehen. Dazu werden Modularisierungserfordernisse erläutert und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten dieser Modularisierungsvariante aufgezeigt. Danach werden zwei Modellversuche zu diesem Thema betrachtet, die in der Praxis der beruflichen Nachqualifizierung erfolgreich durchgeführt worden sind.
Aber auch eine Modularisierung in den übrigen Teilsystemen der Berufsausbildung (berufliche Weiterbildung, Nachqualifizierung und Ausbildungsvorbereitung) wird in Form eines Exkurses kurz dargestellt.
Abschließend beschäftigt sich die Arbeit mit den Risiken einer Modularisierung und es erfolgt eine Gesamtbeurteilung und Einschätzung zukünftiger Entwicklungstendenzen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| 1. | Problemstellung und Gang der Untersuchung | 1 |
| 2. | Das duale System der Berufsausbildung in der Bundesrepublik Deutschland | 4 |
| 2.1 | Begriff, Aufgaben und Ziele der (dualen) Berufsausbildung | 5 |
| 2.2 | Zur historischen Entwicklung des dualen Systems | 7 |
| 2.3 | Die Lernorte des dualen Systems | 9 |
| 2.3.1 | Der Lernort Berufsschule | 10 |
| 2.3.2 | Der Lernort „Betrieb“ | 11 |
| 2.3.3 | Der Lernort „überbetriebliche Berufsbildungsstätte“ | 13 |
| 2.4 | Ausgewählte Strukturmerkmale des dualen Systems. | 14 |
| 2.4.1 | Ausbildungsordnungen | 14 |
| 2.4.2 | Zuständige Stellen. | 17 |
| 2.5 | Das deutsche Berufskonzept. | 19 |
| 3. | Das duale System im Modernisierungsprozess | 20 |
| 3.1 | Aktuelle Probleme der dualen Berufsausbildung. | 21 |
| 3.2 | Das Spektrum der Überlegungen zur Modernisierung der dualen Berufsausbildung. | 24 |
| 4. | Modularisierung in der beruflichen Erstausbildung. | 27 |
| 4.1 | Wesen und Bedeutung des Modulbegriffs | 28 |
| 4.1.1 | Module aus europäischer Sicht | 29 |
| 4.1.2 | Module aus deutscher Sicht. | 31 |
| 4.2 | Module als curricular-didaktische Bausteine | 32 |
| 4.3 | Modularisierung unter Aufhebung des Berufskonzepts. | 34 |
| 4.3.1 | Das britische NVQ-System. | 34 |
| 4.3.2 | Demontage des Berufskonzepts. | 39 |
| 4.4 | Modularisierung im Rahmen des Berufskonzepts | 41 |
| 4.4.1 | Ziele einer modularisierten Berufsausbildung. | 42 |
| 4.4.2 | Integration von Modulen in die berufliche Erstausbildung. | 46 |
| 4.4.2.1 | Modularisierungserfordernisse. | 46 |
| 4.4.2.2 | Gestaltungsmöglichkeiten | 48 |
| 4.4.2.3 | Modellversuche in der Praxis. | 52 |
| 4.4.2.3.1 | Der Thüringer Modellversuch „Lernen am Arbeitsplatz“ | 52 |
| 4.4.2.3.2 | Der Modellversuch „Differenzierte Wege zum Nachholen von Berufsabschlüssen“ | 55 |
| 4.4.2.4 | Ausblick: Auswirkungen der Modularisierung auf die Berufsschule. | 56 |
| 4.4.3 | Exkurs: Modularisierung in den übrigen Teilsystemen der Berufsausbildung. | 57 |
| 4.4.3.1 | Modularisierung in der beruflichen Weiterbildung | 58 |
| 4.4.3.2 | Modularisierung in der Nachqualifizierung. | 59 |
| 4.4.3.3 | Modularisierung in der Ausbildungsvorbereitung | 60 |
| 4.4.4 | Risiken einer Modularisierung | 60 |
| 5. | Abschließende Gesamtbeurteilung und Einschätzung zukünftiger Entwicklungstendenzen. | 62 |
| 6. | Anhang | 66 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 79 |
| 8. | Verzeichnis der Gesetze | 85 |
lichen Grundlagen einer europäischen Berufsbildungspolitik darzustellen. Kapitel 4.12 gibt schließlich drei Grundvarianten von Modularisierungstendenzen wieder, wie sie derzeit in Deutschland diskutiert werden. Auf diese drei Grundvarianten wird dann anschließend näher eingegangen. So werden in Kapitel 4.2 kurz Module als curricular-didaktische Bausteine erläutert und ein Modellversuch aus der Praxis hierzu dargestellt. In Kapitel 4.3 schließlich wird eine Modularisierung unter Aufhebung des Berufskonzepts anhand des englischen NVQ-Systems dargestellt und die Auswirkungen einer solchen Modularisierung auf das deutsche Berufsbildungssystem diskutiert. Kapitel 4.4 hingegen beschäftigt sich mit der dritten Grundvariante der Modularisierung innerhalb des Berufskonzepts. Hierzu wird die Zielsetzung einer solchen Modularisierung vorgestellt (Kapitel 4.41) sowie die Integration solcher Module in die Praxis wird erläutert (Kapitel 4.42). Aber auch eine Modularisierung in den übrigen Teilsystemen der [...]
die belegt, daß während der 90er Jahre die in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen die Zahl ihrer Ausbildungsberufe um 30% - 50% reduzierten.75 Die Gewerkschaften hingegen fordern eine branchenübergreifende und funktionsorientierte Berufsausbildung innerhalb eines Berufsfeldes. Neben Kernqualifikationen soll die Ausbildung auch Schlüsselqualifikationen und Fachqualifikationen, die der Jugendliche nach Wahl der jeweiligen Fachrichtung eines Berufes erwerben soll, enthalten.76 Ziel dieses Konzepts ist es, die Wahlmöglichkeiten während und nach der Ausbildung zu verbessern. Zudem wird dadurch eine bessere Verwertung der durch die Ausbildung erworbenen Qualifikation erhofft. Verstärkt in den Mittelpunkt der Überlegung zur Modifizierung des dualen Systems ist jedoch das Konzept der Modularisierung der Berufsausbildung in Deutschland gerückt. Die Diskussion um dieses Konzept wird hierbei sehr kontrovers geführt. Von verschiedenen Seiten wird in der Modularisierung eine Lösung der Probleme des dualen Systems gesehen. Über die konkrete Ausgestaltung der Module wird aber heftig gestritten. Andere Stimmen hingegen lehnen eine Einführung von Modulen aus verschiedenen Gründen ab. Aufgrund der Aktualität und Brisanz der Diskussion wird daher das Konzept der Modularisierung in der beruflichen Erstausbildung im folgenden näher beleuchtet. [...]
Entscheidungen bezüglich bestimmter Themengebiete – wie etwa Investitionsund Betriebskosten – treffen können. Dadurch soll die Schule die Möglichkeit erhalten, sich selbst zu entwickeln und eine eigene Schulkultur aufzubauen. Darüber hinaus ist von betrieblicher Seite häufig die Forderung nach verstärkter Zusammenfassung des Berufsschulunterrichts zu Blöcken zu vernehmen, um die häufige Unterbrechung der betrieblichen Ausbildung zu reduzieren. Desweiteren fordert Schmidt einen Ausbau der Verbundausbildung: „Es gibt viele Betriebe, die Teile einer hochwertigen Ausbildung, aber nicht die ganze vermitteln können. Bringen mehrere Betriebe diese Teile in eine Ausbildung ein, kann arbeitsplatzbezogene Ausbildung in Verbindung mit überbetrieblicher Ausbildung zu einem vollwertigen Bildungsgang verbunden werden.“73 Dadurch kommt es zu einer Ausweitung des Ausbildungsplatzangebotes. Darüber hinaus wird eine Verzahnung von Aus- und Weiterbildung als notwendig betrachtet, um die Kenntnisse und Fertigkeiten der Erwerbstätigen laufend dem raschem technologischem Wandel anzupassen. Aber auch die Forderung nach einer Fondsfinanzierung der Berufsausbildung wird erneut im Zusammenhang mit der Modernisierungsdiskussion des dualen Systems laut. Dieses Modell sieht vor, daß alle Betriebe in einen gemeinsamen Fond einzahlen, aus dem die Ausbildungsbetriebe einen Zuschlag zur Finanzierung ihrer Ausbildungskosten erhalten. Dadurch soll kontinuierlich ein ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen gesichert werden. Baethge hingegen sieht Basis- oder Kernberufe als Zukunftskonzept für das duale System an.74 Demnach soll das Berufsprinzip gelockert werden, so daß man die Berufsbilder stärker auf bestimmte Basis- oder Kernberufe konzentrieren kann. Dadurch sollen die Ausbildungsordnungen flexibler und differenzierter in der Durchführung werden. Anstoß zu dieser Forderung gab eine Untersuchung, [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832442651
Arbeit zitieren:
Fischbach, Marc Januar 2001: Die Modifizierung des dualen Systems der Berufsausbildung durch die Integration von Ausbildungsmodulen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Berufsausbildung, Duales System, Modularisierung, Module, Reform



