Die Modifikation des Wertgesetzes in der Zirkulationssphäre, dargestellt anhand der ökonomischen Literatur des 19. Jahrhunderts
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Günther Schreiner
- Abgabedatum: Januar 1974
- Umfang: 136 Seiten
- Dateigröße: 372,3 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule für Wirtschaft Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 46
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1878-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schreiner, Günther Januar 1974: Die Modifikation des Wertgesetzes in der Zirkulationssphäre, dargestellt anhand der ökonomischen Literatur des 19. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Politische Ökonomie, Peelscher Bankakt, Zirkulationsmittel, Marxsche Kritik, Currency Schule
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Diplomarbeit von Günther Schreiner
Einleitung:
‘Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine 'ungeheure Warenansammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.’ Mit diesen Sätzen eröffnet Marx die Analyse der bürgerlichen Gesellschaft in seinem Hauptwerk. Er beginnt nicht mit der Untersuchung von anderen Erscheinungsformen wie dem bürgerlichen Staat, dem Grundeigentum, der Familie etc., sondern zielbewußt mit der Ware. Durch diesen Anfang wird am Marxschen 'Spätwerk die erste Kontur einer strukturellen Darstellung sichtbar, die nicht weniger besagen soll, als daß für Marx die Ware die Keimform der bürgerlichen Gesellschaft ist, daß sie die Basis dieser Gesellschaftsformation abgibt.
In den ‘Randglossen zu Adolph Wagners Lehrbuch der politischen Ökonomie’ verweist Marx die Untersuchung des Gebrauchswerts in den Bereich der Warenkunde, die nur am Rande mit der politischen Ökonomie als Gesellschaftstheorie etwas zu tun hat. Deshalb wollen wir bei der Untersuchung von Geld und Kredit zuerst die einfachen Kategorien bei Marx nachzeichnen und mit der ‘Einfachen Warenzirkulation’ beginnen, wo die Kategorien des Äquivalententausches in ihrem dialektischen Wechselverhältnis logisch aneinandergefügt werden. Die ‘Einfache Warenzirkulation’ setzt zwar das Kapitalverhältnis voraus, nimmt aber in der logischen Abfolge keine Rücksicht auf die historische Herausbildung bürgerlicher Produktionsverhältnisse.
Im zweiten Abschnitt entwickeln wir die verschiedenen Kreisläufe der einzelnen Kapitalformen und begnügen uns mit dem Hinweis auf die Existenz des Proletariats, was zur unabdingbaren Voraussetzung bürgerlicher Produktionsverhältnisse wird. Die solchermaßen entwickelten Kategorien ermöglichen uns die weitere Untersuchung der Zirkulationssphäre, wo auf der einen Seite die Marxsche Werttheorie mit den verschiedenen Zirkulationsmitteln konfrontiert wird und auf der anderen Seite der Zusammenhang zwischen Zirkulationsmittel und fungierendem Kapital erfaßt werden soll, was noch dadurch erschwert wird, weil die Werttheorie nicht mehr materialisiert an bestimmte Metallumlaufsmittel festzumachen ist, sondern eine Modifikation durch die jeweilige Währungsverfassung eintritt.
Dabei erweist es sich als notwendig, auch auf die Geschäftstätigkeit der Banken einzugehen, die unter diesen Bedingungen zur Schaltzentrale der Anhäufung von Geldkapital und damit potentiellem Kapital werden. Eben durch die Loslösung der Umlaufsmittel von ihrem materiellen Wert wird die Deckung weit verbreiteter Zirkulationsmittel, wie der Banknote, zur essentiellen Frage der politischen Ökonomie, wo wir auf die Kontroverse zwischen den beiden widerstreitenden Theorien der Currency-Schule und der Banking-Schule eingehen werden. Vor allem haben diese Auseinandersetzungen den Peelschen Bankakt 1844 in England vorbereitet, der in seiner objektiven Funktion nicht eine reibungslosere Organisation der Zirkulationssphäre bewirkte, sondern in Krisensituationen die rasche Überbrückung von Depressionen nur noch erschwerte.
Daran schließt sich im fünften Abschnitt die allgemeinere Fragestellung über die Quantität von Umlaufsmitteln an, wie sie von dem zeitgenössischen Ökonom vor und während des 19. Jahrhunderts behandelt wurde. Diese Untersuchung soll die überlieferten Vorstellungen nochmals einer Kritik unterziehen, wo die Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus auf eine Frage der Quantität des Geldes reduziert wird. Im vorletzten Teil beschäftigen wir uns mit der Fisherschen Verkehrsgleichung, die in ihrer Formulierung einen gewissen Abschluß quantitätstheoretischer Überlegungen um die Jahrhundertwende darstellt und durch ihre mathematische Auslegung den Anspruch auf präzise Ergebnisse verdeutlicht. An der Verkehrsgleichung zeigt sich aber auch in aller Deutlichkeit das Unverständnis der bürgerlichen Ökonomie, mit den Kausalzusammenhängen der Zirkulationssphäre zurecht zu kommen.
Der Anhang geht nochmals auf die drei Formbestimmtheiten des Geldes ein, wo wir den Nachweis erbringen, daß sich das Geld als Zirkulationsmittel gegenüber seinen beiden anderen Funktionen als Maß der Werte und Geld als Geld verselbständigt hat. Damit hat sich die Fragestellung einer Quantitätstheorie auf einer neuen Ebene wieder gestellt. Unsere vorläufigen Ergebnisse betrachten wir als Voraussetzung für die Untersuchung des Inflationsphänomens, was seit etlichen Jahrzehnten die Industrieländer erschüttert.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Vorwort | 1 |
| 2. | Die Einfache Warenzirkulation | 9 |
| 2.1 | Die Marxsche Arbeitswertlehre und ihr Begründungszusammenhang | 9 |
| 2.2 | Von der einfachen Wertform zur Geldform | 12 |
| 2.2.1 | Einfache, einzelne oder zufällige Wertform | 14 |
| 2.2.2 | Totale oder entfaltete Wertform | 17 |
| 2.2.3 | Allgemeine Wertform | 18 |
| 2.2.4 | Geldform | 18 |
| 2.3 | Herausbildung des Goldes als Geld | 19 |
| 2.4 | Die Verdoppelung der Ware in Ware und Geld | 21 |
| 2.5 | Die drei Formbestimmtheiten des Geldes | 24 |
| 2.5.1 | Maß der Werte und Maßstab der Preise | 24 |
| 2.5.2 | Zirkulationsmittel | 26 |
| 2.5.3 | Geld als Geld | 28 |
| 3. | Die Kreisläufe der verschiedenen Kapitalformen | 31 |
| 3.1 | Einfache Warenzirkulation und Kapitalverhältnis | 31 |
| 3.2 | Der Kreislauf des industriellen Kapitals | 33 |
| 3.3 | Goldproduktion für die Zirkulationssphäre | 37 |
| 3.4 | Bildung von Schätzen und Reservefonds als Vorstufen zur Akkumulation | 38 |
| 3.5 | Das Warenhandlungskapital | 41 |
| 3.6 | Das Geldhandlungskapital | 42 |
| 4. | Zum Verhältnis von Zirkulationsmittel und fungierendem Kapital | 44 |
| 4.1 | Geld als Zahlungsmittel | 44 |
| 4.2 | Unterscheidungsmerkmale des gewährten Kredits | 45 |
| 4.3 | Das zinstragende Kapital | 46 |
| 4.4 | Verdoppelung des Kapitals in der Zirkulationssphäre durch Kreditgeld | 49 |
| 4.5 | Exkurs: Zur Methode der Kapitalisierung von Eigentumstiteln | 53 |
| 4.6 | Die verschiedenen Umlaufsmittel in der Zirkulationssphäre | 55 |
| 4.7 | Die nationale Währungsverfassung als Voraussetzung einer entwickelten Kreditwirtschaft | 57 |
| 4.8 | Die Geschäftstätigkeit der Banken | 59 |
| 5. | Zur Frage der Golddeckung von Banknoten dargestellt an der Auseinandersetzung um den Peelschen Bankakt | 63 |
| 5.1 | Abriß der englischen Wirtschaftsgeschichte von 1793 bis zum Peelschen Bankakt 1844 | 63 |
| 5.2 | Darstellung der Currency-Schule und des Bankakts von 1844 | 67 |
| 5.3 | Kritik der Banking-Schule am Bank-Akt von 1844 | 73 |
| 5.4 | Zusammenfassung der Marxschen Kritik an der Currency-Schule und der Banking-Schule | 79 |
| 5.5 | Exkurs: ‘Goldmengen-Preis-Mechanismus’ | 84 |
| 6. | Die Auseinandersetzung der klassischen politischen Ökonomie mit den Grundlagen der Quantitätstheorie des Geldes | 87 |
| 6.1 | Geldtheoretische Ansätze im Merkantilismus, insbesondere die quantitätstheoretischen Vorstellungen von David Hume | 89 |
| 6.2 | Ansätze zur Erklärung des Geldwertes bei James Steuart und Adam Smith | 93 |
| 6.3 | Ricardos Fortführung des Humeschen Ansatzes | 96 |
| 6.4 | Kritische Würdigung des Quantitätstheoretischen Ansatzes durch Marx | 100 |
| 6.5 | Zur Unterscheidung von Staatspapiergeld und Banknoten | 103 |
| 7. | Die Fishersche Verkehrsgleichung als exakte mathematische Formulierung der Quantitätstheorie S | 107 |
| 7.1 | Die Verkehrsgleichung von Irving Fisher | 107 |
| 7.2 | Die Metallbasis der Verkehrsgleichung | 110 |
| 7.3 | Der Metallfuß auf dem Holzweg durch die Verkehrsgleichung | 113 |
| 7.4 | Exkurs: ‘Der gesellschaftlich notwendige Geldvorrat’ | 115 |
| 8. | Anhang: Die Verselbständigung des Geldes als Zirkulationsmittel gegenüber seinen beiden anderen Formbestimmtheiten | 117 |
| 8.1 | Die veränderten Bedingungen der nationalen Währungsverfassung | 118 |
| 8.2 | Die Geldpolitik der Zentralbank | 122 |
| Literaturanhang | 127 |
Textprobe:
Kapitel 2.3, Herausbildung des Goldes als Geld:
Bevor das Goldmaterial (bzw. Silber) die Funktion des allgemeinen Äquivalents usurpiert hatte, waren es ganz normale Produkte des täglichen Bedarfs, welche die Geldfunktion ausübten. Es gibt überlieferte Quellen, in denen nachgewiesen wird, daß Vieh, Muscheln etc. und schließlich Sklaven das allgemeine Äquivalent darstellten. Die Durchsetzung der edlen Metalle steht im Zusammenhang mit der Entwicklung der allgemeinen Produktionsbedingungen.
‘Der bürgerliche Produktionsprozeß bemächtigt sich zunächst der metallischen Zirkulation als eines fertig überlieferten Organes, das zwar allmählich umgestaltet wird, jedoch stets seine Grundkonstruktion bewahrt.’ Wir fassen nun die wesentlichen Eigenschaften der edlen Metalle zusammen:
1. Weil der Wertausdruck nur noch quantitative Unterschiede zulassen kann, muß das allgemeine Äquivalent eine ‘Gleichförmigkeit der Qualität’ als Naturstoff besitzen. Da diese Bedingung ohne große Aufwendungen bei Gold und Silber aufgrund einer Übereinkunft im Feingehalt zu erfüllen war, konnten verschiedene Quantitäten durch ihre unterschiedlichen Gewichte verglichen werden.
2. Daran knüpft eine weitere Forderung an das allgemeine Äquivalent, denn es muß die ‘Möglichkeit’ seiner ‘Zerschneidung in beliebige Teile und deren Zusammensetzbarkeit’ gewährleisten, um als Rechengeld auch sinnlich darstellbar zu sein.
3. ‘Als Zirkulationsmittel besitzen Gold und Silber vor andern Waren den Vorzug, daß ihrem großen spezifischen Gewicht, relativ viel Schwere in kleinem Raum darzustellen, ihr ökonomisch spezifisches Gewicht entspricht, relativ viel Arbeitszeit, d. h. großen Tauschwert in kleinem Umfang einzuschließen’.
4. ‘Der hohe spezifische Wert der Edelmetalle, Dauerbarkeit, relative Unzerstörbarkeit, Nichtoxydierbarkeit an der Luft, bei dem Gold speziell seine Unauflösbarkeit in Säuren, außer in Königswasser, alle diese natürlichen Eigenschaften machen Metalle zum natürlichen Material der Schatzbildung’.
5. Aufgrund ihrer großen Weichheit im Vergleich mit andere Metallen finden Gold und Silber kaum Anwendung als Produktionsinstrumente. ‘So nutzlos, wie sie innerhalb des unmittelbaren Produktionsprozesses sind, so entbehrlich erscheinen sie als Lebensmittel, als Gegenstände der Konsumtion. Jede beliebige Quantität derselben kann daher in den gesellschaftlichen Zirkulationsprozeß eingehen, ohne die Prozesse der unmittelbaren Produktion und Konsumtion zu beeinträchtigen’.
6. ‘Ihre ästhetischen Eigenschaften machen sie zum naturwüchsigen Material von Pracht, Schmuck, Glanz, sonntäglichen Bedürfnissen, kurz zur positiven Form des Überflusses und des Reichtums’.
7. ‘Endlich die Fähigkeit von Gold und Silber, aus der Form der Münze in die Barrenform, aus der Barrenform in die Form von Luxusartikeln und umgekehrt verwandelt zu werden, ihr Vorzug also vor andern Waren, nicht in einmal gegebene, bestimmte Gebrauchsformen gebannt zu sein, macht sie zum natürlichen Material des Geldes, das beständig aus einer Formbestimmtheit in die andre umschlagen muß’.
8. Gold und Silber sind Naturprodukte, die als Geld ein gesellschaftliches Verhältnis ausdrücken. Das Gold konnte schon sehr früh vom Menschen angeeignet werden, weil es keine entwickelten Produktionstechniken voraussetzt, um gewonnen zu werden. Es kommt in reiner Form vor und ist in der Erdrinde relativ selten.
Im Gegensatz dazu muß das Silber in Bergwerken abgebaut werden und setzt bereits eine ‘relativ hohe Entwicklung der Technik’ voraus. Durch die Steigerung der Produktivkräfte in den Bergwerken zur Silbergewinnung und der relativ größern absoluten Seltenheit des Goldes, hat sich letzteres langfristig als Geldmaterial durchsetzen können.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842818781
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