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Die Modernisierung des Staates am Beispiel seiner Kommunen

Die Modernisierung des Staates am Beispiel seiner Kommunen
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Andreas Beer
  • Abgabedatum: Dezember 1998
  • Umfang: 136 Seiten
  • Dateigröße: 10,4 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2350-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2350-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2350-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Beer, Andreas Dezember 1998: Die Modernisierung des Staates am Beispiel seiner Kommunen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kommunitarismus, Privatisierung, neue Steuerungsmodelle, Budgetierung

Magisterarbeit von Andreas Beer

Einleitung:

Aufgabenverantwortung, Budgetanreize, Controlling, außerdem Vorabdotierung, Wertgrenzen und Zentrale Steuerungsunterstützung. Kein Zweifel: Das kommunale ABC buchstabiert sich zur Jahrtausendwende in der Grammatik der Betriebswirtschaftslehre. Nicht mehr Allzuständigkeit, (Stimm)bürgerschaft und Gemeindevertretung prägen die heutigen Städte und Gemeinden, vielmehr der Zwang zur Mikroökonomisierung des Verhältnisses zwischen den Akteuren Bürger und Gesellschaft, Politik (Rat) und Verwaltung.

Festzustellen ist vorab, dass die globalen Veränderungen, namentlich die Ent-Territorialisierung der Wirtschaftskreisläufe einen neuerlichen Modellwechsel auch auf der kleinsten staatlichen Ebene herbeiführen. Waren die Gemeinden der Frühzeit noch Schutzzonen gegen eine feindliche Umwelt, die Städte des Mittelalters schließlich föderale Barrieren des aufstrebenden Handwerks und urbaner Patrizier gegen den zentralen Führungsanspruch der Fürsten, Bischöfe oder Kaiser, dann läßt sich das Erscheinungsbild der Kommunen während der vergangenen zweihundert Jahre als Projektion fordistischer Produktionsweise fortschreiben: Die Stadt als Sitz industrieller Massenfertigung, mit angeschlossenen Versorgungszentren, infrastrukturellen Gewährleistern und nicht zuletzt sozialstaatlicher Befriedungsfunktion, garantiert durch die Staatsbürokratie.

Will man diese Reihe weiterführen, so ließe sich die Globalisierung mit ihren Auswirkungen auf die Bewohner von Städten und Gemeinden hier als lediglich neuer Zivilisationssprung einordnen, sozusagen als logistische Fortführung und als quasi-natürliche Entwicklung. Zwar haben die aktuellen Veränderungen kommunalen Selbstverständnisses, viel vom Charakter eines Paradigmenwechsels, ob sie allerdings auch einen Zivilisationssprung gleichkommen, hin zu einer menschen-gerechteren Organisation des Zusammenlebens darf bezweifelt werden. Zu eindeutig lassen sich bereits jetzt die sich abzeichnenden Modernisierungsgewinner und Modernisierungsverlierer benennen und zu ungeklärt bleiben die checks und balances zur Austarierung von Ungerechtigkeiten, die ja erst mit bürgerlich-rationalen Institutionen Einzug in die lokalen Rathäuser hielt. Die Modernisierung des Staates auf seiner kommunalen Ebene vollzieht sich nämlich keineswegs kostenneutral, auch wenn dies mit dem häufigen Hinweis es handele sich doch "nur" um eine Verwaltungsreform, oft genug unterstellt wird. Die Vermarktlichung der Beziehungen stellt letzten Endes den keynesianischen Klassenkompromiß, wie den bürgerlichen Parteienstaat zur Disposition.

Gang der Untersuchung:

Ausgehend von dieser Beschreibung will die vorliegende Arbeit zunächst eine grobe Einführung in die Thematik anhand der finanziellen Krise der Städte und Gemeinden geben. Im zweiten Kapitel werden die Eckpunkte der Verwaltungsreform am Beispiel der Modernisierungsstrategien Budgetierung und Privatisierung diskutiert. Dabei werden, soweit sinnvoll und möglich, die Reformbemühungen auf ihre Rückwirkungen auf die bisherige kommunale Politikpraxis untersucht. Die Modernisierung der Verwaltung forciert aber nicht nur ein neues Rollenverständnis im Institutionengefüge von Rat, Parteien oder Fraktionen, sie berührt zudem den gesellschaftlichen Konsens in besonderem Umfang.

Im dritten Kapitel soll deswegen versucht werden, die Modernisierungsverlierer und Modernisierungsgewinner zu benennen. Dabei wird einzugehen sein auf die Vorstellungen zur Rolle der Zivilgesellschaft im künftigen kommunalen politischen Prozeß. Hier sind die Positionen der Denkschule der Kommunitaristen und der Vertreter des New Public Management in Form der NSM, als praktiziertes NPM, einander gegenübergestellt. Größeren Raum beansprucht in diesem Kapitel auch die Fragestellung zum Umgang mit Sozialhilfe und aktiver oder passiver Arbeitsförderung, bzw. zwischen der Betonung von Nachfrage oder Angebot. Da die Befürworter der Neuen Steuerungsmodelle deren Notwendigkeit ja explizit auch mit der Finanznot der Gemeinden, hervorgerufen durch die "Detonation des Sprengsatzes Sozialhilfe", begründen, erscheint es sinnvoll zu hinterfragen, welche Lösungsansätze zum Umgang mit Empfängergruppen welche offenen und verdeckten Forderungen bergen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 4
Kapitel I: Die Krise des Staates und seiner Kommunen 6
1.1 Die Gemeinden bis zur ersten Moderne 6
1.2 Die Gemeinden und die "Zweite Moderne" 7
1.3 Die Finanznot der Gemeinden 10
1.3.1 Die Kommunen und die EU 13
1.3.2 Konsolidierungspolitik am Beispiel Berlins 14
1.4 Politikentflechtung? 17
1.5 Der Abschied vom Steuerstaat 20
Kapitel II: New Public Management: Öffentliche Betriebswirtschaftslehre und kommunale (Selbst-)Verwaltung 23
2.1 Eckpunkte der Verwaltungsreform Modernisierungsstrategie: Budgetierung 25
2.1.1 Kontraktmanagement zwischen Rat und Verwaltung 26
2.1.2 Kundenverhältnis zwischen Bürger und Verwaltung 28
2.1.3 Neue Steuerung und alter Haushalt im Vergleich 30
2.1.4 Der budgetierte Haushalt 31
2.1.4.1 Verluste im Einzelbudget 33
2.1.4.2 Gewinne im Einzelbudget 34
2.2 Modernisierungsstrategie: Privatisierung 36
2.2.1 Privatisierung als skill-kill 38
2.2.2 Privatisierung als jobkiller 39
2.2.3 Privatisierung und Steuervermeidung 41
2.2.3.1 Sale and lease back am Beispiel Berlins 41
2.2.3.2 Lease in/ lease out am Beispiel Halle 42
2.2.4 Grenzen der Privatisierung 43
2.2.5 Privatisierung als Rechtsbrecher 47
Kapitel III: Der Bürger als Modernisierungsgewinner und Modernisierungsverlierer 50
3.1 Neue Steuerungsmodelle und Beteiligung 50
3.1.1 Die Parteien und der Rat 54
3.1.2 Der Bürger als Träger des Modernisierungsprozesses 58
3.1.3 Direkte Demokratie und lokale Selbstverwaltung 62
3.2 Sozialpolitik und Realpolitik 65
3.2.1 Sozialpolitik und Gemeinschaftsbindung als Perspektive? 68
3.2.2 Kommunitarismus in die Kommunen 71
3.2.2.1 Kommunitarismus und liberaler Rechtsstaat 72
3.2.2.2 Kommunitarismus und Totalitarismus: Subbotnik versus minute-man? 73
3.2.2.3 Kommunitarismus und kommunale Praxis 75
3.3 Wohlstandswende und Wohlfahrtsende 80
3.3.1 Kommunale Sozialhilfe als budgetiertes Produkt 82
3.3.2 Zivilgesellschaft und Arbeitsgesellschaft: Rückkehr zur Zwangsarbeit? 86
3.3.2.1 Ehrenamt und Sozialhilfe 87
3.3.2.2 Arbeitsverwaltung und Arbeitslosenverwaltung 89
3.3.3 Eigenarbeit als kommunale Modernisierungsstrategie 94
3.4 Das Verschwinden des öffentlichen Raumes 99
3.4.1 Öffentlicher Raum versus Betriebswirtschaft 100
3.4.2 Bettelfuhr statt Prävention? 102
IV. Zusammenfassung 106
V. Quellenverzeichnis 110

Arbeit zitieren:
Beer, Andreas Dezember 1998: Die Modernisierung des Staates am Beispiel seiner Kommunen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kommunitarismus, Privatisierung, neue Steuerungsmodelle, Budgetierung

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