Moderne Modelle zur Wechselkursprognose
Theorie und Empirie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Felix Hannemann
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 146 Seiten
- Dateigröße: 2,5 MB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9015-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9015-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9015-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hannemann, Felix Juni 2005: Moderne Modelle zur Wechselkursprognose, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wechselkursvorhersage, Prognosemodell, Mikrostrukturansatz, Kointegration, Fehlerkorrekturmodell
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Diplomarbeit von Felix Hannemann
Einleitung:
Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, Anfang der siebziger Jahre, kann von einem zwischen den wichtigsten Industrieländern bestehenden System flexibler Wechselkurse gesprochen werden. Doch auch zwei Jahrzehnte nach Beginn des Free Floating stellt die theoretisch fundierte Erklärung und Prognose des Verhaltens frei schwankender Wechselkurse ein weitestgehend ungelöstes Problem dar. Meese und Rogoff (MR) waren die ersten, die strukturelle vorzugsweise monetäre Wechselkursmodelle systematisch hinsichtlich ihrer Prognosefähigkeiten untersuchten. Das Ergebnis war entmutigend. Keines dieser Modelle lieferte genauere out-of-sample-Vorhersagen über einen ein-, sechs-, und zwölfmonatigen Prognosehorizont als ein naives random-walk-Modell. Wichtigen Entwicklungen im Bereich der Ökonometrie und die ansteigende Verfügbarkeit hochqualitativer Daten waren in den letzten zwei Jahrzehnten die treibende Kraft hinter der enorm angewachsenen empirischen Wechselkursliteratur. Jedoch konnte der (fast schon dogmatisch erscheinende) Befund von MR nie eindeutig widerlegt werden. Vor kurzem veröffentlichten Cheung et al. eine stark an die Arbeit von MR angelehnte Studie, in der sie die Prognosegüte neuerer Wechselkursmodelle der neunziger Jahre überprüften. Doch auch hier mussten die Autoren feststellen, dass keines der Modelle nach traditionellen Kriterien nachhaltig besser abschneidet als ein reines Zufallsmodell.
Das Interesse an der Erklärung und Prognose von Wechselkursschwankungen ist sowohl aus einzel- als auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive enorm. Angesichts der rasant voranschreitenden Internationalisierung unternehmerischer Aktivitäten, des stetig anwachsenden Welthandels relativ zum nationalen Handel sowie der kontinuierlich zunehmenden Kapitalmobilität kann der Wechselkurs wohl als die wichtigste Variable offener Volkswirtschaften angesehen werden. Aus mikroökonomischer Sicht beeinflusst seine voraussichtliche Entwicklung jedes Außenhandelsgeschäft sowie sämtliche internationalen Investitionsprojekte und Kapitalanlagenentscheidungen. Aus makroökonomischer Sicht wirkt sich der Wechselkurs auf nahezu jede ökonomische Variable aus: Zinsen, Inflation, Wachstum, Zahlungsbilanz u.s.w. Seine Prognose ist die Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen und für Zentralbankinterventionen.
In den letzten Jahren gab es vermehrte Anzeichen dafür, dass empirische Wechselkursmodelle dabei helfen können, Wechselkurse zumindest langfristig vorherzusagen. Mark kann als einer der Pioniere auf diesem fast schon eigenständigen Gebiet betrachtet werden, aus dem immer mehr, wenn auch bescheidene Erfolgsmeldungen zu verlauten sind. Doch auch das Vorhaben der kurz- und mittelfristigen Wechselkursprognose scheint kein unmögliches Unterfangen mehr zu sein. Hier sieht es so aus, als würde sich ein Ansatz etablieren können, der sich anders als die klassischen makroökonomischen Theorien mit der Mikrostruktur der Finanzmärkte beschäftigt.
In dieser Arbeit werden sechs neuere bzw. moderne Wechselkursmodelle vorgestellt und anhand ihrer Prognosefähigkeiten beurteilt. Dabei handelt es sich um das Diversity and Weight of Opinion (DAWOP)-Modell von Kilian und Taylor, das Panel-Modell von Mark und Sul, die Langzeit-Studie von Rapach und Wohar, das Term Structure-Modell von Clarida und Taylor, dass Portfolio-Shifts (PS)-Modell von Evans und Lyons und das „New-Micro“-Modell von Evans und Lyons. Die ersten drei Modelle können der langfristigen, das vierte der mittelfristigen, und die letzten beiden der kurzfristigen Wechselkursprognose zugeordnet werden. Angesichts der getroffenen Auswahl könnte man ein Modell als modern bezeichnen, wenn 1. traditionelle Modellannahmen gelockert werden, 2. neue den Wechselkurs erklärende Variablen integriert werden oder 3. neuere ökonometrische Verfahren zur Anwendung kommen. Vordergründiges Ziel dieser Arbeit ist es zu einem Urteil zu gelangen, ob die Modelle in der Lage sind, genauere Wechselkursprognosen als das random-walk-Modell abzugeben. Dabei werden keine eigenen empirischen Untersuchungen angestellt, sondern auf die Ergebnisse der jeweiligen Autoren zurückgegriffen.
Gang der Untersuchung:
In Abschnitt 2 werden zunächst die zwei wohl bekanntesten, im Rahmen der monetären Außenwirtschaftstheorie entstandenen Ansätze zur Wechselkursbestimmung vorgestellt. Hierbei handelt es sich um das monetäre Modell mit flexiblen Preisen und das Dornbusch- Modell mit trägen Preisen. Sie sind zusammen mit dem anschließend kurz skizzierten Hooper-Morton-Modell der Untersuchungsgegenstand der Analyse von MR. Darauf folgt ein Überblick über den Teil der empirische Wechselkursliteratur, der sich mit der Prognosefähigkeit struktureller Modelle befasst. Anschließend werden mögliche Ursachen der äußerst unbefriedigenden empirischen Ergebnisse diskutiert und somit gleichzeitig eine Verbindung zu den modernen Modellen hergestellt, in denen einige dieser Ursachen aufgegriffen werden. Der Entdeckung von Mark, dass es möglich ist, Wechselkurse mithilfe von monetären Fundamentaldaten vorherzusagen wenn nur der Prognosehorizont ausreichend lang ist, wird ein eigener Abschnitt gewidmet, da gleich drei der modernen Modelle an diesem Punkt anknüpfen.
Das Vorhaben der ökonometrisch basierten Wechselkursvorhersage kann vereinfacht in sechs Teilschritte gegliedert werden: 1. Wechselkurstheorie, 2. empirische Modellspezifikation, 3. Datenbeschaffung, 4. Modellschätzung, 5. Prognoseerstellung, 6. Prognoseevaluation. Abschnitt 3 widmet sich den theoretischen Grundlagen der sechs für diese Arbeit ausgewählten modernen Wechselkursmodellen und somit dem ersten der genannten Punkte. Dabei wird beleuchtet welchen Denktraditionen die einzelnen Modelle entstammen, welche Annahmen ihnen zugrundeliegen, welche Einflussfaktoren des Wechselkurses unterstellt werden und wie diese Faktoren mit den zukünftigen Wechselkursveränderungen zusammenhängen. Diese Grundlagen sind wichtig, um die im nächsten Abschnitt erfolgende empirische Überprüfung nachvollziehen zu können.
Abschnitt 4 behandelt die empirische Evidenz der Modelle, wobei die Schritte 2. bis 6. nicht als vorgefertigtes Schema verstanden werden sollen und abhängig von der Art des Modells eine unterschiedliche Gewichtung erfahren. Im Mittelpunkt stehen hier die jeweiligen out-ofsample- Prognosefähigkeiten.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Wechselkursvorhersage mit traditionellen Modellen | 3 |
| 2.1 | Strukturelle Wechselkursmodelle | 4 |
| 2.1.1 | Monetäres Modell mit flexiblen Preisen | 4 |
| 2.1.2 | Das Dornbusch-Modell | 7 |
| 2.1.3 | Das Hooper-Morton-Modell | 10 |
| 2.2 | Einschätzung der Prognosefähigkeiten | 10 |
| 2.3 | Mögliche Ursachen für mangelhafte Prognosefähigkeiten | 17 |
| 2.4 | Wechselkursprognosen auf lange Sicht | 20 |
| 3. | ModerneWechselkursmodelle – Theorie | 28 |
| 3.1 | Das DAWOP (Diversity and Weight of Opinion)-Modell | 29 |
| 3.1.1 | Die Entstehung | 30 |
| 3.1.2 | Theoretische Modellerläuterungen | 32 |
| 3.2 | Panel-Modell und Langzeit-Studie | 37 |
| 3.2.1 | Panel-Modell | 38 |
| 3.2.2 | Langzeit-Studie | 40 |
| 3.3 | Das Forward Exchange Premium Term Structure-Modell | 40 |
| 3.3.1 | Der Informationsgehalt von Forward Premiums | 41 |
| 3.3.2 | Modellgrundlagen | 44 |
| 3.4 | Der Marktmikrostruktur-Ansatz | 47 |
| 3.4.1 | Der Marktmikrostruktur-Ansatz und der Order Flow | 47 |
| 3.4.2 | Das Portfolio-Shifts Modell | 55 |
| 3.4.3 | Das ”New Micro”-Modell | 59 |
| 3.5 | Zwischenfazit | 64 |
| 4. | ModerneWechselkursmodelle – Empirie | 67 |
| 4.1 | Das DAWOP-Modell | 67 |
| 4.1.1 | Modellspezifikation und -schätzung | 68 |
| 4.1.2 | Out-of-sample Prognosen | 73 |
| 4.2 | Panel-Modell und Langzeit-Studie | 78 |
| 4.2.1 | Panel-Modell | 78 |
| 4.2.2 | Langzeit-Studie | 81 |
| 4.3 | Das Forward Exchange Premium Term Structure-Modell | 85 |
| 4.3.1 | Modellspezifikation und -schätzung | 85 |
| 4.3.2 | Out-of-sample Prognosen | 88 |
| 4.4 | Der Marktmikrostruktur-Ansatz | 90 |
| 4.4.1 | Portfolio-Shifts-Modell | 90 |
| 4.4.2 | ”New-Micro”-Modell | 94 |
| 4.5 | Zwischenfazit | 97 |
| 5. | Fazit | 100 |
| A. | Anhang | 102 |
| B. | Literaturverzeichnis | 135 |
wenn ft einem random walk folgt, das auch st einem random walk folgt und folgerichtig nicht prognostizierbar ist. Engel und West (2004) weisen darauf hin, dass der Wechselkurs auch dann praktisch nicht vorhersagbar ist, wenn ft , I(1) ist, da b meistens nahe bei eins liegt. Dies gilt sogar dann, wenn angenommen wird, dass die korrekte Definition von ft verfügbar ist, wenn also E[ft | Ωt ] = ft 106 . Evans und Lyons (2005) argumentieren nun wie folgt: Wenn die Wechselkursveränderungen in 24 anhand von st − ft nicht prognostizierbar sind, dann müsse man sich auf den Term konzentrieren, der die Abweichungen dieser Veränderungen vom prognostizierten Wert beschreibt, den Fehlerterm εt+1 . In MMS-Modellen resultieren die Wechselkursveränderungen nicht aus der Erwartung des Marktes, sondern aus den diesbezüglichen Prognosen der Devisenhändler. Der Fehlerterm εt+1 wird dann zu εm ≡ (1 − b) t+1 [...]
Informationsbasis besitzten. In der MMS-Theorie können alle Handelsaktivitäten in zwei Kategorien eingeteilt werden102 . Da sind zum einen Spekulationsgeschäfte, bei denen der Initiator eines Währungsgeschäftes der Überzeugung ist, sich aufgrund seiner Informationen einen geldwerten Vorteil verschaffen zu können. Zum anderen können Transaktionen aus Absicherungsmotiven oder Bestandsanpassungen heraus getätigt werden. Hier werden Devisen aus rein allokativen Gründen nachgefragt. Der Order Flow aus Spekulationsgeschäften übermittelt den market makern Informationen über die Erwartungen der Markteilnehmer bezüglich zukünftiger, fundamentaler makroökonomischer Entwicklungen. Gerade die Modellierung von Erwartungen stellt innerhalb der Wechselkursökonomik ein großes Problem dar. Oft wird hierbei auf Umfragewerte oder öffentliche Prognosen verschiedener Institutionen zurückgegriffen. Die durch den Order Flow übermittelten Erwartungen können jedoch als wesentlich verlässlichere Werte angesehen werden, denn in diesem Falle sind die Marktteilnehmer bereit, ihren persönlichen Prognosen, anders als bei Umfragen, mit realem Geld zu folgen103 . Im Gegensatz dazu beruhen Allokationsgeschäfte nicht auf Erwartungen oder überlegenen Informationen. Dem daraus resultierenden Order Flow können dennoch Wechselkurseffekte zugesprochen werden. Evans und Lyons (2005) unterstellen hierbei, dass diese Art von Transaktionen in Aggregation stark mit dem gegenwärtigen Stand der Volkswirtschaft korreliert ist. Dem Market Maker werden somit präzise fundamentale Wirschaftsdaten in Echtzeit zugespielt. Die in traditionellen Modellen verwendeten, offiziellen veröffentlichten Werte sind so gesehen veraltet, da die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Aktivitäten schon lange vorher stattgefunden haben. Außerdem können teilweise erhebliche Messfehler auftreten, was allein daran festzumachen ist, dass ursprünglich veröffentlichte Daten in regelmäßigen Abständen im Nachhinein revidiert werden. Evans und Lyons (2005) beschreiben ausgehend von der Analyse von Engel und West (2004)104 die Motivation des MMS-Ansatzes auf eine formale Weise. Dabei kann die aus einem beliebigen makroökonomischen Wechselkursmodell abgeleitete Beziehung zwischen Wechselkurs und seinen fundamentalen Determinanten in folgender Kapitalwertformel ausgedrückt werden: [...]
Es kann nun zwischen Informationen über die zukünftigen Auszahlungen des riskanten Finanztitels und solche über die in d enthaltene Risikoprämie unterschieden werden, wobei beide den heutigen Preis der Investition bzw. den Wechselkurs beeinflussen. Was für Aktien die zukünftigen Dividenden und für Anleihen die Kupons und die Tilgung, sind für Devisenanlagen die zukünftigen kurzfristigen Zinsdifferenzen. Die wohl wichtigste Art von privater Informationen über zukünftige Auszahlungen von Währungsinvestitionen, die den Devisenhändlern über den Order Flow vermittelt wird, sind die durch die Order der einzelnen Marktteilnehmer ausgedrückten individuellen Erwartungen über die zukünftigen Zinsdifferenzen. Denkbar, jedoch eher unwahrscheinlich wären auch durch Interventionen einer Zentralbank gewonnene Einblicke über die kommende Zinspolitik. Variantionen der Risikoprämien können entweder aus Bestandseffekten oder aus Portfoliogleichgewichtseffekte resultieren. Bestandseffekte ergeben sich dann, wenn ein einzelner risikoaverser Devisenhändler einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ausgesetzt ist und für dessen Absorption bzw. für die Gewährleistung von Liquidität eine erhöhte Entschädigung in Form einer Risikoprämie verlangt. Bei einer positiven (negativen) Nettonachfrage seitens seiner Kunden kommt es also zu einer Erhöhung (Verringerung) des Preises bzw. des Wechselkurses. Diese Effekte sind relativ kurzlebig und verschwinden, wenn der Händler seine Bestände wieder abgebaut hat und das Risiko proportional über den Markt verteilt ist. Im Gegensatz zu Bestandseffekten ist das Risiko, dass aus Portfoliogleichgewichtseffekten resultiert, nicht über die Volkswirtschaft diversifizierbar, was zur Folge hat, dass die Wechselkurseffekte des Order Flows nicht vollständig eleminiert werden. Die zugrundeliegenden Transaktionen dieser Art von Order Flows bzw. Informationen können in den Bereich Liquiditätssicherung (z.B. für Im- oder Exporte) und Absicherungsgeschäfte des Währungsrisikos der Marktteilnehmer eingeordnet werden. Wenn also z.B. ein deutscher Autobauer seine durch den Verkauf in den USA erzielten Dollargewinne unabhängig von irgendwelchen Fundamentaldaten auf einem sich im Gleichgewicht befindlichen Kassamarkt in Euro tauschen möchte, dann muss der Euro-Dollar-Wechselkurs (Euro in Dollar), eine nicht perfekte Währungssubstituierbarkeit vorausgesetzt, steigen, damit das Dollarangebot durch eine entsprechende Nachfrage ausgeglichen wird. Es kommt dann zu Portfolioumschichtungen bzw. Wechselkursänderungen auf unbestimmte Zeit. Diese Erläuterungen machen klar, dass der Order Flow den Market Makern auch dann für ihre Quotierung nützliche Informationen übermittelt, wenn die privaten Marktteilnehmer gar keine überlegene 52 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832490157
Arbeit zitieren:
Hannemann, Felix Juni 2005: Moderne Modelle zur Wechselkursprognose, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wechselkursvorhersage, Prognosemodell, Mikrostrukturansatz, Kointegration, Fehlerkorrekturmodell



