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Modellierung und Prognose der deutschen Zinsstruktur

Implikationen für die Makroökonomie und das Portfoliomanagement

Modellierung und Prognose der deutschen Zinsstruktur
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andriy Boychuk
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 691,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9468-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9468-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9468-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Boychuk, Andriy November 2005: Modellierung und Prognose der deutschen Zinsstruktur, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Diebold-Faktorisierung, Nelson-Siegel-Modell, Fundamentalgröße, Zentralbank, Generalized Duration

Diplomarbeit von Andriy Boychuk

Einleitung:

Die Analyse der Zusammenhänge an den Zins- und Rentenmärkten ist bereits seit geraumer Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Aktivitäten. Die Anzahl der zu diesem Thema veröffentlichten Arbeiten wächst von Jahr zu Jahr, was dieses Forschungsfeld mit neuen wertvollen Erkenntnissen bereichert. Die Untersuchung der Zinsentwicklung in der Zeit, der Interaktion der Zinssätze untereinander und mit makroökonomischen Variablen verlangt umfangreiches interdisziplinäres Wissen ab, vor allem aus dem Bereich Mikro-, Makroökonomie und Ökonometrie. Das Verständnis der zu Grunde liegenden Prozesse ist sowohl für die Kapitalmärkte als auch für die reale Wirtschaft von ausgesprochener Bedeutung. Aus der theoretischen aber auch aus der praktischen Perspektive erscheint es wichtig, über das rein Deskriptive hinausgehen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen zu können. Für die Bewältigung dieser Aufgabe ist eine systematische Herangehensweise notwendig, die sich in der Aufstellung neuer beziehungsweise Verbesserung bereits existierender Modelle widerspiegelt.

In den Wirtschaftswissenschaften wird der Zinsentwicklung eine große Bedeutung beigemessen. Dieses starke Interesse wird damit gerechtfertigt, dass sie eine wichtige ökonomische Grundlage für viele Entscheidungen bildet, wie z.B. Investition, Produktion oder Konsum, die sowohl in einem Haushalt als auch in einem Großunternehmen getroffen werden müssen. Zum anderen lässt es sich dadurch begründen, dass die Zinssätze Informationen beinhalten können, die die zukünftige Entwicklung der Ökonomie beschreiben. Ein starkes Argument dafür ist, dass die Zinssätze vor allem durch die Wirkung der Marktkräfte zu Stande kommen. Auf dieser Information basierend werden Erwartungen gebildet, die das spätere Handeln der Wirtschaftssubjekte bestimmen.

Die Zinswelt ist vielfältig und spannend. Es gibt viele Zinsen, die ständig am Markt im Umlauf sind: Effektiv-, Termin-, Laufzeitzinsen oder Renditen. Das Verständnis der Zusammenhänge zwischen diesen Größen hilft einem sich ein schärferes Bild über Marktgeschehnisse verschaffen. Für die Finanzwelt stellen die Zinsen eine enorm wichtige Rolle. In den meisten Finanzhäusern widmen sich die Fachleute der Zinsprognose, woraus sich die Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren, Aktien abgeleitet wird. Auf den Währungsmärkten werden auf Basis der Zinsparitäten Modelle entwickelt, die zur Währungsprognose eingesetzt werden. Auch in der makroökonomischen Welt kann die Zinsprognose für Inflationsvorhersagen auf Grund des Zusammenhanges, den die Fisher Gleichung beschreibt, oder andere Zwecke verwendet werden.

Das Thema dieser Diplomarbeit wendet sich der Analyse der deutschen Zinsstrukturkurve zu. Diese Kurve stellt die Gesamtheit der Zinssätze in Abhängigkeit von ihrer Restlaufzeit dar. Die Einschließung der Laufzeit- oder Terminzinsen und nicht der Renditen ist sowohl durch theoretische als auch praktische Überlegungen untermauert. Die Renditekurve hat auf Grund ihrer Berechnungsmethode das Manko, dass sie nicht in allen Fällen mit den Zinserwartungen kompatibel ist beziehungsweise diese über- oder unterschätzt. Auf die Ursachen wird im Verlauf dieser Arbeit näher eingegangen. Außerdem ist in diesem Fall der internationale Vergleich der Zinsstrukturen leichter anzustellen und seine Ergebnisse sind zugleich aussagekräftiger. Die Untersuchung beruht auf dem Zinsstrukturmodell, das in der Arbeit von Diebold und Li (2006*) entwickelt wurde. Es unterscheidet zwischen drei Faktoren, die für den Verlauf der Kurve ausschlaggebend sind. Es lässt sich zeigen, dass diese Faktoren mit dem Niveau, der Steigung und der Wölbung der Kurve korrespondieren. Die Existenz beobachtbarer empirischer Approximationen für diese Faktoren füllt das Modell mit Leben und erweitert den Interpretations- und Anwendungsspielraum. Dieses Konzept nimmt seinen Ursprung bei Nelson und Siegel (1987), die eine derartige Parametrisierung vorschlugen und damit auf breite Akzeptanz stießen. Viele Zentralbanken, z. B. die in den USA, Großbritannien, Frankreich oder Deutschland benutzen das Nelson-Siegel Modell in reiner oder (leicht) modifizierter Form.

Das Hauptaugenmerk dieser Diplomarbeit richtet sich auf der Frage, wie die einzelnen Faktoren der Zinsstruktur modelliert und prognostiziert werden können. Um die Stellung dieses Modells in der modernen Literatur zu verdeutlichen, bietet man zunächst einen Überblick zu den bereits existierenden Ansätzen. In dieser Arbeit werden die populären VAR- und GARCH-Modelle verwendet, welche sich bei den empirischen Untersuchungen auf Grund ihrer Flexibilität und strukturellen Eigenschaften großer Beliebtheit erfreuen. Die Evaluation der Ergebnisse wird im Rahmen von In-Sample- und Out-of-Sample Analyse durchgeführt. Bei der Bewertung der Prognosegüte des Modells werden unter anderem die Perioden unter die Lupe genommen, in denen die Fehler systematisch und überdurchschnittlich groß waren. Dies soll die Auskunft geben, ob das entsprechende Prognosemodell in bestimmten Marktphasen versagt oder es die Sondereinflüsse waren, die die Verzerrungen in den Vorhersagen verursachten.

Man wandte sich auch der Überlegung zu, ob positive und negative Nachrichten von den Märkten unterschiedlich aufgenommen werden. Ein Zeichen dafür wären asymmetrische Volatilitätsmuster als Reaktion auf das Eintreffen neuer Informationen. Es werden die Möglichkeiten diskutiert, die sich zur Überprüfung dieser Hypothese bieten und in diesem Rahmen die wichtigen Ergebnisse erörtert.

Außerdem wird es hier versucht, eine Verbindung zwischen der Zinsstruktur und den makroökonomischen Größen, wie Inflation, Produktion, Geldmengenwachstum oder Refinanzierungszins herzustellen. In der empirischen Literatur letzter Jahre schenkt man der Einflussstärke, -richtung und der Interaktion zwischen den Makro- und Finanzvariablen eine große Aufmerksamkeit. So wird beispielsweise gefragt, wie eine Zentralbank auf die Veränderungen in den Zinsstrukturfaktoren beziehungsweise Makrovariablen reagiert und welche Anpassungsprozesse diese Reaktion auf den Märkten und in der Volkswirtschaft als Ganzes auslöst. Die passenden Rahmenbedingungen für solche Analyse werden durch VAR-Modelle geschaffen, die entsprechende Tools wie Impulse-Response-Analyse oder Varianzdekomposition, ergänzt durch den Granger-Kausalitätstest, bieten.

Ein wesentlicher Vorteil der Modellvariante von Diebold und Li ist die ökonomische Interpretierbarkeit der ermittelten Faktoren. Diese Tatsache findet ihre Anwendung auch im Portfoliomanagement und drückt sich in dem Konzeptes verallgemeinerter Duration aus. Die klassischen Durationsmaße, wie z. B. Macaulay-Duration, unterschätzen das Zinsänderungsrisiko, indem sie nur für parallele Bewegungen in der Zinsstruktur konzipiert sind. Die verallgemeinerte Duration schließt in die Betrachtung auch andere Komponenten ein und zeigt auf, in welchem Ausmaß eine Anleihe den Einzelrisiken im Zusammenhang mit den Veränderungen in dem Niveau, der Steilheit und der Wölbung der Kurve ausgesetzt ist. Diese drei Größen entsprechen den im Rahmen des Modells zu ermittelnden Faktoren, die ihrerseits prognostiziert werden können. Die Möglichkeit, diese Risiken zu steuern, bietet eine Existenzberechtigung für den aktiven Ansatz im Assetmanagement und schafft Voraussetzungen für die Outperformance eines einzelnen Portfoliomanagers.

Die in den Schätzungen verwendeten Daten werden von der Deutschen Bundesbank auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Es handelt sich um Renditen der hypothetischen Nullkuponanleihen, deren Spektrum die Laufzeiten von eins bis zehn Jahren einschließt. Die Untersuchung wurde mit den Monatsdaten durchgeführt und umfasst den Zeitraum von Januar 1975 bis August 2005. Die makroökonomischen Zeitreihen wurden von Datastream, Thomson Financial bezogen.

Diese Diplomarbeit wird in drei wichtige Teile aufgegliedert, die die Einleitung (Teil A), den Hauptteil, in dem eigentlich das Modell vorgestellt wird (Teil B) und die Zusammenfassung (Teil C) umfassen. Im Teil A werden für die Fragestellungen dieser Arbeit wichtige Definitionen eingeführt. Sie sollen über die grundlegenden Begriffe und Zusammenhänge Klarheit verschaffen und den Leser in die anschließende Diskussion einführen. Des Weiteren erörtert man in einem Kapitel konzeptuelle Unterschiede zwischen der Rendite- und der Zinsstrukturkurve. Auch die klassischen Modelle zur Erklärung der Zinsstruktur finden dort ihren Platz. Im Teil B werden die Anforderungen an den Modellierungsprozess formuliert und ausgewählte Modelle vorgestellt. Den zentralen Platz in diesem Teil und in der ganzen Arbeit nimmt aber das Modell von Diebold und Li ein, das aus verschiedenen Perspektiven (In- und Out-of-Sample) evaluiert und in den angrenzenden Disziplinen wie Makroökonomie und Portfoliomanagement beispielhaft verwendet wird. Im Teil C werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick für weitere Untersuchungen geboten. Im Appendix werden Rechnungen durchgeführt, die einige der Schlussfolgerungen aus dieser Arbeit besser erklären sollen. Der Anhang beinhaltet Tabellen und Grafiken, die empirische Befunde dieser Arbeit visualisieren.

Inhaltsverzeichnis:

A. Einleitung 1
A.1 Einführung 1
A.2 Nullkupon- vs. kupontragende Anleihen; Stripping 4
A.3 Laufzeit-, Terminzins und Rendite 5
A.4 Zins- vs. Renditekurve 8
A.5 Klassische Theorien zur Erklärung der Zinsstrukturkurve 10
B. Das Modell 15
B.1 Anforderungen an ein (Zinsstruktur-) Modell 15
B.2 Vorstellung ausgewählter Modelle 15
B.3 Das modifizierte Nelson-Siegel Modell 20
B.4 Vorgehensweise und Datenbeschreibung 22
B.5 Interpretation der Zinsstrukturfaktoren 26
B.6 Evaluation der In-Sample Analyse 28
B.7 Modellierung der Zinsstrukturfaktoren 28
B.8 Überprüfung der Ergebnisse auf Konsistenz 31
B.9 Prognose der Zinsstruktur 32
B.10 Analyse der Perioden nachlassender Prognosegüte 34
B.11 Dynamische Asymmetrie der Informationsaufnahme. 36
B.12 Einschließung makroökonomischer Variablen. 37
B.13 Konzept verallgemeinerter Duration 42
B.14 Bedeutung der Zinsstrukturkomponenten im Portfoliomanagement 44
C. Zusammenfassung 47
C.1 Fazit 47
C.2 Ausblick 49
Appendix 52
Literaturverzeichnis 53
Anhang 56
Tabellen 56
Grafiken 66

Automatisiert erstellter Textauszug:

Planungsunsicherheiten und die Gefahr von Interessenkonflikten zwischen Geld- und Fiskalpolitik, was die Durchsetzung geldpolitischen Maßnahmen erschweren kann.“24 Mehrere empirische Untersuchungen, die sich mit der Modellierung der Zinsstruktur auseinandersetzten, konnten einige gemeinsame Eigenschaften feststellen, die so einer Kurve haften. 1. Eine Zinsstrukturkurve weist typischerweise einen steigenden Verlauf auf, so dass der Zins positiv von der Fälligkeit abhängt. Währenddessen nimmt die Steilheit mit der Laufzeit ab. In der Grafik 4, die eine „durchschnittliche“ Kurve aufzeigt sind die beschriebenen Eigenschaften deutlich zu erkennen: die Kurve hat eine positive Steigung, die mit der fortschreitenden Restlaufzeit abnimmt. Dies ist damit zu erklären, dass die Zinsstruktur ein guter Indikator der Wirtschaftslage ist: je größer die Differenz zwischen den Zinssätzen am langen und kurzen Ende ist, desto optimistischer sind die Aussichten der Marktakteure. Sie erwarten nämlich die mit der Zeit steigende Zinsen, was auf optimistische Erwartungen hinsichtlich des makroökonomischen Umfeldes schließen lässt. 2. Kurzfristige Zinsen legen höhere Volatilität an den Tag im Vergleich zu den langfristigen Zinssätzen. Die Grafik 5 präsentiert den Einjahres- und den Zehnjahreszins im Zeitablauf, wobei die Schwankungsbreite des kurzfristigen Zinses größer ist. Einer der Erklärungsgründe hierfür lässt sich auf der Basis formulieren, dass die Zinssätze am kurzen Ende der Kurve stärker auf die geldpolitischen Schocks (Zinserhöhungen beziehungsweise –senkungen) reagieren. 3. Eine inverse Zinskurve tritt häufig in den Perioden hohen Zinsniveaus auf. Die Grafik 6, in der die Kurvensteilheit gegenüber der Refinanzierungsrate der Zentralbank abgetragen ist, offenbart genau diesen Zusammenhang. Als Refinanzierungsrate werden in dem Zeitraum von Januar 1980 bis Dezember 1999 der fixe Repo-Satz und anschließend die Refinanzierungsrate der Europäischen Zentralbank bezeichnet. Das Bild wiedergibt deutlich den beschriebenen Zusammenhang. [...]

Restlaufzeiten von eins bis zehn Jahren, die durch die Schätzung nach dem Svensson-Verfahren gewonnen wurden. Die einzelnen Zeitreihen des in dieser Arbeit verwendeten Samples fangen im Januar 1975 an und enden August 2005. Somit resultieren 368 Beobachtungszeitpunkte in jedem Laufzeitspektrum. Die Fälligkeitstermine unter zwölf Monaten werden im Unterschied zu vielen Arbeiten besonders aus dem angelsächsischen Raum nicht gesondert aufgeführt und diese Tatsache hat folgenden Grund. Die Geldmarktpapiere des Bundes werden als Finanzierungsinstrument emittiert und werden in Abhängigkeit von der Restlaufzeit in zwei Gruppen aufgeteilt: Schatzwechsel (bis zu 90 Tagen) und unverzinsliche Schatzanweisungen, oder U-Schätze genannt (von 3 Monaten bis zu 2 Jahren). Heutzutage spielen diese Instrumente im kurzfristigen Bereich (bis zu einem Jahr) eine weitgehend unbedeutende Rolle. Die U-Schätze werden meist mit der Laufzeit von mindesten einem Jahr emittiert, während die Schatzwechsel seit geraumer Zeit praktisch nicht mehr im Umlauf sind. Dies ist mit der Geldpolitik in der Bundesrepublik zu erklären, die auf die Langfristorientierung des deutschen Finanzsektors ausgerichtet ist. Nach Ansicht der Bundesbank erhöht die Tendenz zur kurzfristigen Finanzierung „die [...]

der Schätzung des Einjahreszins beitragen. Dieser Pool besteht folglich aus liquiden Anleihen mit dem besten Rating (AAA), die keine Sondereigenschaften (z.B. Möglichkeit einer vorzeitigen Tilgung oder variable Kuponzahlungen) besitzen. Die Zinsstruktur könnte aus den Renditen der Zerobonds direkt abgelesen werden. Aber auf Grund der fehlenden Breite und Tiefe des Marktes für Nullkuponanleihen ist man der Aufgabe gegenübergestellt, Laufzeitsätze aus den Kursen der Kuponanleihen zu gewinnen. Wie bereits eingangs erwähnt, trennt man sich bei der Ermittlung der Laufzeitzinsen im Gegensatz zu Renditeberechnung von der Annahme, dass die Zwischenzahlungen zum konstanten Zinssatz wieder angelegt werden und geht zur realistischeren Überlegung hinüber, dass die Reinvestition zu den am Markt herrschenden Zinsverhältnissen getätigt wird. Dabei kommt auch die Idee zum Tragen, die auch dem Stripping zu Grunde liegt, nämlich, dass eine kupontragende Anleihe als Bündel der Zerobonds verstanden werden kann. Wenn man nämlich die Periodenzahlungen einer Kuponanleihe mit den periodenspezifischen Zinssätzen abdiskontieren würde, dann ergäbe sich aus der Summe aller Barwerte im Idealfall exakt der Marktpreis dieser Anleihe. Somit beinhaltet der Preis in aggregierter Form die Zinserwartungen der Marktakteure, die auch in der gesuchten Zinsstruktur ihren Ausdruck finden sollen. Die Realisierung erfolgt unter Verwendung eines nichtlinearen Optimierungsverfahrens. Zunächst werden die aus den Zahlungsströmen der Kuponanleihen abgeleiteten Zerobonds mit den Zinssätzen einer hypothetischen Strukturkurve bewertet. Dann werden aus der Summe dieser Barwerte fiktive Preise und Renditen der Kuponanleihen errechnet, welche ihrerseits mit den am Markt tatsächlich beobachteten Umlaufrenditen verglichen werden. Diese imaginären Diskontierungszinssätze, die im Endeffekt die Grundlage für die Bewertung der kupontragenden Anleihen bieten sollen, werden solange variiert, bis die Renditeirrtümer über alle zu berücksichtigenden Laufzeitsegmenten und Anleihen minimal sind. Die Minimierung der Renditenabweichungen und nicht der Preisabweichungen, welche in der empirischen Arbeit häufig vorkommt, ist damit bezweckt, dass vor allem die Zinssätze und nicht die Preise im Mittelpunkt des Interesses stehen. Außerdem ist es nicht auszuschließen, dass die Minimierung der Preisabweichungen bei den Anleihen mit der kurzen Restlaufzeit große Renditefehler mit sich bringt. Die Bundesbank schätzt ihre Zinsstruktur mit dem Verfahren von Svensson (1994). Im Gegensatz zum im letzten Kapitel beschriebenen Modell von Diebold und Li, beinhaltet ihre Schätzung einen zusätzlichen Term, der die Abbildung eines weiteren lokalen Minimum/Maximum ermöglicht. Die [...]

Arbeit zitieren:
Boychuk, Andriy November 2005: Modellierung und Prognose der deutschen Zinsstruktur, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Diebold-Faktorisierung, Nelson-Siegel-Modell, Fundamentalgröße, Zentralbank, Generalized Duration

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