Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Stefan Reichhold
- Abgabedatum: Oktober 2010
- Umfang: 122 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
- Bibliografie: ca. 115
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1066-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Reichhold, Stefan Oktober 2010: Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Information, Informationsgesellschaft, Organisation, interaktiv, Whiteboard
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Magisterarbeit von Stefan Reichhold
Einleitung:
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit beziehen sich alle geschlechtsspezifischen Formulierungen auf beide Geschlechter.
Verschiedene ökonomische, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen der letzen Jahrzehnte stellen die Unternehmen des 21. Jahrhunderts vor neue Herausforderungen. Rasante Veränderung der Unternehmensumwelt sowie eine Verschärfung der Wettbewerbssituation sind die Folgen. Um in diesem dynamischen Zeitalter dem unternehmerischen Hauptziel einer effektiven Organisation gerecht zu werden, muss neben den herkömmlichen ein zusätzlicher Produktionsfaktor bestmöglich in das Unternehmen eingebunden bzw. gemanagt werden. Der richtige Umgang mit der Ressource Information bezeichnet zu Zeiten der Informationsgesellschaft eine wichtige Teilkomponente unternehmerischen Handelns. Diesbezüglich ist auf das Stichwort ‚Informationsverarbeitung’ zum Zweck der Deckung der betrieblichen Informationsbedürfnisse zu verweisen. Die technologischen Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (in der Folge IuK-Technik) bieten neue Möglichkeiten, die betrieblichen Problemstellungen bzw. die zu lösenden Informationsprobleme effizienter zu bearbeiten.
Das eigentliche Erkenntnisobjekt der Arbeit, das Interaktive Whiteboard, wird in diesem Zusammenhang als Erweiterung des firmeninternen Informationssystem-Technikbündels (in der Folge IS-Technikbündel) betrachtet. Aufbauend auf dem Prinzip der Informationserzeugung, -benutzung, und –kommunikation unterstützt dieses Mensch-Maschine-System, wie die anderen Informationssysteme, die betrieblichen Leistungsprozesse. Informationsmanagement ist der gemeinsame Nenner dieses Verständnisses des bestmöglichen Einsatzes der Ressource Information. Darunter ‘ist das Management der Informationswirtschaft, der Informationssysteme, der Informations- und Kommunikationstechniken sowie der übergreifenden Führungsaufgaben’ zu verstehen. Durch den massiven betrieblichen Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen erwuchs im Laufe der Zeit für die Wirtschaftsinformatik, die als Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaftslehre und Informatik zu sehen ist, schließlich der Anspruch, den Erfolg derselben im Kontext organisationaler Nutzung zu messen.
Die einleitenden Ausführungen skizzieren die Komplexität des zu bearbeitenden Themengebiets. Die Auseinandersetzung mit den Gegenständen ‚Informationsmanagement’, ‚Information’, ‚IuK-Systeme’, ‚Interaktives Whiteboard’, und ‚Organisation’ tangiert zahlreiche, verschiedene Wissenschaftsdisziplinen, was im weiteren Verlauf der Arbeit zum Ausdruck kommt. Die Debatte um ein Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards erfordert daher einen interdisziplinären Dialog.
Beim Interaktiven Whiteboardsystem handelt es sich um eine IuK-Technik, die den Menschen als Benutzer unterstützt, betriebliche Problemstellungen bzw. Informationsprobleme zu lösen. Damit umfasst es dieselben Komponenten, die für herkömmliche Informations- und Kommunikationssysteme bezeichnend sind. Die Intention der vorliegenden Arbeit ist es, den Zusammenhang dieses Themengebietes mit größeren, interdisziplinären Rahmenbedingungen aufzuzeigen, und darauf aufbauend dem Leser einen ersten Konzeptentwurf für ein Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung anzubieten.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind jedoch mehrere Schritte, die als Unterziele anzusehen sind, nötig. Um die gesamte Tragweite des Themengebietes zu verstehen, wird zunächst der Rahmen dargelegt, der die Struktur und die konzeptionelle Basis der Betrachtung dieser Arbeit liefert. Die Herausbildung der Informationsgesellschaft sowie der daraus entstehende Bedarf des betrieblichen Informationsmanagements sind Inhalt der Analyse. Um Klarheit in der umfangreichen Begriffswelt dieses Themas zu erreichen, müssen im Anschluss zentrale Grundbegriffe, die für das Verständnis nachfolgender Kapitel notwendig sind, geklärt werden. Dazu zählen der Begriff der Information, des computerunterstützten Informationssystems, des Interaktiven Whiteboards, und der Organisation.
Eine weitere konzeptionelle Grundlage betrifft die Vorstellung eines in der Wirtschaftsinformatik anerkannten und empirisch validierten Modells zur Messung des Erfolges eines Informationssystems. Dieses Kapitel zum IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean unterstreicht den Anspruch der Interdisziplinarität des zu bearbeitenden Themengebietes, indem es den Querverweis zu diversen Referenztheorien herstellt. Im Anschluss erfolgt sodann die Entwicklung bzw. Ableitung des ersten Konzeptentwurfs des Modells zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards. Er vereint Elemente aus vergangener IS-Forschung und sämtlich zuvor aufgearbeiteter Theorie.
In einem empirischen Setting werden das Modell samt seinen Implikationen sowie die impliziten Thesen dieser Arbeit einem ersten Praxistest unterzogen, nachdem es kritisch zu beurteilen gilt, inwiefern die Ergebnisse zu einer Veränderung der beiden Aspekte beitragen. Aus der Summe der gewonnen Erkenntnisse können abschließend Ansätze für weiterführende Forschung abgeleitet, sowie auf Handlungsempfehlungen für den betrieblichen Whiteboardeinsatz und für die praktische Umsetzung des Modells verwiesen werden.
Das letzte Teilziel ergibt sich aus der starken Technikorientierung des bearbeiteten Fachgebiets. Die Arbeit will dem Leser trotz aller Vorzüge, die neue (IS-)Techniken zweifellos mit sich bringen, einen unhinterfragten Einsatz absprechen und für eine kritische, emanzipierte Haltung mit Weitblick plädieren.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| TEIL I: THEORIE | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung der Arbeit | 2 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 3 |
| 2. | Makroökonomische Rahmenbedingungen | 6 |
| 2.1 | Entwicklung der Informationsgesellschaft | 8 |
| 2.1.1 | Grundsätzliche Begriffserklärung | 8 |
| 2.1.2 | Implikationen des Konzeptes der Entropie im Kontext der Informationsgesellschaft | 9 |
| 2.1.3 | Die Bedeutung der Ressource Information im Kontext der Informationsgesellschaft | 10 |
| 2.2 | Notwendigkeit des Informationsmanagements | 12 |
| 3. | Terminologische Grundlagen | 14 |
| 3.1 | Der Begriff der Information | 14 |
| 3.1.1 | Etymologische Abhandlung des Begriffes Information | 14 |
| 3.1.2 | Wirtschaftswissenschaftliches Verständnis von Information | 15 |
| 3.1.2.1 | Zusammenhang zwischen Daten, Information und Wissen | 16 |
| 3.1.2.2 | Zusammenhang Information und Kommunikation | 18 |
| 3.1.2.3 | Information als Produktionsfaktor | 20 |
| 3.2 | Der Begriff des computerunterstützten Informationssystems | 21 |
| 3.2.1 | Komponenten eines Informations- und Kommunikationssystems | 22 |
| 3.2.2 | Klassifizierung von Informationssystemen | 23 |
| 3.2.2.1 | Von der Datenverarbeitung zum Wissensmanagement | 24 |
| 3.2.2.2 | Unterscheidung zwischen operativen und analytischen Informationssystemen | 26 |
| 3.2.2.3 | Typisierung von Informationssystemen | 29 |
| 3.2.3 | Synthese | 30 |
| 3.3 | Der Begriff des Interaktiven Whiteboards | 31 |
| 3.3.1 | Grundsätzliche Begriffserklärung | 31 |
| 3.3.2 | Funktionsweise Interaktiver Whiteboards | 32 |
| 3.3.3 | Einsatzmöglichkeiten Interaktiver Whiteboards | 33 |
| 3.3.4 | Vor- und Nachteile Interaktiver Whiteboards | 36 |
| 3.3.5 | Interaktive Whiteboardtechnologien | 38 |
| 3.3.5.1 | Hardwareunterschiede | 38 |
| 3.3.5.2 | Softwareunterschiede | 40 |
| 3.3.6 | Kritikpunkte am Interaktiven Whiteboard | 41 |
| 3.3.7 | Definition des Interaktiven Whiteboards als Informationssystem | 42 |
| 3.4 | Der Begriff der Organisation | 43 |
| 3.4.1 | Grundsätzliche Begriffserklärung | 44 |
| 3.4.2 | Instrumenteller Organisationsbegriff | 46 |
| 3.4.3 | Institutioneller Organisationsbegriff | 47 |
| 3.4.4 | Prozessorientierter Organisationsbegriff | 47 |
| 3.4.5 | Synthese der drei Organisationsbegriffe | 48 |
| 3.4.6 | Aufgaben der Organisation und organisatorische Implikationen des Einsatzes von Informationstechnik | 49 |
| 4. | Zwischenresümee | 50 |
| 5. | Theoretisches Modell zur Messung des Erfolges eines Informationssystems | 52 |
| 5.1 | Grundlagen zum IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean | 52 |
| 5.2 | Ursprüngliches IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean | 53 |
| 5.3 | Aktualisierung des IS-Erfolgsmodells durch DeLone/McLean | 55 |
| 5.4 | Theoretischer Kontext der einzelnen IS-Erfolgsdimensionen | 56 |
| 5.4.1 | Qualitätsgesichtpunkte | 57 |
| 5.4.2 | Einstellung, Verhalten und Akzeptanz | 58 |
| 5.4.3 | Nutzerzufriedenheit | 59 |
| 5.4.4 | Nutzendimension | 59 |
| 6. | Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards | 61 |
| 6.1 | Modell zur Erfolgsmessung Interaktiver Whiteboardsysteme | 61 |
| 6.2 | Metrik der Erfolgsfaktoren für Interaktive Whiteboardsysteme | 63 |
| TEIL II: EMPIRIE | ||
| 7. | Erster Praxistest des Modells zur Erfolgsmessung Interaktiver Whiteboardsysteme | 73 |
| 7.1 | Grundannahmen empirischer Sozialforschung | 73 |
| 7.2 | Forschungsvorgehen | 74 |
| 7.2.1 | Methode des qualitativen Interviews | 74 |
| 7.2.2 | Methodologie des Forschungsvorhabens | 74 |
| 7.2.2.1 | Zielsetzung | 75 |
| 7.2.2.2 | Bestimmung der Stichprobe | 75 |
| 7.2.2.3 | Gestaltung des Interviews | 76 |
| 7.2.2.4 | Datenerhebung in der Interviewsitutation und Datenaufbereitung | 76 |
| 7.2.2.5 | Datenauswertung mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse Mayrings | 76 |
| 7.3 | Diskussion der Forschungsergebnisse | 81 |
| TEIL III: INTEGRATION DER EMPIRIE IN THEORIE | ||
| 8. | Bewertung und Integration der Gestaltungs- und Änderungsvorschläge des qualitativen Interviews | 84 |
| 9. | Ansätze für weiterführende Forschung und Handlungsempfehlungen | 89 |
| 10. | Zusammenfassung und Ausblick | 91 |
| Literaturverzeichnis | 93 | |
| Anhang | 101 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.2, Funktionsweise Interaktiver Whiteboards:
Die Interaktive Whiteboardtechnologie setzt sich aus der Kombination von elektronischer Tafel, Computer und Beamer zusammen. Diese Zusammensetzung stellt Abbildung 13 im Anhang grafisch dar. Neben der Dateneingabe am Computer ermöglicht das IWB ein direktes Arbeiten auf der Boardoberfläche, genauso wie bei einer herkömmlichen Tafel. Je nach Herstellermodell kann per Hand oder mit einem speziellen kabellosen Eingabestift auf dem Whiteboard gearbeitet werden. Zu Beginn des Arbeitsprozesses findet ein Übermittlungsprozess der am Computer eingegebenen Daten statt. Die durch die Dateneingabe am Computer erzeugten elektronischen Impulse errechnen ein Bild, das unmittelbar über den Beamer auf die Boardoberfläche projiziert wird. Dadurch entsteht der Anschein eines zeitgleichen realen Tafelbildes. In weiterer Folge ist es sodann möglich, direkt am IWB weiterzuarbeiten. D.h. der Rechner kann mit all seinen Funktionen und Programmen nach Belieben vom Whiteboard aus gesteuert werden. Weiters können die digitalen Tafelbilder abgespeichert, später wieder aufgerufen und weiterbearbeitet werden.
Interaktive Whiteboards sind das Bindeglied zwischen den herkömmlichen Möglichkeiten von Wandtafeln und den vielfältigen Präsentations- und Arbeitsmöglichkeiten des Computer- und Beamereinsatzes. So können ergänzende Informationen mithilfe des Interaktiven Whiteboards notiert, und Gedanken interaktiv weitergeführt werden. Die genauen Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten sind jedoch von der verwendeten Hard- und Software abhängig.
Die traditionelle, schulische Tafelarbeit als auch das privatwirtschaftliche Pendant, das Meeting, das Expertengespräch bzw. die Unternehmensorganisation als Ganzes, können nach Auffassung des Forschers von diesen multimedialen, interaktiven Funktionseigenschaften profitieren. Nachfolgende Auflistung von Verben, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, be- bzw. umschreibt kurz und prägnant die Funktionalitäten des Interaktiven Whiteboards: Klicken, Schreiben, Zeichnen, Notieren, Ergänzen, Integrieren, Weiterführen, Verbinden, Entwickeln, Darstellen, Präsentieren, Gestalten etc.
Bei der Anschaffung besteht eine Wahlmöglichkeit zwischen fahrbaren, mobilen Tafeln oder fest an der Wand fixierten Whiteboards. Dieser Aspekt sowie die Unterschiede bei Hard- und Software gehören bei der Erstanschaffung eines Interaktiven Whiteboards kritisch analysiert und diskutiert. Die Abstimmung der gewünschten Einsatzbereiche des Whiteboards mit den eben angesprochenen Aspekten ist nötig, um die richtige Entscheidung in Hinblick auf das geeignete System zu treffen.
3.3.3, Einsatzmöglichkeiten Interaktiver Whiteboards:
Nach der Klärung des Begriffs des Interaktiven Whiteboards sowie der Diskussion der grundlegenden Funktionalitäten bleibt folgende Frage zu beantworten: Wie, zu welchem Zweck oder mit welchem Ziel kann ein IWB in einer Organisation eingesetzt werden?
Grundsätzlich unterscheiden Eule/Issing vier Einsatzszenarien, wobei ihr Hauptaugenmerk auf der handschriftlichen Arbeit (Zeichnen, Schreiben) an der Tafel liegt. Ursprünglich wurden diese Szenarien auf den Einsatzraum ‚Schule’ bezogen. Nach Ansichten des Forschers lassen sie sich jedoch ohne Probleme auf Einsatzfelder in Unternehmen umlegen.
Einsatzszenario 1: Brainstorming am Interaktiven Whiteboard:
Brainstorming ist eine Gruppenaktivität, die die gruppendynamischen Zwänge, denen traditionelle Konferenzen normalerweise unterliegen, ausschalten soll und die zum Ziel hat, Ideen und Lösungsmöglichkeiten zu einem Thema zu finden.
Legt man sich das Ziel des Brainstormings vor Augen, wird ersichtlich, dass diese Technik für bestimmte Unternehmen eine unterstützende Wirkung haben kann. Sie kann unter anderem dazu beitragen, die interne Kommunikation zu verbessern und die Innovationsfähigkeit aufrechtzuerhalten, wodurch schlussendlich ein Wettbewerbsvorteil erarbeitet werden könnte. Um das Argument, dass auf jeder herkömmlichen Tafel/Flipchart/usw. die Ergebnisse eines Brainstormingprozesses ebenso festgehalten werden können, zu entkräften, muss die Frage, warum Brainstorming am Interaktiven Whiteboard besser funktioniert, noch geklärt werden.
Das Interaktive Whiteboard unterstützt die Strukturierung der gefundenen Ideen und Lösungsvorschläge. Bei der Technik des Brainstormings kann es mit herkömmlichen Medien leichter zu einer gewissen Unübersichtlichkeit kommen – ein Gedanke hier, eine Anmerkung dort, ein Gewirr aus Pfeilen und Unterpunkten. Beim Interaktiven Whiteboard werden sämtliche Notizen als einzelne Objekte behandelt, die frei auf der Boardoberfläche beweglich sind, und sich daher gut strukturieren lassen, ohne dass wichtige Information verloren geht.
Einsatzszenario 2: Dynamischer Tafelaufschrieb mit multimedialen Elementen:
Bei komplizierten und schwer verständlichen Sachverhalten bietet sich aus Gründen der Veranschaulichung eine unterstützende visuelle Aufbereitung an. Die Visualisierung eines konkreten, unternehmerischen Problems kann dazu beitragen, dass es schneller verstanden und dadurch bereits im nächsten Schritt gelöst werden kann. So kann z.B. mit Hilfe von Grafiken oder Applets, in die man die auszuwertenden Daten eingibt, schnell und leicht verständlich die finanzielle Lage eines Unternehmens visuell aufgezeigt, und im nächsten Schritt gewünschte Maßnahmen in einer gemeinsamen Diskussionsrunde, in der sich jeder Beteiligte aktiv über das Board einbringen kann, entwickelt werden.
Das Whiteboard ist somit eine Art ‚Medienverbund’, bei der Dia-, Overhead- oder Filmprojektor überflüssig werden. An dieser Stelle kann natürlich argumentiert werden, dass Rechner und Beamer allein ebenso Sachverhalte visualisieren, und eine multimediale Dynamik schaffen können. Nur liegt der Unterschied darin, dass am IWB die Möglichkeit besteht, die Probleme direkt weiterzubearbeiten, was sonst nur mühsam und langsam über die Programme am Rechner ginge. Ein weiterentwickelter Sachverhalt kann überdies sofort abgespeichert und an Mitarbeiter per Mail verschickt werden. D.h. es geht kein Gedankengang verloren, und jede Idee kann an einem unabhängigen Ort jeder Zeit wieder aufgerufen und in Selbstregie weiterentwickelt werden.
Die Einbindung der besprochenen Materialen in das Tafelbild variiert allerdings je nach verwendeter Tafelsoftware. Mehr Informationen über die verschiedenen Hard- und Softwareanbieter und deren Funktionsumfang folgen unter Punkt 3.3.5.
Einsatzszenario 3: Weiterbearbeitung vorgefertigter Inhalte:
Dieser Aspekt wurde bereits teilweise im vorherigen Szenario angeführt. Interaktive Whiteboards ermöglichen es jederzeit, in eine Unternehmenspräsentation einzugreifen und sie durch handschriftliche Bemerkungen, Hervorhebungen oder das Einfügen alternativer Elemente anzupassen bzw. zu verändern. Spontane Einfälle können berücksichtigt und dauerhaft festgehalten werden. Die Interpretation des Worts Präsentation wird in diesem Zusammenhang sehr weit begriffen. Es kann eine Präsentation gewisser Ergebnisse (Bilanz, GuV) sein, eine Präsentation eines geplanten Projektes wie ein Bauplan, Einsatzplan, Organisationsplan, ein ärztlicher Befund, etc.
Einsatzszenario 4: Fortsetzung frühzeitig abgebrochener Sitzungen:
Das IWB erleichtert das Anknüpfen an oder das Wiederherstellen von bereits behandelten Sachverhalten. Musste z.B. bei einem Meeting eine wichtige Person vorzeitig den Raum verlassen, würde es kein großes Problem darstellen, da man mit dem Interaktiven Whiteboard die bearbeiteten und besprochenen Inhalte abspeichern und jederzeit wieder aufrufen kann. Beim nächsten Meeting könnten der abwesenden Person die entwickelten Ideen erklärt, und schließlich mit dem Tagesgeschehen fortgesetzt werden. Ebenso wenn der Zeitrahmen für eine Sitzung zu kurz bemessen wurde, kann am nächsten Tag genau beim letzten verfolgten Gedanken interaktiv weitergearbeitet werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842810662
Arbeit zitieren:
Reichhold, Stefan Oktober 2010: Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Information, Informationsgesellschaft, Organisation, interaktiv, Whiteboard



