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Mobbing als mitarbeiter- und organisationsschädigendes Verhalten

Eine betriebswirtschaftliche Analyse der Ursachen und Folgen

Mobbing als mitarbeiter- und organisationsschädigendes Verhalten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christoph Gottschalk
  • Abgabedatum: Mai 2003
  • Umfang: 153 Seiten
  • Dateigröße: 967,9 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Lausitz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6895-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6895-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6895-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gottschalk, Christoph Mai 2003: Mobbing als mitarbeiter- und organisationsschädigendes Verhalten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitszufriedenheit, Management, Unternehmensführung, Personalpolitik, Mitarbeitermotivation

Diplomarbeit von Christoph Gottschalk

Zusammenfassung:

Diese Diplomarbeit beschäftigt sich – aus Managementsicht – mit einer umfassenden Analyse von Mobbing am Arbeitsplatz hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Ursachen, Folgen und Lösungsansätze. Die Ausführungen zeigen, dass Mobbing nicht nur als soziales Problem zu begreifen ist, sondern die betriebs- bzw. personalpolitische Komponente einen erheblichen Stellenwert einnimmt.

Welcher Kontext besteht also zwischen Mobbing und Betriebswirtschaftslehre? Man könnte meinen, Mobbing wäre ein krankhaftes Beziehungsfeld, dem sich allein die Experten aus Psychologie, Medizin und Soziologie zu widmen hätten. Im „betriebswirtschaftlichen Geiste“ der Menschen scheint auch im 21. Jahrhundert noch die Vorstellung weit verbreitet, dass wirtschaftliche Produktion und effektives Arbeiten ausnahmslos durch funktionierende und gut geölte Maschinen bedingt ist. Dass aber auch das Human Capital – der Arbeitnehmer – (soziale) Bedingungen vorfinden muss, die über das Vorhandensein eines Arbeitsplatzes (Schraubstock, Schreibtisch) hinausgehen, bleibt ausgeblendet.

Mobbing am Arbeitsplatz – Anfang bis Mitte der 1990er Jahre waren die Medien gefüllt mit diesem klingenden Modewort. Arbeit nimmt im Leben der Menschen einen immer größeren Stellenwert ein. Die individuellen Folgen (psychische und physische/psychosomatische Erkrankungen) des Mobbing sind hinreichend bekannt. Was auf der einen Seite als menschliches Leid zum Ausdruck kommt, kann sich auf der anderen Seite allerdings in ökonomischen Dimensionen für Organisationen bzw. Unternehmen niederschlagen. Länger als das Wort Mobbing existieren Begriffe wie „Innere Kündigung“ oder „Dienst nach Vorschrift“, die allesamt das gleiche ausdrücken: (gemobbte) Arbeitnehmer mit abfallender Leistungsfähigkeit, Motivationsblockaden, erhöhten Fehlzeiten und häufiger Personalwechsel belasten das Untenehmen wirtschaftlich. Doch das Gebiet Mobbing ist aus betriebswirtschaftlicher Perspektive facettenreicher: So wird in dieser Arbeit auch von positiven Effekten für die betriebswirtschaftliche Unternehmung, wie z.B. Leistungssteigerung und Einsparungspotentialen, berichtet.

Weit interessanter bleibt jedoch die Frage, wie es zu Mobbing am Arbeitsplatz kommen kann. Was sind die Ursachen? Für den Schulbereich findet man oft Erklärungen der „unvernünftigen Kinder“, die sich aus der Gruppe heraus den Schwächsten zum Ärgern suchen. Doch wie ist es bei erwachsenen, oft hoch gebildeten Arbeitnehmern? Sind auch sie allein den Gesetzen der Gruppendynamik unterlegen? Rekrutieren sich Mobber nur aus der Schar der bösartigen Menschen mit Charakterschwächen des Neids und der Konkurrenz? Oder steckt mehr dahinter? Bei der intensiven Beschäftigung mit dem Thema „Mobbing und Betriebswirtschaft“ stieß ich auf Ursachen, die tiefer als im Individuum liegen. Ursachen, die durch eine fehlerhafte Ausgestaltung der betriebswirtschaftlichen Organisation selbst Mobbing bedingen: Elemente der Arbeitsorganisation, der Aufgabengestaltung, der Unternehmenskultur und -kommunikation, das Bild vom arbeitenden „faulen“ homo oeconomicus und dem daraus resultierenden Anspruch an das Führungsverhalten. Etwas abstrakter fasst das Konzept des Strukturellen Mobbing („Menschen als Vermittler von Verteilungsmissständen“) diese Idee.

Zahlreiche Forscher haben wiederholt den Mangel des Auslassens der betriebswirtschaftlichen Perspektive angemerkt. Diese Diplomarbeit versucht, auf dieser weißen Landkarte Markierungen zu setzen. Besondere Beachtung findet dabei die erste Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland (MESCHKUTAT et al. 2002) – die mir wissenschaftliches Arbeiten mit aktuellen empirischen Ergebnissen ermöglichte – sowie das „Anti-Mobbing-Gesetz“ vom August 2002.

Der Aufbau der Arbeit folgt diesen Fragestellungen: Kapitel B. stellt den Begriff des ‚Mobbing’ näher vor. Beginnend mit der Entwicklung des Begriffs wird die Beteiligung der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen an der Thematik skizziert (B. 1). Im darauffolgenden Punkt wird ein internationaler Überblick über die Definitionen von Mobbing gegeben und Mobbing von verwandten Begriffen abgegrenzt (B. 2). Das Kapitel schließt mit der chronologischen Vorstellung der Bemühungen um Mobbingforschung (B. 3). Kapitel C. stellt die Grundlagen der Mobbingthematik dar. Nach Ausführungen zu den Erscheinungsformen von Mobbing (C. 1) werden die empirischen Ergebnisse von Forschungsarbeiten präsentiert (C. 2). Kapitel D. beschäftigt sich mit dem Verlauf und den Folgen des Mobbingprozesses. Zu Anfang werden Konzeptionen verschiedener Phasenmodelle vorgestellt (D. 1). Anschließend werden die Folgen des Mobbing beschrieben, wobei nicht nur die personalen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen, sondern insbesondere die für die Unternehmung betriebswirtschaftlich relevanten Konsequenzen vertiefend behandelt werden (D. 2). Neben verringerter Arbeits- („Dienst nach Vorschrift“, „Innere Kündigung“) und Anwesenheitsmotivation (Fehlzeiten, Fluktuation) durch gesunkene Arbeitszufriedenheit werden auch „unwillentliche“ Änderungen des Arbeitsverhaltens (Produktivitätsabfall durch ineffiziente Arbeitsabläufe unter psychosozialem Stress ‚Mobbing’) beleuchtet. Auch eine Beschädigung des Unternehmensimage gegenüber externen Partner ist denkbar. Darüber hinaus werden die möglichen positiven Wirkungen von Mobbing vorgestellt (Leistungsteuerung, rationelle Zuweisung von Rangordnungen).

Eine ausführliche Analyse und Evaluierung der Ursachen und theoretischen Erklärungsansätze findet sich in Kapitel E. Die untersuchten Ursachen bieten ein komplexeres und differenzierteres Bild eines Phänomens, das mehr als nur von personenbedingten (E. 1.1), sozialpsychologischen („Ausstoßung des Sündenbocks“) und gruppendynamischen (E. 1.6) sowie psychodynamischen Ursachen (E. 1.9) bedingt ist. Es zeigt sich, dass insbesondere bestimmte betriebliche Bedingungen Mobbing-Problematiken in Unternehmen und Organisationen verursachen können (E. 1.2). Zu diesen mangel- oder fehlerhaft ausgestalteten Rahmenbedingungen zählen beispielsweise die Arbeitsorganisation (E. 1.2.1), die Aufgabengestaltung der Arbeit (E. 1.2.2), das Führungsverhalten (E. 1.2.3) sowie die Unternehmenskultur und -kommunikation (E. 1.2.4). Als wesentliche Kernelemente werden die Wirkungen von bürokratischer versus dezentraler Arbeitsorganisation, von Unter- versus Überforderung durch Arbeitsaufgaben, von autoritärem versus kooperativem Führungsstil, von unethischen Unternehmenskulturen sowie ineffizienter Unternehmens-kommunikation vorgestellt. Die umfassende Darstellung wird durch personalwirtschaftliche (z.B. Stellenabbau), ökonomische (Rent-seeking: Steigerung des eigenen Einkommens, Beförderung) und strukturelle Ursachen (begründet in der Arbeitsorganisation nach Taylor) sowie weitere interdisziplinäre Ansätze (Werte und Normen; Mikropolitik; Spieltheorie) ergänzt (E. 1). Die Ausführungen zu konflikt- und stresstheoretischen Erklärungsansätzen schließen das Kapitel (E. 2).

Der Wert der Analyse betriebsbedingter Ursachen liegt darin, dass wirksame Lösungsmöglichkeiten an veränderbaren Komponenten ansetzen können. Im Gegensatz hierzu ist es bei psychodynamischen (wie ein Kindheitstrauma beseitigen?), gruppendynamischen (welches Ventil statt des Sündenbocks?) oder personenbedingten Ursachen (wie wird aus einem Charakterschwächling ein guter Mensch?) kaum möglich, präventiv oder nachhaltig interventiv gegen Mobbing vorzugehen.

In Kapitel F. werden Lösungsmöglichkeiten und rechtliche Grundlagen erörtert. Der erste Abschnitt fokussiert überwiegend auf mögliche Maßnahmen durch das (Personal-)Management, die zur menschengerechten, leistungsfördernden, aber ergebnisorientierten Gestaltung von Arbeit, Technik und Organisation auf der Basis personalwirtschaftlicher Erfordernisse beitragen (F. 1): Das Human Resource Management betrachtet den Arbeitnehmer weniger als Personal, das dem Produktionsprozess gemäß verwaltet werden muss, sondern bezieht in Führungsleitbildern dessen individuelle Bedürfnisse ein (F. 1.1.1). Job rotation und job enlargement sind Modelle, um Arbeitsaufgaben komplexer zu gestalten und Mitarbeitern Kontroll- und Handlungsspielraum zu übertragen (F. 1.1.2). In Verbindung mit personalpolitischen Instrumenten können dezentrale Organisationsformen (Teamarbeit) einen Lösungsweg zur Verhinderung von Mobbing bieten (F. 1.1.3). Kapitel F. 1.1.4 ergänzte die innerbetrieblichen Maßnahmen um Instrumente und Institutionen zur Intervention, wie Betriebsvereinbarungen, Betriebs- und Personalrat etc. Abschließend werden die rechtlichen Grundlagen erläutert und unter anderem das deutsche „Anti-Mobbing-Gesetz“ wiedergegeben (F. 2). Kapitel G. beendet die Arbeit mit einem Fazit und präsentiert eine betriebswirtschaftliche Definition von Mobbing.

Inhaltsverzeichnis:

A Einleitung 1
B Der Begriff ‚Mobbing' 5
1 Entwicklung des Begriffs ‚Mobbing' 6
2.2 Definition des Begriffs ‚Mobbing' 7
2.2.1 Die Definitionen 8
2.2.2 Abgrenzung zu verwandten Begriffen 10
2.3 Wissenschaftliche Forschung 11
3 Grundlagen: Erscheinungsformen und empirische Ergebnisse 13
3.1 Erscheinungsformen 14
3.1.1 Mobbingarten 14
3.1.1.1 Horizontale Übergriffe 14
3.1.1.2 Vertikale Übergriffe 15
3.1.2 Das System Mobbing: von Opfern, Tätern und ‚Möglichmachern' 15
3.1.3 Mobbinghandlungen 19
3.2 Empirische Ergebnisse von Forschungsarbeiten 22
3.2.1 Verbreitung von Mobbing 24
3.2.2 Mobbingrisiko 24
3.2.2.1 Berufsgruppen 24
3.2.2.2 Branchen 25
3.2.2.3 Betriebsgrößenklassen 25
3.2.3 Auftretenshäufigkeit der Mobbinghandlungen 26
3.2.4 Auftretensdauer des Mobbingprozesses 26
3.2.5 Inhalt der Mobbinghandlungen 27
3.2.6 Soziodemographische Merkmale der Mobbing-Beteiligten 29
3.2.6.1 Geschlecht und Alter 29
3.2.6.2 Hierarchische Position 30
3.2.6.3 Status und Tätigkeitsniveau 32
3.2.7 Anzahl der Mobbing-Beteiligten 32
4 Der Mobbingprozess: Verlauf und Folgen 33
4.1 Der Verlauf des Mobbingprozesses 34
4.1.1 Das handlungsorientierte Prozessmodell von BJÖRKQVIST 34
4.1.2 Das vier- bzw fünfstufige Phasenmodell von LEYMANN 34
4.1.3 Alternative Konzeptionen von NEUBERGER 36
4.1.3.1 Phasen der Veränderung der personenspezifischen Arbeitsverhältnisse 37
4.1.3.2 Phasen der Veränderung der sozialen Beziehung 37
4.1.4 Hypothetischer Phasenverlauf nach SCHLAUGAT 38
4.2 Folgen des Mobbing 40
4.2.1 Personale Ebene: der Betroffene und der Täter 40
4.2.1.1 Psychische und physische/psychosomatische Beeinträchtigungen 40
4.2.1.2 Private und familiäre Situation 41
4.2.1.3 Einflussvariablen soziale Unterstützung und Alternativen 41
4.2.1.4 Arbeitsvertragsrechtliche Auswirkungen 42
4.2.1.5 Der Täter 42
4.2.2 Betriebswirtschaftliche Ebene: die Organisation 43
4.2.2.1 Fehlzeiten: Krankenstand und Absentismus 43
4.2.2.2 Fluktuation 46
4.2.2.3 Produktivität - Änderung des Arbeitsverhaltens 47
4.2.2.4 Betriebsklima und Unternehmensimage 54
4.2.2.5 Kosten/Betriebsergebnis 55
4.2.2.6 Positive Wirkungen 57
4.2.3 Volkswirtschaftliche Ebene: die Gesellschaft 58
5 Ursachen und theoretische Erklärungsansätze 59
5.1 Ursachen von Mobbing 60
5.1.1 Personenbedingte Ursachen: Labbeling- und Attributionstheorie 60
5.1.1.1 Ursachen im Opfer 60
5.1.1.2 Ursachen im Täter 63
5.1.2 Ursachen in betrieblichen Bedingungen 65
5.1.2.1 Arbeitsorganisation 67
5.1.2.2 Aufgabengestaltung der Arbeit 70
5.1.2.3 Führungsverhalten 73
5.1.2.4 Unternehmenskultur und -kommunikation 79
5.1.2.5 Besonderheiten sozialer Beziehungen am Arbeitsplatz 88
5.1.3 Gesellschaftliche Ursachen 89
5.1.3.1 Sozialisations- und Lerntheorie: Wirtschaftssystem und –lage 89
5.1.3.2 Werte und Normen 91
5.1.4 Rationale ökonomische Ursachen: Rent-seeking in Organisationen 92
5.1.4.1 Mobbing als eine Form von Rent-seeking 92
5.1.4.2 Mobbing in dezentralen Organisationsformen 94
5.1.5 Strukturelles Mobbing 96
5.1.6 Sozialpsychologische und gruppendynamische Ursachen 98
5.1.6.1 “Survival of the fittest“ und „Sündenbocktheorie“ 99
5.1.6.2 Formelle und informelle Gruppen 100
5.1.7 Personalwirtschaftliche Ursachen 101
5.1.8 Mikropolitische Ursachen und Spieltheorie 103
5.1.9 Psychodynamische Ursachen 106
5.2 Theoretische Erklärungsansätze 107
5.2.1 Konflikttheoretische Erklärung 107
5.2.1.1 Der Konflikt-Begriff 107
5.2.1.2 Konflikt-Eskalationsdynamik nach GLASL 110
5.2.2 Stresstheoretische Erklärung 112
5.2.2.1 Der Stress-Begriff 112
5.2.2.2 Das transaktionale Stresskonzept 113
6 Lösungsmöglichkeiten und rechtliche Grundlagen 115
6.1 Lösungsmöglichkeiten 116
6.1.1 Maßnahmen durch das (Personal-)Management 116
6.1.1.1 Von der Personalverwaltung zum Human Resource Management (HRM) 117
6.1.1.2 Komplexe Gestaltung der Arbeitsaufgaben 119
6.1.1.3 Dezentrale Organisationsformen als Lösung 121
6.1.1.4 Betriebliche Instrumente und Institutionen zur Intervention 124
6.1.2 Außerbetriebliche Maßnahmen 126
6.1.3 Individuelle Maßnahmen 127
6.2 Rechtliche Grundlagen 128
6.2.1 Dimension der Persönlichkeitsrechte, des Straf- und Zivilrechts 128
6.2.2 Öffentlich-rechtlicher Arbeitsschutz und Arbeitsrecht 130
7 Fazit und betriebswirtschaftliche Definition 132
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 137
Abkürzungsverzeichnis 138
Literaturverzeichnis 139
Hinweise 145
Eidesstattliche Erklärung i

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Kombinationen (2) und (7) gelten nach klassischen situationstheoretischen Annahmen als ideal passend (fit), was hohe Zufriedenheit und Leistung erwarten lässt. Die Kombinationen (1) und (8) stellen extreme Situationen dar, in denen die Bedürfnisse der Mitarbeiter hinsichtlich qualitativer Aufgabeninhalte den organisatorischen Möglichkeiten diametral entgegenstehen und die von den Mitarbeitern als Mobbing erlebt werden können (STAEHLE 1991, S. 651). Auch die Situationen (3) und (5) sowie (4) und (6) können sich als Mobbing darstellen oder die Entstehung von Mobbing fördern. Mobbinghandlungen bezüglich der Aufgabengestaltung gestalten sich besonders „effizient“ in ihrer Wirkung, wenn sie sich genau entgegen den (qualitativen) Wachstumsbedürfnissen des Arbeitnehmers als einfache Routinearbeiten oder bereicherte Tätigkeit darstellen (Tabelle 7). Die Handlungsregulationstheorie unterscheidet drei Aspekte von Arbeitsbedingungen, die die Arbeitssituationen kennzeichnen und sich auf das psychische Befinden von Mitarbeitern auswirken. (1) Regulationsanforderungen beschreiben, welche Anforderungen (Arbeitskomplexität, Variabilität und Vollständigkeit der Tätigkeit) eine Aufgabe an das Handeln der Person stellt. Stressoren werden als (2) Regulationsbehinderungen bezeichnet, die in der Arbeitssituation als Zeitdruck, Konzentrationsanforderungen, arbeitsorganisatorische Probleme, wie fehlende Information, Arbeitsunterbrechungen, soziale Stressoren, und ungünstige Faktoren in der Arbeitsumgebung, wie beispielsweise Lärm, auftreten können. Bedingungen, die einer Person helfen können, Stressoren zu bewältigen, werden als (3) Ressourcen bezeichnet. Der Handlungsspielraum, die Kontrolle am Arbeitsplatz sowie die soziale Unterstützung bilden wichtige arbeitsbezogene Ressourcen (FRESE/ZAPF 1994). Regulationsanforderungen stehen in einem positiven und Regulationsbehinderungen in einem negativen Zusammenhang zu psychischem Befinden bzw. der Arbeitszufriedenheit (SONNENTAG 1996, S. 118, S. 123). Mobbing kann demnach als Regulationsbehinderung und Reduzierung von Ressourcen aufgefasst werden, was sich direkt negativ auf das psychische Befinden von Arbeitnehmern auswirkt. Viele Studien belegen, dass geringe Arbeitskomplexität als aufgabenbezogenes Merkmal mit höherer Mobbingbetroffenheit einhergeht, des weiteren zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen Arbeitskomplexität und Handlungsspielraum (SEMMER 1984; ZAPF 1991). In der Untersuchung von ZAPF/OSTERWALDER (1998) hingegen berichten Mobbingbetroffene deutlich weniger Handlungsspielräume bei gleicher Komplexität der Aufgaben. Für die Auffälligkeit sind zwei Erklärungsmuster möglich: Die im Verhältnis zur Komplexität geringen Handlungsspielräume verursachten Reibereien und schließlich Mobbing. Die andere Erklärungsmöglichkeit ist, dass im Verlauf des Mobbing die anspruchsvollen Aufgaben aufrechterhalten, aber Entscheidungskompetenzen entzogen wurden. Dies wird auch immer wieder als typische Mobbinghandlung berichtet (ZAPF 1999, S. 13). Unter Mobbing leiden jedoch keineswegs vorrangig die untersten und schwächsten Glieder der Hierarchie mit geringer Arbeitskomplexität und geringem Handlungsspielraum (ZAPF/OSTERWALDER 1998). In der Konstanzer und der DAG-Studie ordneten sich jeweils über 30% auch auf den mittleren Hierarchieebenen im Betrieb und höher mit entsprechender Arbeitskomplexität ein (ZAPF 1999). In der Untersuchung von RAYNER (1997) besetzten 25% der Befragten Vorgesetztenpositionen mit komplexen Aufgabengebieten. Neben der betrieblichen Rollenverteilung müssen auch die Arbeitsaufgaben für alle Mitarbeiter transparent sein. Betriebliche Strukturierungsmaßnahmen wie etwa „die Verteilung der betrieblichen Ar- [...]

torischen Problemen, höherem Zeitdruck und höheren Umgebungsbelastungen waren: „Hinter manchen sozialen Konflikten, Streit, Ärger usw. verbergen sich nicht selten auch Schwierigkeiten in der Arbeitssituation. Streit mit Kolleginnen und Kollegen ist dann nur eine Art Umleitung von Streß.“ Eine Erweiterung des Horizonts scheint die Hypothese, dass sämtliche arbeitsorganisatorische Strukturen, in denen stärkere Stresseffekte festgestellt werden, das Risiko für Konfliktausbrüche und damit für Mobbing erhöhen. Auf den Faktor wettbewerbsfördernder Beförderungssysteme und Entlohnungen, die nicht nur außergewöhnliche Arbeitsleistungen, sondern auch Nebenprodukte wie Neid, Rivalität, übersteigerten Ehrgeiz (KOLODEJ 1999, S. 54) und in deren Folge Mobbing hervorrufen können, wird in Kapitel E. 1.4 eingegangen. E. 1.2.2 Aufgabengestaltung der Arbeit Arbeitsmedizinische Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen psychosomatischen Krankheiten (und damit nach LEYMANN als Mobbing weiter zu interpretieren) und qualitativer Unterbelastung durch Arbeitsaufgaben. Die Aufgaben waren durch einen hohen Grad an Monotonie und Inhaltsarmut bei der Arbeit charakterisiert (LEYMANN 1993b, S. 134). Entscheidend ist also, inwieweit die Arbeitsaufgaben den Interessen und geistigen Ansprüchen der Arbeitenden entsprechen. Mit Einführung der Fließbandarbeit in der industriellen Produktion um 1900 entwickelte sich die Idee, Arbeitsaufgaben so einzuteilen, dass Menschen ohne Berufsausbildung die Aufgaben bewältigen konnten. Die Arbeit wurde aufgeteilt in reine Handarbeit (vorgeschriebene, hyperrationale Körperbewegungen) und reine Geistesarbeit (Planen, Kontrollieren), die den Vorgesetzten zustand. Der Arbeitseinsatz vieler Menschen am Fließband bestand aus einem von Monotonie gekennzeichneten Prozess mit kurzen, sich wiederholenden Arbeitszyklen von Minutendauer, der ein Denken für die Arbeit nicht mehr erforderte. Organisatorische Neuerungen, ausgehend von der japanischen Industrie, haben auch in Westeuropa und Nordamerika seit Beginn der 1970er Jahre zu Verbesserungen geführt. Aktuelle empirische Untersuchungen zeigen dementsprechend, dass die Verbreitung von Mobbing im Produktionsbereich (klassische Fließbandarbeit) tendenziell unterrepräsentiert ist (siehe Kapitel C. 2.2.1 und C. 2.2.2). Die Erhaltung der Lernfähigkeit der Arbeitenden, breite Berufserfahrungen am Arbeitsort zu erwerben, Möglichkeiten zu eigenständigem und kreativem Handeln und dementsprechende Arbeitsgestaltung sind wichtige Faktoren, um physische und psychische Defizite (Innere Kündigung, Mobbing) bei Arbeitenden zu verhindern (a.a.O., S. 136ff). Unterschiedliche Anforderungen, die verschiedene Aufgaben an den potentiellen Aufgabenträger stellen, werden bei STAEHLE (1991, S. 632) in Aufgabenschwierigkeit, Aufgabenvariabilität, Aufgabeninterdependenz, Aufgabenkomplexität, Aufgabenneuigkeit und Aufgabenstrukturiertheit klassifiziert. Die Reaktionen (z.B. Fluktuation, Absentismus, Krankheiten, Unzufriedenheitsäußerungen) des Menschen zeigen, dass die durch die industrielle Revolution vorangetriebene Arbeitsteilung nicht dem Wesen des Menschen entspricht. Empirische Untersuchungen belegen mangelnde Akzeptanz bei enger Aufgabendefinition (Wahrnehmung als Monotonie) und negative Verhaltenswirkungen auf einseitige Belastungen (von Muskeln und Psyche), auf Unterforderung (Langeweile und Unzufriedenheit als affektive Reaktion) und Dequalifizierung (Verlernen von Fähigkeiten und Fertigkeiten) (Tabelle 6). Wenn die Gestaltung der Aufgaben in einer der sechs Kategorien den Ansprüchen, dem Leistungsvermögen oder den situativen Leistungsmöglichkeiten eines Arbeitnehmers nicht entspricht, so kann dieses zu Konflikten und in der Folge feindseligen Schikanen führen – oder bereits selbst als Mobbing wahrgenommen werden. [...]

skandinavische Studien (MATTHIESEN et al. 1989; EINARSEN et al. 1994) bestätigen die (hoch-)signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Mobbing und organisationsbezogenen Merkmalen, wie geringem Handlungs- und Zeitspielraum, sowie verringerten Einflussmöglichkeiten. Bei geringem Handlungs- und Zeitspielraum (Zeitdruck) fehlen den Betroffenen zudem die Möglichkeiten, aufkommende Konflikte frühzeitig adäquat aufzuarbeiten, was zu Beginn eine moderierende, im weiteren Verlauf aber eine eskalierende Wirkung erzeugen kann (ZAPF 1999, S. 13). VARTIA (1991, S. 134) berichtet, dass gemobbte Arbeitnehmer vor allem auf Arbeitsplätzen zu finden waren, die durch einen geringen Grad an Autonomie gekennzeichnet waren. Stressoren wie andauernde Unsicherheit, arbeitsorganisatorische Probleme (z.B. widersprüchliche Anweisungen) bieten Konfliktstoff und können Ausgangsmöglichkeit für die Entwicklung von Mobbing sein (LEYMANN 1993b). Auch aus der Perspektive der Frustration-Aggressions-Hypothese (BERKOWITZ 1989) können stressreiche Arbeitssituationen das Aggressionspotential und damit die Mobbingwahrscheinlichkeit erhöhen (COHEN 1980). So berichten Untergebene einer Bank, dass Vorgesetzte unter Stress- und Krisenbedingungen vermehrt Zwang und Machtgebrauch ausübten (MULDER et al. 1986). Zudem erfüllen häufig gestresste Personen nicht die Erwartungen anderer und stoßen andere durch ihr unfreundliches Verhalten ab. Dies könnte aggressives Antwortverhalten von anderen hervorrufen und im Endeffekt Mobbing provozieren (FELSON 1992). Bestimmte Organisationsformen verhindern das Funktionieren einer Arbeitsgruppe. Organisatorische Vorgaben und Formen, wie z.B. Schichtarbeit und Fließbandarbeit, verschlechtern die Kommunikationsmöglichkeiten in einer Gruppe, so dass sich keine positive soziale Situation einstellt (LEYMANN 1993b, S. 138). Die aktuell sich ausweitende Arbeitsorganisation des Outplacement in Form von Leihund Zeitarbeit führt hinsichtlich betrieblicher Positionen und Vergütungssysteme der einzelnen Mitarbeiter zu inhomogenen Arbeitsgruppen, in denen es vermehrt zu Konflikten und damit zu Mobbing kommen kann. Ungünstige Umgebungsbedingungen Arbeitsbedingte Faktoren, wie die Umgebungseinflüsse Lärm, Temperatur, Schmutz, Arbeitsstoffe und Unfallgefahr, sowie umweltpsychologische Kriterien, wie der Mangel an akustischer und visueller Privatsphäre, stellen wesentliche individuelle Belastungen dar (ROHRMANN 1988; KOLODEJ 1999, S. 53). Eine schlechte Arbeitsplatzgestaltung hat Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, beeinflusst den gesundheitlichen Zustand und stellt einen wichtigen Faktor für die subjektive Arbeitszufriedenheit dar. In einem HdA-Sreßprojekt von 1000 befragten Arbeitnehmern zeigte sich, „daß an Arbeitsplätzen, die sich durch ungünstige Umwelteinflüsse auszeichnen, die Beschäftigten doppelt so häufig konflikthaftes Verhalten aufweisen wie Gruppenmitglieder mit niedrigen Umgebungseinflüssen“ (PROSCH 1995, S. 70). Die Hypothese, dass stressreiche Arbeitsbedingungen (Stressoren) die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Mobbing erhöhen, wird durch eine Reihe von weiteren Befunden der Stressforschung plausibel bestätigt. Bei ZAPF et al. (1995) nennen die Betroffenen selbst als häufigste Ursache von Mobbing stressreiche Arbeit. Der Arbeitnehmer empfindet Stress (nervöse Beschwerden, Übermüdung), wenn das Arbeitspensum seine Bewältigungsmöglichkeiten innerhalb eines Zeitrahmens übersteigt oder eine zu schnelle Taktung (Arbeitsdruck) herrscht. Der Arbeitende kann seine Belastung aus eigenem Entschluss nicht beeinflussen (geringe Selbstbestimmung). „Zeitstreß behindert darüber hinaus auch Kollegialität, gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und vor allem den kommunikativen Austausch [...] Vorurteile und Mißverständnisse, die daraus resultieren, tragen ihren Teil dazu bei, daß Mobbing entstehen kann“ (PROSCH 1995, S. 69). Die Untersuchungen zum psychischen Stress am Arbeitsplatz von DUNCKEL/ZAPF (1986) zeigen, dass Arbeitnehmer mit den höchsten sozialen Stressoren auch diejenigen mit den größeren organisa- [...]

Arbeit zitieren:
Gottschalk, Christoph Mai 2003: Mobbing als mitarbeiter- und organisationsschädigendes Verhalten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitszufriedenheit, Management, Unternehmensführung, Personalpolitik, Mitarbeitermotivation

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