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Mobbing am Arbeitsplatz

Ansätze zur Prävention und Intervention

Mobbing am Arbeitsplatz
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kristina Diedrich
  • Abgabedatum: Juli 2003
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7414-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7414-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7414-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Diedrich, Kristina Juli 2003: Mobbing am Arbeitsplatz, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Angriff, Konflikt, Ursache, Psychoterror, Strategie

Diplomarbeit von Kristina Diedrich

Einleitung:

Jeder Mensch, der schon einmal einen Beruf ausgeübt bzw. Erfahrungen im Arbeitsleben gesammelt hat, kennt das: Kleine Reibereien mit den Kollegen, Differenzen mit dem Vorgesetzten oder Probleme mit schwierigen Kunden. Die Reaktionen der Mitarbeiter auf derartige Situationen sind sehr unterschiedlich. Der eine frisst sämtlichen Kummer und Ärger in sich hinein oder hat die Angelegenheit am nächsten Tag schon wieder vergessen. Der andere lässt seinen Gefühlen freien Lauf, indem er seine Wut herauslässt und seine Mitmenschen darunter leiden müssen. Konflikte entstehen überall dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Auffassungen und Interessen aufeinander prallen. Das heißt aber nicht, dass jeder Streit, jede Auseinandersetzung oder andere Schwierigkeiten am Arbeitsplatz gleich zu Mobbing führen oder als solches bezeichnet werden dürfen. Gerade im deutschsprachigen Raum wird mit der Verwendung dieses Wortes häufig leichtfertig umgegangen. Es ist bereits zu einer Art Modewort herangewachsen, das seinen Gebrauch oftmals in falschem Kontext findet. Dabei lässt sich feststellen, dass Mobbing durchaus nicht als gänzlich neue Erscheinung in der Arbeitswelt auftritt, sondern lediglich ein neues, anderes Wort für eskalierte Konfliktsituationen am Arbeitsplatz darstellt.

Mobbing entsteht meist dann, wenn die beteiligten Streitparteien den Konflikt nicht rechtzeitig in den Griff bekommen oder an einer annehmbaren Lösung nicht interessiert sind, so dass der Konflikt ungehindert weiter heranreifen kann. Die Ursachen für die Entstehung der Auseinandersetzung können dabei vielfältiger Natur sein und demnach von arbeitsorganisatorischen Bedingungen über soziale Strukturen bis hin zu fehlerhaftem Führungsverhalten des Vorgesetzten reichen. Die schwerwiegenden Konsequenzen, die Mobbing vor allem für das Opfer mit sich bringt, sind den Kontrahenten oftmals nicht bewusst. Mobbing-Attacken, die über längere Zeit hinweg anhalten und regelmäßig auftreten, können immense Auswirkungen auf die Lebensqualität und viele Lebensbereiche des Opfers nehmen. Auch das Privatleben bleibt dabei selten verschont. Neben starken psychischen und physischen Beeinträchtigungen kommt es zur Zerstörung sozialer Beziehungen, einer Schädigung des gesellschaftlichen Ansehens oder letztendlich sogar zur endgültigen Arbeitsunfähigkeit, Suchtverhalten oder zum Selbstmord. Aber nicht nur der Betroffene selbst leidet unter Mobbing, auch für die Unternehmen und die Gesellschaft ist mit dieser Art feindseliger Übergriffe am Arbeitsplatz ein immens hoher finanzieller Aufwand verbunden.

Diese äußern sich für den Betrieb vor allem in Form von häufigen Fehlzeiten, hoher Fluktuation, abnehmender Arbeitsproduktivität, schlechtem Betriebsklima oder einem niedrigen ethischen und moralischen Standard am Arbeitsplatz. Auch die Gesellschaft ist von den Folgen zunehmend betroffen. Die Kosten für langfristige Krankheiten, die sich bis zur Arbeitsunfähigkeit und Frührente entwickeln können, sowie die durch die steigende Fluktuation bedingte Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Aufwendungen werden größtenteils von den zuständigen sozialen Institutionen getragen und verursachen erhebliche finanzielle Ausgaben.

Aus den eben genannten Gründen werden insbesondere die Unternehmen nicht länger die Augen vor derartigen Entwicklungen am Arbeitsplatz verschließen können. Die momentane Wirtschaftslage ist mehr als angespannt, die Arbeitnehmer bangen um ihre Arbeitplätze, so dass sich die allgemeine Unsicherheit und die Angst um die eigene Existenz auch im Unternehmen bemerkbar machen und infolgedessen ein angenehmes Arbeitsklima, den sozialen Zusammenhalt der Mitarbeiter und das ethische und moralische Niveau stark gefährden. Nur unter der Voraussetzung, dass Betriebe, Führungskräfte und andere Interessenvertreter alles in ihrer Macht Stehende zur Mobbing-Prävention unternehmen, können Mobbing-Strukturen beseitigt, ein gutes Betriebsklima und die Leistungsmotivation der Mitarbeiter bewahrt sowie der Unternehmenserfolg gesichert werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Vorgehensweise 3
1.4 Alternative Formen unfairen Verhaltens im Unternehmen 4
1.4.1 Phänomene unfairer Attacken am Arbeitsplatz 4
1.4.2 Instrumente unfairer Attacken am Arbeitsplatz 6
2. Grundlagen von Mobbing 7
2.1 Geschichte und Wortherkunft 7
2.2 Begriffsdefinition 8
2.2.1 Definition nach Leymann 8
2.2.2 Kritik an Leymanns Definition 9
2.2.3 Weitere Definitionen 11
2.3 Typologie der Handlungen 13
2.3.1 Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen 14
2.3.2 Angriffe auf die sozialen Beziehungen 16
2.3.3 Auswirkungen auf das soziale Ansehen 17
2.3.4 Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation 19
2.3.5 Angriffe auf die Gesundheit 20
2.4 Die 45 Mobbing-Handlungen 22
2.5 Kritik an den 45 Mobbing-Handlungen 24
2.6 Mehrdimensionales Mobbing-Modell von Zuschlag 34
2.7 Interaktion von Täter und Opfer 36
2.8 Das vier- bzw. fünfstufige Phasenkonzept von Leymann 39
2.8.1 Phase 1: Die täglichen Konflikte 40
2.8.2 Phase 2: Der Psychoterror beginnt 40
2.8.3 Phase 3: Rechtsverletzungen treten auf 41
2.8.4 Phase 4: Ärztliche und psychologische Fehldiagnosen 42
2.8.5 Phase 5: Der Ausstieg aus dem Arbeitsleben 43
2.9 Kritische Anmerkungen zu Leymanns Phasenkonzept 46
3. Erscheinungsformen von Mobbing 51
3.1 Horizontale Angriffe 51
3.2 Vertikale Angriffe 52
3.2.1 Angriffe von Vorgesetzten gegen Untergebene 52
3.2.2 Angriffe von Untergebenen gegen den Vorgesetzten 53
3.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede 54
4. Entwicklung und heutiger Stand der Forschung 56
4.1 Verbreitung 58
4.2 Häufigkeit und Dauer 60
4.3 Soziodemographische Faktoren 62
5. Ursachen von Mobbing 66
5.1 Fehlerhaftes Führungsverhalten 66
5.2 Arbeitsorganisation 68
5.3 Arbeitsgestaltung 69
5.4 Unternehmenskultur 70
5.5 Ethik und Moral am Arbeitsplatz 71
5.6 Persönlichkeitsbezogene Merkmale 72
5.7 Soziale Stellung des Opfers im Unternehmen 74
5.8 Kommunikationsprobleme 75
6. Auswirkungen von Mobbing 77
6.1 Gesundheitliche Folgen für den Betroffenen 77
6.1.1 Körperliche Beschwerden 78
6.1.2 Psychische Probleme 79
6.2 Auswirkungen auf das private Umfeld 80
6.3 Auswirkungen auf das Unternehmen 81
6.3.1 Auswirkungen auf das Betriebsklima 81
6.3.2 Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit 82
6.4 Auswirkungen auf die Gesellschaft 85
7. Strategien zur Bekämpfung von Mobbing 87
7.1 Präventive Maßnahmen von Seiten des Unternehmens 87
7.1.1 Arbeitsgestaltung und Arbeitsplatzbedingungen 88
7.1.2 Betriebsklima und Arbeitszufriedenheit 89
7.1.3 Unternehmensphilosophie und -politik 90
7.1.4 Offene Kommunikationsstruktur 91
7.2 Präventive Maßnahmen von Seiten des Vorgesetzten 93
7.2.1 Führungsverhalten des Vorgesetzten 94
7.2.2 Mitarbeitergespräche führen 96
7.2.3 Erfolgreiche Mitarbeiterintegration 98
7.2.4 Konfliktgespräche und -bewältigung 100
7.2.5 Motivation der Mitarbeiter 102
7.3 Maßnahmen zur Intervention 106
7.3.1 Handlungsmöglichkeiten des Opfers 106
7.3.2 Handlungsmöglichkeiten der Kollegen 109
7.3.3 Handlungsmöglichkeiten weiterer Interessenvertreter 110
7.3.4 Handlungsmöglichkeiten der Führungskraft 112
8. Zusammenfassung und Ausblick 115
Literaturverzeichnis 121

Automatisiert erstellter Textauszug:

3,5% der befragten Personen konnten bestätigen, mindestens einmal pro Woche während eines halben Jahres gedemütigt und gepeinigt worden zu sein. Unter der Annnahme, dass Schweden ca. 4,4 Millionen Erwerbstätige aufweist, ergeben sich demzufolge, abgesehen von Schwankungen zwischen +/- 0,7% rund 154.000 Menschen, die in diesem Land unter Mobbing leiden. Geht man in Deutschland von ca. 40 Millionen beschäftigten Einwohnern aus und lässt außer acht, dass eine 1:1 Übertragung der Ergebnisse eines Landes auf ein anderes nahezu unmöglich erscheint173, dann wären es immerhin 1,4 Millionen Menschen, die von Mobbing betroffen sind.174 Auch die Autoren Meschkutat, Stackelbeck und Langenhoff haben den Mangel an repräsentativen Forschungsergebnissen erkannt und mittels einer umfassenden telefonischen Befragung versucht, einen umfassenden Überblick über das derzeitige Ausmaß von Mobbing in der Bundesrepublik Deutschland zu geben: [...]

Ein Großteil der bisher durchgeführten Forschungsarbeiten beschäftigt sich mit der Frage nach der Verbreitung von Mobbing in unterschiedlichen Institutionen oder innerhalb einer ganzen Nation. Niedl stellt in seiner Literatur einige skandinavische Erhebungen und deren Resultate bezüglich des Ausmaßes von Mobbing vor.167 Er macht deutlich, dass der prozentuale Betroffenheitsgrad aufgrund der Abhängigkeit der Vorgehensweise und der Abgrenzungskriterien zwischen 1% und 16,9% liegen kann und somit eine Spannweite erreicht, die in ähnlicher Form schon bei Untersuchungen im Schulbereich erforscht wurde.168 Niedl betont, dass nach aktuellem Forschungsstand noch keine festgelegte Richtlinie existiert, welche die Mobbing-Betroffenheit eindeutig bestimmen könnte und verweist auf die von Leymann vorgenommene Präzisierung des Vorgangs.169 Folglich liegt Mobbing dann vor, wenn eine Person mindestens einmal die Woche über mindestens ein halbes Jahr lang mindestens einer der 45 Handlungen ausgesetzt ist.170 Demzufolge basiert Niedls Aufstellung, die sich auf zwei untersuchte Einrichtungen bezieht, auf einem Mindestansatz, der das Ausmaß als prozentualen Wert der absolut Betroffenen an der ermittelten Grundgesamtheit feststellen soll. Das Ergebnis seiner Untersuchung wies im Forschungsinstitut 11 Mobbing-Opfern auf. Setzt man diesen Wert ins Verhältnis zur Grundgesamtheit dann ergibt sich daraus ein prozentualer Anteil von 4,4%. Das Resultat der durchgeführten Studie im Krankenhaus dagegen zeigte, dass 98 Mitarbeiter, das heißt 7,8% des gesamten Personals, Mobbing ausgeliefert waren.171 Letztendlich gelangt Niedl zu dem Schluss, dass auf Basis der ermittelten Werte bestätigt werden kann, dass auch eine erhebliche Anzahl der deutschsprachigen Bevölkerung vor feindlichen Übergriffen am Arbeitsplatz nicht verschont bleibt und diese Tatsache offen legt, dass Mobbing schon lange keine Randerscheinung in Unternehmen oder anderen Organisationen mehr darstellt. 172 Auch Leymann hat das Problem der Verbreitung von Mobbing zum Anlass für weitere Studien in Schweden herangezogen und konnte einige grundlegende Erkenntnisse gewinnen. Knapp 2500 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, die während der letzten zwölf Monate erwerbstätig waren, wurden zu den Zuständen und Vorkommnissen in ihrer Arbeitsstätte interviewt. [...]

Infolgedessen war er es auch, der eine der ersten Mobbing-Untersuchungen im deutschsprachigen Raum durchführte und publik machte. Das Ergebnis dieser Studie zeigte deutlich, dass viele Mitglieder, die in Institutionen mit entsprechendem Standort tätig waren, unter Mobbing zu leiden hatten. Ende der 90er Jahre wurde die Forschungsarbeit in Deutschland mit zahlreichen, kleineren Publikationen verschiedener Autoren weiter vorangetrieben. Obgleich die gewonnenen Statistiken aufgrund des geringen Datenmaterials die Betrachtung der gesamten Bundesrepublik unmöglich machen, konnte die Wissenschaft dennoch wichtige, fundamentale Erfahrungen hinsichtlich möglicher Verläufe und Formen des Mobbing sammeln. Auch lassen sich einige wichtige Unterschiede und Ähnlichkeiten zu den bislang durchgeführten skandinavischen Analysen feststellen. Als Gemeinsamkeiten erweisen sich insbesondere die Häufigkeit der Handlungen und die gesundheitlichen Folgeschäden. Unterschiede hingegen treten vor allem bei der Betroffenheit der Geschlechter, der beruflichen Stellung im Unternehmen und der Anzahl der gemobbten Personen auf. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten und die umstrittene Debatte um das von Leymann erstellte Mobbing-Modell sind letztendlich dafür verantwortlich, dass eine Reihe unterschiedlicher Interpretationen des Begriffs Mobbing und vielerlei differenzierte Auffassungen der Autoren existieren. Auch auf die Tatsache, dass in der MobbingForschung generell ein erhebliches Defizit bezüglich der Klarheit und Vollständigkeit der gewonnenen Resultate besteht, weisen, wie zuvor Niedl, Meschkutat, Stackelbeck und Langenhoff in ihrer für die Bundesrepublik Deutschland erstellten umfangreichen Repräsentativstudie hin.166 In diesem speziellen Forschungsbericht hinterfragen die drei Autoren, neben anderen Untersuchungsbereichen, das Ausmaß von Mobbing, dessen Häufigkeit und Dauer sowie eventuell vorhandene Charakterstrukturen der Betroffenen, um abschließend aussagekräftige Ergebnisse zu präsentieren. Im folgenden Abschnitt sollen nun einige wichtige Erkenntnisse hinsichtlich Verbreitung, Dauer, Häufigkeit und personenspezifischer Merkmale dargestellt werden. [...]

Arbeit zitieren:
Diedrich, Kristina Juli 2003: Mobbing am Arbeitsplatz, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Angriff, Konflikt, Ursache, Psychoterror, Strategie

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