Mobbing am Arbeitsplatz
Das Leiden der Opfer im Kontext von Führungsstilen und Konfliktmanagement
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nicole Busch
- Abgabedatum: Mai 2007
- Umfang: 83 Seiten
- Dateigröße: 486,6 KB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Berufsakademie Heidenheim Deutschland
- Originaltitel: Mobbing am Arbeitsplatz - Das Leiden der Opfer im Kontext von Konfliktmanagement und praktizierten Führungsstilen
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0569-4
- ISBN (CD) :978-3-8366-0569-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Busch, Nicole Mai 2007: Mobbing am Arbeitsplatz, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arbeitsplatz, Mobbing, Personalmanagement, Motivation, Arbeitsklima
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Diplomarbeit von Nicole Busch
Einleitung:
`Selbstmord wegen Stress am Arbeitsplatz?`, `Die Kosten eines Mistkerls` oder `Die Feinde in meinem Büro` – alles dies sind Schlagzeilen renommierter deutscher Tageszeitungen, die sich im Kern mit einem Thema befassen: Schikane am Arbeitsplatz.
Wer kennt sie nicht: die kleinen Plänkeleien und Reibereien im Büro, die scherzhaft in den Raum geworfene Bemerkung zum Kleidungsstil eines Kollegen oder aber die lautstarke Auseinandersetzung, über die bei einem Bier nach Feierabend wieder gelacht werden kann. Aber was, wenn dies alles in exorbitant psychischem Stress und sozialer Demontage endet?
Stress am Arbeitsplatz wird gesellschaftlich dann akzeptiert, wenn er durch Aktenberge oder zahllose Termine hervorgerufen wird, aber psychischer und physischer Stress durch soziale Kontakte und/oder durch zwischenmenschliche Probleme wird selbst in den verschiedenen Wissenschaftsfeldern bis heute nicht widerspruchsfrei hingenommen.
Für die akut Betroffenen systematischer Schikanen am Arbeitsplatz sieht die Wirklichkeit nicht sehr rosig aus: psychische und psychosomatische Konsequenzen beängstigenden Ausmaßes begleiten diese Menschen, nicht selten kombiniert mit beruflichen Einschnitten oder sogar arbeitsrechtlichen Maßnahmen. Die Lobby der Betroffenen ist gering, das Feld Mobbing bis heute zu wenig erforscht, wenn gleich die Empirie in den letzten Jahren aufgeholt hat. Daneben werden die durch Mobbing induzierten wirtschaftlichen Kosten in der breiten Öffentlichkeit kaum berücksichtigt; erstaunlich bei betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten in Milliardenhöhe!
Diese Diplomarbeit widmet sich einerseits den Opfern von Mobbingkampagnen und betrachtet in diesem Zusammenhang kritisch die Funktion des unternehmerischen Konfliktmanagements und den praktizierten Führungsstilen. Andererseits wird hinterfragt, ob sich die Rolle des Täters klar in einer Person definieren lässt oder ob es weitere Einflussfaktoren im organisatorischen Kontext gibt. Indikatoren und Mobbing begünstigende Faktoren am Arbeitsplatz gilt es im Folgenden aufzudecken.
Die Autorin vertritt die Auffassung, dass nicht der Einzelne auf Grund seiner Persönlichkeit ´Schuld´ an seinem Status als Mobbingopfer ist/hat, sondern dass Missstände im Führungsverhalten und der Bewältigung von Konflikten zu Mobbing führen. Die vorliegende Arbeit soll diese These belegen und abschließend Vorschläge zur Verbesserung des Vorbeugeapparates unterbreiten.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit befasst sich zunächst mit dem Begriff Mobbing und der Abgrenzung zu schlichten Arbeitsplatzkonflikten. Daten aus einer repräsentativen Mobbing-Statistik sollen die enorme Problematik dieses Phänomens im Anschluss herausstellen. Gleichzeitig findet eine Annäherung an das Phänomen Mobbing aus stresstheoretischer Sicht statt sowie eine Betrachtung der Auswirkungen von Mobbing auf verschiedene Lebens- und Arbeitsbereiche.
Daran anschließend erfolgt ein kurzer Abriss über Führung und die meist verbreiteten Führungsstile und Theorien. Die für die Arbeit durchgeführte Befragung wird im ersten Teil des Kapitels vier vorgestellt und hinsichtlich der Themenstellung des Abschnittes ausgewertet. Der Zusammenhang zwischen Mobbing und den verschiedenen Formen von Führung wird im zweiten Teil des Kapitels hergestellt, so dass auf die Ergebnisse der Befragung zurückgegriffen werden kann. Es wird insbesondere das Arbeitsklima fokussiert, das je nach Ausprägung Nährboden für das Mobbing oder aber mobbingabwehrend sein kann. Abschließend werden Erfahrungen von zwei Experten auf dem Feld der Mobbingberatung präsentiert.
Das Kapitel fünf fokussiert das Konfliktmanagement im Kontext von Mobbingvorfällen. Die Fragen nach präventiven Einsatzmöglichkeiten und sinnvollem Konfliktverhalten bei der Existenz von Mobbing sollen beantwortet werden. Die Rolle der Mediation als Instrument zur Konfliktbewältigung wird im zweiten Teil des Kapitels hervorgehoben.
Abgerundet wird die Arbeit im letzten Abschnitt durch ein Fazit, das die behandelten Thesen jeden Kapitels zusammenfasst und Lösungsansätze des Mobbingproblems sowie Vorschläge einer effizienten Umsetzung unternehmerischer (Führungs-)Verantwortung unterbreitet.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Schikane am Arbeitsplatz: Mobbing | 3 |
| 2.1 | Mobbingkriterien von Leymann | 4 |
| 2.2 | Mobbing in Zahlen, Daten, Fakten | 6 |
| 2.3 | Der Mobbingprozess und seine Folgen | 13 |
| 2.3.1 | Stresstheoretische Annäherung an das Phänomen Mobbing | 14 |
| 2.3.2 | Psychologische und physiologische Auswirkungen | 15 |
| 2.3.3 | Arbeitsrechtliche und berufliche Auswirkungen | 16 |
| 3. | Die Rolle von Führungsstilen im Kontext von Mobbing | 17 |
| 3.1 | Arten von Führungsstilen | 17 |
| 3.1.1 | Führungsstile nach Lewin | 19 |
| 3.1.2 | Richtungsbezogener Führungsstil | 19 |
| 3.1.3 | Tradierender Führungsstil (idealtypisch nach Weber) | 20 |
| 3.1.4 | Gruppenbezogener Führungsstil | 21 |
| 3.1.5 | Weitere Führungsstile und Führungsstiltypologie | 22 |
| 4. | Interdependenzen von Führungsstilen, Arbeitsklima und Mobbing | 22 |
| 4.1 | Befragung von Betroffenen zu erlebtem Mobbing | 25 |
| 4.1.1 | Durchführung | 25 |
| 4.1.2 | Auswertung | 26 |
| 4.2 | Auswirkungen des autoritären Führungsstils | 31 |
| 4.3 | Auswirkungen des demokratischen Führungsstils | 32 |
| 4.4 | Auswirkungen des Laissez-Faire-Führungsstils | 33 |
| 4.5 | Auswirkungen des richtungsbezogenen Führungsstils | 34 |
| 4.6 | Auswirkungen des tradierten Führungsstils | 35 |
| 4.7 | Auswirkungen des gruppenbezogenen Führungsstils | 36 |
| 4.8 | Erfahrungen in der Beratung Betroffener von Experten | 37 |
| Zusammenfassende Betrachtung | 39 | |
| 5. | Konfliktmanagement vs. Mobbing?! | 40 |
| 5.1 | Präventive Möglichkeiten durch Konfliktmanagement | 43 |
| 5.2 | Konfliktmanagement bei Existenz von Mobbing | 44 |
| 6. | Fazit | 47 |
| 7. | Anhang | 50 |
| 8. | Quellenverzeichnis | 69 |
| 9. | Ehrenwörtliche Erklärung | 73 |
Textprobe:
Kapitel 2.3, Der Mobbingprozess und seine Folgen: Wie im vorangegangenen Abschnitt bereits angedeutet existiert das typische Mobbingopfer nicht, was alle bisherigen wissenschaftlichen Analysen nachweisen konnten. Persönlichkeitsmerkmale oder bestimmte Verhaltensweisen können jedoch das Entstehen von Mobbing begünstigen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich aus der ersten Mobbingphase ein eskalierender Mobbingprozess entwickelt.
Der Mobbingverlauf gliedert sich typischerweise in vier Phasen, die jedoch nicht zwingend von allen Mobbingbetroffenen durchlebt werden:
I. Phase: Konflikte, einzelne Vorfälle (von 73,3% der Betroffenen erlebt) Ein ungelöster oder schlecht bearbeiteter Konflikt löst den Mobbingprozess aus und zieht erste persönliche Angriffe gegen eine bestimmte Person nach sich.
II. Phase: Psychoterror setzt ein (89,3%) Der Konflikt tritt in den Hintergrund, die Aggressionen wenden sich verstärkt und systematisch/er gegen die betroffene Person. Ihr Selbstwertgefühl nimmt drastisch ab, Ausgrenzung und Isolierung nehmen zu.
III. Phase: Der Vorfall wird offiziell; arbeitsrechtliche Sanktionen (61,0%) Die Entwicklung eskaliert. Die systematische Schikane beeinträchtigt die Arbeitsleistung der gemobbten Person erheblich; darüber hinaus wird sie als Problem betrachtet, dem mit der Androhung arbeitsrechtlicher Maßnahmen (Abmahnung, Versetzung oder Kündigung) begegnet wird.
IV. Phase: Der Ausschluss (59,0%) Das Ende des Mobbingfalls: Der Betroffene verliert häufig den Arbeitsplatz (Eigenkündigung, Kündigung/Auflösungsvertrag) oder scheidet ganz aus der Arbeitswelt aus. Psychosomatische Krankheiten und andauernde Arbeitsunfähigkeit sind nicht selten die Folge.
Kapitel 2.3.1, Stresstheoretische Annäherung an das Phänomen Mobbing: Es ist unerlässlich, das Phänomen Mobbing in andere Forschungsdisziplinen einzubetten, um das Verständnis von Ursache und Wirkung sowie Verlauf zu erweitern. Mit Mobbing zweifellos verbunden ist der Begriff Stress. Aus der Forschung ist Stress auf der einen Seite als sog. Distress als negative Folge hoher Belastungen bekannt und auf der anderen Seite als Eustress, der den Menschen aktiviert und ihn dynamisch und unternehmungslustig macht.
Bezogen auf den Arbeitsplatz gilt Stress als Ungleichgewichtszustand zwischen der Umwelt und den persönlichen Leistungsvoraussetzungen, der von hoher persönlicher Bedeutung ist und von der Person als belastend empfunden wird.
Der aus diesem Missverhältnis entstehende Spannungszustand führt zu einer andauernden Furcht vor der immer wieder neu auftretenden unangenehmen Situation, die sich der individuellen Kontrolle entzieht.
Der erlebte Stress wird durch Stressoren hervorgerufen, also Belastungsfaktoren, die den negativen Spannungszustand zwischen den Umweltanforderungen und den Bewältigungsmöglichkeiten einer Person auslösen.
Zu Stressoren gehören auch die psychischen Belastungen, bei denen es sich sowohl um einmalige Ereignisse, als auch viele kleine Ereignisse in Addition handeln kann. Daraus folgend können Mobbinghandlungen im Mobbingprozess aus stresstheoretischer Sicht mit immer wieder auftretenden Stressoren gleichgesetzt werden, die als psychosoziale Belastung wirken und die von Leymann und anderen konstatierten gesundheitsschädlichen Stressfolgen hervorrufen.
Da der menschliche Organismus auf andauernde und wiederkehrende Stressreize, wie sie z.B. in Form von systematischen und sich wiederholenden Angriffen im Mobbingprozess auftreten, nach einem bestimmten Muster reagiert und in einen fortwährenden Alarmzustand gerät, wird das körperliche und psychische Wohlbefinden in erheblichem Maße beeinträchtigt. Somit lassen sich aus stresstheoretischer Sicht die durch Mobbing zu beobachtenden psychischen und/oder physischen Symptome als Stressreaktionen erklären, die um so extremer auftreten, je länger der Mobbingprozess andauert.
Kapitel 2.3.2, Psychologische und physiologische Auswirkungen: Mobbing wirkt sich nicht nur auf die Arbeitsleistung aus; insbesondere die Psyche und infolge dessen auch die Physis leiden während und noch lange nach Ende des Mobbings. Der Mobbing-Report eruierte, dass 43,9% der Betroffenen nach Abschluss ihres Falls krank wurden, wovon knapp die Hälfte länger als sechs Wochen (48,9%) erkrankt war. Betroffene leiden unter psychosomatischen Beschwerden und psychischen Beschwerden.
Auslöser für jede Art Beschwerde ist Stress, der durch feindselige Handlungen hervorgerufen worden ist. Jede dieser sozialpsychologischen Situationen löst bei dem Betroffenen eine biologische Reaktion aus, die in den verschiedenen Symptomen sichtbar wird.
Psychosomatische Folgen sind zumeist Herz- und Kreislaufstörungen, Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes, aber auch Hautkrankheiten. Psychische Auswirkungen sind u.a. Depressionen, Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel, Angstzustände bis hin zu ausgeprägten Neurosen und Suizidgedanken.
Problematisch ist vor allem die ständige Wiederkehr der Stress auslösenden Handlungen; das Opfer findet keinen Augenblick der Ruhe und Entspannung.
Selbst eine Krankschreibung des Arztes führt nur zu einer temporären Besserung des Gesundheitszustandes, am Ende des Prozesses stellt auch dies keine Entlastung für den Betroffenen mehr dar, da dieser steten Gedankenflüssen rund um das Thema Mobbing unterlegen ist, die den körpereigenen Alarmzustand nonstop aufrecht erhalten. Die völlige seelische und körperliche Erschöpfung ist häufig letzte Konsequenz. Experten/Expertinnen schätzen, dass ca. 20% der Selbstmordfälle in Deutschland (absolut knapp 30.000 Suizide) jedes Jahr durch Mobbing am Arbeitsplatz ausgelöst werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836605694
Arbeit zitieren:
Busch, Nicole Mai 2007: Mobbing am Arbeitsplatz, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Arbeitsplatz, Mobbing, Personalmanagement, Motivation, Arbeitsklima



