Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz
Phänomen, Folgen und Analyse des Traumaverlaufs
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Florentine Sellier
- Abgabedatum: Juni 1996
- Umfang: 218 Seiten
- Dateigröße: 10,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0358-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0358-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0358-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sellier, Florentine Juni 1996: Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz, Hamburg: Diplomica Verlag
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Diplomarbeit von Florentine Sellier
"Mobbing" - ein Schlagwort rauscht seit geraumer Zeit durch den Medienwald und wirbelt dabei einigen Staub auf. Staub, der sich auf den muffigen Büroalltag gelegt hatte und das Tabuthema "Psychoterror am Arbeitsplatz" bedeckte. Es ist dem schwedischen Psychologieprofessor Leymann zu verdanken, daß die öffentliche Diskussion über Mobbing in Gang kam, als dieser Anfang der 80er Jahre seine ersten Forschungsberichte über psychische Gewalt im Berufsleben publizierte. Er ahnte damals selber noch nicht, welche Bedeutung und Tragweite das Thema einmal erlangen würde.
In den skandinavischen Ländern weckten die ersten Berichte und Veröffentlichungen über Psychoterror am Arbeitsplatz sehr großes Interesse. Viele Betroffene meldeten sich, es wurden daraufhin spezielle juristische, medizinische und psychologische Hilfsein-richtungen ins Leben gerufen.
Und auch im deutschsprachigen Raum ist, mit einiger zeitlicher Verzögerung, eine ähnlich große Resonanz auf das Thema Mobbing festzustellen. Die ersten Publikationen - angefüllt mit plastischen Fallschilderungen - verursachten eine regelrechte Medienflut, und Mobbing wurde zum Thema von Publikums- und Fachzeitschriften, Talkshows und Diskussionsrunden. In Folge wurden Rat-geberbücher verfaßt, Unternehmensberatungen begannen, Mobbing-Seminare zu veranstalten, Gewerkschaften (hier v.a. die DAG) und karitative Verbände griffen das Thema auf. Mobbing-Telefone und Beratungsstellen wurden eingerichtet und sogar eine Mobbing-Klinik gegründet (neben der schwedischen Klinik von Leymann bisher die einzige in Europa, die sich mit dieser Problematik beschäftigt, s. Kapitel 111/2.3. Auch können erste Ansätze des betrieblichen Personalwesens ausgemacht werden, die sich mit systematischen Feindseligkeiten am Arbeitsplatz auseinandersetzen.
Abgesehen von teilweise unseriösen und übertriebenen Berichten in den Medien zeigten diese doch einen erheblichen Handlungsbedarf auf bei einem bis dahin fast totgeschwiegenen Thema. Ähnlich dem Diskussionsverlauf um sexuellen Kindesmißbrauch war und ist auch hier ein gesellschaftlicher Verdrängungsmechanismus zu beobachten. Dieser wird stark gefördert durch die Angst, selber zum Betroffenen zu werden. Neuberger (1994) spricht in diesem Zusammenhang sogar von "kollektiver Paranoia" (S. 9). Dies ist nicht verwunderlich angesichts der zunehmenden Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft (oder vielmehr der vermehrten Darstellung in den Medien?!). Ebenfalls schätzte man aufgrund der Daten der ersten Mobbinguntersuchungen, daß die Wahrscheinlichkeit, einmal selber während seines Arbeitslebens von Mobbing betroffen zu sein, bei 1 : 4 liegt. Zudem fand man Mobbing in allen Berufszweigen und Branchen und sogar relativ gleichmäßig verteilt auf die Geschlechter. Daraufhin wurde die aufrüttelnde, aber vor allem auch bedrohliche Parole verbreitet: "Es kann jeden treffen!".
Der Umgang mit dem Thema ist daher geprägt von der ganzen Bandbreite der Abwehrmechanismen, von Polarisierungen, einhergehend mit Opferbeschuldigung und Stigmatisierung ("Die sind doch alle selber Schuld!") oder Bagatellisierung ("Gehört zu den normalen Härten des Berufsalltags!") bis hin zu Verdrängung und Verleugnung ("Mobbing, na ja - aber auf keinen Fall bei uns!").
Leymann setzte bei der Verbreitung seiner Forschungsergebnisse ganz bewußt auf die "publizistische Schiene", um einen möglichst großen Personenkreis anzusprechen.. Durch die öffentliche Diskussion wurde wiederum die Wissenschaft veranlaßt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, wobei sich aber auch hier die o.a. Verdrängungsmechanismen und Verzerrungen finden lassen (von einseitiger Parteinahme für die Opfer bzw. Täter, Bagatellisierung von Mobbing als Randphänomen bis hin zur Verneinung der Existenz von Mobbing überhaupt.
Psychoterror am Arbeitsplatz ist sowohl aus humanitären, als auch aus betriebs- und volkswirtschaftlichen Gründen nicht länger tragbar. Daher muß in Zukunft noch mehr getan werden, um das Phänomen Mobbing immer besser verstehen, erklären und vor allem auch behandeln zu können.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | MOBBING - DEFINITION UND BISHERIGE FORSCHUNGSERGEBNISSE | 1 |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | Mobbing in der aktuellen Diskussion | 1 |
| 1.2 | Gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Zusammenhang | 3 |
| 1.2.1 | Gesellschaftspolitische Aspekte | 3 |
| 1.2.2 | Wirtschaftspolitische Aspekte | 5 |
| 1.3 | Der wissenschaftlich-historische Kontext | 7 |
| 1.3.1 | Historischer Überblick | 7 |
| 1.3.2 | Einordnung von Mobbing in den wissenschaftlich-historischen Kontext | 9 |
| 1.4 | Zielsetzung und Aufbau der Arbeit | 10 |
| 1.5 | Fallbeispiele | 13 |
| 2. | BESTIMMUNG UND DEFINITION VON MOBBING | 18 |
| 2.1 | Begriffsbestimmung | 18 |
| 2.2 | Definition von Mobbing | 20 |
| 2.2.1 | Die Anfänge der Mobbingforschung | 20 |
| 2.2.2 | Leymann s Definition | 21 |
| 2.2.3 | Kritik und Diskussion der Definition von Leymann | 23 |
| 2.2.4 | Das Mehrdimensionale Mobbing-Prozeß-Modell von Zuschlag | 25 |
| 2.2.5 | Mobbing als „grausames Spiel" | 27 |
| 2.2.6 | Die modifizierte Definition von Leymann | 29 |
| 2.3 | Gemeinsamkeiten der bisherigen Definitionen und Abgrenzung von Mobbing zu normalen Konflikten | 30 |
| 2.3.1 | Die Situation | 31 |
| 2.3.2 | Die Handlungen | 31 |
| 2.3.3 | Der Zeitraum und Verlauf | 3 2 |
| 2.3.4 | Das (die) Opfer | 3 2 |
| 2.3.5 | Der (die) Täter | 33 |
| 2.4 | Arbeitsdefinition | 33 |
| 3. | BISHERIGE EMPIRISCHE FORSCHUNGSERGEBNISSE | 35 |
| 3.1 | Forschungsbeginn | 35 |
| 3.1.1 | Schwedische Voraussetzungen | 35 |
| 3.1.2 | Übertragbarkeit der Ergebnisse | 36 |
| 3.2 | Verbreitung | 37 |
| 3.2.3 | Schwedische Untersuchungen | 37 |
| 3.2.4 | Norwegische Untersuchungen | 40 |
| 3.2.5 | Untersuchungen in Österreich | 41 |
| 3.2.6 | Untersuchungen in Deutschland | 42 |
| 3.3 | Geschlechtsunterschiede | 48 |
| 3.3.1 | Betroffenheitsrate und Altersgruppe | 48 |
| 3.3.2 | Verteilung auf Angreifende und Betroffene | 50 |
| 3.3.3 | Unterschiede bei den Handlungen | 51 |
| 3.3.3.1 | Häufigkeit der Handlungen | 51 |
| 3.3.3.2 | Art der Handlungen | 51 |
| 3.4 | Hierarchie und exponierte Stellung | 53 |
| 3.4.1 | Stellung der Beteiligten in der betrieblichen Hierarchie | 53 |
| 3.4.2 | Personen in besonderer Stellung | 54 |
| 3.4.2.1 | Behinderte | 55 |
| 3.4.2.2 | Männer in Frauenberufen | 56 |
| 3.4.2.3 | Sonstige Bereiche | 57 |
| 3.5 | Branchen, Funktionen, Betriebsarten | 58 |
| 3.6 | Zusammenfassung | 60 |
| 4. | ART DER HANDLUNGEN | 61 |
| 4.1 | Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen | 62 |
| 4.2 | Angriffe auf die sozialen Beziehungen | 63 |
| 4.3 | Auswirkungen auf das soziale Ansehen | 65 |
| 4.4 | Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation | 66 |
| 4.5 | Angriffe auf die Gesundheit | 67 |
| 4.6 | Zusammenfassende Betrachtung | 68 |
| 5. | FOLGEN | 70 |
| 5.1 | Folgen für die Betroffenen | 70 |
| 5.1.1 | Psychische und psychosomatische Beschwerden | 70 |
| 5.1.2 | Familie und Privatleben | 71 |
| 5.1.3 | Auswirkungen auf Motivation und Arbeitsleistung | 72 |
| 5.2 | Folgen für das Unternehmen | 74 |
| 5.2.1 | Das Unternehmen als System | 75 |
| 5.2.2 | Betriebsklima | 76 |
| 5.2.3 | Kosten | 81 |
| 5.3 | Zusammenfassung | 82 |
| 6. | THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE UND URSACHENANALYSE | 8 3 |
| 6.1 | Allgemeine Diskussion und Kritik an Leymann's Konzept | 83 |
| 6.2 | Leymann s Stellungnahme | 84 |
| 6.3 | Theoretische Erklärungsansätze | 86 |
| 6.3.1 | Sozialisations- und lerntheoretische Interpretation | 86 |
| 6.3.2 | Psychodynamische Interpretation | 89 |
| 6.3.2.1 | Abwehrmechanismen | 89 |
| 6.3.2.1 | Übertragung und Gegenübertragung | 93 |
| 6.3.3 | Organsiationspsychologische Aspekte | 94 |
| 6.3.3.1 | Die Organisation der Arbeit | 95 |
| 6.3.3.2 | Die Gestaltung der Arbeitsaufgaben | 95 |
| 6.3.3.3 | Die Leitung der Arbeit | 96 |
| 6.3.3.4 | Das moralische Niveau des Unternehmens | 97 |
| 6.4 | Abschließende Diskussion | 98 |
| II. | TRAUMATISCHE VERLAUFSANALYSE DES MOBBINGPROZESSES | 100 |
| 1. | EINLEITUNG | 100 |
| 2. | MOBBING - EIN TRAUMA? | 102 |
| 2.1 | Allgemeine Traumadefinition | 102 |
| 2.2 | Vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten | 104 |
| 2.3 | Gefühle von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe | 106 |
| 2.4 | Dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis | 108 |
| 2.5 | Mobbing als Trauma | 109 |
| 3. | TRAUMATISCHE VERLAUFSANALYSE | 110 |
| 3.1 | Traumatische Situation | 111 |
| 3.1.1 | Objektive Situationsfaktoren | 111 |
| 3.1.1.1 | Zeitliche Erstreckung und Häufung der Ereignisse | 112 |
| 3.1.1.2 | Art der Betroffenheit | 114 |
| 3.1.1.3 | Verursachungsbedingungen und Täter-Opfer Beziehung | 115 |
| 3.1.1.4 | Die Mobbingsituation als double-bind | 116 |
| 3.1.2 | Subjektive Faktoren | 119 |
| 3.1.2.1 | Der psychologische Arbeitsvertrag | 119 |
| 3.1.2.2 | Das zentrale traumatische Situationsthema | 120 |
| 3.1.2.3 | Protektive und korrektive Faktoren | 121 |
| 3.2 | Traumatische Reaktion | 124 |
| 3.2.1 | Folgen und traumatische Reaktion in Bezug zum traumatischen Verlauf | 124 |
| 3.2.2 | Allgemeines psychotraumatisches Belastungssyndrom | 130 |
| 3.2.3 | Spezielles psychotraumatisches Belastungssyndrom | 132 |
| 3.3 | Traumatischer Prozeß | 136 |
| 3.3.1 | Integration der traumatischen Erfahrung in den schematischen Wissensbestand | 136 |
| 3.3.2 | Stagnation im Verarbeitungsprozeß | 138 |
| 3.4 | Zusammenfassung | 141 |
| IV. | BEHANDLUNG UND PRÄVENTION VON MOBBING | 143 |
| 1. | EINLEITUNG | 143 |
| 2. | BEHANDLUNG | 143 |
| 2.1 | Diagnostik | 143 |
| 2.1.1 | Untersuchungsinstrumente | 144 |
| 2.1.2 | Fehldiagnosen | 146 |
| 2.2 | Traumatischer Verlauf und Behandlung | 148 |
| 2.2.1 | Behandlung in der traumatischen Situation | 150 |
| 2.2.2 | Behandlung in der postexpositorischen Phase | 152 |
| 2.2.2.1 | Traumatherapeutische Regeln nach Wilson | 153 |
| 2.2.2.2 | Traumatherapeutische Regeln nach Ochberg | 160 |
| 2.2.2.3 | Psychotraumatische Familientherapie | 162 |
| 2.2.2.4 | Selbsthilfegruppen | 163 |
| 2.2.2.5 | Psychopharmakotherapie | 165 |
| 2.2.3 | Behandlung des traumatischen Prozesses | 165 |
| 2.3 | Stationäre Behandlung am Beispiel einer Mobbingklinik | 171 |
| 2.4 | Basis-Behandlungs-Plan | 176 |
| 3. | PRÄVENTION | 178 |
| 3.1 | Prävention durch die Betroffenen | 178 |
| 3.2 | Prävention durch das Unternehmen | 180 |
| 3.2.1 | Gestaltung der sozialen Beziehungen | 181 |
| 3.2.2 | Gestaltung der organisatorischen Arbeitsbedingungen | 184 |
| 4. | ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK | 186 |
| VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN UND TABELLEN | 189 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 190 | |
| ADRESSEN | 206 |
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