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Mobbing - Ausgrenzungsphänomene in der Arbeitswelt

Mobbing - Ausgrenzungsphänomene in der Arbeitswelt
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Tanja Dietz
  • Abgabedatum: November 2003
  • Umfang: 135 Seiten
  • Dateigröße: 884,8 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8993-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8993-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8993-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dietz, Tanja November 2003: Mobbing - Ausgrenzungsphänomene in der Arbeitswelt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konflikt, Arbeitsplatz, Psychologie, Täter, ABO

Magisterarbeit von Tanja Dietz

Einleitung:

Nach einer repräsentativen Erhebung aus dem Jahr 2001 waren zu dieser Zeit 2,7 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung von Mobbing betroffen. Werden auch die bereits abgeschlossenen Mobbingfälle hinzugerechnet, war nahezu jede neunte Person (11,3 Prozent) schon langfristigen feindseligen Handlungen am Arbeitsplatz ausgesetzt. Zudem geht aus einigen Studien eine durchschnittliche Mobbingdauer von mehr als 12 Monaten hervor.

„Mobbing“, „Bossing“ (Schikane durch den Vorgesetzten) oder „Psychoterror am Arbeitsplatz“ sind Begriffe, die in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit spektakulären Vorfällen durch die Medien gingen. Mobbing verursacht sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern enorme volkswirtschaftliche Kosten. Der englische Terminus „Mobbing“ stammt vom englischen Verb „to mob”, welches „herfallen über, angreifen, attackieren“ bedeutet. Der „Mob“ als epistemologischer Ursprung ist in verschiedenen Sprachen zu finden, geht auf den lateinischen Begriff „mobile vulgus“ zurück und bedeutet sinngemäß aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel, unorganisierte soziale Massengruppierung mit sehr geringem oder völlig fehlendem Organisationsgrad, in der mit hoher Wahrscheinlichkeit aggressives, meist zerstörerisches Verhalten auftritt Der Begriff „Mobbing“ umschreibt negative Handlungen, die ein Mobbingopfer an seiner Arbeitsstätte durch einen oder mehrere Mobbingtäter erfährt. Im Mobbingverlauf wird das Opfer unter Umständen sozial ausgegrenzt, indem es schikaniert, isoliert, zur Aufgabe seiner beruflichen Position gedrängt oder sogar komplett aus dem Arbeitsprozess bzw. der Gemeinschaft gerissen wird.

Bossingmethoden erstrecken sich vom Vorwurf des Betrugs über die Forderung von unerfüllbaren Leistungen bis hin zur anhaltenden Verunglimpfung der Fähigkeiten von Mitarbeitern, um diese aus ihrem Arbeitsverhältnis zu drängen. Bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Mobbing ist es wichtig, dieses Phänomen von angrenzenden Themenkomplexen wie sexuelle Belästigung, Diskriminierung oder Gewalt abzugrenzen, und eventuelle inhaltliche Überschneidungen aufzuzeigen.

Problemstellung:

Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Beziehung zwischen der Opfer- und der Täterrolle im Mobbingprozess besteht. Aus Sicht der Mobbingforschung existieren Mobbingtäter mit entsprechendem Handlungsbewusstsein. Diese Vermutung stützt sich besonders auf die meist verheerenden Folgen von Mobbing, den massiven psychischen Beeinträchtigungen, die an den Betroffenen sichtbar werden.

Da sich der überwiegende Teil der Daten in dem Forschungsgebiet aus Berichten von Mobbingopfern zusammensetzt, kann man von einer Opferzentrierung der Mobbingforschung sprechen. Im Kapitel „Stand der Mobbingforschung“ werden die Entwicklung dieser Forschungsrichtung und die Ergebnisse der Erforschung von Mobbing am Arbeitsplatz beschrieben.

Des Weiteren wird dargelegt, inwieweit sich diese Rollen im Laufe eines Konflikts, der sich als Mobbing manifestiert, kristallisieren, und inwieweit Opfer und Täter durch Persönlichkeitsmerkmale, Verhalten aber auch durch ihre berufliche Situation für ihre Rolle prädisponiert sind. Das besondere Augenmerk richte ich dabei auf die Täter und ihre Handlungsmotivation. Da kaum Eigenberichte von Mobbingtätern vorliegen, kann das Täterbild nur aus dem Opferblickwinkel also eingeschränkt betrachtet werden.

Bei der Differenzierung zwischen möglichem Täter und Opfer werden auch die psychodynamischen Vorgänge untersucht. Welchen intrapsychischen Gewinn zieht der Täter oder das Opfer aus den Handlungen bzw. deren Erduldung? Weiter ist zu fragen, welche Rolle der Austragungsort „Arbeitsplatz“ als soziale Institution mit zentripetalen und zentrifugalen bzw. integrativen und dissoziativen Kräften spielt.

Um die Komplexität eines Mobbingvorgangs adäquat zu erfassen, werden ebenfalls die Ursachen in den organisationalen und sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz sowie in den individuellen Prädispositionen, die zu Mobbing beitragen können, betrachtet.

Unberücksichtigt bleiben in der vorliegenden Arbeit Präventions- und Interventionsmaßnahmen bei Mobbing am Arbeitsplatz. Auch nehmen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Opfer speziell nach Abschluss des Mobbingprozesses unter Berücksichtigung des Themenschwerpunktes nur einen marginalen Platz ein.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Epistemologischer Ursprung des Begriffs Mobbing 3
1.2 Abgrenzung von verwandten Begriffen 5
1.3 Verbreitung von Mobbing 6
1.4 Durchschnittliche Dauer von Mobbing 7
1.5 Volkswirtschaftlicher Schaden 9
1.6 Thema und Fragestellung 10
1.7 Aufbau der Arbeit 11
2. Stand der Mobbingforschung 13
2.1 Die bisherige Mobbingforschung im Überblick 13
2.2 Mobbing am Arbeitsplatz 15
2.3 Mobbingforschung im deutschen Sprachraum 19
2.4 Definition von Mobbing 21
2.5 Subjektives und objektives Mobbing 28
2.6 Mobbingphasen 30
3. Opfer und Täter 34
3.1 Das hierarchische Verhältnis zwischen Opfer und Täter 34
3.2 Das Machtungleichgewicht zwischen Opfer und Täter 36
3.3 Geschlechtsspezifisches Mobbing 37
3.4 Mobbingrisiko differenziert nach Berufsgruppe und Status 41
3.5 Die Opfer 44
3.5.1 Alter und berufliche Position der Opfer 44
3.5.2 Opfer und Opfergruppen im Mobbingprozess 46
3.5.3 Mobbingauslösende Faktoren aus der Opferperspektive 47
3.5.4 Opfermerkmale 49
3.5.4.1 Die exponierte Stellung des Opfers 50
3.5.4.2 Opferpersönlichkeit 56
3.6 Die Täter 61
3.6.1 Alter und berufliche Position der Täter 61
3.6.2 Einzeltäter und Tätergruppen im Mobbingprozess 62
3.6.3 Die Mobbingintention 63
3.7 Mobbinghandlungen und deren Kategorisierung 65
3.7.1 Gewichtung der Mobbinghandlungen 71
3.7.2 Geschlechtsspezifische Mobbinghandlungen 72
3.7.3 Mobbinghandlungen nach Alter der Opfer und Täter 73
3.7.4 Motivation der Täter zu Mobbinghandlungen 74
3.8 Tätermerkmale 76
4. Organisationale und soziale Ursachen von Mobbing 80
4.1 Organisationale Ursachen von Mobbing 80
4.2 Soziale Ursachen von Mobbing 88
4.2.1 Die Rolle der Aggression 88
4.2.2 Die soziale Ursachen von Aggression 90
5. Psychodynamische Ursachen von Mobbing 95
5.1 Die Rolle der Institution 96
5.2 Die Gruppe und ihre Dynamik 99
5.3 Die Führung der Gruppe 100
5.4 Mobbingursachen in der Gruppendynamik 102
5.4.1 Die Gruppe und die Funktion des Sündenbock 102
5.4.2 Der eskalierende Konflikt 107
5.5 Psychodynamik in der Täterpersönlichkeit 109
5.5.1 Die intrapsychischen Abwehrmechanismen 110
5.5.2 Die interpersonale Abwehr 111
6. Zusammenfassung 113
7. Literaturverzeichnis 118
8. Anhang 127

Automatisiert erstellter Textauszug:

Entgegen den alltäglichen beruflichen Konflikten, welche durchaus positive Effekte wie Veränderung oder Innovation mit sich bringen können, existiert bei Mobbing eine andere Qualität von Auseinandersetzungen. Wie in Kapitel 2.4 „Definition von Mobbing“ bereits aufgezeigt, unterscheiden sich Mobbinghandlungen durch den Wiederholungscharakter und den damit verbundenen Zeitraum des Konflikts von anderen Konflikten. Dass Leymann anhaltende Konflikte nur dann als Mobbing einstuft, wenn die Handlungen mindestens einmal wöchentlich und über eine Zeitspanne von einem halben Jahr auftreten, dient ihm – wie er selbst sagt – primär als operationale Grundlage seiner empirischen Erhebung. Einarsen u.a. postulieren mit Recht, dass auch singuläre Akte, beispielsweise das In-Umlaufsetzen eines Gerüchts oder die Versetzung in einen [...]

Werden Täter mit den Folgen ihres Verhaltens konfrontiert, sind sie gezwungen, sich vor anderen, aber auch vor dem eigenen Gewissen zu rechtfertigen. Neuberger beschreibt die soziale Rechtfertigung als Manipulation der Eigen- und Fremdwahrnehmung, um zu einer – in Anlehnung an die Attributionstheorie selbstwertschonenden – Erklärung zu gelangen. Die Wahrnehmungsverzerrung kann sich auf die Verantwortung für einen Vorfall oder eine Handlung, auf die Motive einer Handlung oder auf die Einschätzung bezüglich des positiven bzw. negativen Inhalts eines Vorfalls oder einer Handlung beziehen. Dabei kommen verschiedene Rechtfertigungsmechanismen zum Einsatz, wozu unter anderem die Abschwächung der Verantwortung und die Wahrnehmungsveränderung bezüglich der Kausalität für einen Vorfall oder eine Handlung gehören. Außerdem werden die Motive entschuldigt, die Handlung durch Berufung auf höherrangige Normen oder Werte legitimiert. Weiter dient der Rechtfertigung die Veränderung des Kontextes der Ereignisse oder der Wahrnehmungen über die Konsequenzen des Vorfalls oder der Handlung. Nach Neuberger rechtfertigen sich Mobbingtäter mit den Aussagen, dass man mit derart schwerwiegenden Konsequenzen für das Opfer nicht gerechnet habe bzw. diese nicht herbeiführen wollte, dass das Opfer psychisch labil sei oder private Probleme habe, dass man Grenzen habe setzen müssen oder dass man unter Druck gestanden habe. 224 [...]

der Fälle agierten die Vorgesetzten als Einzeltäter.218 Nach Leymann werden ein Drittel der Betroffenen von einer Person und rund 40 Prozent von zwei bis vier Personen angegriffen. Sehr selten mobbt die gesamte Arbeitsgruppe.219 Von Holzen-Beusch u.a. bestätigen diese Ergebnisse für die Schweiz. 220 Sowohl Meschkutat u.a. als auch Zapf u.a. vermuten, dass im Laufe eines Mobbingprozesses immer mehr Außenstehende in den Verlauf involviert werden, da sich die Situation verschärft. Meines Erachtens wird die Verschärfung und Zunahme der Täterzahl durch den Umstand verursacht, dass ein Opfer während der Schikane mehr und mehr in eine defensive Position gedrängt wird und damit eine Persönlichkeitsveränderung einhergehen kann. Es wird empfindlicher, gegebenenfalls rechthaberischer, kann neurotisch wirken und somit Aggressionen in seiner Umwelt hervorrufen. [...]

Arbeit zitieren:
Dietz, Tanja November 2003: Mobbing - Ausgrenzungsphänomene in der Arbeitswelt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konflikt, Arbeitsplatz, Psychologie, Täter, ABO

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