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Die Mitgliedschaft der Türkei in der EU aus der Sicht von Kemalisten

Die Mitgliedschaft der Türkei in der EU aus der Sicht von Kemalisten
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Cumhur Teke
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 120 Seiten
  • Dateigröße: 530,8 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9761-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9761-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9761-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Teke, Cumhur Januar 2002: Die Mitgliedschaft der Türkei in der EU aus der Sicht von Kemalisten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Republikanismus, Etatismus, Laizismus, Nationalismus, Reform der EU

Magisterarbeit von Cumhur Teke

Einleitung:

Die geplante Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union (EU) ist in Europa ein sehr umstrittenes Thema. Neben vereinzelten Befürwortern hat sich die Mehrheit der europäischen politischen Führungskräfte bisher tendenziell als Gegner des türkischen Antrags auf Mitgliedschaft in der EU herausgestellt.

Während sich die Haltung des europäische Gefüge also eher skeptisch zeigt, wird, wie anhand einiger Umfragen zu erkennen ist, der Mitgliedschaftsantrag von der türkischen Bevölkerung fast einstimmig unterstützt.

Es ist zu bedauern, dass bis heute nur sehr wenig differenzierte Untersuchungen über den Standpunkt verschiedener politischer Gruppierungen existieren. Zumeist werden mit den vorhandenen Arbeiten religiöse Gruppen nach ihrer Bewertung einer denkbaren EU-Mitgliedschaft befragt. Es wird dabei jedoch nicht berücksichtigt, dass diese Gruppen nur ca. 10% bis 15% der türkischen Bevölkerung ausmachen und somit nicht als repräsentativ angesehen werden können. Trotzdem gilt der religiösen Gemeinschaft der Türkei seitens der europäischen Presse das größte Interesse, was dadurch zu begründen sein könnte, dass eine religiöse Partei die Regierung des Landes bildet und fast über eine Zweidrittelmehrheit in der Nationalversammlung verfügt.

Diese Mehrheit spiegelt sich jedoch nicht in den Wählerstimmen wider, da die gesetzlich festgelegte 10%-Hürde nur von insgesamt zwei Parteien überwunden werden konnte und 50% der gescheiterten Wählerstimmen nicht beachtet wurden.

Es wäre vermutlich nicht falsch zu behaupten, dass die stärkste politische Gruppe in der Türkei die kemalistisch - atatürkische Gruppe ist, da der Staatsapparat durch die türkische Verfassung über Jahre von der kemalistischen Ideologie geprägt wurde. Diese Prägung wurde durch den unablässigen Einsatz und Schutz der Militärs unantastbar gemacht.

Mit der vorgelegten Arbeit soll versucht werden, den Standpunkt der Kemalisten in Bezug auf die EU-Mitgliedschaft der Türkei herauszustellen. Von der Regierung unabhängig, bestimmt die Meinung der Kemalisten das Verhalten der türkischen Politik. Wie eben bereits erwähnt, sind alle staatlichen Institutionen kemalistisch geprägt, insbesondere die Schulen, so dass alle Kinder in der Türkei, die eine Schulbildung genießen, auch kemalistisch erzogen werden. Auch bei der Beobachtung der türkischen Bürokratie ist zu erkennen, dass fast alle Beamten Anhänger von Mustafa Kemal sind. Daher ist es indiskutabel, an die europäische Integration der Türkei zu denken, ohne die Einstellung der ausschlagebendsten Gruppe zu kennen.

Besonders interessant ist die Reaktion der kemalistischen Organisationen auf die Forderungen der EU, die sich auf die Menschenrechte, den Minderheitenschutz besonders in Hinblick auf die Kurdenproblematik, den Zypernkonflikt, sowie die Rolle der Militärs beziehen.

In der vorliegenden Arbeit wird versucht herauszufinden, ob die Kemalisten den Antrag auf die EU-Mitgliedschaft unter den jetzigen Bedingungen unterstützen.

Um die vorliegende Frage beantworten zu können, muss zunächst erklärt werden, was mit dem Begriff „Kemalismus“ gemeint ist.

Zwei der unzähligen Definitionen des Begriffes lauten:

„Der Kemalismus ist die Folge einer reformerischen Phase, die durch die Modernisierungsbestrebungen Sultan Selims III. (1789-1807) in der Armee und die Abschaffung des Janitscharenkorps durch Mahmut II. 1826 eingeleitet wurde.“ „Der Kemalismus ist eine Bewegung in beständiger Entwicklung, keine Doktrin.“ Anhand dieser Zitate wird deutlich, dass eine Definition für das Verstehen einer Weltanschauung unbrauchbar ist. Deshalb soll das Ziel dieser Arbeit nicht sein, eine unanfechtbare Definition des Kemalismus zu finden, sondern zu erklären, woraus der Kemalismus besteht und was ihn von den anderen Ideologien unterscheidet. Die Frage, ob der Kemalismus eine Ideologie darstellt, wird hier also nicht behandelt. Der Grundlage der Arbeit dient hingegen die Feststellung, dass der Kemalismus eine Ideologie ist, da die Türken den Kemalismus als ihre Staatsideologie bezeichnen.

Die Arbeit ist in drei Hauptteile gegliedert. Hierbei zerfällt der erste in zwei Unterkapitel.

Mit der Erklärung der kemalistischen Reformen und Prinzipien, die von Mustafa Kemal Atatürk eingeleitet wurden (1920-1938) beginnt der erste Bereich des ersten Teils (I.1). Eine kurze Übersicht dieser Reformen soll zeigen, wie aus dem rückständigen Osmanischen Reich ein moderner Staat hervorging.

Um zu verstehen, weshalb diese Reformen solch eine Wichtigkeit besaßen, müssen Mustafa Kemals Prinzipien erläutert werden. Als Grundlage der türkischen Verfassung bestimmen sie den Charakter des Staates bis heute.

In diesem ersten Teil der Arbeit wird außerdem versucht, die Beziehung des Kemalismus zur Demokratie zu klären. Dabei spielt neben Mustafa Kemals Anschauung auch die Meinung der führenden Kemalisten eine Rolle, welche die Umsetzung des Kemalismus beeinflussten.

Im zweiten Bereich des ersten Teils (I.2) der Arbeit werden die Kemalisten vorgestellt. Die Klärung einer eindeutigen Identität der Kemalisten ist nicht einfach. Da der Kemalismus die Staatsideologie der Türkei ist, kann sich jeder zu einem Kemalisten erklären.

Das zweite Hauptteil (II.) der Arbeit setzt sich mit den geschichtlich wichtigen Ereignissen auseinander. In drei verschiedenen Geschichtsabschnitten werden die türkisch-europäischen Beziehungen analysiert.

Im ersten Abschnitt (II.1) werden die Ereignisse der Jahre 1959 bis 1987 beleuchtet. Am 31. Juli 1959 stellte die türkische Regierung unter Adnan Menderes einen Antrag auf eine Assoziierung der Türkei mit der Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft (EWG). Im September 1962 unterschrieben die Türkei und die Europäische Wirtschafts- Gemeinschaft (EWG) einen Assoziierungsvertrag, der am 01. Dezember 1964 in Kraft trat. Die Beziehungen zueinander standen aber bis zu der ersten Regierung von Turgut Özal 1983 still. Mit ihm begann eine neue Ära der türkischen Politik, welche die Ansicht des türkischen Volkes in Bezug auf Europa grundlegend änderte.

Die Wiederbelebung der türkisch- europäischen Beziehungen wurde durch den Antrag der Türkei auf Vollmitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft (EG) am 14. April 1987 gefördert. Im zweiten Abschnitt (II.2) werden die Ereignisse der Jahre 1987 bis 1999 erläutert. Im Anschluss an diesem Zeitraum spielt der 10. Dezember 1999, an dem der Türkei ein Kadidatenstatus von Seiten der EU zuerkannt wurde, eine große Rolle.

Die Verhandlungen seit 1999 bis heute werden im dritten Abschnitt (II.3) beobachtet, in dem die aktuelle Situation beschrieben wird. Im Dezember 2002 wurde der Türkei empfohlen, sich an die Amsterdamer und Kopenhagener Kriterien anzupassen, damit die EU sich Ende des Jahres 2004 auf ein Beitrittsdatum für die Türkei festlegt. Die Türkei hat während der letzten 12 Monate vier Reformpakete unter der Regierung der Muslimischen Demokraten verabschiedet, um den Forderungen der EU gerecht zu werden.

Der dritte Hauptteil (III.) der Arbeit untersucht die Aussagen der oben genannten Kemalisten in Bezug auf folgende Fragestellungen:

Wie bewerten die Kemalisten die Probleme der Minderheiten in der Türkei, insbesondere die Kurdenproblematik?

Kann die Türkei den Zypernkonflikt lösen?

Gibt es in der Türkei Menschenrechtsverletzungen, und wie möchte die Regierung diese verhindern?

Sind die türkischen Streitkräfte ein Garant für die türkische Demokratie oder verhindern sie den Demokratisierungsprozess des Landes?

Soll die Türkei ein Mitglied der EU werden? Gehört die Türkei überhaupt zu Europa, wenn man sie kulturell einordnen müsste?

So soll schließlich der Standpunkt der kemalistischen Institutionen analysiert und dargestellt werden, wie diese den Antrag auf die Mitgliedschaft der Türkei in der EU wahrnehmen.

Im letzten Teil der Arbeit findet eine Schlussbetrachtung statt, welche die Chancen der Türkei in Hinblick auf einen EU-Beitritt einschätzen versucht.

Da die Arbeit sich mit der Anschauung der Kemalisten auseinandersetzt, besteht die verwendete Literatur zum größten Teil aus Primärquellen und ist in türkischer Sprache verfasst.

Außerdem werden in der Arbeit einige ebenfalls in türkischer Sprache vorliegende Interviews verwendet, die vom Verfasser im Zeitraum März bis September 2003 angefertigt wurden. Alle verwendeten Zitate wurden sinngemäß ins Deutsche übersetzt. Weiterhin sind den Fußnoten alle Zitate in der Originalsprache beigefügt.

Neben den Zitaten sind auch viele Begriffe und Namen in türkischer Sprache angegeben, um eine Differenzierung der Inhalte zu ermöglichen.

Im Anhang befindet sich ein Glossar für die türkischen Begriffe und Bezeichnungen, die in der Arbeit benutzt werden.

Inhaltsverzeichnis:

A. Einleitung 5
B. Hauptteil 11
Kemalismus 11
I.1 Die kemalistischen Reformen und Prinzipien 12
I.1.1 Republikanismus 17
I.1.2 Etatismus 19
I.1.3 Laizismus 23
I.1.4 Nationalismus 27
I.1.5 Populismus 30
I.1.6 Reformismus 32
I.1.7 Der Kemalismus und die Demokratie 34
I.2 Wer sind die Kemalisten? 36
I.2.1 CHP: Republikanische Volkspartei 37
I.2.2 DSP: Demokratisch- Linke Partei 40
I.2.3 Cumhuriyet (Die Zeitung) 45
I.2.4 TSK: Generalstab der türkischen Streitkräfte 47
Historischer Überblick über die Beziehungen zwischen der Türkei und EU 51
II.1 Die Beziehungen zwischen 1959 und 1987 51
II.2 Die Beziehungen zwischen 1987 und 1999 57
II.3 Die Beziehungen zwischen 1999 und heute 63
Wie bewerten die Kemalisten die Mitgliedschaft der Türkei in der EU 63
III.1 Wie bewerten die Kemalisten die Probleme der Minderheiten in der Türkei, insbesondere die Kurdenproblematik? 69
III.1.1 CHP 70
III.1.2 DSP 72
III.1.3 Cumhuriyet 73
III.1.4 TSK 74
III.2 Kann die Türkei den Zypernkonfliktlösen? 75
III.2.1 CHP 75
III.2.2 DSP 76
III.2.3 Cumhuriyet 78
III.2.4 TSK 78
III.3 Gibt es in der Türkei Menschenrechtsverletzungen,und wie möchte die Regierung diese verhindern? 79
III.3.1 CHP 80
III.3.2 DSP 81
III.3.3 Cumhuriyet 81
III.3.4 TSK 82
III.4 Sind die türkischen Streitkräfte ein Garant für die türkische Demokratie oder verhindern sie den Demokratisierungsprozess des Landes? 82
III.4.1 CHP 83
III.4.2 DSP 84
III.4.3 Cumhuriyet 85
III.4.4 TSK 85
III.5 Soll die Türkei ein Mitglied der EU werden? Gehört die Türkei überhaupt zu Europa, wenn man sie kulturell einordnen müsste? 86
III.5.1. CHP 86
III.5.2 DSP 88
III.5.3 Cumhuriyet 89
III.5.4 TSK 90
C. Fazit 90
D. Anhang 99
Abkürzungsverzeichnis 99
Glossar 100
Personenregister 102
Literaturliste 103
Nejat Eslen 110
Süleyman Yaız 112
Zeynep Damla Gürel 114
E. Altıoklar und A. Çelik 115
Hasan Saygılı 117
Lebenslauf 120

Automatisiert erstellter Textauszug:

1983 fanden freie Wahlen statt, und die Zivilisten übernahmen die Regierung. Mit Turgut Özal liberalisierte sich die Wirtschaft, was die Grundlage der Demokratie bilden sollte. Gleichzeitig verstärkten sich die Separatisten ( PKK ) und die Islamisten ( Koranschulen und RP). Anfang der neunziger Jahre musste sich die TSK gegen die PKK mobilisieren, so dass man bis Ende der neunziger Jahre von einem Bürgerkrieg sprechen kann. Mit der Gefangennahme von Abdullah Öcalan, dem PKK-Vorsitzenden, endete dieser ernste Konflikt. Die Probleme mit den Islamisten verstärkten sich 1995, als Necmettin Erbakan Ministerpräsident wurde. Seine antikemalistisch – antilaizistische Haltung führte zum Eingreifen der TSK in die Politik am 28. Februar 1997, indem die Generäle ihm das gewünschte politische Verhalten diktierten. Erbakan konnte die Wünsche der TSK nicht umsetzen und musste zurücktreten. Das Verfassungsgericht verbot außerdem seine Partei und erteilte einigen Politikern eine Strafe, so dass sie sich nicht aktiv an der Politik beteiligen durften. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Republik wurde das Eingreifen der Militärs in die Politik als Revolution gefeiert und vom Volk unterstützt. Ein unerwartete Nebenerscheinung bestand im Erwachen des Kemalismus. Die TSK setzt seit 1980 ihre Wünsche durch den Nationalen Sicherheitsrat (NSR) durch, der monatlich tagt und von einem General geleitet wird. Bei den Wahlen im Oktober 2002 besetzte die AKP fast 2/3 der Sitze im Parlament und konnte somit ihre Vorhaben verwirklichen. Da sowohl Recep Tayyip Erdogan als auch viele andere Parlamentarier der AKP von den Einschränkungen der Militärs betroffen waren, versuchen sie die Macht des Militärs einzuschränken. Dabei kamen ihnen auch die Forderungen der EU zugute, durch die die AKP versucht, ihre Politik durchzudrücken. Im August 2003 hat das türkische Parlament ein Gesetz zur Reformierung des NSR verabschiedet, das einen Zivilisten anstelle 50 [...]

Mit der Einführung des Mehrparteiensystems im Jahre 1946 wollte Inönü einen demokratischen Staat schaffen. Dabei ging er davon aus, dass seine Partei immer die Mehrheit haben würde. Bei den Wahlen im Jahre 1950 kam die DP an die Macht und verfolgte einen weniger kemalistischen Weg als die CHP. Die TSK fühlte sich gezwungen, in die Politik einzugreifen und das kemalistische Erbe „zu retten“. Dieser Putsch wurde von vielen Kemalisten wie eine Revolution gefeiert, da die laizistische Republik dadurch vor den Islamisten geschützt worden war. Die TSK liess 1961 eine Verfassung entwickeln, welche bis heute als die demokratischste Verfassung der Türkei gilt. Nach freien Wahlen gab die TSK die Macht wieder an das Parlament zurück. Bis heute gelten diese Generäle als liberal, demokratisch und kemalistisch. Wie in ganz Europa waren die sechziger Jahre auch in der Türkei von politischen Demonstrationen und außerparlamentarischen Organisationen geprägt. Soldaten versuchten ihre Stellung nicht zu gefährden, indem sie sich nicht in politische Angelegenheiten einmischten. Der Kalte Krieg ermöglichte ihnen eine sichere Stellung, die durch den Kemalismus unantastbar wurde. Dennoch fühlte sich die TSK gezwungen, im März 1971 in die Politik einzugreifen, um eine Radikalisierung der politischen Parteien zu verhindern. Die siebziger Jahre waren von Anarchie und Chaos gekennzeichnet, so dass bürgerkriegsähnliche Zustände an der Tagesordnung waren. Weder die Linken noch die Rechten waren an Demokratie interessiert, sondern wollten ihre Vorstellungen umsetzen. Diese Zustände führten dazu, dass am 12. September 1980 die TSK noch einmal putschte. Alle Parteien wurden verboten. Die Verfassung wurde im Namen des Kemalismus erneuert, wobei die Erneuerung paradoxerweise in der Erweiterung um antikemalistische Elemente bestand. Der Religionsunterricht wurde zum Pflichtfach erklärt und die Bezahlung der Imame durch arabischislamistische Organisationen ermöglicht, was zur Wiederbelebung der islamischen Schulen führte. 49 [...]

schreiben die türkischen Streitkräfte auf ihrer Homepage93. Obwohl die Geschichte der modernen TSK mit der Gründung der Republik beginnt, werden die kriegerischen Türken in der Geschichte immer erwähnt und als Helden gefeiert. Mustafa Kemal wird von der TSK neben seinen politischen Erfolgen auch als ein Soldat dargestellt. Mit der Gründung der Republik hatte Mustafa Kemal in militärischer Hinsicht einen großes Problem bekommen. Einige bedeutende Generäle hatten gleichzeitig Abgeordnetenämter in der Nationalversammlung inne, das heißt eine Trennung von Militärs und Politik war eigentlich nicht möglich. So wurde ein Gesetz erlassen, welches aktiven Soldaten die Beteiligung an der Politik untersagte. Soldaten in der Nationalversammlung mussten sich nun zwischen einer Militärlaufbahn oder Politik entscheiden. Mustafa Kemal hatte dadurch zwei Erfolge erzielt: Keine Vermischung von Ämtern (Zuständigkeiten) Verhinderung einer politischen Entmachtung durch andere Generäle. Der zweite Punkt war für Kemal ausschlaggebend, denn nun war es unmöglich, von Generälen abgesetzt zu werden, die monarchistisch oder islamistisch gesinnt waren. Zwischen den Jahren 1923 und 1950 war eine Einmischung der TSK in die Politik undenkbar, da der jeweilige Präsident ein ehemaliger General (Atatürk und Inönü) und als Nationalheld unantastbar war. Nach dem zweiten Weltkrieg trat die Türkei der NATO bei (18. Februar 1952). Durch ihre geopolitische Lage stellte sie einen wichtigen Partner der Westmächte dar. Im Verlauf des Kalten Krieges kam der TSK, die besonders von den USA unterstützt wurde, eine wichtige Rolle in der Politik zu. [...]

Arbeit zitieren:
Teke, Cumhur Januar 2002: Die Mitgliedschaft der Türkei in der EU aus der Sicht von Kemalisten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Republikanismus, Etatismus, Laizismus, Nationalismus, Reform der EU

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