Mikrokredite als Instrument der Gründungsfinanzierung in Deutschland
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christoph Kaminski
- Abgabedatum: August 2010
- Umfang: 122 Seiten
- Dateigröße: 973,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Dortmund Deutschland
- Bibliografie: ca. 150
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0449-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kaminski, Christoph August 2010: Mikrokredite als Instrument der Gründungsfinanzierung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mikrokredit, Gründungsfinanzierung, Unternehmensgründung, Deutschland, Mikrofinanz
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Diplomarbeit von Christoph Kaminski
Einleitung:
Es sind meist Geschichten wie die einer Friseurin in der Dortmunder Nordstadt, geschieden, Mutter von 2 Kindern, verschuldet und am Rand der Insolvenz. Oder wie die einer Hausfrau in Thüringen, verheiratet, aus Chile immigriert, mit Kenntnissen in der Kosmetikberatung und dem Wunsch, ein Nagelstudio zu eröffnen. Diese Frauen haben gemein, dass sie trotz realisierbar erscheinender Geschäftsideen von einer nahezu aussichtslosen Suche nach einem geeigneten Kredit für ihr Gründungsvorhaben berichten und diesen erst durch ein deutsches Mikrofinanzinstitut erhielten.
Individuelle Erfahrungen wie diese dienen daher in der aktuellen wirtschaftsjournalistischen Berichterstattung und wirtschaftspolitischen Argumentation als gehaltvolles Beispiel für die Notwendigkeit und die positive Wirkung von Mikrokrediten in Deutschland. Dabei wird zumeist der Begriff ‘Mikrokredit’ über seine reine Funktion der Finanzdienstleistung hinaus mit einer Vielzahl gesellschaftlich vielversprechender Attribute verbunden. Denn Mikrofinanzkonzepte profitieren im Allgemeinen von dem Ruf, dass sie in der Lage seien, wirtschaftlich orientiertes Denken und altruistisches Engagement im Kampf gegen Armut für alle involvierten Parteien als eine ‘Win-win Situation’ zu deren Vorteil zu verbinden.
Der Grund dafür dürfte nicht nur in der bemerkenswert erfolgreichen Etablierung als Instrument der Entwicklungshilfe liegen. Darüber hinaus sorgte vor Allem die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2006 an Muhammad Yunus, einen der Pioniere der Mikrofinanzdienstleistungen und Gründer der Grameen Bank in Bangladesch, für eine weltweit verstärkte mediale Aufmerksamkeit dieses Kreditmarktproduktes. Das Nobelpreiskomitee begründet die Verleihung des Preises u.a. damit, dass durch Mikrokredite die Demokratie und Menschenrechte gestärkt und diese daher eine Hauptrolle im Kampf gegen Armut einnehmen werden.
In Folge dessen vollzog auch der Markt für Mikrokredite in Deutschland innerhalb der letzten Jahre eine beachtliche Entwicklung. Denn sowohl die Forderungen vieler Unternehmensgründer sowie kleinst, klein- und mittelständischer Unternehmen (KKMU) nach flexibleren Kreditformen, als auch das wachsende Bedürfnis der Politik und privater Investoren nach sozialverträglichen Anlageformen erscheinen im Mikrokreditkonzept vereinbar.
Diese Entwicklung und die hohen Erwartungen, die allgemein an die Effekte von Mikrokrediten in Deutschland gestellt werden, begründen die Motivation, die Hintergründe dieser Bewegung aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive zu betrachten und hinsichtlich ihrer Wirkungen als Instrument der Gründungsfinanzierung kritisch zu hinterfragen.
Zielsetzung und Struktur der Arbeit:
Im Rahmen der Literaturrecherche zur Thematik von Mikrokrediten wurde deutlich, dass trotz der zunehmenden Relevanz und Bekanntheit dieses Instruments die überwiegende Mehrheit der wissenschaftlichen Arbeiten die Wirkungen und Potenziale von Mikrokreditprogrammen aus verschiedensten doch teilweise sehr eingeschränkten und isolierten Perspektiven betrachten.
Um die Dimensionen der Mikrokredite als Finanzierungsinstrument ganzheitlich und möglichst lückenlos erfassen zu können, ist daher das Ziel dieser Arbeit, die Summe derjenigen Faktoren darzustellen, welche sich unmittelbar auf den Mikrokreditmarkt in Deutschland auswirken. Denn erst in Folge dessen kann eine fundierte Bewertung der derzeitigen Entwicklungen des Mikrokreditprogramms erfolgen.
Dazu gehört einleitend neben den historischen Entwicklungen und dem gegenwärtigen Ist-Zustand (Kapitel 2) auch die Einbettung der Mikrokreditbewegung in die relevanten wirtschaftswissenschaftlichen Theorien (Kapitel 3). Die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die wirtschaftspolitischen Motive einer Förderung und Subventionierung der Mikrokreditprogramme sind ebenso maßgebend für die sukzessive Verbreitung in Deutschland (Kapitel 4). Darüber hinaus soll die Systematik des Kreditangebots und der Vergabe dargestellt werden, um die Rollen und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Marktakteuren begreifbar machen zu können (Kapitel 5). Daraufhin wird der Fokus auf die Seite der Nachfrage gelenkt, also auf die potentiellen unternehmerischen Fähigkeiten der Kreditnehmer, deren Gründungsvorhaben und möglichen Erfolg (Kapitel 6).
Erst nach der individuellen Betrachtung dieser Faktoren werden die einzelnen Perspektiven zusammengefasst, um Stärken, Schwächen, Erfolgspotenziale und Risiken der Mikrokreditbewegung in Deutschland zu identifizieren und summarisch beurteilen zu können (Kapitel 7).
Dass dabei die Grenzen einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise der Thematik überschritten werden, ist ein bewusster Weg. Denn der politisch erhoffte und angestrebte Erfolg der Unternehmensgründungen aus Mikrokreditfinanzierungen ist ebenfalls von weitaus mehr als ausschließlich betriebswirtschaftlichen Einflüssen abhängig.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einführung in das Thema | 1 |
| 1.1 | Einleitung und Motivation | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Struktur der Arbeit | 2 |
| 2. | Der Status quo der Mikrokreditbewegung | 4 |
| 2.1 | Definitionen des Begriffs ‘ Mikrokredit’ | 4 |
| 2.1.1 | Definition der Microcredit Summit Campaign | 4 |
| 2.1.2 | Definition der Europäischen Kommission | 5 |
| 2.2 | Allgemeine Charakteristika von Mikrokreditkonzepten | 5 |
| 2.2.1 | Laufzeiten und Tilgung | 5 |
| 2.2.2 | Kreditrisiken und Sicherheiten | 6 |
| 2.2.3 | Sozialpolitische Intentionen | 7 |
| 2.2.4 | Entwicklungsmodelle des Mikrokreditangebots | 8 |
| 2.2.4.1 | Upgrading | 8 |
| 2.2.4.2 | Downscaling | 8 |
| 2.2.4.3 | Greenfieldbanking | 9 |
| 2.2.4.4 | Linkage banking | 9 |
| 2.3 | Abriss der internationalen Entwicklung der Mikrokreditbewegung | 10 |
| 2.3.1 | Historische Ursprünge der Mikrokreditvergabe | 10 |
| 2.3.1.1 | Modelle im europäischen Ausland | 11 |
| 2.3.1.2 | Die Urform von Mikrofinanzierern in Deutschland | 11 |
| 2.3.2 | Revolution in der Entwicklungspolitik | 13 |
| 2.3.2.1 | Die Gründung der Grameen Bank | 13 |
| 2.3.2.2 | Die Institutionalisierung der Mikrokreditbewegung | 14 |
| 2.3.3 | Modifizierte Rückkehr des Mikrokreditkonzepts nach Deutschland | 17 |
| 2.3.3.1 | Die 1980er Jahre | 17 |
| 2.3.3.2 | Die 1990er Jahre | 19 |
| 2.3.3.3 | Die 2000er Jahre | 20 |
| 3. | Relevante wirtschaftswissenschaftliche Theorien zum Mikrokreditkonzept | 22 |
| 3.1 | Gesetz des abnehmenden Grenzertrags | 22 |
| 3.2 | Transaktionskostentheorie | 24 |
| 3.3 | Prinzipal-Agent-Theorie | 25 |
| 3.3.1 | Problematiken einer Prinzipal-Agent-Beziehung | 27 |
| 3.3.1.1 | Adverse Selektion | 27 |
| 3.3.1.2 | Hold-Up Problematik | 28 |
| 3.3.1.3 | Moral Hazard-Problematik | 29 |
| 3.3.2 | Lösungsansätze der Problematiken | 29 |
| 3.3.2.1 | Screening | 30 |
| 3.3.2.2 | Signaling | 30 |
| 3.3.2.3 | Gestaffelte Finanzierung | 31 |
| 3.3.2.4 | Monitoring | 31 |
| 3.3.2.5 | Sicherheiten | 32 |
| 3.3.3 | Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Prinzipal-Agent-Theorie | 32 |
| 3.4 | Entrepreneurship und Innovation | 34 |
| 4. | Rahmenbedingungen des Mikrokreditmarktes in Deutschland | 36 |
| 4.1 | Wirtschaftliche Faktoren | 36 |
| 4.1.1 | Wandel des Arbeitsmarktes und der Selbständigkeit | 38 |
| 4.1.2 | Das gegenwärtige Gründungsgeschehen | 40 |
| 4.1.2.1 | Gründungszahlen und Strukturmerkmale | 40 |
| 4.1.2.2 | Aspekte der Gründungsfinanzierung | 43 |
| 4.1.3 | Alternative Finanzierungsmöglichkeiten | 46 |
| 4.1.3.1 | Selbstfinanzierung | 48 |
| 4.1.3.2 | Eigenfinanzierung | 50 |
| 4.1.3.3 | Fremdfinanzierung | 51 |
| 4.1.3.4 | Förderprogramme | 53 |
| 4.1.3.5 | Zusammenfassung der Finanzierungsalternativen | 56 |
| 4.2 | Rechtlicher Rahmen der Mikrokreditvergabe | 58 |
| 4.2.1 | Europäische Ebene | 58 |
| 4.2.2 | Nationale Ebene | 60 |
| 5. | Die Anbieterseite des Mikrokreditmarktes | 63 |
| 5.1 | Der Mikrokreditfonds Deutschland | 63 |
| 5.2 | Das Deutsche Mikrofinanz Institut | 66 |
| 5.3 | Die GLS-Bank | 67 |
| 5.4 | Akkreditierte Mikrofinanzinstitute in Deutschland | 69 |
| 5.4.1 | Die Aufgaben der Mikrofinanzinstitute | 71 |
| 5.4.2 | Ausfallrisiko und Sicherheiten | 72 |
| 5.4.3 | Die Akkreditierung | 74 |
| 5.4.4 | Regionale Verteilung | 76 |
| 5.5 | Zusammenfassung des Vergabeverfahrens | 78 |
| 6. | Die Nachfragerseite des Mikrokreditmarktes | 80 |
| 6.1 | Potentielles Nachfragevolumen | 80 |
| 6.2 | Die Zielgruppen im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext | 82 |
| 6.2.1 | Gründungen durch Frauen | 83 |
| 6.2.1.1 | Gründungsgeschehen | 83 |
| 6.2.1.2 | Gesellschaftlicher Rahmen | 83 |
| 6.2.1.3 | Gründungscharakteristika | 84 |
| 6.2.1.4 | Finanzierung | 85 |
| 6.2.2 | Gründungen durch Immigranten | 85 |
| 6.2.2.1 | Gründungsgeschehen | 85 |
| 6.2.2.2 | Gesellschaftlicher Rahmen | 86 |
| 6.2.2.3 | Gründungscharakteristika | 87 |
| 6.2.2.4 | Finanzierung | 88 |
| 6.2.3 | Gründungen durch Arbeitslose | 89 |
| 6.2.3.1 | Gründungsgeschehen | 89 |
| 6.2.3.2 | Gesellschaftlicher Rahmen | 89 |
| 6.2.3.3 | Gründungscharakteristika | 90 |
| 6.2.3.4 | Finanzierung | 90 |
| 7. | Kritische Bewertung des Mikrokreditprogramms | 92 |
| 7.1 | Die Bewertung des Vergabesystems | 92 |
| 7.2 | Bewertung der Bevorzugung bestimmter Zielgruppen | 94 |
| 7.3 | Bewertung der Effizienz und Nachhaltigkeit | 95 |
| 7.3.1 | Das Kalkül der Gründer | 96 |
| 7.3.2 | Das Kalkül der Mikrofinanzinstitute | 97 |
| 7.3.3 | Das Kalkül des DMI | 98 |
| 7.3.4 | Das Kalkül der GLS-Bank | 99 |
| 7.3.5 | Das Kalkül des Mikrokreditfonds | 99 |
| 7.3.6 | Das Kalkül der Wirtschaftspolitik | 100 |
| 7.4 | Abschließende Bewertung und Ausblick | 101 |
| Literaturverzeichnis | 103 | |
| Internetquellenverzeichnis | 110 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Rechtlicher Rahmen der Mikrokreditvergabe:
In Kapitel 3 wurden bereits wirtschaftswissenschaftliche Theorien zur Förderung effizienter Programme und zur Bekämpfung von partiellem Marktversagen erläutert. Demnach können gezielte Eingriffe die Effizienz eines Mikrokreditprogramms erhöhen. Werden durch diese Eingriffe jedoch intakte Marktmechanismen gehemmt, können sie auch einen gegenteiligen Effekt bewirken.
Gesetze und Verordnungen haben aus diesem Grund einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Organisation des Mikrokreditangebotes und damit auf die Entwicklung der gesamten Bewegung. Im Folgenden werden daher die auf den Mikrokreditmarkt einflussreichsten rechtlichen Voraussetzungen der EU und Deutschlands dargelegt.
Europäische Ebene:
Im weiteren Sinne finden sich in der EU zwei verschiedene Institutionen, die Mikrokredite anbieten; Banken und Nicht-Banken. Dementsprechend fallen Mikrokredite auch in den Gesetzesrahmen der jeweiligen Institution Die Gesetzgebung für den Bankensektor ist weitestgehend durch das Europäische Bankenrecht reguliert und harmonisiert, während sich die Gesetze für Nicht-Banken als Mikrofinanzierer von Land zu Land stark unterscheiden können.
Ausschlaggebend, ob ein Mikrofinanzierer unter das Bankenrecht der EU fällt, ist dabei die Frage, ob dieser das Recht besitzt, Einlagen seiner Kunden anzunehmen. Mikrofinanzanbieter, die dies betrifft, müssen demzufolge sämtliche Anforderungen des europäischen Bankenrechts erfüllen, wie bspw. Transparenzstandards, Mindestkapitalanforderungen, und Berichtspflichten.
Daher wird in vielen europäischen Ländern dieser Freiraum genutzt, um Programme zu entwickeln, in denen sich Nicht-Banken ausschließlich auf die Kreditvergabe konzentrieren, ohne dass dadurch die Notwendigkeit einer europäischen Banklizenz und den damit verbunden Pflichten besteht. Einige Mitgliedstaaten der EU, darunter auch Deutschland, haben jedoch zumindest teilweise schärfere Bankgesetze als die EU, so dass in diesen Staaten bereits das Kreditgeschäft nur durch lizensierte Banken vollzogen werden darf.
Außerdem existieren wie in Deutschland auch in einigen anderen Staaten Gesetze und Vorschriften zu Zinsdeckeln, um Verbraucher und Kreditnehmer vor Überschuldung und räuberischer Kreditvergabe zu schützen. Eine Zinsobergrenze erschwert allerdings die Effizienz und Nachhaltigkeit von Mikrokreditprogrammen, da die höheren relativen Kosten der Kreditvergabe nicht über den Effektivzins auf die Antragsteller übertragen werden können.
Die Lizensierungs- und Genehmigungsverfahren für Mikrokreditinstitute unterscheiden sich in Folge dessen von Staat zu Staat und die Bandbreite der verschiedenen Mikrofinanzinstitute reicht von Wohltätigkeitsorganisationen über Genossenschaftsbanken bis hin zu privaten Geschäftsbanken.
Der daraus resultierende Mangel an Regulierung und Aufsicht durch Institutionen der EU bedeutet jedoch nicht zwangsweise eine Hemmnis für die Entwicklung der Mikrokreditprogramme. Wahrscheinlich ist aus Kostenvorteilen sogar eher das Gegenteil der Fall. So wurde z.B. das französische Mikrokreditprogramm erst durch die Abschaffung des verpflichtenden Zinsdeckels entscheidend beschleunigt und effizienter gestaltet.
Nationale Ebene:
Gewerbliche Mikrofinanzierer, die in Deutschland nicht als Bank lizensiert sind, dürfen zwar als Intermediär, jedoch nicht als Kreditgeber tätig werden. Denn im Sinne der Begriffsbestimmung aus § 1 des Kreditwesengesetzes (KWG) sind gewerbsmäßige Unternehmen, die Gelddarlehen gewähren, zu den Kreditinstituten zu zählen und benötigen zur legalen Ausführung ihrer Geschäfte nach § 32 Abs.1 KWG eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht (BaFin).
Um diese Erlaubnis und damit das Recht der Kreditvergabe zu erhalten, sind hohe Markteintrittsbarrieren zu bewältigen. Laut § 33c KWG beträgt das Anfangskapital für Finanzdienstleistungsinstitute, also Mikrofinanzierern, die auf eigene Rechnung Kredite vergeben, mindestens 730.000 €. Sollten Mikrofinanzierer ihr Geschäft zudem auf Einlagen ihrer Kunden ausweiten, ist sogar ein Anfangskapital von mindestens 5 Mio. € eine Pflichtvoraussetzung. Sämtliche weitere Pflichten, die ein Kreditinstitut in Deutschland zu erfüllen hat, wie bspw. Transparenz- und Berichtspflichten würden damit auch für eine solche Form von Mikrofinanzinstituten gelten.
Durch diese Markteintrittsbarrieren wurde das Wachstum des deutschen Mikrokreditmarktes im Vergleich zu anderen Staaten in den vergangenen Jahren stark gebremst. Denn private Initiativen dürfen ohne die gesetzlich geforderten Ausstattungen oder ohne die Kooperation mit einem bereits bestehenden Kreditinstitut keine verzinsten Kredite vergeben. Modelle, wie das der Grameen Bank, deren Ursprünge in einer durch Studenten organisierten Kreditvergabe liegen, wären deshalb in Deutschland aufgrund der genannten Rechtslage von vornherein nicht möglich.
Dennoch hätte sich allein unter diesen Umständen der Mikrokreditmarkt in Deutschland schneller entwickeln können, da bereits existierende Kreditinstitute die Vergabe hätten übernehmen und die verhältnismäßig höheren Transaktionskosten und Kreditrisiken durch einen entsprechend hohen Zinssatz effizient kompensieren können.
Die Grenzen eines wirtschaftlich angemessenen Effektivzinses bei der Mikrokreditvergabe werden jedoch durch die praktische Auslegung des § 138 BGB zu sittenwidrigen Rechtsgeschäften und Wucher gesetzt. Zwar lässt dieser Paragraph viele Interpretationen zu einem angemessenen Höchstzins, wobei die Vielzahl der verschiedenen Kreditformen eine Beurteilung von Zinswucher zusätzlich erschwert, doch als allgemeine Orientierung zu dieser Bewertung wird in der Praxis der marktübliche Zins als Vergleichsmaßstab herangezogen.
Ein wirtschaftlich effizienter Zins würde jedoch gerade zu Beginn eines Mikrokreditprogramms mit hoher Wahrscheinlichkeit das Vielfache des Marktzinses betragen, so dass der Verdacht eines sittenwidrigen Zinssatzes entstehen könnte. Während also in der Entwicklungspolitik Zinssätze von über 20% die Regel darstellen und erst dadurch eine wirtschaftliche Mikrokreditvergabe aus Sicht der Finanzierer erreichbar erscheint, würde die Einführung eines solchen Mikrokredits dem allgemeinen Ruf einer Bank in Deutschland wahrscheinlich nicht dienlich sein und könnte sogar rechtliche Konsequenzen zur Folge haben.
Trotz der gesetzlichen Regulierung des Kredit- und Einlagengeschäfts sowie einer Höchstgrenze von Zinssätzen, gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Pflichten zu den Varianten einer Kreditbesicherung. Weder das KWG oder das BGB, noch die Solvabilitätsverordnung regulieren, welche Kreditsicherheiten akzeptabel oder ab welchen Konditionen sie in das Geschäft zu integrieren sind. Daher besitzen auch Mikrofinanzinstitute in Deutschland alle Freiheiten, ob und welche Sicherheiten sie von ihren Kunden verlangen wollen.
Um zudem die Finanzierung von Mikrokrediten zu vereinfachen, wurde am 08.11.2007 eine Änderung des Investmentgesetzes (InvG) durch den Bundestag verabschiedet. Dadurch haben nun auch Privatanleger mehr Möglichkeiten, relativ geringe Beträge in Mikrokreditfonds zu investieren. Bis dahin war dies nur institutionellen Anlegern oder sehr finanzstarken Privatpersonen mit einer Mindestanlage von 1 Mio. € möglich, da Publikumsfonds nur zu einem sehr geringen Teil unverbriefte Anleihen, wie Mikrokredite enthalten durften. Durch die Gesetzesänderung dürfen nun aber 75% eines Mikrokreditfonds unverbrieft sein. Die Wirkungen dieser Änderung beziehen sich derzeit allerdings lediglich auf Investitionen in ausländische Fonds, da der Mikrokreditfonds Deutschland ausschließlich durch öffentliche Gelder finanziert wird. Doch langfristig kann dadurch auch die Finanzierung deutscher Fonds erleichtert werden.
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http://www.diplom.de/ean/9783842804494
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Kaminski, Christoph August 2010: Mikrokredite als Instrument der Gründungsfinanzierung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
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