Die Migration indischer Gastarbeiter in die Vereinigten Arabischen Emirate
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Holger Simon
- Abgabedatum: Oktober 2008
- Umfang: 124 Seiten
- Dateigröße: 17,3 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- Bibliografie: ca. 96
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2585-2
- ISBN (CD) :978-3-8366-2585-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Simon, Holger Oktober 2008: Die Migration indischer Gastarbeiter in die Vereinigten Arabischen Emirate, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Migration, Vereinigte Arabische Emirate, Gastarbeiter, Arbeitsmigration, Indien
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Magisterarbeit von Holger Simon
Einleitung:
Seit Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts erleben die Erdöl fördernden Länder am persischen Golf aufgrund ihrer Einnahmen durch Erdölverkäufe einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind einer dieser Golfstaaten, welche innerhalb weniger Jahre über große Kapitalmengen verfügen konnten und diese in den Aufbau von Wirtschaft und Infrastruktur investierten. Der daraus entstehende Bedarf an qualifizierten oder unqualifizierten Arbeitskräften konnte nicht annähernd aus den Reihen der einheimischen Bevölkerung gedeckt werden und so rekrutierte die emiratische Regierung die nötigen Arbeiter aus arabischen und ostasiatischen Ländern. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein Migrationsstrom, welcher bis heute anhält und dazu geführt hat, dass die VAE derzeit das Land (bei Ländern über 1 Mio. Einwohner) mit dem größten Migrantenanteil weltweit sind. Arbeitskräfte aus Indien stellen seit den 80 er Jahren die anteilig größte Fremdpopulation in den VAE dar.
Alle Theorien, welche das soziale Phänomen Migration zu begründen versuchen, gehen von einem Einfluss bestimmter Rahmenbedingungen auf die Entstehung von Migration und das Migrationsvolumen aus. Am Beispiel der Arbeitsmigration indischer Gastarbeiter in die VAE sollen in der vorliegenden Arbeit die relevanten Bedingungen, welche eine Migration auslösen und aufrechterhalten, beleuchtet werden. Die wirtschaftlich unterschiedlichen Gegebenheiten von Herkunfts- und Zielregion, welche sich in der Ausprägung eines Lohngefälles widerspiegeln, sind laut neoklassischer Migrationstheorie die wichtigsten Auslösefaktoren für eine Wanderungsbewegung. Auf Grundlage der durch diese formulierten Thesen, sollen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowohl für das Zielland die VAE, als auch für das Hauptherkunftsland Indien am Beispiel des südindischen Bundesstaates Kerala herausgearbeitet werden. Für die VAE wird dabei die Verkettung von Einnahmen durch Erdölverkäufe mit getätigten Investitionen und der darauf folgenden Nachfrage nach Arbeitskräften untersucht werden. Für das Beispiel Kerala wird die außergewöhnlich hohe Arbeitslosigkeit, welche lange Zeit in diesem indischen Bundesstaat herrschte mit wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen in Zusammenhang gebracht. Außerdem werden die auf Migration Einfluss nehmenden sozialen und demografischen Faktoren des Bundesstaates herausgearbeitet.
Neben den wirtschaftlichen Bedingungen soll auch der durch die Bestimmungen von Herkunfts- und Zielland abgesteckte gesetzliche Rahmen betrachtet werden. Bei der Auswertung der Veränderungen des Migrationsvolumens wird dem Einfluss von Gesetzlichkeiten sowohl im Zielland als auch im Herkunftsland Rechnung getragen.
Die Erkenntnisse dieser Untersuchungen werden am Ende der Arbeit in eine Evaluation der Erklärungspotentiale zweier verschiedener Theorien zur Migration einfließen. Es soll geprüft werden, wie umfassend jede dieser beiden Theorien in der Lage ist, eine Erklärung für das Einsetzen und den Fortbestand der Migration aus Indien in die VAE zu liefern.
Ein zweiter Fokus der Arbeit liegt auf einem ausgewählten Phänomen des emiratischen Arbeitsmarktes, welches in jüngster Zeit, im Jahre 2007, durch die Ausrufung einer landesweiten Amnestie massiv in die Schlagzeilen der emiratischen Gazetten geriet. Es handelt sich um die große Zahl an Gastarbeitern, welche sich ohne Aufenthaltsgenehmigung illegal im Land aufhalten. Der Entstehung dieser großen Gruppe an illegalen Gastarbeitern liegen bestimmte politische Strukturen zugrunde, deren Herausarbeitung die zweite Zielstellung dieser Arbeit bilden soll. Bei der Verfolgung dieser Zielstellung werden die mit dieser Thematik in engem Zusammenhang stehenden Varianten des formellen und informellen Zugangs zum Arbeitsmarkt der VAE herausgearbeitet und ihr jeweiliger Anteil am Zustandekommen dieser Situation bewertet. Ausführlich werden hierbei das Bürgschaftssystem, die Tätigkeit der Arbeitsvermittlungsagenten und die Einreise mit Touristen- oder Besuchsvisum behandelt.
Über diese genannten Hauptzielstellungen hinaus sollen dem Leser Einblicke in die Geschichte sowie in allgemeine Abläufe, Aspekte, Strukturen und Charakteristika der Arbeitsmigration von Indien nach den VAE gewährt werden.
Hilfreich für die Erlangung von aktuellen Informationen war eine vom Autor durchgeführte Feldforschung hauptsächlich im Emirat Dubai. Die Feldforschung umfasste vier Experteninterviews und eine an fünfundzwanzig indischen Migranten mittels eigens erstelltem Fragebogen durchgeführte Befragung.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS, GRAFIKVERZEICHNIS | 4 | |
| TABELLENVERZEICHNIS, INTERVIEWVERZEICHNIS | 5 | |
| EINLEITUNG | 6 | |
| 1 | THEORETISCHER RAHMEN ZU MIGRATIONSPROZESSEN | 8 |
| 1.1 | EINFÜHRUNG ZUR THEORIE | 8 |
| 1.2 | MAKROTHEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE | 9 |
| 1.2.1 | MAKROANSATZ DER NEOKLASSISCHEN MIGRATIONSTHEORIE | 10 |
| 1.2.2 | THEORIE DES DUALEN ARBEITSMARKTES NACHMICHAEL J. PIORE | 11 |
| 1.2.3 | WELTSYSTEMTHEORIE NACH IMMANUEL WALLERSTEIN | 12 |
| 1.3 | MIKROTHEORETISCHEANSÄTZE DER MIGRATIONSFORSCHUNG | 13 |
| 1.3.1 | MIKROANSATZ DER NEOKLASSISCHEN MIGRATIONSTHEORIE | 14 |
| 1.3.2 | DIE „NEUE MIGRATIONSTHEORIE“ | 14 |
| 1.3.3 | SEU (SUBJECTIVE-EXPECTED-UTILITY)- MODELL | 15 |
| 1.4 | BESCHRIEBENE PHÄNOMENE DER NEUEREN MIGRATIONSFORSCHUNG | 16 |
| 1.4.1 | TRANSNATIONALE MIGRATION | 16 |
| 1.4.2 | MIGRATIONSSYSTEME | 16 |
| 1.4.3 | SOZIALE NETZWERKE UND SOZIALES KAPITAL | 17 |
| 1.4.4 | KETTENMIGRATION | 17 |
| 1.5 | DER INTEGRIERENDE HANDLUNGSTHEORETISCHE MIGRATIONSANSATZ NACH HARTMUT ESSER | 18 |
| 2. | GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG DER MIGRATION AUS INDIEN IN DIE ARABISCHEN GOLFSTAATEN IM ALLGEMEINEN UND DIE VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE (VAE) IM SPEZIELLEN | 24 |
| 2.1 | DIE GESCHICHTE UND ENTSTEHUNG VON ARBEITSMIGRATION IN DER GOLFREGION | 24 |
| 2.2 | ARBEITSMIGRATION IN DIE VAE | 27 |
| 2.3 | INDIEN ALS EMIGRATIONSLAND | 31 |
| 2.4 | DIE EMIGRATION VON INDERN IN DIE GOLFREGION UND DIE VAE | 35 |
| 3. | WIRTSCHAFTLICHE UND POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN DES MIGRATIONSPROZESSES | 40 |
| 3.1 | DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN VAE UND DIE VERBINDUNG ZUR IMMIGRATION | 40 |
| 3.2 | DIE WIRTSCHAFTLICH / SOZIALE SITUATION IN INDIEN AM BEISPIEL KERALA UND SEINE VERBINDUNG ZUR EMIGRATION | 46 |
| 3.3 | DIE IMMIGRATIONSGESETZGEBUNG DER VAE | 49 |
| 3.4 | DAS BÜRGENSYSTEM IN DEN VAE (ARABISCH: KAFALA) | 51 |
| 3.5 | INDISCHE GESETZGEBUNG ZUR EMIGRATION IN DIE VAE (BZW. ANDERE GOLFSTAATEN) | 54 |
| 3.6 | CHARAKTERISTISCHE MERKMALE DER INDISCHEN GOLFMIGRANTEN | 57 |
| 4. | DIE FELDFORSCHUNG | 62 |
| 4.1 | ZIEL UND FRAGESTELLUNG DER FELDFORSCHUNG | 62 |
| 4.2 | ZIELGRUPPEN UND METHODEN DER FELDFORSCHUNG | 63 |
| 4.3 | ERGEBNISSE VON FELDARBEIT UND FRAGEBOGEN | 65 |
| 5. | DER MIGRATIONSPROZESS: ABLÄUFE UND MUSTER | 69 |
| 5.1 | DIE REKRUTIERUNG INDISCHER GASTARBEITER. STRUKTUREN UND ENTWICKLUNG | 69 |
| 5.2 | DIE FUNKTIONSWEISE UND BEDEUTUNG VON NETZWERKEN BEI DER MIGRATION | 78 |
| 5.3 | DIE BEDEUTUNG DER BÜRGEN FÜR EINE INFORMELLE EINREISE AUS INDIEN | 80 |
| 5.4 | DIE ENTSTEHUNG VON ILLEGALITÄT | 81 |
| 5.5 | AKTUELLE MAßNAHMEN ZUR BEKÄMPFUNG VON ILLEGALITÄT | 85 |
| 6. | VERDIENSTE VOR ALS AUCH NACH DER MIGRATION UND DIE PRAXIS DER LOHNZURÜCKHALTUNGEN IN DEN VAE | 88 |
| 6.1 | LOHNZURÜCKHALTUNGEN IN DEN VAE | 88 |
| 6.2 | DIE HÖHE DER LÖHNE IN DEN VAE | 90 |
| 6.3 | DIE HÖHE DER LÖHNE IM HERKUNFTSLAND INDIEN UND SPEZIELL IN KERALA | 91 |
| 6.4 | DAS ANREIZPOTENTIAL DER LÖHNE IN DEN VAE | 93 |
| 7. | DIE RÜCKÜBERWEISUNGEN NACH INDIEN UND DEREN EFFEKTE IM BUNDESSTAAT KERALA | 95 |
| 7.1 | DIE RÜCKÜBERWEISUNGEN NACH KERALA | 95 |
| 7.2 | RÜCKÜBERWEISUNGEN ALS GRUNDLAGE WIRTSCHAFTLICHER VERÄNDERUNGEN IMBUNDESSTAAT KERALA | 97 |
| 8. | ERKLÄRUNGSPOTENTIALE DES MAKROANSATZES DER NEO-KLASSISCHEN MIGRATIONSTHEORIE SOWIE DES HANDLUNGS-THEORETISCHEN ANSATZES NACH HARTMUT ESSER | 101 |
| 8.1 | ERKLÄRUNGSPOTENTIALE DER NEOKLASSISCHEN MIGRATIONSTHEORIE | 101 |
| 8.2 | ERKLÄRUNGSPOTENTIALE DES HANDLUNGSTHEORETISCHEN ANSATZES NACH HARTMUT ESSER | 104 |
| ZUSAMMENFASSUNG | 109 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 113 | |
| VERZEICHNIS DER INTERNETQUELLEN | 116 | |
| VERZEICHNIS DER ZEITUNGSARTIKEL | 119 | |
| ANHANG (FRAGEBOGEN) | 120 |
Textprobe:
Kapitel 5.2, Die Funktionsweise und Bedeutung von Netzwerken bei der Migration:
Wie schon im theoretischen Teil, insbesondere im Abschnitt 1.4. gezeigt, spielen persönliche Beziehungen und Netzwerke eine bedeutende Rolle speziell für den Erhalt und das Wachsen von Migrationsströmen. Der folgende Abschnitt soll die Funktionsweise solcher Netzwerke am konkreten Beispiel, der Arbeitsmigration indischer Gastarbeiter nach den VAE, beleuchten. Es soll deren fundamentale Bedeutung für den Migrationsprozess verdeutlicht werden.
Die Neurekrutierung von Arbeitskräften funktionierte in den Anfangszeiten der Arbeitsmigration in die Golfregion, also bis zum Beginn der 70er Jahre, fast ausschließlich über persönliche Netzwerke wie Freunde und Familie. Der Arbeitgeber wandte sich mit seinem Gesuch nach zusätzlichen Arbeitskräften an einem vertrauenswürdigen Arbeitnehmer, welcher daraufhin versuchte, aus dem Kreise seiner Bekanntschaft und Verwandtschaft neue Arbeitnehmer anzuwerben. „In fact almost four-fifth of the total number of migrants receive information about employment possibilities abroad from this [friends and relatives] source.“ Der bereits migrierte Arbeitnehmer fungierte dabei meist als Überbringer der notwendigen Visa oder der NOC (No Objection Certificate z.B. für Bahrain). Nur durch das Wirken dieser Art von Netzwerken ist es zu erklären, dass in Indien sogenannte „Gulf Enclaves“ oder „Mini Gulf“ genannte Gebiete entstehen konnten, die sich durch ihren äußerst hohen Anteil an Migrationsbeziehungen in die Golfstaaten auszeichnen. „In Kerala the „Gulf Enclaves“ of Tiruvalia, Chavakkhad, Tirur, Varkala, Kasanakotta etc. are examples of this active network system” Für jeden Bewohner dieser Regionen ist die Möglichkeit, zeitweise in einem der Golfstaaten zu arbeiten, eine real existierende Chance und Handlungsalternative, allein schon deshalb, weil in der Region massenhaft (positive) Vorbilder unter den bereits Zurückgekehrten existieren, von denen Informationen und Unterstützung erhalten werden können. Die Lösungen für eventuell auftretende Probleme und viele hilfreiche Tricks gehören hier zum Informations-Allgemeingut. Ebenso sind die Beziehungen, die die Bezugspersonen zu Arbeitgebern im Golf haben, sehr bedeutend. In den oben genannten Enklaven, aber nicht nur dort, nimmt die Verwendung von persönlichen Netzwerken, trotz dem ab Mitte der 70er Jahre vermehrten Aufkommen von Vermittlungsagenten bis heute eine dominante Rolle ein. Derartige Beziehungen erlangen auch dann eine herausragende Bedeutung, wenn der Migrant im Golfstaat, in diesem Beispiel der VAE, anlangt. Im Falle, dass der Migrant bereits über alle notwendigen Papiere und das Arbeitsvisum verfügt und er deren Hilfe dafür nicht benötigt, können ihm Verwandte und Bekannte vor Ort allerlei nützliche Informationen über Abläufe und Strukturen liefern. So bleiben dem Neuankömmling Fehler und damit Zeit und Geld erspart. Unterstützung erfährt der Migrant häufig dadurch, dass er, selbst wenn es nur vorübergehend ist, den Wohnraum bei Freunden oder Verwandten nutzen kann. Besondere Bedeutung erhält diese Art von Hilfe in Fällen, in denen der Migrant mit einem Touristenvisum eingereist ist und noch kein Arbeitsverhältnis eingegangen ist. Der Anteil dieser Gruppe lag laut ZPR-Studie bei 17 % und laut Befragung des Autors bei knapp 50 %. Die Reise in die VAE ist mittels eines Touristenvisums auch den Indern möglich, die im Normalfalle die Migrationserlaubnis der indischen Regierung einholen müssten. Diese lassen sich im Reisepass einen Vermerk anbringen, welcher sie als Nichtarbeitssuchende ausweist, was sie aber nicht daran hindert, sofort nach Ankunft in den VAE auf Arbeitssuche zu gehen. Diese Suche erfolgt in den meisten Fällen mit Hilfe persönlicher Beziehungen vor Ort. Hat der Suchende Arbeit gefunden, muss er das Land verlassen, um erneut mit einem Arbeitsvisa, welches der Arbeitgeber oder Bürge organisiert hat, einzureisen.
Die Hauptfunktionen von indischen Migrationsnetzwerken in die VAE liegen zunächst in der Übertragung, Lieferung, Bereitstellung von Informationen, weiterhin in der Hilfe bei der Akquise von Arbeit durch das Vermitteln eines Arbeitsvertrages für Freunde und Bekannte und darüber hinaus in der Gewährung materieller Hilfe, etwa durch Schenkungen, Leihgaben oder dem Einräumen von Nutzungsrechten (z.B. Wohnung in den VAE).
Die Bedeutung der Bürgen für eine informelle Einreise aus Indien:
Nach der Behandlung der Abläufe bei der Rekrutierung von Arbeitskräften mittels Agenten, als Beispiel für einen formellen Weg der Migration, soll nun ein weiterer sehr bedeutender Weg der Einreise indischer Arbeiter in die VAE und die Golfstaaten beschrieben werden. Grundlage bildet das im Abschnitt 3.4. beschriebene, in den VAE und allen anderen Golfstaaten installierte, System der Bürgschaftsübernahme. Es beinhaltet das Recht eines einheimischen Bürgen, einen Antrag auf Arbeitskräfte bzw. zusätzliche Arbeitskräfte bei der Visakommission des Arbeitsministeriums zu stellen. In vielen Fällen benötigt dieser selbst aber keine zusätzlichen Arbeiter, sondern er verkauft die Arbeitsvisa an Migranten, welche mit Touristenvisa eingereist sind oder sich noch in Indien befinden. Diese suchen sich nun mit dem „open visa“ selbst eine Arbeit. Verlängert sich dieser Prozess, weil der Arbeiter zum Beispiel statt einer Festanstellung nur Gelegenheitsarbeiten findet, so ist er nach Ablauf des nur 60 Tage gültigen Visums gezwungen, den Bürgen des Visums regelmäßig dafür zu bezahlen, ihn nicht anzuzeigen. Gesetzlich wäre der Arbeiter gezwungen, nach Ablauf des Visums das Land zu verlassen. Die Anzahl an auf diese Weise in die Golfländer gelangten Inder war (und ist wahrscheinlich immer noch) bedeutend. „(…)a sample survey conducted among returned migrants in Kerala during mid 1980´s revealed that about 75 percent of them had gone to the Middle East without formal contracts(...)” Es ist zu vermuten, dass ein bedeutender Teil dieser 75 % von Migranten nicht in der Lage war, nach ihrer Einreise ohne gültigen Arbeitsvertrag eine feste Anstellung zu finden. Eine weitere Variante aus diesen Arbeitern Profit herauszuschlagen, ist das Verleihen an Andere die deren Arbeitskraft benötigen. Für die Bürgen ist es keine unbedeutende Geldquelle, wenn sie entweder von einer Anzahl (indischer) Arbeiter monatlich einen Teil von deren Lohn als Schweigegebühr oder aber eine Leihgebühr von anderen Arbeitgebern erhalten. Das gezielte „Verkaufen“ von teuren Bürgschaften an Migranten, deren Visa abgelaufen sind, ist gängige Praxis.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836625852
Arbeit zitieren:
Simon, Holger Oktober 2008: Die Migration indischer Gastarbeiter in die Vereinigten Arabischen Emirate, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Migration, Vereinigte Arabische Emirate, Gastarbeiter, Arbeitsmigration, Indien



