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Migration in Europa am Beispiel der Integration von türkischen Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland

Migration in Europa am Beispiel der Integration von türkischen Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Christian Böß
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 57 Seiten
  • Dateigröße: 685,5 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 28
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9899-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9899-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9899-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Böß, Christian August 2006: Migration in Europa am Beispiel der Integration von türkischen Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Migration, Integration, Innenpolitik, Einwanderung, Europäische Union

MA-Thesis / Master von Christian Böß

Einleitung:

Die Migration der türkischen Bürger nach Deutschland hat mit den Anwerbevereinbarungen 1961 begonnen. Zunächst ging die Bundesregierung davon aus, dass die türkischen Arbeitsmigranten das Land wieder verlassen werden, wenn ihre Erwerbstätigkeit hier beendet ist.

Jedoch zeigte sich im Zuge des Anwerbestopps von 1973, dass dies nicht der Fall ist, sondern die türkischen Bürger sogar ihre Familienangehörigen aus der Türkei nach Deutschland nachkommen ließen. Mit der Integration dieser Menschen hatte sich die Bundesregierung zum damaligen Zeitpunkt noch nicht auseinandergesetzt, was zur Folge hatte, dass in Großstädten zunehmend Viertel entstanden, die vorwiegend von türkischen Bürgern bewohnt wurden.

Die aktuelle Lebenssituation der türkischen Bürger in Deutschland, beschrieben durch die Bereiche Kindeserziehung, Sprachkompetenz, Bildung, Familienleben, Arbeitsmarkt, Wohnsituation, gesundheitliche Versorgung sowie Senioren, zeigt, dass sich im Laufe der Jahre deren Lebensumstände verbessert haben. Jedoch entsprechen sie nach wie vor nicht denen der deutschen Bürger oder denen anderer ausländischer Bevölkerungsgruppen in Deutschland. Dies resultiert hauptsächlich daraus, dass die türkischen Bürger oftmals über nicht ausreichende deutsche Sprachkenntnisse sowie mangelnde (Schul-) Bildungsabschlüsse verfügen, die ihnen u. a. den Zugang zum Arbeitsmarkt erheblich erschweren.

Durch das am 01.01.2005 in Kraft getretene Aufenthaltsgesetz hat es sich die Politik zum ersten Mal zur Aufgabe gemacht, Zuwanderer aus dem Ausland, und damit auch türkische Bürger, in Deutschland zu integrieren. Dies soll zunächst durch eine gesetzlich vorgeschriebene Teilnahme an Integrationskursen erfolgen. In diesen bekommen die türkischen Bürger neben Kenntnissen der deutschen Sprache auch Wissen über die deutsche Geschichte, Kultur, Politik, Normen und Werte vermittelt. Neben diesem Kursangebot sollen zahlreiche weitere Integrationsmaßnahmen und Verbundprojekte auf Landes- und Kommunalebene dafür sorgen, dass sich die türkischen Bürger möglichst schnell in Deutschland eingliedern.

Der am 14.07.2006 stattgefundene Integrationsgipfel zeigt aktuell, dass das Initiieren und Etablieren einer konstruktiven Einwanderer- und Integrationspolitik derzeit zu den Hauptaufgaben der Bundesregierung gehört.

Ein möglicher EU-Beitritt der Türkei hätte dagegen zur Folge, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Integrationsmaßnahmen die türkischen Bürger nicht mehr erreichen würden, da für sie in diesem Fall die Freizügigkeitsregelungen der EU gelten.

Gang der Untersuchung:

Nach einer Definition der für diese Masterarbeit relevanten Begriffe wird zunächst die Migration von türkischen Bürgern nach Deutschland ab 1961 bis heute dargestellt werden. Dabei werden folgende Fragen beantwortet:

Aus welcher Motivation heraus sind türkische Bürger nach Deutschland emigriert?

Gab es in Deutschland von Beginn der Migration an Bestrebungen, die türkischen Bürger zu integrieren?

Gibt es gesetzliche Vorschriften, die türkische Bürger auf dem deutschen Arbeitsmarkt privilegieren?

Im Anschluss wird die derzeitige Situation der türkischen Bürger in Deutschland unter Berücksichtigung der folgenden Probleme dargestellt:

Gibt es Besonderheiten in der Art, wie die Kinder türkischer Bürger erzogen werden?

Welche Unterschiede gibt es in der deutschen Sprachkompetenz der türkischen Bürger?

Über welches Bildungsniveau verfügen die verschiedenen Generationen türkischer Bürger?

Sind türkische Bürger auf dem deutschen Arbeitsmarkt integriert?

Wie gestaltet sich die Situation für türkische Bürger auf dem Wohnungsmarkt?

Gibt es besondere Schwierigkeiten im Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung von türkischen Bürgern?

Wie leben türkische Senioren in Deutschland?

Danach werden die Strategien zur Integration von türkischen Bürgern unter Bearbeitung der folgenden Aspekte dargestellt:

Mit welchen Integrationsangeboten versorgen deutsche Organisationen, Institutionen, Vereine und Verbände türkische Bürger?

Welche Ziele hat sich die Integrationsarbeit in Deutschland gesetzt?

Kann interkulturelle Kompetenz bei der Integration von türkischen Bürgern hilfreich sein und was kann sie in dieser Beziehung leisten?

Neben einem Fazit wird abschließend noch kurz die Frage erörtert, wie sich ein eventueller EU-Beitritt der Türkei auf die Integration der türkischen Bürger in Deutschland auswirken könnte.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
1.1 Problemstellung 4
1.2 Aufbau der Arbeit 4
1.3 Eingrenzung des Themas 5
1.4 Das AGIL-Schema 5
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Wie wird der Begriff „Bürger“ definiert? 6
2.2 Was ist mit der Integration von Bürgern gemeint? 7
2.3 Worin besteht der Unterschied zwischen der Integration und der Assimilation von türkischen Bürgern? 7
2.4 Wann spricht man von „Interkultureller Kompetenz“ und wodurch kann sie erworben werden? 8
3. Die Zuwanderung von türkischen Bürgern nach Deutschland von den 60er Jahren bis heute 9
3.1 Die Anwerbevereinbarungen ab 1961 zwischen Deutschland und der Türkei 9
3.2 Welche Konsequenzen hatte der Anwerbestopp von 1973 für die türkischen Bürger? 10
3.3 Mit welchen Auswirkungen war der Nachzug der Familienangehörigen aus der Türkei nach Deutschland verbunden? 10
3.4 Durch welche rechtlichen Vorschriften wurden türkische Bürger bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in Deutschland privilegiert? 11
3.5 Zwischenergebnis 13
4. Die aktuelle Situation türkischer Bürger in Deutschland erläutert an Beispielen 14
4.1 Wie werden die Kinder türkischer Bürger erzogen? 14
4.2 Die Sprachkompetenz der türkischen Bürger 18
4.3 Welche Unterschiede gibt es im Bildungsniveau türkischer Eltern und ihrer Kinder? 21
4.4 Die unterschiedlichen Familientypen bei türkischen Bürgern 22
4.4 Welchen Zugang haben türkische Bürger zum Arbeitsmarkt in Deutschland? 27
4.6 Wie ist die Wohnsituation türkischer Bürger in Deutschland? 30
4.7 Wie erfolgt die gesundheitliche Versorgung von türkischen Bürgern? 32
4.8 Die Situation der türkischen Senioren 34
4.8 Zwischenergebnis 36
5. Strategien zur Integration von türkischen Bürgern in Deutschland 38
5.1 Darstellung, Inhalte sowie Ziele der Integrationskurse und deren Umsetzung auf Ebene der Bundesländer und Kommunen 38
5.2 Weitere Integrationsangebote für türkische Bürger 41
5.2 Was kann interkulturelle Kompetenz für die deutsche Aufnahmegesellschaft und für die türkischen Bürgern im Rahmen des Integrationsprozesses leisten? 44
5.4 Zwischenergebnis 46
6. Fazit und Ausblick 47
6.1 Präsentation der erarbeiteten Ergebnisse 47
6.2 Könnte ein möglicher EU-Beitritt der Türkei die Integration von türkischen Bürgern zukünftig erleichtern? 51
7. Abkürzungsverzeichnis 53
8. Literaturverzeichnis 54
9. Erklärung 56

Automatisiert erstellter Textauszug:

Als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbständige und ihre Angehörigen spielen türkische Bürger eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehen. Sie schaffen Arbeitsplätze und zahlen außerdem Steuern und Beiträge zu den Sozialversicherungssystemen.38 Dennoch ist die strukturelle Integration bzw. Stellung auf dem Arbeitsmarkt bei den türkischen Bürgern von allen ausländischen Gruppen in Deutschland am geringsten ausgeprägt bzw. fortgeschritten. Vergleichsweise häufig sind sie als un- oder angelernte Arbeiter beschäftigt, sie haben seltener höhere schulische oder berufliche Qualifikationen und sind wesentlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Deutsche oder andere ausländische Herkunftsgruppen. Die Erwerbsquote von türkischen Bürgern lag im Jahr 2000 bei 60 %. Im Vergleich dazu betrug die von Deutschen und von Ausländern aus anderen Anwerbestaaten jeweils 71 %. Bei den weiblichen Personen haben türkische Frauen eine besonders niedrige Erwerbsquote von 41 %, während die der deutschen Frauen mit 64 % wesentlich darüber liegt. Eine geringe schulische und berufliche Qualifikation und die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten bei der Beschäftigungssuche könnten Ursachen für die geringe Erwerbsquote jüngerer türkischer Frauen sein. Allerdings kommt im Vergleich zu türkischen Männern und deutschen Frauen auch das generative Verhalten zum Tragen. Unabhängig von der Nationalität haben erziehende Mütter in Deutschland größere Schwierigkeiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Allerdings heiraten türkische Frauen in einem jüngeren Alter als deutsche Frauen, ferner ist der Anteil von Verheirateten unter jüngeren Türkinnen höher als bei jüngeren deutschen Frauen und ihre Familien bzw. die Kinderzahl ist durchschnittlich größer. Weiterhin muss man berücksichtigen, dass die Teilzeitarbeit bei türkischen Frauen nicht im selben Maß verbreitet ist wie bei deutschen Frauen.39 [...]

Ein Schwerpunkt liegt in den modernen türkischen Familien auf der Individualität. Im Gegensatz zur Gesamtheit des familiären Verbands stehen hier die Verwirklichung der Persönlichkeit und die Bewahrung der eigenen Interessen im Vordergrund, was zu vielen Konflikten und Auseinandersetzungen führt. In diesem Zusammenhang werden immer wieder neue Lösungsversuche unternommen und Weiterentwicklungen angestrebt. Während es einerseits Paare gibt, die eher versuchen, ihre Probleme unter sich zu lösen und die Privatsphäre zu wahren, gibt es andererseits auch Paare, die Freunde bzw. Freundinnen sowie Bekannte bei der Lösung ihrer Konflikte mit einbeziehen. Eltern und Schwiegereltern der modernen Paare haben in diesen Beziehungen oft kaum Platz. Sie werden vor allem aus den Konflikten herausgehalten.37 4.5 Welchen Zugang haben türkische Bürger zum Arbeitsmarkt in Deutschland? [...]

Druck setzt und eine Trennung erschwert. Vor allem die Frauen würden in erster Linie Nachteile erleiden, wenn sie sich von ihren Männern trennen, da ihr Ansehen und ihre gesellschaftliche Stellung sinken würden und man sie für das Scheitern der Ehe verantwortlich machen würde. Die Aufteilung der Rollen in der Ehe ist einerseits durch traditionelle Vorstellungen und durch ein pragmatisches Durchbrechen dieser Vorstellungen andererseits geprägt. Obwohl sich die Frauen für die Erziehung der Kinder und den Haushalt verantwortlich fühlen, wollen sie ihre Identität nicht nur durch diese Geschlechterrolle definieren. Gleichzeitig sind sie auch an Angeboten der beruflichen Aus- und Weiterbildung interessiert, wollen Berufen nachgehen und mehr Entscheidungskompetenzen für sich in Anspruch nehmen. In den traditionell-modern orientierten Familien wirken die Eltern und Schwiegereltern von außen auf die Ehepaare ein, wodurch diese sich in einem Generationskonflikt befinden. Die Art, wie mit Themen wie z. B. Sexualität, Kinderwunsch, Kindererziehung und Rückkehr in das Heimatland umgegangen wird, zeigt, dass traditionelle Wertvorstellungen einerseits sehr internalisiert sind. Auf der anderen Seite weist sie auf eine ständige Veränderung und ein InFrage-Stellen einiger traditioneller Wertevorstellungen hin. Traditionelle und moderne Lebens- und Handlungsweisen sind oft nur schwer voneinander abzugrenzen, da der Begriff „modern“ geschichtlich gesehen von einer westlichen Wertevorstellung, von Individualismus, Laizismus und Gleichberechtigung als Ergebnis von Aufklärung und pluralistischer Demokratie geprägt ist.36 Zum Typ der modernen Familie gehören Paare, die ebenfalls aus einer romantischen Liebe heraus geheiratet haben, wobei die Eltern hier jedoch nicht über sie bestimmen konnten. Ferner handelt es sich hierbei um Paare, die in einer partnerschaftlichen Beziehung stehen, aber eine halb offene, halb geheime Beziehung führen. Diese Art der Partnerschaft ist zwar nicht die Regel, aber die Tendenz ist eher steigend. Diese Form des Zusammenlebens wird auch von türkischen Bürgern gewählt, deren erste Ehe gescheitert ist. Sie nehmen eine kritische Haltung zu den traditionellen Werte- und Normvorstellungen ein und bezeichnen sich selbst als nichtreligiös. Diese Paare beanspruchen für sich, an die Stelle alter Normen und Werte neue zu setzen oder ihre Werte neu zu definieren. Dadurch befinden sie sich in einem ständigen Spannungsfeld, da sie einerseits ihren eigenen Ansprüchen, aber auch den Ansprüchen ihres Milieus gerecht werden wollen. Im Gegensatz zu einem Teil der Familien zwischen Tradition und Moderne gehen diese Paare offensiv mit ihren Problemen um und versuchen, in verschiedenen Zusammenhängen innerhalb der Partnerschaft gemeinsame Lösungen zu finden. Die geschlechtliche Aufgabenteilung, die man bei traditionell orientierten Familien findet, existiert hier nicht. Männer und Frauen vertreten beide die Familie nach außen und erledigen die familialen Alltagsarbeiten. Ein entscheidendes Kriterium bei diesem Familientyp stellt das Auflösen des Abhängigkeitsverhältnisses der Frauen von ihren Männern dar. Dies erreichen sie beispielsweise durch politische und kulturelle Aktivitäten. Ferner verstärken sie ihre Mobilität durch berufliche Bildung und befreien sich somit von gesellschaftlichen Zwängen. [...]

Arbeit zitieren:
Böß, Christian August 2006: Migration in Europa am Beispiel der Integration von türkischen Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Migration, Integration, Innenpolitik, Einwanderung, Europäische Union

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