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Migration, wirtschaftliche Kooperation und kulturelle Integration

Das Problem der Arbeitnehmerfreizügigkeit bei der EU-Osterweiterung am Beispiel Bayern - Tschechische Republik

Migration, wirtschaftliche Kooperation und kulturelle Integration
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Constantin Dellis
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 69 Seiten
  • Dateigröße: 388,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4635-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4635-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4635-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dellis, Constantin August 2001: Migration, wirtschaftliche Kooperation und kulturelle Integration, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Grenzregionen

Diplomarbeit von Constantin Dellis

Einleitung:

Die Diplomarbeit Migration, wirtschaftliche Kooperation und kulturelle Integration; Das Problem der Arbeitnehmerfreizügigkeit bei der EU-Osterweiterung am Beispiel der Grenzregion Bayern-Tschechische Republik ist während eines Praktikums bei einer deutschen Ländervertretung bei den europäischen Institutionen in Brüssel entstanden. Dabei konnte ich auf bestehende Kommunikationswege zurückgreifen, so dass die aktuellsten Diskussionen und Veröffentlichungen in die Arbeit Eingang gefunden haben.

Seit Beginn der Öffnung der Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts ist das Migrationspotential der ostmitteleuropäischen Länder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Durch die bevorstehende EU-Osterweiterung bietet sich zwar einerseits eine einmalige Gelegenheit zur Integration der östlichen Nachbarn, andererseits sind Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen Überschwemmung der hiesigen Arbeitsmärkte durch ”billige” Arbeitskräfte entstanden.

Die Ausgestaltung der Freizügigkeit ist also eine Schlüsselfrage der Osterweiterung. Ihre Lösung wird entscheiden, wie man später die EU-Osterweiterung beurteilen wird. Zum großen Teil hängen von der Frage der Freizügigkeit aber auch Stimmungslagen in der Bevölkerung ab, und damit meine ich nicht nur die bairische Bevölkerung.

Auch die Menschen auf der anderen Seite der Grenze, in der Tschechischen Republik, sind betroffen. Sie werden aber nach der Erweiterung mit den Menschen hierzulande nicht nur viel enger wirtschaftlich und politisch verwoben sein, sondern auch von Mensch zu Mensch vielmehr in Kontakt treten (müssen) als bisher. Ein wirkliches Aneinanderwachsen wird aber erst mit Einführung der Freizügigkeit eintreten.

In den Diskussionen und Studien die in Brüssel, Berlin oder München geführt und erarbeitet werden, wird meiner Meinung nach dieser soziologisch-kulturelle Aspekt des Aneinanderwachsens oft vergessen. So möchte ich in dieser Arbeit versuchen, neben den allgemeinen Erkenntnissen und Hypothesen zu den Auswirkungen der Osterweiterung, vor allem die spezifische Lage in der Tschechischen Republik zu untersuchen, um eben auch mögliche Stimmungslagen von der ”anderen Seite” zu beleuchten und einseitige Interpretationen zu verhindern. Dazu gehört auch eine Erläuterung der Probleme, die die Tschechen mit Migration haben. Schließlich wird oft vergessen, dass zu hohe Migration aus den mittelosteuropäischen Staaten durch wachsende politische, wirtschaftliche aber auch kulturelle Kooperation und Integration in die Strukturen der EU verhindert werden kann.

Zu dem Thema der möglichen Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf den Arbeitsmarkt und auf die Wirtschaftakteure (besonders auch auf die kleinen und mittleren Unternehmen) bei Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit gibt es eine große Zahl von Untersuchungen, Vorraussagen und Analysen.

Bei der Auswertung dieser Studien ergibt sich jedoch folgendes Problem: Einerseits besitzen die Analysen zumeist einen solch großen Umfang und sind so auf spezielle Fragestellungen zugeschnitten, daß man schwierig einen Überblick findet. Andererseits wagen einige dieser Untersuchungen wiederum einen solch generellen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Migrationspotentials Osteuropas, daß spezielle Eigenarten bestimmter Länder untergehen.

Dass besonders Bayern von der Osterweiterung und besonders der Freizügigkeit betroffen sein wird, steht außer Frage. Wir müssen aber auch bedenken, daß der Freistaat in Osteuropa auch in hohem Masse wirtschaftlich aktiv ist, wobei die Tschechische Republik aufgrund der langen, gemeinsamen Grenze eine Sonderrolle spielt.

Aber welche Auswirkungen hat nun die Einführung der Freizügigkeit auf die bayerisch-tschechische Grenzregion? Meine These, die ich in dieser Arbeit nachgehen will, ist, dass dass die Einführung der Freizügigkeit sich durch den verstärkten Austausch von Kapital und Wissen positiv auf die Europäische Union und besonders auf die Grenzregionen auswirken wird. Denn offene Migration kann die Entwicklung der wirtschaftlichen Kooperation unterstützen. Wirtschaftliche Zusammenarbeit verbessert wiederum die ökonomische Situation der Beitrittskandidaten (also auch Tschechiens) und vermindert zu starke Migrationsbewegungen. Diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, ist das Ziel meiner Arbeit. Wenn diesem aber nun wirklich so ist, warum steht die Bundesregierung und auch die bayerische Staatsregierung der Einführung der Freizügigkeit so abwartend gegenüber?

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit ist in drei Kapitel unterteilt: Zunächst soll einleitend geklärt werden, wie die tschechische Regierung und auch Akteure der europäischen Union die aktuelle Debatte zu den Möglichkeiten der Ausgestaltung der Freizügikeit einschätzt. In diesem Zusammenhang sollen allgemein die Kriterien für die Beitrittskandidaten erläutert und die sozio-ökonomischen Anpassungen der Tschechischen Republik auf dem Weg zur EU verdeutlicht werden.

In Form von soziologischen und ökonomischen Erklärungsansätzen soll dann das Problem Migration theoretisch umrissen werden. Anschließend sollen die verschiedenen Studien und Schätzungen zur Entwicklung des Migrationspotentials der mittelosteuropäischen Beitrittskandidaten kurz vorgestellt werden, wobei besonders auf die spezifische Situation Tschechiens eingegangen werden soll. Dabei wird es nicht nur um einen historischen Abriss der Wanderung in Tschechien gehen, sondern auch um mögliche Veränderungen der Einstellung der Tschechen zur Migration, auch im eigenen Land, seit Beginn des Reformprozesses.

Abschließend sollen am Fallbeispiel der bayerisch-böhmischen Grenzgebiete Problemfelder in der Regionalentwicklung aufgezeigt werden. Dann möchte ich anhand von Perspektiven für die mittelständische Wirtschaft Auswirkungen der Freizügigkeit auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung eingehen. Abschließend wird noch der Einfluss des Pendelns auf den bayerischen Arbeitsmarkt besprochen werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorrede 3
2. Aktuelle Situation: Die Tschechische Republik und der EU-Beitritt 7
2.1 Die Optionen zur Freizügigkeit 7
2.2 Die Verhandlungskriterien 9
2.3 Politische und wirtschaftliche Einschätzung 10
3. Migration 14
3.1 Grundlegende Ansätze zur Erklärung von Migration 15
3.2 Analyse der Prognoseergebnisse 20
3.3 Bisherige Migration 28
3.4 Wanderungstendenzen in der Tschechischen Republik 33
4. Wirtschaftliche Kooperation 38
4.1 Entwicklung der Grenzregionen 39
4.2 Stellung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) 46
4.3 Die Problematik des Pendelns 55
5. Conclusio 59
6. Bibliographie 64

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zum Jahreswechsel 1995/1996 hielten sich ca. 160.000 Personen mit gültiger Aufenthaltserlaubnis in der Tschechischen Republik auf, hinzu kommen etwa 100000 bis 140000 Personen, die sich illegal im Land befanden.58 Unter den verschiedenen, ethnischen Gruppen von Migranten sind wie bereits erwähnt besonders die Ukrainer hervorzuheben. In einer tschechischen Studie zur internationalen Migration in mitteleuropäischen Städten59 wurden Ukrainer nach den Gründen ihrer Migration gefragt. Hier ist vorauszuschicken, daß besonders Prag eine weitaus höhere Attraktivität für Migranten als irgendeine andere Stadt bzw. Region Tschechiens besitzt. Heute wird davon ausgegangen, daß etwa 20.000 Ukrainer in und um Prag leben. Diese große Menge von Personen einer Volkszugehörigkeit an einem Ort spricht durchaus für die bereits im Kontext Tschechien-Deutschland erläuterte Netzwerktheorie: familiäre und bekanntschaftliche Bindungen führen zu erhöhter Attraktivität bekannter Orte für Nachzügler. Hierfür spricht auch, daß die Mehrzahl der Befragten aus ländlichem oder kleinstädtischen Hintergrund (76%) stammen. So kamen immerhin 30% zusammen mit Bekannten aus der gleichen Gegend. [...]

Dieser Trend ist wie gesagt in der Diskussion zu den Folgen der EUOsterweiterung in Berlin, aber auch in Brüssel, weithin unbeachtet geblieben, spielt jedoch besonders für den deutschen Arbeitsmarkt eine Rolle. Dieser könnte nämlich einerseits durch die in Zukunft wohl noch steigende Attraktivität Tschechiens entlastet werden, andererseits bieten sich hier Möglichkeiten, die Tschechische Republik stärker als bisher in die Diskussion zur Integration von Migranten zu beachten und einzubeziehen. Wenn man sich hier an die Auswirkungen der Süderweiterung erinnert, kann man nämlich konstatieren, daß mit steigender wirtschaftlicher Prosperität und einer Verbesserung der Lebensbedingungen die ehemals klassischen Entsendeländer von Arbeitsmigranten Griechenland, Spanien, Portugal und teilweise Italien zu Einwanderungsländern geworden sind. Eine Studie zeigt, daß im Zeitabschnit 19651990 ein beachtlicher positiver Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Entwicklungsstand und netto-Immigration zu beobachten war.56 Hier kann man nun durchaus die These vertreten werden, daß auch MOEL wie die Tschechische Republik, die sich in Zukunft durch den Beitritt zum Europäischen Binnenmarkt wohl ähnlich positiv wie die südlichen Länder weiterentwickeln werden, diesem Trend nachfolgen. Die bereits eingetretene Realität des “netto-Einwanderungsstaates” Tschechien läßt sich besonders gut an der [...]

Hier möchte ich nun noch auf einen anderen Aspekt von Migration im Kontext Tschechische Republik eingehen, mit dem sich in Deutschland im Rahmen der Diskussion zur Osterweiterung kaum jemand beschäftigt hat, welcher aber nach dem Beitritt eine Herausforderung für alle Staaten der Europäischen Staaten werden wird. Ich denke hier an die Auffang- und Schutzfunktion der MOEL gegen Migranten aus weiter im Osten gelegenen Ländern. Denn in Deutschland und anderswo wird häufig nicht ausreichend wahrgenommen, daß die Tschechische Republik nicht nur Entsendeland von Migranten, sowie ein Zwischenstop für Migranten aus Drittstaaten auf dem Weg nach Westen ist, sondern seit 1993 eine positive Wanderungsbilanz aufweist. So wanderten in den Jahren 1993-1997 durchschnittlich ca. 9500 Personen jährlich ein55. [...]

Arbeit zitieren:
Dellis, Constantin August 2001: Migration, wirtschaftliche Kooperation und kulturelle Integration, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Grenzregionen

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