Methoden der Konfliktlösung in der Schulsozialarbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jan Stefan
- Abgabedatum: März 2005
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 539,9 KB
- Note: 2,1
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Darmstadt Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9142-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9142-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9142-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stefan, Jan März 2005: Methoden der Konfliktlösung in der Schulsozialarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mediation, Klientenzentrierte Gesprächsführung, Kommunikation, Konflikt / Konfliktlösung, Schulsozialarbeit
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Diplomarbeit von Jan Stefan
Einleitung:
Der Verfasser dieser Ausarbeitung hat das Gefühl, dass, wenn er die Zeitung liest oder die Nachrichten im Fernseher oder Radio verfolgt, kaum eine Woche vergeht, in der nicht über die scheinbar wachsende Gewalt an unseren Schulen berichtet wird. Demnach werden Schüler verprügelt oder von anderen Schülern gemobbt, es wird untereinander gestohlen, Mitschüler erpresst oder Lehrer bedroht und beschimpft.
Auch werden nach Einschätzung des Verfassers die Rufe jener Menschen immer lauter, die Reformen und Ganztagsschulen fordern; ferner, dass die Schule endlich durchgreift und gegen diese Konflikte vorgeht, die in ihren Augen schon längst den Schulalltag mitbestimmen. Erschwerend kommt hinzu, dass die PISA-Studie den bundesdeutschen Schülern und dem Bildungssystem ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hat. Demnach wird der Bildungsstandard unserer Schüler immer schlechter, was zur Folge haben kann, dass es für viele Schüler immer schwieriger wird, einen Schulabschluss oder einen Ausbildungsplatz zu erlangen.
An diesem Punkt stellt sich dem Autor die Frage, ob die Institution Schule wirklich so hilflos ist, diese Konflikte nicht beseitigen zu können? Gibt es keine Methoden, die sie befähigen, erfolgreich dagegen vorzugehen? Denn dieser Bearbeitung liegt die Auffassung zugrunde, dass es Möglichkeiten gibt, gegen die verschiedenen Konflikte in der Schulsozialarbeit, wie auch der Institution Schule vorzugehen, ohne massiv Reformen und Veränderungen zu fordern.
Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Ausarbeitung soll daher sein, Methoden aufzuzeigen, welche die Schulsozialarbeit einsetzen kann, um der Institution Schule zu helfen, jene Konflikte zu beseitigen oder zu reduzieren, die anscheinend (s.o.) den bundesdeutschen Schulalltag prägen. Dabei wird sich die Diplomarbeit auf zwei Methoden konzentrieren, die nach These des Autors, in der Lage sein könnten, den Konfliktabbau umzusetzen. Es handelt sich hierbei um die Mediation und die Klientenzentrierte Gesprächsführung.
Im Rahmen des Studiums der Sozialpädagogik hat der Autor der vorliegenden Untersuchung unter anderem zwei Praktika an einer technisch-gewerblichen Berufschule in Gießen absolviert und in diesem Kontext die verschiedenen Arbeitsbereiche der Schulsozialarbeit (Schülerbetreuung, sozialpädagogischer Unterricht, Bewerbungstraining, Projekt- und Schlichtungsarbeit usw.) kennengelernt und ausgeführt. Während dieser Arbeit ist aufgefallen, dass der Umgang der Schüler sowohl untereinander, als auch mit dem Lehrer teilweise sehr rau war: Schüler wurden beleidigt, geärgert, manchmal geschlagen oder ihre Mobiltelefone und andere Privatgegenstände entwendet.
Während dieser Praktika konnten erste Erfahrungen im Bereich der Schulmediation gesammelt werden. Dabei lernte der Autor in einem Seminar Faller kennen, der aufzeigte, dass die Schulsozialarbeit durchaus in der Lage sei, mit Hilfe der Mediation Konflikte in der Schule zu lösen, gegen die man sich lange machtlos gefühlt habe. Die Umsetzung der Mediation anhand von Faller war ein Teil der Inspiration, diese Arbeit zu schreiben.
Des Weiteren hat der Schreiber der Ausarbeitung während seines Studiums eine Zusatzqualifikation in der Klientenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers erworben. Durch diese Zusatzqualifikation wurde deutlich, dass Menschen durch die Konfrontation mit ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu für sie neuen Einsichten kommen können. Die neuen Einsichten können durchaus dazu beitragen, eigene Konflikte und zwischenmenschliche Konflikte zu lösen. Diesbezüglich ist Rogers der zweite Teil der Inspiration, diese Arbeit zu verfassen.
Aus diesem Grund konzentriert sich die vorliegende Ausarbeitung auf die Mediation und die Klientenzentrierte Gesprächsführung, da sie in der Auffassung des Schreibers, zur Konfliktlösung in der Schulsozialarbeit ihren Beitrag leisten können.
Gang der Untersuchung:
Nach dieser kurzen Einleitung wird die Untersuchung im zweiten Kapitel der Diplomarbeit auf die unterschiedliche Entwicklung der Schulsozialarbeit im Spannungsfeld zur Institution Schule eingehen. Daran wird deutlich, dass die Rahmenbedingungen und die Ansichten der Schulsozialarbeit sich erheblich von denen der Institution Schule unterscheiden.
Nachdem das dritte Kapitel den Blick auf die verschiedenen Konfliktformen richten wird, welche in der Schulsozialarbeit und in der Institution Schule vorkommen können, wird im Anschluss daran in Kapitel 4 auf die menschliche Kommunikation eingegangen, da diese der Schlüssel ist, der das Tor zur Mediation und der Klientenzentrierten Gesprächsführung öffnet.
In Kapitel 5 und 6 dieser Studie wird mit Hilfe der Kommunikation und in Verbindung mit den anderen Kapiteln der Ausarbeitung das Tor zur Mediation (Kapitel 5) und zur Klientenzentrierten Gesprächsführung (Kapitel 6) aufgestoßen, um es im letzten Kapitel mit Hilfe eines Resümees wieder zu schließen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Die Schulsozialarbeit | 7 |
| 2.1 | Begriffsdefinition und Ziele | 7 |
| 2.2 | Entwicklung der Schulsozialarbeit im Spannungsfeld zur Institution Schule | 11 |
| 2.3 | Exkurs: Abgrenzung zwischen Schulsozialarbeit und Institution Schule | 14 |
| 2.4 | Methoden der Schulsozialarbeit | 15 |
| 2.5 | Schulsozialarbeit und Konflikte | 17 |
| 3. | Der Konflikt | 18 |
| 3.1 | Begriffsdefinition | 18 |
| 3.2 | Konfliktarten und Konfliktformen | 19 |
| 3.2.1 | Intrapersonelle Konflikte | 20 |
| 3.2.2 | Interpersonelle Konflikte | 21 |
| 3.3 | Konflikte in der Schulsozialarbeit | 23 |
| 3.3.1 | Psychische Gewalt | 24 |
| 3.3.2 | Physische Gewalt | 26 |
| 3.4 | Konflikte in der Schulsozialarbeit und der Institution Schule | 27 |
| 3.5 | Zusammenfassung (Kapitel 3) | 29 |
| 4. | Die Verschiedenen Formen der Kommunikation | 30 |
| 4.1 | Kommunikationsformen | 30 |
| 4.1.1 | Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun | 31 |
| 4.1.2 | Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick | 33 |
| 4.1.3 | Kommunikationsmodell nach Virginia Satir | 36 |
| 4.2 | Kommunikation in der Mediation und in der Klientenzentrierten Gesprächsführung | 39 |
| 4.3 | Kommunikation in der Schulsozialarbeit im Spannungsfeld zur Kommunikation in der Institution Schule | 40 |
| 4.4 | Zusammenfassung (Kapitel 4) | 41 |
| 5. | Die Mediation als Interventionsstrategie in der Konfliktlösung der Schulsozialarbeit | 42 |
| 5.1 | Begriffsdefinition | 42 |
| 5.2 | Soziale Kompetenz nach Karin Jefferys-Duden | 47 |
| 5.2.1 | Rolle und Methoden des Mediators | 49 |
| 5.2.2 | Empowerment | 51 |
| 5.2.3 | Voraussetzungen der Mediation | 52 |
| 5.2.4 | Schwierigkeiten in der Mediation | 53 |
| 5.3 | Schüler als Mediatoren (Peer-Mediation) | 56 |
| 5.4 | Kommunikation in der Mediation | 59 |
| 5.5 | Täter-Opfer-Ausgleich in der Mediation | 65 |
| 5.6 | Emotion und Mediation | 66 |
| 5.7 | Bedeutung der Mediation für die Konfliktlösung in der Schulsozialarbeit | 68 |
| 5.8 | Zusammenfassung (Kapitel 5) | 69 |
| 6. | Die Klientenzentrierte Gesprächsführung als Interventionsstrategie in der Konfliktlösung der Schulsozialarbeit | 70 |
| 6.1 | Begriffsdefinition und die Bedeutung der Klientenzentrierten Gesprächsführung | 70 |
| 6.2 | Kennzeichen der Klientenzentrierten Gesprächsführung | 73 |
| 6.2.1 | Echtheit (Kongruenz) | 74 |
| 6.2.2 | Positive Wertschätzung | 75 |
| 6.2.3 | Einfühlendes Verstehen | 76 |
| 6.2.4 | Carl Rogers Persönlichkeitstheorie | 77 |
| 6.3 | Kommunikation in der Klientenzentrierten Gesprächsführung | 79 |
| 6.4 | Schwierigkeiten der Klientenzentrierten Gesprächsführung | 81 |
| 6.5 | Gruppengespräche in der Klientenzentrierten Gesprächsführung | 85 |
| 6.6 | Bedeutung der Klientenzentrierten Gesprächsführung für die Konfliktlösung in der Schulsozialarbeit | 86 |
| 6.7 | Abgrenzung zwischen Mediation und Klientenzentrierter Gesprächsführung | 90 |
| 6.8 | Zusammenfassung (Kapitel 6) | 91 |
| 7. | Resümee und Ausblick | 92 |
| Literaturverzeichnis | 96 | |
| Internetverzeichnis | 101 |
An dieser Stelle unterscheidet sich Proksch von Besemer und Faller. Denn Proksch ist als einziger der Auffassung, dass „der Mediator schließlich auch mittels Wertungen und Meinungen in den Aushandlungsprozess eingreifen“ kann.130 Diese Studie stimmt den Mediationskriterien Besemers und Fallers zu. Der Mediator soll sich nicht durch Bewertungen und persönlichen Meinungen direkt in das Mediationsverfahren einmischen, da dies von den Konfliktparteien durchaus als Verlust der Neutralität aufgefasst werden kann. Folgt man den Überlegungen Besemers, sind weitere wichtige Methoden für eine erfolgreiche Umsetzung des Mediationsverfahrens die Ich-Botschaften. Mit ihnen sollen die Konfliktparteien dazu angeregt werden, von ihren Gefühlen zu sprechen. Das heißt, jeder bekommt die Möglichkeit, dem Gegenüber zu beschreiben, wie es ihm geht, was ihn belastet und was der Konflikt in ihm auslöst bzw. mit ihm macht.131 Dieser Denkweise entsprechend könnten Beispiele für das Ausdrücken von Gefühlen dem anderen gegenüber wie folgt aussehen: „Ich fühle mich hilflos“, „Ich habe Angst“, „Das macht mich fertig“ usw. Hier finden wir eine Parallele zu dem Kommunikationsmodell von Satir, denn die Konfliktparteien bekommen die Möglichkeit, über ihre Gefühle (Gefühlswelt) offen zu reden und diese nicht zu verbergen. Auch können sie durch die Ich-Botschaften der anderen Konfliktpartei ihre Echtheit bzw. Kongruenz zeigen. Schließlich sind sowohl die Echtheit als auch die Gefühlswelt ein erheblicher Bestandteil des Kommunikationsmodells von Satir.132 Aber nicht immer verläuft das Mediationsverfahren ohne Probleme ab. Sollte es unverhofft zu Komplikationen während der Mediation zwischen den Konfliktparteien kommen, da z.B. keine Einigung in Sicht ist, hat der Mediator nach Besemer die Möglichkeit, Einzelgespräche mit den Parteien zu führen. Durch die Einzelgespräche ist es mög- [...]
Wie wichtig die Gefühle und Bedürfnisse in Bezug auf die Mediation und die Konfliktfähigkeit sind, soll im weiteren Verlauf des fünften Kapitel aufgezeigt werden, nachdem auf die Rolle und Methoden des Mediators eingegangen wurde. 5.2.1 Rolle und Methoden des Mediators Im vorherigen Abschnitt dieser Ausarbeitung wurden die verschiedenen Mediationphasen aufgezeigt. Im Folgenden gilt es aufzuzeigen, welche Rolle der Mediator bei der Umsetzung dieser Phasen spielt und welche Aufgabe ihm zugedacht wird. Damit es dem Mediator möglich ist, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, gibt es für ihn eine Vielzahl von Methoden. Eine ist nach Besemer das aktive Zuhören. Unter Zuhören wird in diesem Fall verstanden, dass der Mediator nicht nur passiv dem Gesprächsverlauf der Konfliktparteien folgt, sondern dass er versucht, alle Personen zu verstehen, und sich selbst am Gespräch beteiligt. Für Besemer ist dabei besonders wichtig, dass der Mediator den Konfliktparteien das Gefühl vermittelt, verstanden und akzeptiert zu werden.127 Die Aufgaben des Mediators nach Besemer werden in ähnlicher Form von Faller beschrieben. Faller geht davon aus, dass die Rolle des Mediators darin besteht, „durch eine Vereinbarung von Grundregeln im Umgang miteinander die Kommunikation in konstruktive Bahnen zu lenken oder zumindest eine weitere Eskalation zu verhindern.“128 Um dies zu realisieren, ist es für Faller unabdingbar, dass der Mediator kein persönliches Interesse am Ausgang des Konfliktes besitzt, sprich er neutral und allparteilich ist. Auch muss der Mediator alle Gefühle und Standpunkte der Konfliktparteien ernst nehmen und respektieren, ohne diese in irgendeiner Form zu bewerten, sowie die Beteiligten dabei unterstützen, ihre Gefühle und Wünsche klar zu äußern.129 [...]
sprich es immer wieder neue Situationen gibt, die es zu bewältigen gilt. Dies trifft nach ihren Auffassungen auch auf die Institution Schule zu.124 Für die Schule ist es nach Jefferys-Duden wichtig, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf das soziale Klima unter den Schülern richtet, denn durch die Integration des sozialen Lernens in den Unterricht oder auch in die Schulsozialarbeit, können neue Möglichkeiten heranwachsen, die dazu beitragen, dass die Schüler untereinander konfliktfähiger werden und es damit zu weniger Auseinandersetzungen unter den Schülern sowie zwischen Schülern und Lehrern kommt.125 Aus diesem Grund hält Jefferys-Duden die Berücksichtigung und Förderung der sozialen Kompetenz innerhalb der Institution Schule für sehr bedeutend. Wenn nach ihrer Meinung an diesem Brennpunkt angesetzt wird, so wird sich dies positiv auf das Streitschlichter-Programm und bei der Mediation in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auswirken.126 Hier könnte das ressourcenorientierte Denken der Schulsozialarbeit von Nutzen sein, denn sie kann dazu beitragen, dass die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen gefördert und gestärkt werden, indem sie auf die Stärken der Schüler gezielt eingeht und ihre Ausdauer, ihre Neugierde und ihren Wissensdurst gezielt zu Nutze macht. Diese Stärken, können durchaus als Fundament für den Erwerb von sozialen Kompetenzen dienen, die sich bis in die Mediation hinein erstrecken können. Wie anhand von Jefferys-Duden deutlich wurde, ist die soziale Kompetenz des Menschen hilfreich, wenn es darum geht, Konflikte zu vermeiden oder Konflikte zu lösen. D.h., die soziale Kompetenz unterstützt die jeweilige Person dabei, sich dem anderen gegenüber besser in Bezug auf seine Gefühle und Bedürfnisse zu öffnen, um gleichzeitig dem anderen in Bezug auf seine Gefühle und Wünsche aktiver zuzuhören. Diesbezüglich ist der Autor der Auffassung, dass die soziale Kompetenz dazu beitragen kann, dass Mediationsverfahren erfolgreich zu unterstützen, da sie hilft, Gefühle und Bedürfnisse frei zu äußern und zu erkennen. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832491420
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Stefan, Jan März 2005: Methoden der Konfliktlösung in der Schulsozialarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mediation, Klientenzentrierte Gesprächsführung, Kommunikation, Konflikt / Konfliktlösung, Schulsozialarbeit



