Messung und Management von Kreditportfoliorisiken
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Kilian Müller
- Abgabedatum: September 2001
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 3,1 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6671-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6671-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6671-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Müller, Kilian September 2001: Messung und Management von Kreditportfoliorisiken, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Credit Metrics, Credit Risk, Kreditrisikomodelle, Credit Portfolio View, Basel 2
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Diplomarbeit von Kilian Müller
Zusammenfassung:
Während sich die Forschung bis in die neunziger Jahre schwerpunktmäßig mit Marktrisiken beschäftigte und auf diesem Sektor erhebliche Fortschritte machte, fand das Kreditwesen nur wenig Beachtung, obwohl es gerade im Bankensektor zu den größten Risikoquellen zählt. In den letzten Jahren hat die Messung und das Management von Kreditrisiken jedoch stark an Bedeutung gewonnen. Die Gründe für diese Entwicklung sind: die Globalisierung, die zum einen neuartige Kreditrisiken mit sich bringt (z.B. Emerging Markets) und zum andern den Wettbewerb verstärkt, was zu sinkenden Margen im Kreditgeschäft führt, der drastische Anstieg von Insolvenzen, der technologische Fortschritt bei modernen Computersystemen und Informationstechnologien, der wesentlich dazu beigetragen hat, neue Kreditrisikomodelle zu entwickeln und Kreditportfolios aktiv zu managen, die Disintermediation, d.h. die Loslösung von großen und gleichzeitig risikoarmen Schuldnern von ihren Banken aufgrund von gut funktionierenden, international vernetzten Märkten für Fremdfinanzierungstitel, ein drastischer Wertverfall und eine volatilere Bewertung von traditionellen Sicherheiten (z.B. Immobilien), bessere Möglichkeiten zum aktiven Management von Kreditrisiken durch Instrumente, wie beispielsweise Kreditderivate, und die zunehmende Liquidität von Sekundärmärkten für Finanzierungskontrakte.
Der wohl wichtigste Punkt ist jedoch die Hoffnung der Banken, in absehbarer Zeit interne Modelle vorstellen zu können, die wie bei Marktrisiken von der Bankenaufsicht als Grundlage für die Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken anerkannt werden.
Im Zuge dieser Entwicklungen in Forschung und Praxis wurden verbesserte Rating- und Scoring-Ansätze einschließlich sensibler Frühwarnsysteme entwickelt und es entstanden ausgefeiltere Modelle zur Bepreisung von Kreditrisiken (wie zum Beispiel das risk adjusted return on capital Modell (RAROC)). Der wichtigste Schritt war jedoch, von der Einzelbetrachtung eines Kredits zur Portfolioanalyse überzugehen, um auf diese Weise sogenannte Klumpenrisiken zu vermeiden und Diversifikationseffekte voll auszuschöpfen. In diesem Zusammenhang werden derzeit vor allem die Modelle CreditMetricsÔ von J. P. Morgan, CreditRisk+ von Credit Suisse Financial Products (CSFP), CreditPortfolioViewÔ von McKinsey und das KMV-Modell diskutiert.
In der vorliegenden Arbeit sollen die modernen, portfolioorientierten Kreditrisikomodelle ausführlich dargestellt werden. Dabei stehen mit CreditRisk und CreditMetrics zwei der vier oben genannten Ansätze als Vertreter verschiedener Klassen von Kreditrisikomodellen im Vordergrund. Ziel ist es, zum einen Aussagen darüber machen zu können, welcher Ansatz für ein bestimmtes Kreditportfolio bzw. einen bestimmten Anwender am besten geeignet ist, und zum andern mit den Vor- und Nachteilen der Ansätze die Gründe für eine mögliche Anerkennung von internen Modellen seitens der Bankenaufsicht zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Ziele und Vorteile von Kreditrisikomodellen | 4 |
| 2.1 | Formale Ziele der Kreditrisikomodelle | 4 |
| 2.2 | Der Nutzen von modernen Kreditrisikomodellen und das ökonomische Eigenkapital | 4 |
| 3. | Unterschiede bei der Messung von Markt- und Kreditrisiken | 7 |
| 3.1 | Die Wahrscheinlichkeitsdichteverteilung von Verlusten | 7 |
| 3.2 | Die Datenbasis | 10 |
| 3.3 | Weitere Unterschiede | 10 |
| 4. | Der Aufbau eines Kreditrisikomodells | 10 |
| 4.1 | Der Zeithorizont | 10 |
| 4.2 | Die Risikodefinition | 11 |
| 4.3 | Die technische Konzeption | 11 |
| 4.4 | Inputdaten | 12 |
| 5. | Die Klassifizierung von Kreditrisikomodellen | 12 |
| 5.1 | Ansätze zur Modelleinteilung in der Literatur | 13 |
| 5.1.1 | Migrationsmodelle, Optionspreismodelle und der aktuarische Ansatz | 13 |
| 5.1.2 | Die Risikodefinition als Merkmal | 14 |
| 5.1.3 | Maßstab Risikotreiber | 14 |
| 5.1.3.1 | Optionspreismodelle | 14 |
| 5.1.3.2 | Ausfallratenmodelle | 15 |
| 5.1.3.3 | Diskussion der Einteilung der Ansätze nach dem Risikotreiber | 16 |
| 5.2 | Das weitere Vorgehen | 16 |
| 6. | CreditMetrics | 17 |
| 6.1 | Aufbau und Prämissen | 17 |
| 6.2 | Dateninputs und Zeithorizont | 20 |
| 6.3 | Die Anwendung von CreditMetrics | 21 |
| 6.3.1 | Eintrittswahrscheinlichkeiten | 21 |
| 6.3.2 | Die Neubewertung des Portfolios | 24 |
| 6.3.3 | Die Wahrscheinlichkeitsverteilung des Portfoliowertes | 28 |
| 6.4 | Erweiterungen | 31 |
| 7. | CreditRisk | 31 |
| 7.1 | Aufbau und Prämissen | 34 |
| 7.2 | Dateninputs und Zeithorizont | 36 |
| 7.3 | Die Anwendung von CreditRisk | 36 |
| 7.4 | Erweiterungen | 41 |
| 8. | Vergleich der modernen Ansätzen zur Messung von Kreditportfoliorisiken | 41 |
| 8.1 | Die methodische Konzeption | 42 |
| 8.2 | Das Risikoverständnis | 42 |
| 8.3 | Die Risikomodellierung | 44 |
| 8.4 | Beurteilung | 47 |
| 8.4.1 | Unterschiedliche Portfoliostrukturen | 47 |
| 8.4.2 | Die Implementierung | 47 |
| 8.4.3 | Zusammenfassung | 48 |
| 9. | Kalibrierung und Vergleich der Ergebnisse von CreditRisk und CreditMetrics | 48 |
| 9.1 | Angleichung von CreditMetrics und CreditRisk | 48 |
| 9.1.1 | Von CreditMetrics zu CreditRisk | 49 |
| 9.1.2 | Die verbleibenden Differenzen | 50 |
| 9.2 | Vergleich der Ergebnisse von CreditMetrics und CreditRisk | 50 |
| 9.2.1 | Annahmen und das Beispielportfolio | 50 |
| 9.2.2 | Ergebnisse des Vergleichs | 51 |
| 9.2.3 | Konsistente Korrelationen | 51 |
| 9.2.4 | Ergebnisse mit konsistenten Korrelationen | 52 |
| 9.3 | Beurteilung | 52 |
| 10. | Regulatorische Aspekte | 54 |
| 10.1 | Die Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988 | 54 |
| 10.2 | Probleme und Missstände der Vereinbarung | 55 |
| 10.3 | Basel II | 55 |
| 10.4 | Die Frage der aufsichtsrechtlichen Anerkennung von modernen Kreditrisikomodellen | 56 |
| 10.4.1 | Möglicher Nutzen der modernen Kreditrisikomodelle | 56 |
| 10.4.2 | Schwächen der modernen Kreditrisikomodelle | 57 |
| 10.4.2.1 | Die fehlende Datenbasis | 57 |
| 10.4.2.2 | Die Schwierigkeiten bei der Validierung | 58 |
| 10.4.2.3 | Weitere Probleme | 58 |
| 10.5 | Ausblick | 59 |
| 11. | Zusammenfassung | 59 |
| Anhang | 62 | |
| 1. | Verschiedene Verteilungen | 62 |
| 2. | CreditMetrics | 66 |
| 3. | CreditRisk | 70 |
| Literaturverzeichnis | 75 | |
| Wichtige Internetadressen | 80 | |
| Schlusserklärung | 81 |
3.2 Die Datenbasis Grund für die Datenprobleme ist zum einen, dass sich der Zeithorizont zwischen Markt- und Kreditportfolios deutlich unterscheidet: Während man bei der Marktrisikomessung von einem bis zu zehn Tagen ausgeht, beträgt die fiktive Haltedauer von Krediten mindestens ein Jahr24. Zum andern gibt es im Gegensatz zu Aktien, bei denen Daten direkt aus den Preisen liquider, gut beobachtbarer Märkte geschätzt werden können, für Kredite im Normalfall weniger oder ungenauere Marktinformationen. Auch die Seltenheit von Ausfällen macht es fast unmöglich aus Werten der Vergangenheit stabile Schätzungen zu erhalten25. Korrelationen in Kreditrisikomodellen müssen daher aus besser zu schätzenden Parametern modelliert werden. 3.3 Weitere Unterschiede Zusätzlich ist zu beachten, dass die üblichen VaR-Wahrscheinlichkeitsparameter bei der Marktrisikomessung im Bereich von 95 bis 99 % liegen, die Spanne bei der Kreditrisikomessung dagegen von 99 bis 99,98 % reicht. Ein weiteres Problem kann die Informationsasymmetrie darstellen, von der Kreditrisiken im Gegensatz zu Marktrisiken betroffen sind26. Im Normalfall hat beispielsweise ein Gläubiger weit mehr Informationen über seinen Kreditnehmer als eine dritte Person. Ein Kreditnehmer wiederum hat mehr Informationen über sein Unternehmen als der Gläubiger. 4 Der Aufbau eines Kreditrisikomodells [...]
In diesem Abschnitt wird zunächst auf die formalen Ziele der Kreditrisikomodelle eingegangen. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei das Value-at-Risk-Konzept und das ökonomische Kapital. Im Weiteren soll dann auf die Vorteile eingegangen werden, die diese aus der Marktrisikomessung bekannten Größen für die Bewertung von Kreditrisíken mit sich bringen. 2.1 Formale Ziele der Kreditrisikomodelle Ziel aller hier diskutierten Ansätze zur Messung von Kreditportfoliorisiken ist die Ermittlung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen (bei diskret modellierten Verlustbeträgen) bzw. Wahrscheinlichkeitsdichteverteilungen (bei stetig modellierten Verlustbeträgen) für die Verluste des Kreditportfolios, die jedem denkbaren Portfolioverlust die Eintrittswahrscheinlichkeit zuordnen11. Aus dieser Verteilung können dann nicht nur Erwartungswert und Standardabweichung des Kreditportfolioverlustes, sondern vor allem auch der für Kreditrisiken wichtigere VaR abgeleitet werden12. Dabei wird eine Wahrscheinlichkeit a, z.B. 0,9998, vorgegeben, mit der eine bestimmte Verlusthöhe nicht überschritten wird13. Die Bank weiß dann, dass sie nur in 0,02 Prozent der Fälle einen höheren Verlust erleidet, als beim VaR-Ansatz errechnet. Die Wahrscheinlichkeit a wird in diesem Zusammenhang auch als a-Quantil der Verlustverteilung bezeichnet. 2.2 Der Nutzen von modernen Kreditrisikomodellen und das ökonomische Eigenkapital Der wesentliche Vorteil des VaR-Ansatzes ist die Möglichkeit, das gesamte Kreditportfoliorisiko zu quantifizieren, was die Abschätzung der ökonomisch adäquaten Eigenkapitalunterlegung erlaubt. Das ökonomische Eigenkapital (EC) wird hierbei als der Kapitalbetrag definiert, der zur Absicherung der risikobehafteten Aktivitäten einer Bank [...]
Im Zuge dieser Entwicklungen in Forschung und Praxis wurden verbesserte Rating- und Scoring-Ansätze einschließlich sensibler Frühwarnsysteme entwickelt und es entstanden ausgefeiltere Modelle zur Bepreisung von Kreditrisiken (wie zum Beispiel das risk adjusted return on capital Modell (RAROC))4. Der wichtigste Schritt war jedoch, von der Einzelbetrachtung eines Kredits zur Portfolioanalyse überzugehen, um auf diese Weise sogenannte Klumpenrisiken5 zu vermeiden und Diversifikationseffekte voll auszuschöpfen. In diesem Zusammenhang werden derzeit vor allem die Modelle CreditMetrics6 von J. P. Morgan, CreditRisk+7 von Credit Suisse Financial Products (CSFP), CreditPortfolioView8 von McKinsey und das KMV-Modell9 diskutiert10. In der vorliegenden Arbeit sollen die modernen, portfolioorientierten Kreditrisikomodelle ausführlich dargestellt werden. Dabei stehen mit CreditRisk und CreditMetrics zwei der vier oben genannten Ansätze als Vertreter verschiedener Klassen von Kreditrisikomodellen im Vordergrund. Ziel ist es, zum einen Aussagen darüber machen zu können, welcher Ansatz für ein bestimmtes Kreditportfolio bzw. einen bestimmten Anwender am besten geeignet ist, und zum andern mit den Vor- und Nachteilen der Ansätze die Gründe für eine mögliche Anerkennung von internen Modellen seitens der Bankenaufsicht zu diskutieren. Im zweiten Abschnitt werden die Ziele der Kreditrisikomodelle beschrieben und die daraus resultierenden Vorteile erarbeitet. Das dritte Kapitel beantwortet die Frage, wie sie sich dabei aufgrund verschiedener Prämissen von den Marktrisikomodellen unterscheiden. Der grundsätzliche Aufbau eines Kreditrisikomodells ist dann Gegenstand des vierten Teils. Hier werden die wichtigsten Schritte und Begriffe vorgestellt. Darauf aufbauend folgt im fünften Abschnitt die Klassifizierung der oben genannten Ansätze nach verschiedenen Gesichtspunkten. Dort erweist es sich als sinnvoll, dass sich die folgende Untersuchung auf die Modelle CreditRisk und CreditMetrics als jeweilige Vertreter einer Klasse konzentriert. Deshalb werden diese beiden Modelle im sechsten und siebten Kapitel ausführlich dargestellt. Der achte Teil der Arbeit dient dem Vergleich der beiden Ansätze. Hier wird geprüft, wie sie sich in Risikodefinition, empirischer Datenbasis und technischer Konzeption unterscheiden. Im neunten Abschnitt steht dann die Kalibrierung von CreditRisk und CreditMetrics im [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832466718
Arbeit zitieren:
Müller, Kilian September 2001: Messung und Management von Kreditportfoliorisiken, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Credit Metrics, Credit Risk, Kreditrisikomodelle, Credit Portfolio View, Basel 2



