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Messung der Handlungsfähigkeit in beruflichen Situationen

Kompetenzraster gemäß EQR zur Beurteilung der Handlungskompetenz in der Altenpflegeausbildung am Beispiel der Pflegehandlung "Aktivierende Pflege bei Sturzgefährdung"

Messung der Handlungsfähigkeit in beruflichen Situationen
Über dieses Buch

Masterarbeit von Anna Burghardt

Einleitung:

Die Berufsausbildung zur Altenpflegerin und zum Altenpfleger unterliegt einem stetigen Wandel, denn sie berücksichtigt wirtschaftlich bedingte Veränderungen, Modernisierungsprozesse in den Betrieben und gesetzliche Neuerungen. Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt erfordern Anpassungen und Neustrukturierungen von Qualifizierungsmaßnahmen zur Erhöhung der Beschäftigungschancen. Die wachsenden Anforderungen des Arbeitsmarktes können durch eine ständige Förderung der beruflichen Handlungskompetenz und eine bessere Vorbereitung der Auszubildenden, nach dem Prinzip des lebenslangen Lernens, unterstützt werden.

Im Rahmen einer europaweiten Modernisierung der beruflichen Ausbildung beschloss die Europäische Kommission in der Kopenhagener Deklaration die Entwicklung eines einheitlichen Europäischen Rahmens zur beruflichen Qualifikation.

Im Hinblick auf die Kompetenzorientierung in der beruflichen Bildung sind die europäischen Zielsetzungen für die berufsbildungspolitischen Entscheidungen in Deutschland maßgebend. Diese dynamischen Entwicklungen in Europa stellen die Institutionen der beruflichen Bildung in Deutschland vor die Herausforderung, die beruflichen Lernprozesse und die Prüfungsleistungen kompetenzorientiert zu beurteilen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlichte bereits die Ergebnisse des Zwischenberichts `Kompetenzstandards in der Berufsbildung´ mit Empfehlungen zu kompetenzbasierten Ausbildungsordnungen. Die Beurteilung der Kompetenzen in der Berufsausbildung wird in der Fachliteratur, vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Arbeits- und Berufswelt, thematisiert. Fachaufsätze der Europäischen Kommission zur Entwicklung eines Europäischen Qualifikationsrahmens, die Schriftenreihen der Berufsbildungsforschung und Fachbücher sind bei der Umsetzung der verbindlichen Gesetze zur Entwicklung eines neuen Beurteilungssystems hilfreich.

Das neue Altenpflegegesetz (AltPflG), in Kraft getreten am 17.11.2000 und die am 25.08.2003 in Kraft getretene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für den Beruf der Altenpflegerin und des Altenpflegers (AltPflPrV), schreiben die Beurteilung der Handlungsfähigkeit in beruflichen Situationen nach Kompetenzen vor. Die Altenpflegeschulen sind danach verpflichtet die Handlungsfähigkeit nach Kompetenzen zu beurteilen und konzeptionell nachzuweisen. Obwohl die deutsche Kompetenzforschung in Europa führend ist, wurde bisher, auf Bundes- und Landesebene, noch kein Verfahren zur Beurteilung der Handlungskompetenz in beruflichen Situationen definiert. Insbesondere ist unklar, welche konkreten Kriterien zur Beurteilung herangezogen werden sollen.

Die zunehmend wichtigere Rolle der kompetenzorientierten Beurteilung in der Berufsbildung wird, in dem von mir gewählten Thema: `Messung der Handlungsfähigkeit in beruflichen Situationen´, nach den EQR-Vorgaben dargelegt. Mit dieser Ausarbeitung wird ein Vorschlag zur kompetenzorientierten Beurteilung unterbreitet und das ’Kompetenzraster gemäß EQR zur Beurteilung der Handlungskompetenz in der Altenpflegeausbildung am Beispiel der Pflegehandlung `Aktivierende Pflege bei Sturzgefährdung’ entwickelt.

Diese Arbeit soll einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität der Altenpflegeausbildung leisten und ein Kompetenzraster zur Beurteilung der Handlungsfähigkeit in beruflichen Situationen, nach den verbindlichen gesetzlichen und curricularen Vorgaben, zur Verfügung stellen.

Auf Grundlage der europäischen und deutschen Bestimmungen, Erkenntnissen und Empfehlungen der kompetenzorientierten Berufsbildungsforschung möchte ich, aus der heutigen Perspektive der Anforderungen an die Messung der Handlungsfähigkeit, folgende Fragen beantworten:

Welche Grundsätze gelten für kompetenzorientierte praktische Prüfungen?

Welche `objektiven´ Kriterien nach EQR dienen der Beurteilung der Pflegehandlung `Aktivierende Pflege bei Sturzgefährdung´ in realen Pflegesituationen?

Wie lassen sich objektive Kriterien zur Beurteilung der Pflegehandlung `Aktivierende Pflege bei Sturzgefährdung´ in ein Kompetenzraster einordnen?

Um die o. g. Fragestellungen detailliert zu beantworten, werden in Kapitel 1, `Konzeptioneller Rahmen der Handlungskompetenz´, die theoretischen Grundlagen der Handlungskompetenz dargestellt und im `Kompetenzkonzept´ wird die berufliche Handlungskompetenz definiert. Die `Grundlagen des Kompetenzmodells´, bauen auf den Definitionen von Kompetenz auf und stecken die konzeptionellen Bezüge und die Bedingungen ab, welche auf die Entwicklung und Beurteilung der beruflichen Kompetenzen Einfluss haben. Die `Beurteilung der Handlungskompetenz´ nennt Maßstäbe zur Beurteilung von Handlungskompetenz in der Berufs- und Pflegeausbildung, welche im Kapitelabschluss zusammengefasst werden. In Kapitel 2, `Handlungskompetenz in der Altenpflegeausbildung´, wird die gesetzliche und konzeptionelle Basis der Altenpflegeausbildung vorgestellt. Die `Auswirkungen auf die Leistungsbewertung´ beinhalten die Grundsätze für die Beurteilung von Kompetenzen in der praktischen Prüfung, die Erstellung und Ordnung der Kriterien sowie deren Integration in das Kompetenzraster. Kapitel 3, `Methodik´ beschreibt die Strukturierung, das Design und die Methoden, der in dieser Arbeit durchgeführten, deskriptiven Untersuchung aus dem Bereich der qualitativen Sozialforschung. Ein inhaltsanalytisches Kategoriensystem stelle ich als Basis für die Erstellung der Kriterien zur Beurteilung von Handlungsfähigkeit vor, welche am Beispiel einer Pflegehandlung als Lernziele formuliert werden. Die Pflegekompetenzen werden nach den EQR-Vorgaben als Anforderungen an die Handlungsfähigkeit definiert, begründet und in ein Kompetenzraster eingeordnet. Kapitel 4 `Diskussion der Ergebnisse´, beantwortet detailliert die zentrale Fragestellung aus der Perspektive europäischer Entwicklungen und überprüft die Gültigkeit der aufgestellten Hypothese anhand eines Hypothesentests. Dargestellt wird die Beurteilung im Kontext der Lernprozesse in der Altenpflegeausbildung. Die Vorteile des erstellten Instruments und Empfehlungen für die pädagogische Praxis werden erläutert. Kapitel 5, `Schlussfolgerungen´, fasst die Ergebnisse fragebezogen zusammen und liefert einen kurzen Ausblick.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Konzeptioneller Rahmen der Handlungskompetenz 4
1.1 Kompetenzkonzept 4
1.2 Grundlagen des Kompetenzmodells 8
1.2.1 Lernfeld- und Handlungsorientierung 9
1.2.2 Lernen im Arbeitsprozess 12
1.2.3 Kompetenzentwicklung im Beruf 13
1.2.4 Zwei Perspektiven der Kompetenzen 16
1.2.4.1 Lernperspektive 16
1.2.4.2 Anforderungsperspektive 19
1.2.5 Die Umsetzung des Europäischen Kompetenzrahmens 21
1.3 Beurteilung der Handlungskompetenz 23
1.4 Kompetenzen bei ganzheitlich fördernder Prozesspflege 24
1.5 Zusammenfassung 27
2. Handlungskompetenz in der Altenpflegeausbildung 28
2.1 Berufspolitische und didaktische Ziele der Handlungskompetenz 28
2.2 Handlungskompetenz im Lernfeldkonzept 29
2.3 Gesetzliche Grundlagen der Handlungskompetenz 31
2.4 Rahmenbedingungen der praktischen Prüfung 35
2.5 Auswirkungen des konzeptionellen Rahmens der Handlungskompetenz 36
2.5.1 Kompetenzorientierte praktische Prüfung 37
2.5.2 Beschreibung und Ordnung kompetenzbasierter Kriterien 39
2.5.3 Kompetenzraster 40
3. Methodik 42
3.1 Wissenschaftliche Forschungsüberlegungen 42
3.1.1 Strukturierung der Untersuchung 45
3.1.2 Forschungsdesign und Methoden 47
3.2 Durchführung der Untersuchung und Festlegung der Kategorien 50
3.2.1 Kompetenzstufen im Pflegeprozess 51
3.2.2 Konzeption einer typischen beruflichen Situation 53
3.2.3 Lernfelder für die Pflegehandlung 55
3.2.4 Kompetenzen für das 3. und 4. EQR-Niveau 56
3.2.5 Pflegekompetenzen im 3. und 4. EQR-Niveau 58
3.2.6 Erstellung der Beurteilungskriterien und Kompetenzbeschreibung 60
3.2.6.1 Klassifikation der Inhalte nach Verhaltensstufen und 3. EQR-Niveau 61
3.2.6.2 Klassifikation der Inhalte nach Verhaltensstufen und 4. EQR-Niveau 70
3.2.7 Kompetenzraster zur Beurteilung der Handlungskompetenz 77
3.3 Zusammenfassung zum Kategoriensystem 80
4. Diskussion der Ergebnisse 82
4.1 Interpretation und Gültigkeit der Ergebnisse 82
4.2 Überprüfung der Gültigkeit der Kriterien an Bildungszielen 96
4.3 Empfehlungen 97
5. Schlussfolgerungen 101
Literaturverzeichnis 106
Tabellenverzeichnis 114
Anhang 116

Textprobe:

Kapitel 2, Handlungskompetenz in der Altenpflegeausbildung:

Der `Konzeptionelle Rahmen der Handlungskompetenz´, wie in Kapitel 1 behandelt, wird in die Altenpflegeausbildung übertragen, um auf diesen Grundsätzen Kompetenzen beurteilen zu können. In der Altenpflegeausbildung wird der Erwerb der Handlungsfähigkeit im Zusammenhang mit dem Lernfeldkonzept und dessen didaktischen Bezugspunkten, den Lernfeldern und den typischen Arbeitssituationen thematisiert. Die gesetzlichen Richtlinien, das Altenpflegegesetz, die Ausbildungsprüfungsverordnung und der Rahmenlehrplan bilden die inhaltliche und konzeptionelle Basis für die Altenpflegeausbildung und auch für die Beurteilung der Handlungskompetenz. Die Ausbildungskonzepte unterstützen die Unterrichtsprozesse und sind für die Sicherstellung der Lernergebnisse und die kompetenzorientierten praktischen Prüfungen notwendig. Dieses Kapitel behandelt abschließend die Auswirkungen des `Konzeptionellen Rahmens der Handlungskompetenz´ und der Gesetzgebung auf die praktische Prüfung, die Erstellung der Beurteilungskriterien und deren Integration in das Kompetenzraster.

2.1, Berufspolitische und didaktische Ziele der Handlungskompetenz:

Die Erlangung von Handlungskompetenz ist das Leitziel der beruflichen Bildung und Voraussetzung für die Erfüllung der aktuellen Anforderungen in der Arbeitswelt. Storz bezeichnet die Handlungskompetenz als ‘Zielgröße für berufliche Bildung’.

Mit der bundeseinheitlichen Neuregelung der Altenpflegeausbildung und Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ist die Lernfeldorientierung als Ausbildungskonzept verbindlich. Das oberste Ziel der Berufsausbildung ist es den Auszubildenden zur Handlungsfähigkeit zu verhelfen, damit sie professionelle Selbstsicherheit erhalten, die sie dazu befähigt, neue Anforderungen in der Arbeitswelt und der Gesellschaft verantwortungsbewusst zu bewältigen.

Das Ziel der handlungsorientierten Altenpflegeausbildung ist es, die eigenständig gesteuerten Versorgungsprozesse, in realen beruflichen Situationen nach dem Prinzip der vollständigen Handlung und nach sechs Schritten des Pflegeprozesses, einzuleiten. Siebert hält das Verfolgen der Handlungsschritte für notwendig, um strukturiert zu arbeiten und die durchgeführten Handlungen zu überprüfen. Bei Nichtanwendung der Handlungsorientierung können die Lernpotentiale verkümmern. Für Storz sind die Arbeitsprozesse für die Benennung der Bildungserfordernisse relevant. Eine direkte Auseinandersetzung mit den beruflichen Handlungen in der Altenpflegeausbildung bildet nach Gürtel die Grundlage für das Lernen im Beruf. Nach Kaiser unterstützt das pflegewissenschaftlich fundierte und entdeckende Handlungs- und Anwendungswissen die Bewältigung hochkomplexer Pflegesituationen in der Praxis. KDA hebt folgende berufsrelevante Aspekte der Handlungsorientierung hervor:

Lernen für das Handeln und durch das Handeln.

Ganzheitliches Erfassen der beruflichen Wirklichkeit durch selbständiges Planen, Durchführen, Überprüfen, Korrigieren und Bewerten.

Reflektion und Integration der Erfahrungen.

Mit einbeziehen von sozialen Prozessen in die Handlungen.

Durch die Strukturierung der Lernfelder nach dem didaktischen Konzept der Handlungsorientierung wird die Handlungskompetenz situativ und praxisnah, im konkreten Handlungszusammenhang geschult und kompetenzorientiert bewertet. Die Auszubildenden werden auf die Kompetenzbeurteilung in komplexen Handlungssituationen aus mehreren Perspektiven, d.h. aus Sicht verschiedener Beteiligter vorbereitet.

2.2, Handlungskompetenz im Lernfeldkonzept:

Die Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) von 1996 beschloss Handreichungen für die Erarbeitung lernfeldorientierter Lehrpläne für den berufsbezogenen Unterricht in Berufsschulen. Die Lernfelder orientieren sich an der Förderung von Berufskompetenz, welche sich in Arbeitsprozessen, im Betrieb, entfalten kann. Für den Unterrichtsbedarf werden aus konkreten realen beruflichen Handlungsfeldern typische Arbeitssituationen abgeleitet. Für das kompetente Handeln in beruflichen Arbeitssituationen sind die, in Kapitel 1.1, erwähnten wesentlichen Kompetenzelemente von großer Bedeutung.

Schelten beschreibt die Lernfelder als komplexe thematische Einheiten für den berufsbezogenen Unterricht, welche durch Zielformulierungen, Erläuterungen, Lehrinhalte und Literaturhinweise definiert werden. Der Aufbau der Lernfelder wird am Beispiel des Lernfeldes 1.3, `Alte Menschen personen- und situationsbezogen pflegen´ erklärt. Der Rahmenlehrplan weist 14 Lernfelder aus, in welchen konkrete berufliche Aufgabenstellungen und Handlungsabläufe zusammenfasst werden.

Die Zielformulierungen des Lernfeldes 1.3 beschreiben, welche Qualifikationen und Kompetenzen am Ende des schulischen Lernprozesses in diesem Lernfeld erworben werden sollten. Die Förderung der Handlungskompetenz orientiert sich an dem Prinzip der vollständigen Handlung. Bei Durchführung der individuellen und situationsangemessenen fachgerechten Körperpflege werden die Schritte der Erfassung, Planung und Beurteilung der Ressourcen und der Pflegeprobleme eingehalten. Die berufsfachlichen und fächerintegrativen Lerninhalte sind eine Arbeitshilfe zur Umsetzung des Lernfeldkonzeptes, sie beschreiben die Zielformulierungen und bilden die Mindestanforderungen an die Erreichung des Ausbildungszieles in einem einzelnen Lernfeld. Der Zeitrichtwert definiert den Umfang der Inhalte, von 20 bis 80 in jedem Lernfeld, pro Ausbildungsjahr. Das Lernfeld 1.3 wird ab dem ersten Ausbildungsjahr vermittelt und umfasst 720 Unterrichtsstunden. Die Erläuterungen sind Vorschläge zur Gestaltung des Unterrichts für die ausgesuchten Lernfelder. Die Literaturhinweise enthalten die Quellenangaben.

Ein wichtiger Grundsatz des Lernfeldkonzepts ist die Orientierung der Lernfelder an beruflichen Tätigkeitsfeldern und an realen beruflichen Handlungen der Arbeits- und Geschäftsprozesse, welche für den Unterricht pädagogisch sowie konzeptionell zu typischen Arbeitssituationen aufbereitet werden müssen. Die beruflichen Tätigkeitsfelder sind die Basis für die Identifikation der beruflichen Kompetenzen. Nach Dubs begünstigen die Lernfelder den handlungsorientierten Unterricht, indem sie aus den realen Arbeits- und Geschäftsprozessen die Problembereiche der Lernfelder und die Kompetenzen abgeleitet werden.

Arbeit zitieren:
Burghardt, Anna August 2009: Messung der Handlungsfähigkeit in beruflichen Situationen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Pflegekompetenzen, Kompetenzmessung, Kompetenzraster, Kompetenzorientierte Prüfung, Europäischer Kompetenzrahmen

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