Mentales Training in der Snowboardausbildung
Eine feldexperimentelle Studie zum Einsatz mentaler Trainingsformen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Oliver Ecker
- Abgabedatum: März 2008
- Umfang: 168 Seiten
- Dateigröße: 658,1 KB
- Note: 2,8
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 42
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1678-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ecker, Oliver März 2008: Mentales Training in der Snowboardausbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Snowboard, Mentales Training, Trainingsform, Wintersport, Snowboardausbildung
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Diplomarbeit von Oliver Ecker
Einleitung:
In der vorliegenden Arbeit geht es um Mentales Training (im Folgenden mit MT abgekürzt) und die Anwendung auf eine bestimmte Sportart: das Snowboarden. Da ich selbst diesen Sport bereits seit mehreren Jahren ausübe und als Verbandslehrer auch Snowboardunterricht gebe, bin ich der Überzeugung, dass durch die Anwendung von MT, das ich u.a. auch selbst praktiziere, die Leistungsfähigkeit sowohl im Freizeit- als auch im Breitensport besonders im Snowboardsport verbessert und stabilisiert werden kann.
Im folgenden Kapitel werde ich zunächst einen Überblick über MT und seine Definition geben. Weiter werden auf die Ziele des MT, die Voraussetzungen des MT, seine Wirkung und die Anwendung näher eingegangen. Ein spezielles Kapitel über den Snowboardsport soll einen allgemeinen Einblick über die betreffende Sportart verschaffen. Weiterführend werden mentale Trainingsformen besprochen und verschiedene Modelle des MT dargestellt.Im Anschluss an den Theorieteil, werden zunächst das Untersuchungsverfahren und der Untersuchungsaufbau der feldexperimentellen Studie aufgezeigt. Anschließend wird die in Arosa / Schweiz praktizierte Studie in der Durchführung näher beschrieben. Dem folgend werden die Untersuchungsauswertungen und anschließend die Ergebnisse dargestellt.
Sportliche Erfolge werden ganz wesentlich im Kopf entschieden. Immer wieder ist in den Medien zu lesen, dass es eine Kopfsache ist, sportlich erfolgreich zu sein. Bei der körperlichen und medizinischen Vorbereitung stoßen Athleten längst an ihre Grenzen. Laut Moll 2007 verbergen sich die größten ungenutzten Leistungspotentiale ‚nicht in der Muskulatur, sondern in der Psyche’. Auch in Wettkämpfen, in denen ein Athlet körperlich perfekt vorbereitet ist, kann dieser an den mentalen Barrieren scheitern. Im Gegensatz zu den vergangenen 50 Jahren, in denen psychologische Betreuung lange Zeit verpönt war, galt sie doch als Eingeständnis von Schwäche, gehört heute das konsequente MT genauso wie Kraft- und Ausdauertraining zur allgemeinen Fitness.
Im Spitzensport macht das mentale Techniktraining den größten Teil des Trainingsprogramms aus. Auch in der aktuellen Sportberichterstattung wird immer wieder davon gesprochen, dass z.B. ein Abfahrtsläufer in seinem Lauf ‚mental gut drauf’ war. Daher wollen immer mehr Sportler aller Leistungsklassen wissen, was MT ist und ob es nutzbringend angewandt werden kann. Warum soll demnach nicht auch im Gegensatz zum Spitzensport in verschiedenen Bereichen des Freizeit- und Breitensports MT angewandt werden.
Estermann hat zum MT im Spitzensport folgendes Fazit formuliert:
‚Wenn es uns nicht gelingt, unsere Sportart mental perfekt auszuführen, ist es unwahrscheinlich, dass uns dies im Wettkampf möglich ist!’ Dies gilt allgemein betrachtet für jeden Sport und alle Klassen, ob er nun als Leistungs- oder nur als Freizeitsport betrieben wird. Da die bestehende Fachliteratur nach Meinung von Experten meistens entweder zu wenig praxisorientiert oder zu kompliziert abgefasst ist, füllt die vorliegende Arbeit eine Lücke und kommt somit einem echten Bedürfnis nach.
Zunächst soll ein aktuelles Beispiel die vorherigen Thesen unterstützen und die Nützlichkeit des MT verdeutlichen:
Mithilfe des Sportpsychologen Hans Dieter Hermann formte Jürgen Klinsmann aus einer Gruppe (…) talentierter Spieler eine Mannschaft, die beinahe das Finale erreicht hätte. Es gelang dem Bundestrainer, den Teamgeist zu stärken und vor allem den jungen Spielern zu helfen, mit dem immensen Druck umzugehen.
Hans Eberspächer vergleicht in diesem Zusammenhang einen Spitzenathlet mit Piloten und Chirurgen, die ihre Leistung auf den Punkt genau abrufen müssen. Sportpsychologen müssen den Sportlern dabei helfen, ‚das tausendfach Geübte auch zuverlässig in der Extremsituation eines Finales umzusetzen’. Eine der wirksamsten Schritte gegen die Blockade ist für Experten die Selbstgesprächregulation, in der der Dialog den der Sportler mit sich selbst führt verändert wird.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Snowboardsport ist ein schwieriges Unterfangen, besonders mit der Freestyle-Snowboardliteratur, die sich überwiegend auf Erfahrungen und weniger auf wissenschaftliche Beweise begründet.
Sportpsychologen forschen heutzutage an mentalen Trainingsprogrammen, die zur Verbesserung der sportlichen Leistung beitragen können. So z.B. das mentale Trainingsprogramm von Thomas Schack, das mit Hilfe eines Tests ermittelt, inwieweit die Faktoren Angst, Wille und Stress die Leistung beeinflussen. Dieser Test unterscheidet kognitiv ängstliche Sportler, die sich von negativen Gedanken ablenken lassen, von somatisch ängstlichen, die vor einem Wettkampf einen rasenden Puls haben. Bei den erstgenannten verordnet Schack eine Selbstgesprächregulation, bei den anderen Entspannungstechniken wie autogenes Training. Außerdem wurden Methoden entwickelt, bei denen die im Gehirn abgelegten Bewegungsabläufe eines Sportlers verbessert und optimiert werden können. Die Anwendung dieser Methoden wurde z.B. mit der Weltelite im Windsurfen und in Zusammenarbeit mit der deutschen Juniorennationalmannschaft im Frauenvolleyball erprobt.
Im Anhang dieser Arbeit befindet sich eine CD mit den für die Untersuchung wichtigen Power Point Präsentationen, für die in Arosa abendlich abgehaltenen mentalen Trainingseinheiten.
Diese Arbeit soll interessierten Lesern einen Überblick und eine Anleitung geben, wie das MT beispielsweise im Snowboardsport angewandt werden kann und gegebenenfalls dazu anregen, Resultate zu erzielen und Vorgehensweisen zu überprüfen und weiter zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Theorie | 4 |
| 2.1 | Mentales Training im Snowboardsport | 4 |
| 2.1.1 | Definition | 4 |
| 2.1.2 | Ziele des mentalen Trainings | 6 |
| 2.1.3 | Voraussetzungen für MT | 10 |
| 2.1.4 | Wirkung des Mentalen Trainings | 12 |
| 2.1.5 | Anwendung von Mentalem Training | 16 |
| 2.1.6 | Mentales Training im Snowboardsport | 17 |
| 2.1.7 | Entspannungstraining | 20 |
| 2.1.7.1 | Körperreise | 21 |
| 2.1.7.2 | Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen | 22 |
| 2.7.1.3 | Ziele des Entspannungstrainings | 22 |
| 2.2 | Mentale Trainingsformen | 23 |
| 2.2.1 | Verbales / Subvokales Training | 26 |
| 2.2.2 | Observatives Training | 27 |
| 2.2.3 | Verdecktes Wahrnehmungstraining | 29 |
| 2.2.4 | Ideomotorisches Training | 30 |
| 2.3 | Modelle des Mentalen Trainings | 33 |
| 2.3.1 | Das Fünf- Schritte- Modell nach Eberspächer | 34 |
| 2.3.2 | Das Acht- Schritte- Modell nach Eberspächer | 36 |
| 2.3.3 | Das Sechs- Schritte- Modell nach Draksal und Thierauf | 38 |
| 2.4 | Befindlichkeit | 40 |
| 2.4.1 | Der Begriff Befindlichkeit | 40 |
| 2.4.2 | Messung von Befindlichkeit | 40 |
| 3. | Fragestellung | 41 |
| 4. | Hypothesen | 44 |
| 5. | Methodik | 47 |
| 5.1 | Untersuchungsverfahren | 47 |
| 5.2 | Untersuchungsaufbau / Untersuchungsplan | 49 |
| 5.2.1 | Tagesabläufe | 49 |
| 5.2.2 | Untersuchungsinstrumentarien | 50 |
| 5.2.2.1 | Fragebogen: Allgemeine Daten | 51 |
| 5.2.2.2 | Eigenzustandsskala (EZ- Skala) | 51 |
| 5.2.2.3 | Feedbackbogen | 54 |
| 5.2.2.4 | Bewertungsbogen | 54 |
| 5.2.2.5 | Reflexionsbogen | 56 |
| 5.3 | Untersuchungsdurchführung | 56 |
| 5.3.1 | Untersuchungsgegenstand: Straight Air mit Grab | 56 |
| 5.3.2 | Einteilung in die Gruppen | 62 |
| 5.3.3 | Ablaufphasen des Mentalen Trainings | 63 |
| 5.3.4 | Praktischer Versuch: 6 Tage | 75 |
| 5.3.5 | Motivation der Probanden | 78 |
| 5.3.6 | Untersuchungsort | 79 |
| 5.3.7 | Beeinflussende Störfaktoren | 80 |
| 5.4 | Untersuchungsauswertungen | 80 |
| 5.4.1 | Stichprobe | 81 |
| 5.4.2 | Allgemeine Daten | 82 |
| 5.4.2.1 | Angaben zu den Versuchspersonen | 82 |
| 5.4.2.2 | Angaben zum Leistungsstand | 83 |
| 5.4.2.3 | Fahrtyp | 84 |
| 5.4.2.4 | Kenntnis und Anwendung des Mentalen Trainings | 84 |
| 5.4.3 | Subjektiv eingeschätztes Fahrkönnen | 85 |
| 5.4.4 | Auswertung zur symbolischen Markierung | 85 |
| 5.4.5 | Einschätzung vor und nach dem Versuch | 86 |
| 5.4.6 | Auswertung des Reflexionsbogens | 86 |
| 6. | Darstellung und Interpretation der Ergebnisse | 88 |
| 6.1 | Sprungnotenvergleich der MTG / KG | 88 |
| 6.2 | Häufigkeit der guten Sprünge der MTG / KG | 91 |
| 6.3 | Zusammenhang Fahrerfahrung und Fahrkönnen | 92 |
| 6.3.1 | Anzahl der Jahre und gut ausgeführte Sprünge | 92 |
| 6.3.2 | Anzahl der Wochen und gut ausgeführte Sprünge | 93 |
| 6.4 | Konstanz der guten Sprünge der MTG / KG | 94 |
| 6.5 | Unterschied der Sprungnoten der Freestyler, Freerider und Pistenfahrer | 96 |
| 6.6 | Nutzen des Mentalen Trainings | 100 |
| 6.7 | Nutzen des observativen Trainings | 101 |
| 6.8 | Selbsteinschätzung | 102 |
| 6.8.1 | Zusammenhang Selbsteinschätzung als Freestyler zu guten Sprüngen | 102 |
| 6.8.2 | Vergleich allgemeiner Fragebogen vs. Reflexionsbogen | 102 |
| 6.8.3 | Unterschied der Selbsteinschätzung vom ersten bis zum letzten Sprung | 106 |
| 6.8.4 | Vergleich subjektive vs. objektive Selbsteinschätzung | 107 |
| 6.9 | Unterschied der subjektiven Einschätzung des Sprungs der MTG / KG | 109 |
| 6.10 | Unterschied im Gefühl in der Luft | 111 |
| 6.11 | Rückschlüsse anhand von subjektiv eingeschätztem Fahrkönnen auf das Fertigkeitsniveau | 113 |
| 6.12 | Angst | 114 |
| 6.12.1 | Angstreduzierung | 114 |
| 6.12.2 | Einzelfälle der Angst der MTG / KG | 115 |
| 6.13 | Befindlichkeit | 116 |
| 6.13.1 | Unterschied der Befindlichkeit der MTG / KG | 116 |
| 6.13.2 | Zusammenhang der Befindlichkeit zur Sprungfähigkeit | 118 |
| 6.13.3 | Beeinflussung der Empfindungen durch mentale Trainingsformen | 120 |
| 6.13.4 | Unterschied in der Stimmung der MTG / KG | 122 |
| 6.14 | Unterschied in der Qualität der Sprungperformence | 124 |
| 6.14.1 | Zwischen Versuchspersonen, die sich wach / gut fühlen und die sich nicht wach / gut fühlen | 124 |
| 6.14.2 | Zwischen motivierten / guten Sprüngen und nicht motivierten / guten Sprüngen | 125 |
| 6.15 | Zusammenhang zwischen Motivationsfaktoren der EZ - Skala und der motorischen Leistung | 128 |
| 6.16 | Unterschied der MTG / KG in den Faktoren der EZ - Skala | 130 |
| 7. | Diskussion | 131 |
| 8. | Zusammenfassung | 134 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 137 |
| 10. | Anhang 1 | 140 |
Textprobe:
Kapitel 5.3.2, Einteilung in die Gruppen:
Zunächst mussten Snowboarder für die Studie gefunden werden, die sich im Fahr-Können, speziell im Freestyle-Können, auf ähnlichem Niveau bewegen. Die Auswahl ergab sich aus der subjektiven Einschätzung der Versuchspersonen, vor allem aber anhand der Auswertung der Fragebögen und dem Expertenurteil (Bewertungsnoten). Ziel war es über die Ausführung eines Straight Air mit Grab und deren anschließende Bewertung, die Studenten in verschiedene Leistungsklassen einzuteilen und die für die Studie wichtigen Versuchspersonen aus der Masse (48 Studenten) herauszufiltern.
Voraussetzung für einen guten Sprung ist eine gute Fahrtechnik. Denn ohne eine gut ausgeführte Anfahrt auf den Schanzentisch wird es schwer einen guten Sprung zu absolvieren. Diese Grundvoraussetzung ließ sich an der Anfahrt sowie dem Absprung erkennen, sodass Anfänger und Fortgeschrittene leicht aussortiert werden konnten.
Der Bewegungsablauf des Straight Air wurde unter fachmännischer Beobachtung ausgeführt. Hierzu zählten zwei ausgebildete Verbandssnowboardlehrer und ein staatlich geprüfter Snowboardlehrer vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV), die unter anderem auch die Snowboardkurse in Arosa leiteten.
Als Hilfsmittel zur Bewertung der Sprünge diente eine genaue stichwortartige Bewegungsbeschreibung, die helfen sollte viele Eindrücke des Sprungs festzuhalten um möglichst genau bewerten zu können.
Anhand der Sprungtechnik und der Ausführung der Bewegung wurde erkannt, auf welchem Niveau sich die Studenten bewegten und welche Fähigkeiten sie mitbrachten. Verschiedene Sprungkriterien wie eine stabile Anfahrt, Absprung, Flugphase und Landung galt es zu erfüllen. Die oben genannten Kriterien wurden direkt nach jedem Sprung analysiert und in einem Bewertungsbogen eingetragen.
Zudem wurde auch ein Gesamteindruck des Sprungs notiert, um die spätere Einteilung in die Gruppen zu vereinfachen, falls es nicht eindeutig war, zu welcher Gruppe ein Student zählt.
In Anlehnung an den Bewertungsbogen und die vorhandenen Fertigkeiten wurden die Studenten in vier verschiedenen Leistungsklassen eingeteilt: Anfänger, leicht Fortgeschrittene, Fortgeschrittene und Könner. Die für die Studie interessanten Könnensstufen waren leicht Fortgeschrittene und Fortgeschrittene Studenten mit annähernd gleichen Fähigkeiten und gleichem Könnensstand, d.h. Studenten mit guten Sprungfähigkeiten. Aus den vier verschiedenen Leistungsklassen wurden die Studenten, die sich im mittleren Könnensniveau (leicht Fortgeschrittene, Fortgeschrittene) befanden, in die Studie mit aufgenommen. Wichtig für die experimentelle Studie waren auch jene Studenten, die Vorerfahrung im Springen hatten, aber dennoch nicht perfekt springen und noch einiges dazu lernen konnten. Die Grobstruktur einer Bewegung sollte nach Baumann für das MT bzw. ideomotorische Training bekannt sein.
Im weiteren Verlauf sollten homogene Untersuchungsgruppen entstehen. Hierfür wurde die Hälfte der leicht Fortgeschrittenen mit der Hälfte der Fortgeschrittenen gemischt. Aus diesen beiden Gruppen entstand nach einer zufälligen Einteilung, die mentale Trainingsgruppe (MTG), als auch die Kontrollgruppe (KG). Wie der Namen der Gruppe bereits deutlich macht, erhielt die MTG ein gesondertes Training. Die zweite, so genannte KG, wurde für den späteren Vergleich und statistische Auswertungen benötigt.
Insgesamt nahmen 23 Versuchspersonen an der Untersuchung teil, davon waren fünf Personen weiblich und 18 männlich. Weiter ergab sich aus dem Auswahlverfahren eine Gruppenzugehörigkeit von 12 Versuchspersonen in der mentalen Trainingsgruppe und 11 Personen in der KG bzw. nicht mental trainierenden Gruppe.
Ablaufphasen des Mentalen Trainings:
Ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung waren die an jedem Abend abgehaltenen mentalen Trainingseinheiten. Ein Einblick über den gesamten Verlauf der Untersuchungswoche gibt folgende Veranschaulichung:
In der Abhandlung der mentalen Trainingseinheiten wurde sich stark am mentalen Trainingsmodell von Eberspächer orientiert. Zudem sind auch Einflüsse des Sechs- Schritte- Modells von Draksal mit in die Struktur der Trainingseinheiten eingeflossen. Zur Unterstützung der abendlichen Präsentationen konnte ein Videobeamer als visuelle Lernhilfe für Powerpointpräsentationen genutzt werden. Die abendlichen Theorieeinheiten im MT dauerten je nach Themengebiet knapp eine Stunde.
In der folgenden Aufstellung können die Schlüsselstellen des Acht- Schritte- Modells näher betrachtet werden:
- Bewegungsablauf aus einer Sportart auswählen (Snowboard: Straight Air mit Grab).
- Bewegungsablauf detailliert notieren (mindestens auf 1 DIN-A4-Blatt).
- Bewegungsablauf mehrmals durchlesen (3 Tage, ½ Stunde/ Tag), intensiv einprägen; ein innerer Film entsteht.
- Knotenpunkte heraussuchen (6 bis 7 Schlüsselstellen), üben des verkürzten, inneren Films (siehe Anhang Nr. 9).
- Knotenpunkte mit Kurzworten bezeichnen; ein Rhythmus entsteht. Üben dieses Films. Ziel: gleiche Zeitdauer des inneren Films und der praktischen Ausführung.
- Üben auf diesem Niveau, weitere 2 bis 3 mentale Trainingseinheiten.
- Kombinieren des mentalen mit dem praktischen Training.
- Konsequent mental trainieren in Pausen und während der Vor- und Nachbereitung eines Sprungs.
Weiterhin ist es wichtig folgendes zu beachten:
- Trainieren Sie nur eine Bewegung, in der Sie Vorerfahrung haben.
- Üben Sie vor allem zu Beginn sehr detailliert und genau.
- Beginnen Sie das MT immer in einem möglichst entspannten Zustand.
- Bleiben Sie während des Übens hoch konzentriert.
- Üben Sie immer aus der Eigenperspektive.
- Die Vorstellung der Technikausführung sollte nicht länger dauern, als dies praktisch der Fall wäre.
- Vergegenwärtigen Sie sich die Situation lebhaft; setzen Sie alle Sinne ein.
Zudem wurde vor jeder MTE eine viertel Stunde lang Entspannungstraining angewandt. Dies wurde anhand der beschriebenen Methoden aus Kap. 2.1.7 durchgeführt.
In den folgenden Aufführungen sollen die verschiedenen mentalen Trainingseinheiten näher beschrieben werden:
1. Abend: 1. MTE: 5. Schritte des MT:
In der ersten mentalen Trainingseinheit wurde der MTG das Fünf- Schritte- Modell des MT von Eberspächer vorgestellt. Anschließend wurde in einem Theorieteil mit der Beschreibung des subvokalen Trainings begonnen. Daraufhin wurde darüber referiert, welche verschiedenen Ziele im subvokalen Training verfolgt werden.
Im ersten Schritt des Modells wird das ‚subvokale Training’ angewandt. Nach Eberspächer ist dies der beste Einstieg in das MT. In den ersten drei Schritten des MT unterscheidet man die Instruktion, die Bewegungsablaufbeschreibung und die Internalisierung (Selbstgespräch).
Denn ‚Beobachtetes speichert man am besten, indem man es mit sich selbst ein oder mehrere Male durchspricht (…) wie man ein Gedicht auswendig lernt oder wie sich ein Schauspieler seinen Text einprägt’.
Die Instruktion soll den Lernenden dort abholen, wo er sich im Moment befindet, demnach wird an bereits vorhandenem Wissen und Können angeknüpft. Idealerweise werden Fotos und Videomaterial genutzt, um die Bewegung zu verdeutlichen und zu erklären. Vor diesem Hintergrund wurde zur besseren Veranschaulichung, der vom Versuchstag gefilmte Straight Air mit Grab, in Zeitlupenaufnahme von jeder einzelnen Versuchsperson angeschaut. Bei dem Straight Air mit Grab bietet es sich vor allem auch an, die Instruktion anhand von Reihenbildern zu Erlernen, da einzelne Phasen sehr gut erkannt und beschrieben werden können. In der Power Point Präsentation gab es daher als Hilfestellung zur Instruktion ein Bild des Straight Air mit Grab zu sehen.
Nun war es die Aufgabe der Versuchspersonen sich in einer Gruppenarbeit Gedanken zu dem Straight Air mit Grab zu machen. In einer zweiten Aufgabe sollten die Ergebnisse der Bewegungsbeschreibung stichpunktartig festgehalten werden. Wichtig hierbei war, dass jeder Student sich die Gruppenergebnisse selbst und so detailliert wie möglich notiert, weil nur die eigene individuelle Instruktion zum Bewegungsablauf im späteren Praxisversuch angewandt werden konnte. Anschließend kamen die Gruppen wieder zusammen, um den entstandenen Bewegungsablauf einander vorzustellen und in eine perfekte Form zu gliedern. So konnte die für jeden perfekte Bewegungsbeschreibung entstehen. Bis zur nächsten mentalen Trainingsstunde sollten die stichpunktartigen Notizen schriftlich ausformuliert werden.
Eine Beschreibung des Straight Air mit Grab könnte wie folgt lauten:
Zu Beginn richte ich mich auf und stelle mein Brett quer zur Fahrtrichtung. Ich sehe auf die Sprungschanze und atme tief ein und aus. Um in die Falllinie zu rutschen belaste ich mein vorderes Bein und fahre langsam los. Ich stehe und fahre in der Grundposition an, dabei sind die Sprunggelenke, Knie und Hüfte leucht gebeugt, der Oberkörper aufrecht, die Arme werden angewinkelt und vor dem Oberkörper bzw. leicht seitlich davon ausgebreitet gehalten, der Blick geht über die Schulter in Fahrtrichtung auf die Schanze. Der Körperschwerpunkt liegt tief, auf dem gesamten Brett verteilt. Auf dem Schanzentisch angekommen gehe ich noch tiefer in die Knie um mich am Ende des Schanzentisches fest mit Strecken der Beine von der Schanze abzudrücken. Während der Flugphase nehme ich eine kompakte Haltung ein, indem ich die Knie bis zur Brust anziehe und anschließend mit der hinteren Hand an das Brett greife (Indy Grab). Danach orientiere ich mich in der Luft, schaue auf die Landung und lasse die Kante des Boards wieder los. Um die Landung abzufangen strecke ich nun die Beine aus um anschließend tief in die Knie gehen zu können. Ich federe ganz locker in den Knien den Aufprall ab und setzte des Board plan auf der Piste auf. Nun fahre ich den Schwung aus und fahre noch einige Meter gerade aus, bis ich aufkante um zu bremsen.
In der Internalisierungsphase wird die vom Trainer abgesegnete Bewegungsbeschreibung verinnerlicht. Die individuelle Beschreibung der Bewegungsvorstellung des Straight Air mit Grab sollte mental durchgegangen werden, indem man sich den Bewegungsablauf und seine einzelnen Schritte mehrmals laut vorliest, per Selbstgespräch (subvokal), und auswendig lernt. Nach einer kurzen Dauer sollte der Bewegungsablauf keine Lücken mehr aufweisen und visuell durchdacht werden können. Im Laufe des subvokalen Durchgehens treten bestimmte Phasen immer mehr in den Vordergrund. Dies ist nach Eberspächer ‚ein Zeichen für beginnende Automatisierung’.
2. Abend: 2. MTE: Beschreibung der Knotenpunkte (KP) und symbolische Markierung:
Zunächst wurden die ausformulierten Bewegungsbeschreibungen aus der Gruppe der Versuchspersonen vorgetragen. Eventuelle Fehler in der Bewegungsbeschreibung wurden in der Gruppe besprochen und behoben, sodass sie keine Lücken mehr aufwies. Zu der Frage, wer den Bewegungsablauf in die wichtigen Unterpunkte (Anfahrt, Absprung, Flugphase, Landung) gegliedert hat, meldete sich eine Vielzahl der Studenten. Denn mit Hilfe dieser Aufgliederung wird das Beschreiben und Lernen eines Sprungs erleichtert. Die Ergebnisse der Beschreibung des Straight Air mit Grab, die bei den Versuchspersonen bis zu einer DinA4 aufwies, zeigte eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik. Da die eigene Bewegungsbeschreibung sehr speziell und auf jedes Individuum abgestimmt war, wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass man sich nur auf seinen selbst formulierten Bewegungsablauf konzentrieren sollte.
In der Reihe des Modells von Eberspächer standen in dieser mentalen Trainingseinheit die Beschreibung der Knotenpunkte und deren symbolische Markierung auf dem Plan. Zu den Aufgaben für die Gruppen zählte folgendes:
1. Die einzelnen Abfolgen des Bewegungsablaufes sollten systematisiert und in Knotenpunkten zusammengefasst werden.
2. Entstandene Knotenpunkte werden symbolisch, mit einer synonymen Silbe, markiert.
Für diese Aufgabe wurden drei Vierergruppen gebildet. Wichtige Bewegungsmerkmale und Schlüsselstellen (Knotenpunkte) sollten in Gesprächen erörtert und aufgeschrieben werden. Zu diesem Themenbereich gaben folgende Fragen eine Hilfestellung:
- Was ist wichtig für den Sprung?
- Welche Teilaspekte der Gesamtbewegung gibt es?
- Wie springe ich erfolgreich?
- Auf was muss ich beim Springen achten?
Die Ergebnisse wurden vor der gesamten Gruppe vorgetragen und diskutiert, um die wichtigsten Knotenpunkte noch einmal zu notieren und zu verinnerlichen. Um die Knotenpunkte erarbeiten zu können, wurde der Bewegungsablauf in die bedeuteten Bewegungsteilabschnitte gegliedert, die so genannten Schlüsselstellen der Bewegung. Die einzelnen Elemente des Bewegungsablaufs wurden so systematisiert. Weiter wird dadurch auch die Bewegungsstruktur verdeutlicht.
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Arbeit zitieren:
Ecker, Oliver März 2008: Mentales Training in der Snowboardausbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Snowboard, Mentales Training, Trainingsform, Wintersport, Snowboardausbildung



