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Menschenrechte als Frauenrechte und Frauenrechte als Menschenrechte

Unter besonderer Berücksichtigung von Elisabeth Selberts Leben und Beitrag

Menschenrechte als Frauenrechte und Frauenrechte als Menschenrechte
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Cornelia Maier
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 604,5 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5358-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Maier, Cornelia September 2001: Menschenrechte als Frauenrechte und Frauenrechte als Menschenrechte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Emanzipation, Gender, Suffrage, Gleichstellung, Geschlechterforschung

Magisterarbeit von Cornelia Maier

Einleitung:

Der Kampf der Frauen um ihre faktische Gleichstellung und um die Anerkennung der Frauenrechte als Menschenrechte hat bereits eine lange Geschichte und ist auch heute noch lange nicht beendet. Weiteres Engagement bleibt hier unbedingt notwendig. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist jedoch die gesetzliche Gleichberechtigung. Diese wurde in Deutschland im Parlamentarischen Rat von der sozialdemokratischen Anwältin Elisabeth Selbert erkämpft. Darum ist dieser Politikerin meine Arbeit gewidmet.

Gang der Untersuchung:

Nach einer gründlichen Einführung in die Thematik Menschenrechte als Frauenrechte und Frauenrechte als Menschenrechte ordne ich Elisabeth Selbert in diesen Kontext ein. Danach folgt eine ausführliche Biographie dieser Frau unter Berücksichtigung ihrer familiären Sozialisation, ihrer Partnerschaft mit Adam Selbert, ihrer Erfahrungen in Partei, Studium und Beruf, ihrer Notlage in der Nazizeit und ihres Engagements beim demokratischen Wiederaufbau nach der Befreiung durch die Alliierten. Dann folgt ein längeres Kapitel darüber, wie Elisabeth Selbert den Gleichberechtigungsartikel im Grundgesetz erkämpfte.

Danach berichte ich über Elisabeth Selberts Leben und Engagement nach diesem historischen Erfolg, wobei ich wie auch in den Kapiteln, die ihr Leben und ihre Arbeit vor ihrer Wahl in den Parlamentarischen Rat thematisieren, besonders auf ihre Aktivitäten im frauenpolitischen Bereich eingehe. Abschließend folgt eine kritische Würdigung Elisabeth Selberts, wiederum unter besonderer Berücksichtigung ihres Beitrags zur Menschen- und Frauenrechtspolitik. Gerade in diesem Kapitel beschäftige ich mich, ebenso wie in der Einleitung, nochmals allgemein mit Frauenrechten als Menschenrechten und Menschenrechten als Frauenrechten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Einordnung von Elisabeth Selbert in den Kontext der Menschen- und Frauenrechtsgeschichte und des Kampfes um eine geschlechterdemokratische Gesellschaft 3
2. Elisabeth Selberts Leben und Arbeit vor ihrer Wahl in den Parlamentarischen Rat 10
a) Ihre Kindheit und Jugend 10
b) Der Anfang der Beziehung mit Adam Selbert und der damit verbundene Weg zur Sozialdemokratie 13
c) Erste politische Erfahrungen 15
d) Elisabeths Partnerschaft mit Adam Selbert 19
e) Elisabeths Studium und Dissertation 22
f) Elisabeths Leben unter der Nazi-Diktatur 24
g) Die Befreiung und Elisabeths Rückkehr in die PolitikS 29
h) Elisabeths Tätigkeit als Stadtverordnete in Kassel 34
i) Elisabeths Arbeit in der Landespolitik 37
j) Elisabeths Verhältnis zu den Emigranten 41
3. Elisabeth Selberts bahnbrechender Erfolg für die Frauen im Parlamentarischen Rat 43
4. Elisabeth Selberts Leben und Engagement nach dieser ihrer historischen Leistung 62
a) Elisabeth und die Anfänge der Bundesrepublik 61
b) Eine politisch wie privat äußerst schwierige Zeit in Elisabeths Leben 64
c) Elisabeths Leben nach ihrem partiellen Rückzug aus der Politik 67
d) Elisabeths frauenpolitisches Engagement und ihre öffentlichen Erfolge in der Bundesrepublik, insbesondere im höheren Alter 68
Kritische Würdigung von Elisabeth Selbert, insbesondere im Kontext der Frauen- und Menschenrechte 78

Automatisiert erstellter Textauszug:

daß ein Drittes Reich kommen sollte... Wir als deutsches Volk klagen an, und wir klagen an im Namen der Millionen toter Deutscher, die in den vergangenen dreizehn Jahren auf der Strecke geblieben sind. Die Angeklagten Papen und Schacht waren die Reichsverderber; sie waren die Steigbügelhalter Adolf Hitlers.“ Dadurch wurde deutlich, daß sie auch Hitlers Helfershelfer verurteilte und nicht etwa verharmloste. Sie zitierte auch die Aussage des führenden Nürnberger Juristen Jackson, der festgestellt hatte, daß es sich bei dem Freispruch der Genannten „um einen heiklen Punkt handle“. Sie schloß ihre Rede folgendermaßen ab: „Ich glaube, all das genügt, um unsere Forderung für begründet zu halten und um uns das Recht zu geben, auch hier als Vertreter der Bevölkerung von Hessen – und wir fühlen uns hier als Vertreter des ganzen Volkes- zu sagen: Wir klagen an und verlangen, daß Papen und Schacht, zum mindesten diese beiden, sowie auch Hugenberg der deutschen Gerichtsbarkeit zur Verfügung gestellt werden“ (Selbert / Dertinger 1989: S. 23-24). Damit, daß sie ersatzweise eine Verurteilung der Genannten durch die deutsche Gerichtsbarkeit, „wenn sie schon für ihre Verbrechen gegenüber der Welt nicht verurteilt werden konnten“, forderte, machte sie auch deutlich, daß die Nazis nicht etwa „gut für Deutschland“ gewesen waren, sondern eine terroristische und totalitäre Diktatur, unter der auch die deutschen Opfer und Gegner der Nazis zu leiden hatten, errichtet hatten. Obwohl oder wohl vielmehr weil Elisabeth immens unter der Diktatur und dem durch dieselbe verschuldeten Krieg gelitten hatte, was auch darin zum Ausdruck kam, daß sie sich als Angehörige der „Generation der Gezeichneten“, die zwei Weltkriege durchzustehen hatte, bezeichnete (Böttger / Ariadne Sept. 1996: S.9), wollte sie aktiv und engagiert beim Aufbau der Demokratie mitwirken. Dabei stand für sie die Partizipation an der Gesetzgebung an vorderster Stelle. Anders als viele Deutsche erkannte sie auch, daß die schwierige Situation im Nachkriegsdeutschland durch die Taten der Nazis und ihrer Helfershelfer bedingt war und aus dem resultierte, „was die Deutschen selber angezettelt“ und der Bevölkerung in den besetzten Gebieten angetan hatten (Drummer / Zwilling / Hess. Landesreg. 1999: S. 66). Was aber Elisabeth und ihre Familie betraf, kann sowohl politisch wie privat von einer wahren Aufbruchstimmung gesprochen werden: Auch Adam konnte nun wieder einer befriedigenden Arbeit nachgehen, zuerst in der Kommunalverwaltung von Kassel, dann als Landesrat, was auch finanziell sehr hilfreich war. Auch die beiden Söhne kehrten zurück und lebten weiterhin bei den Eltern. Auch Gerharts Schulfreund Herbert Fenner, dessen Eltern durch den Krieg umgekommen waren, wurde in die Familie Selbert aufgenommen. Drei Jahre lebte er mit Elisabeths Familie zusammen. Auch später war er noch eng mit den Selberts befreundet. [...]

mit den Amerikanern zu tun. Nun konnte sie, zunächst als Strafverteidigerin vor amerikanischen Militärgerichten und im Ausschuß zur Neuordnung der Justizverwaltung in Kassel, später als von den Amerikanern lizensierte Anwältin und Notarin, wieder in ihrem Beruf arbeiten, wobei sie nun selbstverständlich nicht mehr mit NS-Gesetzen konfrontiert wurde. Gerade Juristinnen hatten nun gute Chancen, da sie aufgrund des weitgehenden Ausschlusses von der Rechtspflege durch die Nazis weitaus weniger in deren Verbrechen verstrickt waren. Auch wurde von Seiten der Amerikaner eine geschlechterdemokratische Perspektive formuliert. Z.B. Major Frank Watson erkannte es als zukunftsweisend für die demokratische Entwicklung Deutschlands, wenn auch Frauen im öffentlichen Sektor und in der Justiz arbeiteten und – entgegen der damals anscheinend noch weitverbreiteten Vorurteile – auch anerkannt wurden. Elisabeth begrüßte diese Intention. Die bedauerliche Tatsache, daß sich nicht allzu viele Bewerberinnen meldeten, quittierte sie mit dem Aufruf an die Frauen, sich „geistig und politisch zu schulen“. Im Rahmen der Denazifizierung hatte sie auch die Gelegenheit, einen Tag lang den Verhandlungen des Kriegsverbrechertribunals in Nürnberg beizuwohnen, wo sie einen Teil des Verfahrens gegen Franz von Papen miterlebte (Drummer / Zwilling / Hess. Landesreg. 1999: S. 62 – 64). Elisabeth bezeichnete die Verhandlungsführung als sachlich und vorbildlich. Die Existenz eines internationalen Gerichts wertete sie als Schritt auf dem Weg zu einer weltweit verbesserten Durchsetzung der Menschenrechte. So sprach sie von einem „Markstein ... auf dem Weg zu einem neuen Weltenrecht..., das den Krieg und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit ächtet.“ (In diesem Kontext könnte heutzutage trotz allen mit dieser Aufgabe verbundenen Schwierigkeiten auch das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gesehen werden, ebenso den dort ausgeschriebenen Haftbefehl gegen Milosevic und Co..) Da jedoch Hugenberg nicht einmal angeklagt wurde und von Papen und Schacht freigesprochen wurden, forderte Elisabeth, diese drei Personen wegen Hochverrats vor ein deutsches Gericht zu stellen, um sie wenigstens für ihre „Verbrechen am deutschen Volk“ (bzw. an den deutschen Gegnern und Opfern der Nazis) zur Rechenschaft zu ziehen, wenn schon ihre Verbrechen „gegenüber der Welt“ nicht geahndet werden konnten. Bei der Begründung des diesbezüglichen Antrags ihrer Fraktion erklärte sie: „Ohne Kritik an dem Urteil zu nehmen, halten wir es aber für erforderlich, hier zum Ausdruck zu bringen, daß wir den Freispruch hinsichtlich der Leute wie Fritzsche, Schacht und Papen auf das tiefste bedauern. Wenn sie durch dieses internationale Gericht auch nicht wegen Verbrechen gegenüber der Welt verurteilt werden konnten, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß sie sich des Verbrechens am deutschen Volk schuldig gemacht haben, indem sie durch Hochverrat es möglich machten, [...]

gungen im Dritten Reich zuwider, zumal auch die erwähnten Tricks nicht immer funktionierten und sie selbst von der GESTAPO überwacht wurde. Sie verwies jedoch darauf, daß sie ihre Existenz und die ihrer Familie sichern mußte. Schwer war es gewiß, und sie konnte oft nur allzu wenig erreichen. Oft konnte sie z.B. nicht verhindern, daß ältere oder kranke Frauen – im Krieg war dann die Erwerbsarbeit von Frauen dann doch sehr gefragt und wurde in „kriegswichtigen“ Bereichen auch erzwungen – für die Rüstungsindustrie dienstverpflichtet wurden. Trotz alledem bedauerte sie es anscheinend nicht, anfangs nicht emigriert zu sein. Auf ihre Haltung gegenüber Emigranten werde ich noch zurückkommen. Es ist (leider) festzuhalten, daß sie sich zum Schein auf Anraten von Genossen an der NS-Volkswohlfahrt beteiligte. Auch nahmen ihre Söhne an sportlichen Veranstaltungen der Hitlerjugend teil. Später wurden auch sie dazu gezwungen, für die Nazis zu kämpfen. Glücklicherweise überlebten sie den Krieg. Adam blieb die Mitarbeit bei der Luftschutzpolizei aus gesundheitlichen Gründen erspart. Zu allem Übel wurde am 22. 10. 1943 auch noch Elisabeths Kanzlei ausgebombt. Sie hatte überlebt, weil sie nach der Warnung einer Mitarbeiterin vor dem Luftangriff nach Hause fuhr. Schließlich zogen Elisabeth und Adam für den Rest des Krieges ins nahegelegene Melsungen, wo sie in einem Hotel wohnten. Dies führte jedoch dazu, daß Elisabeth aufgrund unzureichender Fahrmöglichkeiten oftmals zu Fuß den langen Weg nach Kassel zu Verhandlungen gehen mußte (Drummer / Zwilling / Hess. Landesreg. 1999: S. 54 – 60). Heimlich blieb Elisabeth während der ganzen zwölf Jahre der Diktatur und des Terrors Sozialdemokratin. Gemäß ihrer Einschätzung gab es in Kassel keinen aktiven Widerstand gegen Hitler. Dennoch trafen sich die Genossen heimlich, vor allem zu privaten und scheinbar unpolitischen Anlässen, natürlich mit Beteiligung Elisabeths. Sie tauschten Nachrichten und regimefeindliches Material aus, unterstützten sich gegenseitig, blieben untereinander freundschaftlich verbunden und bestärkten sich in ihrer Hoffnung auf den Untergang der Diktatur. Vor allem nach 1943 vertrauten sie auf das baldige Ende des Nazireichs (Dertinger 1989: S. 20). [...]

Arbeit zitieren:
Maier, Cornelia September 2001: Menschenrechte als Frauenrechte und Frauenrechte als Menschenrechte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Emanzipation, Gender, Suffrage, Gleichstellung, Geschlechterforschung

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