Die Menarche - Einschneidende Erfahrungen im Entwicklungsprozeß von Mädchen
Probleme und pädagogische Konsequenzen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Tanja Sthamer
- Abgabedatum: November 1997
- Umfang: 111 Seiten
- Dateigröße: 639,2 KB
- Note: 3,0
- Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0891-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0891-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0891-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sthamer, Tanja November 1997: Die Menarche - Einschneidende Erfahrungen im Entwicklungsprozeß von Mädchen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sexualerziehung, Menarche, Schule, weibliche Entwicklungsphase, Betrachtungsweisen von Menstruation
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Magisterarbeit von Tanja Sthamer
Problemstellung:
Menarche - ein Thema der Pädagogik?
Menstruation - damit werden vielfach Beschwerden und Schmerzen, komplizierte biologische Vorgänge im weiblichen Körper, Menstruationshygiene und peinliche Blutflecken assoziiert. Nur wenige Mädchen und Frauen haben eine wirklich positive Einstellung zu ihrer Menstruation. Sie scheint kein Thema zu sein, obwohl jede Frau rund 40 Jahre von ihrem Menstruationszyklus begleitet wird und umgerechnet etwa 2300 Tage - das sind sechs Jahre und drei Monate -, menstruiert.
Die meisten körperlichen Veränderungen, die mit der Entwicklungsphase einhergehen, sind allmähliche Entwicklungsvorgänge wie z. B. das Brustwachstum oder die Genitalbehaarung. Die Menarche jedoch setzt plötzlich ein und stellt eine abrupte Veränderung in der weiblichen Entwicklungsphase dar.
Einige amerikanische Untersuchungen bestätigen, daß die Menarche als sehr einschneidend in der Entwicklungsphase von Mädchen erlebt werden kann. Im deutschen Sprachraum hingegen existieren so gut wie keine Studien, die das Erleben der Menarche von Mädchen behandeln.
In dieser Magisterarbeit soll die Menarche in der Entwicklungsphase von Mädchen näher betrachtet werden. Wie erlebt ein Mädchen seineMenache? Was bedeutet die Menarche für die Entwicklungsphase von Mädchen? In welchem Zusammenhang steht das Erleben der Menarche mit gesellschaftlichen Faktoren? Welche Zusammenhänge und pädagogische Konsequenzen ergeben sich daraus?
Ich möchte über Menarche und Menstruation schreiben, weil ich als angehende Pädagogin in meinem Beruf sicherlich noch oft mit diesem Thema konfrontiert sein werde, und ich als menstruierende Frau davon selbst und von den gesellschaftlichen Bewertungen spürbar betroffen bin. Mit diesem Bewußtsein meiner eigenen subjektiven Betroffenheit lasse ich mich wissentlich auf ein brisantes Verhältnis ein und nehme dieses zum Anlaß meiner Arbeit.
Unberücksichtigt bei der Bearbeitung dieses Themas bleiben zum größten Teil die sicherlich auch bedeutsamen Ereignisse und Entwicklungen eines Mädchens, das noch nicht menstruiert und einer Frau, die nicht bzw. nicht mehr menstruiert.
In der bearbeiteten Literatur und im allgemeinen Sprachgebrauch erfolgt keine klare Abgrenzung der Begriffe Mädchen und Frau. Das bedeutet, daß es nicht ersichtlich wird, wann der Schritt zwischen Mädchen-sein und Frau-werden vollzogen wird. Häufig jedoch wird die Menarche als Eintritt in die Erwachsenenwelt gewertet. An dieser Stelle bleibt kritisch anzumerken, daß das Erwachsen-werden und -sein meines Erachtens ein individueller Prozeß ist, der von zahlreichen, wie z. B. psychologischen oder soziokulturellen Faktoren abhängig ist. Dennoch werden die Begriffe Mädchen und Frau im Rahmen dieser Arbeit in Anlehnung an die vorliegende Literatur verwendet.
Dasselbe geschieht mit den Begriffen Junge und Mann. In der mir vorliegenden Literatur wird auch hier keine klare Abgrenzung dieser Begriffe vollzogen. Der erste Samenerguß des Jungens bedeutet in der Regel nicht den Eintritt in die Erwachsenenwelt, was die Differenzierung von Junge und Mann noch schwieriger macht. Auch hier werden diese beiden Begriffe in Anlehnung an die vorliegende Literatur verwendet.
Ein weitere Anmerkung zur Schreibweise: Menarche und Menstruation sind ein "Frauenthema", und daher ist es aufschlußreich, ob die genannten Quellen und Zitate weiblichen oder männlichen Ursprungs sind. Aus diesem Grund wird bei der vorliegenden Zitation der jeweilige Vorname stets genannt, außer es handelt sich um Sekundärliteratur. Auch werden in dieser Arbeit bei Berufsbezeichnungen und ähnlichem stets beide Geschlechter angegeben.
Im ersten Teil meiner Arbeit wird die Entwicklungsphase von Mädchen unter besonderer Berücksichtigung der Menarche betrachtet. Ziel soll es sein, Kenntnis über das Erleben der Menarche von Mädchen zu gewinnen. Um das Bild zu vervollständigen, wird anschließend die psychoanalytische Sichtweise von Menarche und Menstruation dargestellt. Nach dem ersten Teil erfolgt eine Diskussion und Stellungnahme, in der einige Kritikpunkte herausgegriffen und diskutiert werden.
Im zweiten Teil dieser Magisterarbeit werden gesellschaftliche Faktoren mit dem Ziel aufgezeigt, die Beeinflussung dieser auf das Erleben von Menarche darzustellen. Anschließend erfolgen ebenfalls Diskussion und Stellungnahme.
Im dritten Teil der Arbeit wird die Schule als pädagogische Instanz näher betrachtet mit der Zielsetzung, ein Bild über die heutige Sexualerziehung von Schule aufzuzeigen. Anschließend wird ein pädagogisches Konzept hinsichtlich der Sexualerziehung entworfen und im folgenden auf seine Umsetzbarkeit hin untersucht.
Nun wünsche ich allen Leserinnen dieser Magisterarbeit Anregungen und die Lust, die eigene Menstruation eventuell wieder zu entdecken und wertzuschätzen. Von den männlichen Lesern wünsche ich mir das notwendige Einfühlungsvermögen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | Die Entwicklungsphase von Jugendlichen unter besonderer Berücksichtigung der weiblichen Entwicklungsphase | 4 |
| 2.1 | Die Entwicklungsphase von Jugendlichen | 4 |
| 2.2 | Die Weibliche Entwicklungsphase | 7 |
| 2.2.1 | Das Erleben der Menarche | 10 |
| 2.2.1.1 | Bedeutung der Menarche und daraus resultierende Veränderungen | 19 |
| 2.2.2 | Psychoanalytische Aspekte der Menarche und Menstruation | 21 |
| 2.3 | Diskussion und Stellungnahme | 25 |
| 3. | Die Betrachtung der Menarche und der Menstruation aus verschiedenen Blickwinkeln | 28 |
| 3.1 | Ein Exkurs in das Menstruationstabu der Vergangenheit | 29 |
| 3.2 | Volksglauben und Verhaltensregeln | 32 |
| 3.3 | Medizinische Betrachtungsweisen von Menstruation | 35 |
| 3.3.1 | Der 28- Tage- Zyklus | 39 |
| 3.4 | Werbung und Menstruation | 45 |
| 3.4.1 | Begriffserklärungen | 46 |
| 3.4.2 | Werbung von Menstruationshygieneprodukten | 47 |
| 3.5 | Biologiebücher der fünften und sechsten Klasse zum Thema "Fortpflanzung und Entwicklung" | 52 |
| 3.5.1 | Betrachtung der Rahmenrichtlinien der fünften und sechsten Klasse für das Fach Biologie vom Bundesland Niedersachsen unter Berücksichtigung von Lernzielen und Inhalten | 53 |
| 3.5.2 | Bedeutung von Schulbüchern | 55 |
| 3.5.3 | Exemplarische Darstellung zweier Biologiebücher zum Thema "Fortpflanzung und Entwicklung" unter Berücksichtigung des Themas Menstruation | 57 |
| 3.6 | Diskussion und Stellungnahme | 65 |
| 4. | PRAXISFELD SCHULE | 68 |
| 4.1 | Die Notwendigkeit der Sexualerziehung | 69 |
| 4.2 | Schulische Sexualerziehung aus Sicht der Richtlinien | 71 |
| 4.2.1 | Intentionen und Unterrichtsziele der schulischen Sexualerziehung | 71 |
| 4.2.2 | Bedingungen für eine schulsiche Sexualerziehung auf Grundlage der Richtlinien | 72 |
| 4.2.2.1 | Zusammenarbeit mit Eltern | 72 |
| 4.2.2.2 | Situation der Lehrkräfte in der schulischen Sexualerziehung | 72 |
| 4.2.2.3 | Die unterrichtliche Form und Organisation der Sexualerziehung | 74 |
| 4.3 | Sexualerziehung und Schule heute | 75 |
| 4.4 | Vorschläge für eine verbesserte Sexualerziehung auf Grundlagen von Richtlinien und Schulpraxis - ein pädagogisches Konzept | 81 |
| 4.5 | Hindernisse bei der praktischen Umsetzung des pädagogischen Konzepts | 86 |
| 5. | RÜCKBLICK UND AUSBLICK | 91 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 94 | |
| ANHANG | 102 |
Sowohl in der wirtschaftswissenschaftlichen als auch in der werbepsychologischen Literatur lassen sich eine Vielfalt unterschiedlichster Begriffsbestimmungen zur Werbung finden. Grundlage dieser Arbeit ist die Definition von MAYER, DÄUMER und RÜHLE, die besagt, daß Werbung: „[...] ein kommunikativer Beeinflußungsprozeß [...] ist. [...] der das Ziel hat, beim Adressaten mehr oder minder überdauernde Verhaltensänderungen zu bewirken“.208 Dieser Vorgang soll sich nicht nur auf bestimmte Verhaltensbereiche beschränken, sondern sämtliche Erlebens- und Verhaltensebenen umfassen. Nach MAYER beinhaltet diese Definition die zwei wesentlichen Merkmale der Werbung, nämlich den Kommunikationsvorgang und die Veränderung von Verhalten. Diese Definition soll deshalb Basis meiner Arbeit sein, weil meines Erachtens Werbung auch im Bereich der Menstruationshygieneprodukte Mädchen und Frauen in ihrem Kaufverhalten beeinflußt und somit das Verhalten und das Erleben von Menstruation verändern kann. Dies geschieht beispielsweise dadurch, daß Ängste von Mädchen und Frauen angesprochen werden (z.B. Abzeichnen der Binde in der Hose oder das Sehen eines Blutfleckes an der Kleidung). Auf diesen Bereich wird im nächsten Abschnitt noch genauer eingegangen. Kommunikation wiederum ist ein übergeordneter Begriff, der alle Prozesse der Informationsübertragung meint. Zum Kommunikationsprozeß gehören mindestens drei Elemente: ein Sender, eine Nachricht oder Botschaft sowie ein/e EmfängerIn.209 In der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft wird von: Kommunikator, Aussage, Medium, Rezipient und Wirkung gesprochen.210 3.4.2 Werbung von Menstruationshygieneprodukten Wie bereits oben erwähnt, spiegelt sich die gesellschaftliche Haltung zur Menstruation in dem Bild wider, das die Werbung von dem menstruierenden Mädchen und der menstruierenden Frau zeichnet.211 Die Werbung soll anhand des Kriteriums des emanzipierten Frauenbildes betrachtet werden. Vorweg aber scheint es mir wichtig hervorzuheben, daß sich natürlich darüber streiten läßt, inwieweit das Bild, das die Werbung von dem Mädchen und der Frau präsentiert, ein Reales [...]
In diesem Kapitel steht die Betrachtungsweise von Menstruation in der Werbung im Vordergrund. Dabei soll kein bestimmtes Medium (z. B. Fernseh-, Radio-, Zeitschriftenwerbung etc.) herausgegriffen werden. Statt dessen wird versucht, das Bild der Menstruation in der Werbung allgemein zu betrachten. Da die Werbung heutzutage als Spiegel unserer Gesellschaft gesehen wird, spiegelt sich auch hier die gesellschaftliche Haltung zur Menstruation und damit meines Erachtens das Bild von Mädchen und Frauen wider.206 Im folgenden sollen zunächst Begrifflichkeiten in bezug auf Werbung erläutert werden.207 Anschließend wird kurz ein geschichtlicher Rückblick von Menstruationshygiene in der Werbung gegeben. Es folgt die nähere Betrachtung des Bildes von Menstruationhygieneprodukten in der allgemeinen Werbung. 3.4.1 Begriffserklärungen Im folgenden sollen hier kurz die wichtigsten Erkenntnisse im Bereich der Publizistik erläutert werden: [...]
SCHNEIDER kritisieren diese Verfügbarkeit: „Es muß nur die richtige Pille zur richtigen Zeit eingesetzt werden, und man braucht sich über die Lebensbedingungen von Frauen und über die Möglichkeit oder Notwendigkeit einer Veränderung ihrer Lebensbedingungen keine Gedanken mehr machen.“197 Laut BLUME haben 90% aller sogenannten Zyklusstörungen ihre Ursachen nicht in organischen Veränderungen, sondern in den Lebensbedingungen und Lebensgeschichten von Mädchen und Frauen. Entsprechend wirkungslos bleiben die Behandlungsversuche mit Hormonen, die nur auf das körperliche abzielen.198 Hormone produzieren in solchen Fällen die Illusion einer künstlich ausgelösten Blutung am Ende eines künstlich gesteuerten Zyklus.199 „Frauen sollen vor allen Dingen Hormonroboter sein, die mit einer Reihe von Schaltern ausgestattet sind.“200 Nach Aussage von SCHÜßLER und BODE werden Frauen und Mädchen in vielen Phasen ihres Lebens mit Hormonen behandelt, sei es zur Auslösung, Verschiebung, 'Korrektur' der Menstruation oder zur Verhütung, Auslösung oder Erhaltung einer Schwangerschaft etc.201 Die sogenannten Zyklusanomalien und ihre medikamentösen Behandlungen nehmen heute noch breiten Raum in den gynäkologischen Lehrbüchern ein und machen sich in der Industrie bezahlt. Der Jahresumsatz der Hormonpräparate bei Zyklusvarianten lag 1983 in Deutschland bei 7,4 Millionen.202 „Die häufigen Artzbesuche der Frauen, die häufigen Verordnungen oft suchtbildener Medikamente an Frauen macht ihre 'Schwäche' zu einem lukrativen Geschäft für Ärzte, Apotheken und Pharma-Industrie.“203 KAPPUS ist der Ansicht, daß die pharmazeutische- und die Hygiene-Industrie mit starken Einbußen zu rechnen hätten, wenn Frauen selbstbestimmter leben würden. 204 MARTIN geht davon aus, daß Frauen weder menstruieren noch gebären würden, wenn sie keinen physischen Körper hätten und zu diesem nicht Gene und Hormone und vieles andere gehören würden. „Fragen nach der Art und Weise, in der Gene und Hormone das Leben der [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832408916
Arbeit zitieren:
Sthamer, Tanja November 1997: Die Menarche - Einschneidende Erfahrungen im Entwicklungsprozeß von Mädchen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sexualerziehung, Menarche, Schule, weibliche Entwicklungsphase, Betrachtungsweisen von Menstruation



