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Megatrend Gesundheitstourismus

Abgrenzung und Entwicklung

Megatrend Gesundheitstourismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jürgen Schwaiger
  • Abgabedatum: Juni 2006
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9813-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9813-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9813-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schwaiger, Jürgen Juni 2006: Megatrend Gesundheitstourismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wellness, Kur, Gesundheit, Zertifizierung, Kurerfolg

Diplomarbeit von Jürgen Schwaiger

Zusammenfassung:

Wenn man den Trendforschern Glauben schenken darf, wird der Sektor Gesundheit der Konjunkturmotor der nächsten Jahrzehnte. Gesundheit ist zum Lifestyle geworden und in aller Munde. Das steigende Gesundheitsbewusstsein in den westlichen Industriestaaten, dass nicht zuletzt durch staatliche primärpräventive Kampagnen in den Köpfen der Menschen verankert wurde, führte natürlich auch zu einer höheren Lebenserwartung. Die damit einhergehende Veränderung in der Altersstruktur, der Sozialisation und die Veränderungen in der Arbeitswelt haben das Thema Gesundheit zu einem zentralen Punkt im Leben der Menschen gemacht.

Horx spricht vom „Megatrend Gesundheit“, er sieht diesen Trend als zentrales Thema des Wertewandels, denn immer mehr Dienstleistungen zentrieren sich auf die Gesundheit. Sie stellt den Kern des Lebensqualität-Gedankens dar. „Sie wird von der „Abwesenheit von Krankheit“ zum aktiven Lebensstil. Sie erfasst umliegende Bereiche wie Pharmakologie, Ernährung und vor allem den Tourismus. Sie wird als Idee der Psychosozialen Gesundheit zur zentralen Utopie einer individualisierten Gesellschaft“.

Durch diese zu erwartenden Entwicklungen und Tendenzen, wird neben den herkömmlichen Gesundheitsbranchen (Pharmazie, Biotechnologie, Kosmetik, Ernährung, etc.), vor allem der Tourismus am meisten profitieren. Man kann daher auch vom Megatrend Gesundheitstourismus sprechen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass ein regelrechter Wildwuchs an gesundheitstouristischen Angeboten auf dem Reisemarkt Einzug gefunden hat.

Der Konkurrenzkampf zwischen Thermen-, Wellness- und Kurhotels ist voll entbrannt, sodass zugkräftige, exotische Behandlungsmethoden unverzichtbare Bestandteile eines ausgereiften Angebotes sein müssen. Die Grenzen zwischen Esoterik und Medizin verschwimmen zusehends. Mit dem Aufkommen eines neuen Trends gehen auch immer neue, oft wohlklingende, - meist aus dem anglikanischen Raum stammende - Wortschöpfungen der Marketingstrategen einher. In diesem Fall werden „Wellness“, „Wellbeing“ oder „Selfness“ auch noch mit ostasiatischen Begriffen, die der Esoterik oder der traditionellen chinesischen oder indischen Medizin entspringen vermischt.

Dieses Dilemma der touristischen Leistungsanbieter, oftmals keine klar definierten Begriffe, sondern einfach gängige Worthülsen zu verwenden um sich dem Verdrängunsdruck zu entziehen, führt unweigerlich zu einer Verwässerung und Undurchschaubarkeit des Marktes. Der (Gesundheits-) Urlauber hat angesichts der Reiz- und Informationsüberflutung durch die Medien und Werbeindustrie den Überblick verloren. Klare Zertifizierungen in diesem Bereich sind daher enorm wichtig, um Qualität zu sichern und transparent zu machen. Sowohl in Österreich als auch international wurden Institutionen geschaffen um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Die unklaren Begriffsbestimmungen und die nicht vorhandenen Abgrenzungen der einzelnen Anbieter, sowie eine noch unzureichende Qulitätsbestimmung im Gesundheitstourismus führen dazu, dass die Herkunft der verwendeten Begriffe oftmals nicht bekannt oder gleichgültig ist und darum auch deren Anwendungen falsch umgesetzt werden. Langfristig nutzbringende Vorhaben hängen jedoch nicht von der Verwendung von wohlklingendem Werbevokabular, sondern von korrekten Zielansprachen ab.

Ziel dieser Arbeit ist es daher einen Überblick über die touristischen Angebote im Gesundheitssektor zu geben und Begriffe, die man im Gesundheitstourismus findet zu definieren und von einander abzugrenzen. Des weiteren wird die Entwicklung im Tourismus und im speziellen im Gesundheitstourismus dargestellt.

Als Beispiel für einen gesundheitstouristischen Anbieter wird in einer Fallstudie die Plattform „G’sund und Vital“ unter die Lupe genommen. Die Philosophie dieses Unternehmens entspricht dem modernen Verständnis von Gesundheit. Das Programm reicht vom moderaten Wellness- und Fitnessprogramm bis zu Anleitungen für Stressabbau und Sorgenbewältigung, und gibt Anregungen zum Thema gesunde Ernährung, fördert völlig individuell die persönlichen Stärken, Talente und Fähigkeiten jedes Gastes. Durch spezielle Ausbildungs- und Zertifizierungsprogramme wird überdies auf transparente Qualität besonderer Wert gelegt. Folgende Forschungsfragen werden behandelt:

- Welche Ausprägungen und Entwicklungen gibt es im österreichischen Gesundheitstourismus?

- Welche Qualitätsmerkmale sind bei einem gesundheitstouristischen Angebot wichtig?

- Wie Unterscheiden sich die Angebote im Gesundheitstourismus von einander?

- Welche Trends werden in Zukunft das touristische Angebot bestimmen?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurde auf vielfältige Literatur zurückgegriffen und diese zusammengefasst. In einem ersten Schritt wird versucht alle wichtigen Begriffe, die die Grundlagen des Themas bilden zu definieren. Hier wird sowohl auf Bibliotheksliteratur als auch auf das Internet und zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften zurückgegriffen. Für die Herausarbeitung der Entwicklungen und Trends werden hauptsächlich Prognosen der Statistik Austria, aber auch internationaler Auftraggeber von Statistiken verwendet. Um einen Ausblick in die Zukunft zu gewährleisten werden Studien und Untersuchungen von Trendforschern in die Arbeit mit einbezogen. Zur Bearbeitung der Fallstudie werden persönliche Gespräche mit dem Gründer der Angebotsgruppe „G’sund und Vital“ geführt, sowie die Strukturen und Besonderheiten dieses Anbieters dargestellt.

Der Aufbau der Arbeit richtet sich nach den dargestellten Zielsetzungen. Nach einer Einleitung und Hinführung auf das Thema wird im Kapitel 2 der Arbeitstitel (Gesundheit und Tourismus) definiert. Im 3. Kapitel wird auf die älteste und auch am klarsten abgegrenzte Form des Gesunheitstourismus – nämlich der Kur – eingegangen. Nach einem geschichtlichen Überblick werden in den Unterkapitel die Fachtermini erklärt und Entwicklungen im Kurtourismus aufgezeigt. Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit dem Wellnessbegriff und dem Wellnesstourismus. In diesem Kapitel wird analog zum vorhergehenden, zuerst ein kurzer geschichtlicher Abriss dargestellt um später in den Unterpunkten auf die Begriffe und Entwicklungen im Wellnesstourismus einzugehen. Diese ersten 4 Kapitel dienen dazu, die Hauptforschungsfrage zu beantworten. Kapitel 5 und 6 werden die Unterforschungsfragen beantworten. Hier geht es darum strukturierte Abgrenzungen zu den einzelnen Ausprägungsformen im Gesunheitstourismus darzustellen und einen Ausblick auf Trends in diesem Segment zu geben. In Kapitel 7 wird in einer Fallstudie die Angebotsgruppe „G’sund und Vital“ beschrieben, die einen modernen Repräsentanten des Gesundheitstourismus darstellt.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
2. GRUNDLAGEN 4
2.1 Gesundheit 4
2.1.1 Prävention 5
2.1.2 Salutogenese - ein moderner Gesundheitsbegriff 6
2.1.3 Gesundheit als Trend der Zukunft 8
2.2 Tourismus 11
2.2.1 Gesundheitstourismus 13
2.2.2 Daten und Fakten 18
3. KUR 21
3.1 Überblick 21
3.2 Die Kur in Österreich 22
3.3 Definitionen 23
3.3.1 Kur 23
3.3.1.1 Balneologie 25
3.3.1.1.1 Hydro- und Balneotherapie 26
3.3.1.1.2 Sprudelnde Heilwasser 27
3.3.1.1.3 Moorbäder 27
3.3.1.1.4 Heiße Quellen 27
3.3.2 Kurtourismus 28
3.3.2.1 Kuraufenthalt 29
3.3.2.2 Kurort 30
3.3.2.3 Der Kurgast 32
3.3.3 Kurdauer 34
3.3.4 Kureffekt 35
3.3.5 Kurerfolgsforschung 37
3.4 Die Zukunft der Kur 38
4. WELLNESS 41
4.1 Überblick 41
4.2 Definitionen 44
4.2.1 Wellness 44
4.2.1.1 Fitness 49
4.2.1.2 Das Europäische Wellness Modell 49
4.2.2 Wellnesstourismus 50
4.2.2.1 Der Wellnessort 54
4.2.2.2 Der Wellnessgast 55
4.2.2.2.1 Ausgaben des Wellnessgastes 59
4.2.2.2.2 Kritik des Wellnessgastes 59
4.2.2.3 Zielgruppen des Wellnesstourismus 60
4.2.3 Zertifizierungen im Wellnesstourismus 61
4.2.3.1 Zertifizierungen in Österreich 62
4.2.3.2 Zertifizierungen international 64
4.2.4 Wirkungsweise von Wellness 67
4.2.5 Die Zukunft des Wellness Tourismus 68
4.3 Vergleich und Abgrenzung Kur – Wellness - Gesundheitstourismus 69
5. TRENDS IM GESUNDHEITSTOURISMUS 72
6. FALLSTUDIE: G’SUND & VITAL 77
6.1 Philosophie 77
6.2 G’sund & Vital Netzwerk 78
6.2.1 „G’sund & Vital“ Wohlfühlhotels und Kurbetriebe 79
6.2.2 „G’sund & Vital“ Koordinator 80
6.2.2.1 Rotationssystem 80
6.2.2.2 Weiterbildung 81
6.2.2.3 Internationaler Fachkräfteaustausch 81
6.2.3 „G’sund & Vital“ Gastro 81
6.2.4 „G’sund & Vital“ Präventions-Praxen 82
6.2.5 „G’sund & Vital“ Wohlfühl-Studios 84
6.2.6 „G’sund & Vital“ Heim-Programm 85
6.3 Marketing- und Dienstleistungskonzept 85
6.4 Zertifizierung 89
7. FAZIT 92
Literaturverzeichnis 95

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wellness kann als Aktivität und Prozess verstanden werden, welcher die Eigenkompetenz der Menschen in der Entfaltung der körperlichen, geistigen, psychischen und sozialen Fähigkeiten stärkt. Wellness strebt einen ausgeglichenen Zustand des körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens an. Letzteres wird im anglikanischen Sprachraum adäquater mit „Wellbeing" bezeichnet. Die Verwendung von „Wellbeing" wäre auch hier passender, zumal damit die oft ungenaue, gleichzeitige Verwendung des Wellnessbegriffes für einen statischen als auch für einen prozesshaften Zustand werden könnte. Unter dem Aspekt der Handlungsorientierung wird im Konzept von Wellness stark auf Eigeninitiative und Aufbau von persönlicher Kompetenz abgestellt. Deswegen kann aber das Wellnesskonzept nicht als Egomanie-Appell verstanden werden, sondern dieses ist vielmehr im Sinne des Erkennens und Ergreifens von Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Gesundheitsressourcen zu verstehen. Abbildung 10: Produkte die mit Wellness in Verbindung gebracht werden [...]

Ursprünglich wurde der Begriff Wellness in Amerika geprägt und wird als Gegenteil von Illness (Krankheit) gesehen. Darunter versteht man den idealen Gesundheitszustand eines Menschen und deshalb wird sie auch als ganzheitliches Wohlbefinden bezeichnet (Bürgermeister; Edelbacher, 2000, S. 119). Der Begriff Wellness - erstmals 1654 in einer Monografie von Sir A. Johnson als "wealnesse", im Oxford English Dictionary mit "gute Gesundheit" übersetzt - wurde nach modernem Verständnis ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, das seit den 1950er Jahren in den USA als Oberbegriff einer seinerzeit neuartigen Gesundheitsbewegung galt. Der amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn hat den Begriff „Wellness“ seit den späten 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts geprägt. Seine Wortschöpfung ergibt sich aus der Zusammenführung der Begriffe „Wellbeing“ und „Fitness“. Als höchste Stufe des Zustandes menschlichen Wohlbefindens hat er außerdem den Superlativ „high-level-wellness" kreiert. Für ihn besteht das Konzept Wellness aus drei verschiedenen Elementen: • • • „direction in progress forward and upward towards a higher potential of functioning", „an open-ended tomorrow with its challenge to live a fuller potential” und „integration of the whole being of the total individual – his body, mind and spirit – in the functioning process". Als in den 1970er Jahren die Kosten im amerikanischen Gesundheitssystem überhand nahmen, wurden Donald Ardell und John Travis beauftragt, Konzepte zu entwickeln, die den Einzelnen in die Verantwortung zogen. Gesundheitsprävention und Eigenverantwortung waren in diesen Modellen vordergründig. Das Konzept von Halbert L. Dunn wurde wieder aufgenommen und weiter entwickelt. Dem Verständnis von Ardell und Travis zufolge besteht „High-level-Wellness" aus folgenden fünf Grundelementen: • • • 45 Selbstverantwortung, Ernährungsbewusstsein, Körperlicher Fitness, [...]

Eine weltweit gültige Definition von Wellness ist bis zum heutigen Tag nicht vorhanden. Dieses Modewort verfügt über kein abgegrenztes Profil, somit lassen sich unterschiedliche Interpretationen und Auslegungen dieses Begriffes finden. Wellness ist zwar überall bekannt, es wird darunter aber nicht immer dasselbe verstanden. Wichtig ist die Unterscheidung der drei Hauptvarianten. Das europäische Verständnis dieses Begriffs meint den Badebereich. Der amerikanische Gesichtspunkt schließt den SpaBereich mit ein. Spa nutzt die Heilwirkung des Wassers. Die fernöstliche Variante sieht Wellness als ein gesamtheitliches Wohlbefinden an, wobei besonders auf gesunde Ernährung, seelisches Gleichgewicht und körperliches Wohlbefinden geachtet wird. Viele Benützer des Begriffs Wellness haben sich dazu entschlossen, eine Mischung aus diesen drei Möglichkeiten anzubieten, um eine größere Zielgruppe anzusprechen. Wellness war, bevor dieses Wort erfunden wurde, eine feudale Erlebniswelt. In der Entspannung und der Selbstverwöhnung zelebrierte die kleine Schicht der Herrschenden ihre Privilegien. Sklaven, Niedere, Handwerker hatten keinen Zutritt. Wellness war bis in den Pomp steigerbar. Kleopatra, so hieß es, badete in Eselsmilch. Die Pharaonen, Herrscher und Könige umgaben sich mit den Insignien einer Wellness, die bald auch barocke und dekadente Züge annahm; Gärten zum Lustwandeln, Bäder in Gold und Edelstein, ganze Landschaften zur Lustbarkeit. Völlereien, die auch vor Jahrhunderten schon die inneren Kräfte stärken sollten, wechselten mit Vergnüglichkeiten wie der Jagd oder der Naturbetrachtung. In der arabischen und fernöstlichen Kultur waren dabei auch im vorletzten Millennium Gesundheitsargumente bereits in Nahrungsund Architekturdiskurse eingebettet. Geruchliche und ästhetische Elemente gehörten zur Lebenskultur der oberen Schichten – Aromatherapie und die heilenden Kräfte des Tees waren ein in der chinesischen Antike weit verbreiteter Diskurs. Zeitweise kreuzte sich die alte, die antike Wellness auch damals schon mit spirituellen Erfahrungen und mit Askese: Klöster und Ashrams dienten schon seit vielen Jahrhunderten der Regeneration von Körper Geist und Seele – auch für Laien (Horx-Strathern, 2001, S. 5f). [...]

Arbeit zitieren:
Schwaiger, Jürgen Juni 2006: Megatrend Gesundheitstourismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wellness, Kur, Gesundheit, Zertifizierung, Kurerfolg

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