Medienpädagogische Fortbildung im Vorschulbereich
Möglichkeiten und Grenzen eines Modellprojekts
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sebastian Boller
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 116 Seiten
- Dateigröße: 897,5 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6365-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6365-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6365-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Boller, Sebastian Januar 2003: Medienpädagogische Fortbildung im Vorschulbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Medienerziehung, Medienkompetenz, Kindergarten, Erzieherinnen-Ausbildung, Evaluation
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Diplomarbeit von Sebastian Boller
Einleitung:
Das Thema Medienerziehung im Kindergarten gewinnt vor dem Hintergrund der fortschreitenden Mediatisierung kindlicher Lebenswelten zunehmend an Bedeutung. Neue und neueste Medien spielen heute bereits im Leben kleiner Kinder eine wesentliche Rolle und fungieren insofern als wichtige Sozialisationsinstanz. Diese Entwicklung bringt für nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche Konsequenzen von erheblicher Tragweite mit sich und tangiert in besonderem Maße das Gebiet der vorschulischen Erziehung. Unter dem Druck aktueller bildungspolitischer Debatten im Anschluss an die PISA-Studie oder die DELPHI-Befragung wird der Bildungsauftrag des Kindergartens neu diskutiert, wobei auch der vielzitierte Begriff „Medienkompetenz“ verstärkt an Bedeutung gewinnt. Der kompetente Umgang mit den alle Lebensbereiche durchdringenden Medien wird – neben anderen Förderungsbereichen – als basale Kulturtechnik verstanden, die schon früh erlernt werden muss.
Jedoch sind nicht nur Bildungsinhalte Teil der gegenwärtig geführten Diskussion. Auch das periodisch wiederkehrende Thema der Qualifizierung des pädagogischen Fachpersonals wird einmal mehr vehement diskutiert und ist als Schlüsselthema der Qualitätsdebatte zu bezeichnen. Vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Veränderungen und damit gestiegener Anforderungen an den Elementarbereich wird eine Anhebung des Ausbildungsniveaus und eine weitere Professionalisierung des Berufsbildes gefordert. In diesem Zusammenhang gewinnt die Fortbildung pädagogischer Fachkräfte einen neuen Stellenwert, erhofft man sich doch von dieser Form beruflicher Bildung eine schnelle Kompensation vorhandener qualifikatorischer Defizite. Da Wirkung, Qualität und Erfolg berufsbegleitender Fortbildung jedoch systematisch analysiert und beurteilt werden müssen, erweist sich die Beforschung solcher Bildungsangebote als wichtiges Aufgabenfeld von Evaluation. Hierbei stellt sich u.a. die Frage, wie die Attraktivität von Fortbildungsveranstaltungen vor dem Hintergrund bestimmter Erwartungen potentieller Zielgruppen zu bewerten ist bzw. wie die Attraktivität solcher Bildungsangebote für Fachkräfte im Vorschulbereich gesteigert werden kann.
Während Medienpädagogik in Theorie und Praxis in erster Linie die Medienkompetenz Heranwachsender (Kinder und Jugendliche) fokussiert, erweist sich die Medienkompetenz Erwachsener als vergleichsweise unerforschter Bereich. Dies stellt insbesondere angesichts der Bedeutsamkeit medienpädagogischer Handlungskompetenz professioneller Pädagogen ein großes Defizit dar, weil es eben diese Personengruppe ist, die eine Stärkung der Medienkompetenz Heranwachsender bewirken soll. Vor dem Hintergrund von Untersuchungen, in denen erhebliche Defizite in der medienpädagogischen Qualifikation von Fachkräften im Vorschulbereich festgestellt wurden, erfüllen Fortbildungsveranstaltungen die wichtige Funktion, dieser Berufsgruppe zu mehr medienpädagogischer Handlungskompetenz zu verhelfen.
Im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit soll am Beispiel der Fortbildungsinitiative „Medienerziehung im Kindergarten“ untersucht werden, welchen Beitrag berufsbegleitende Fortbildung zur medienpädagogischen Qualifizierung des Fachpersonals in Einrichtungen der Vorschulerziehung leisten kann. Durch die systematische Feststellung, Analyse und Bewertung von Praxiseffekten soll gezeigt werden, welche praxisrelevanten Wirkungen von solchen Veranstaltungen unter jeweils gegebenen institutionellen Voraussetzungen zu erwarten sind. Die Beforschung des Gefüges unterstützender und hemmender Faktoren bei der Förderung von Medienkompetenz soll dazu beitragen, Problemfelder im Kontext institutioneller Medienerziehung zu identifizieren und vorhandene Schwächen aufzudecken. Aus den Untersuchungsergebnissen sollen in der Folge Maßnahmen für eine entwicklungsorientierte Optimierung des Fortbildungsmodells im Hinblick auf die medienerzieherische Praxis abgeleitet werden.
Hierzu wird im ersten Teil der Arbeit unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur das begriffliche und konzeptionelle Instrumentarium für die empirische Untersuchung erarbeitet. Der zweite Teil der Arbeit dient der Beschreibung der Rahmenbedingungen der Fortbildung „Medienerziehung im Kindergarten“, der Darstellung von Fortbildungswirkungen sowie der Analyse unterstützender und hemmender Faktoren bei der Förderung von Medienkompetenz. In diesem Teil der Arbeit sollen zudem die Ergebnisse der Untersuchung vor dem Hintergrund der eingangs formulierten Fragestellungen und Arbeitshypothesen diskutiert werden. Der letzte Teil der Arbeit dient der Zusammenfassung zentraler Ergebnisse und der Entwicklung weiterführender Perspektiven für eine längerfristige Etablierung medienpädagogischer Fortbildung im Vorschulbereich. Auch sollen hier Vorschläge und Impulse für eine entwicklungsorientierte Optimierung der Fortbildung „Medienerziehung im Kindergarten“ formuliert werden.
Der folgenden Untersuchung liegt die These zugrunde, dass medienerzieherische Handlungskompetenz im Vorschulbereich vor dem Hintergrund nachhaltiger Veränderungen externer Rahmenbedingungen dringend notwendig ist, um Kinder auf die Anforderungen einer von Medien bestimmten Zukunft vorzubereiten.
Von Fortbildungsveranstaltungen wird insbesondere erwartet, dass sie dabei helfen, pädagogische Fachkräfte in ihrer Problemwahrnehmung zu stärken und zu sensibilisieren. Ferner ist Medienerziehung in komplexe institutionelle und überinstitutionelle Strukturen eingebunden und erfordert die Unterstützung von Leitung, Träger und Eltern gleichermaßen. Auch können sich Innovationsklima und Rahmenbedingungen für den Transfer von in Fortbildungen erworbenem Handlungswissen in die Einrichtungspraxis als bedeutsam erweisen. Ausgehend von diesen Überlegungen ergeben sich für die Untersuchung folgende forschungsleitende Fragestellungen, die unterschiedlichen Themenkomplexen zugeordnet werden können:
Anforderungen an die Vorschulerziehung vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen Welche Konsequenzen ergeben sich für Einrichtungen der Vorschulerziehung aus den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen?
Welchen Beitrag kann medienpädagogische Fortbildung zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben leisten?
Wie sind die Rahmenbedingungen der Fortbildung „Medienerziehung im Kindergarten“ vor dem Hintergrund der Teilnehmerzufriedenheit zu beurteilen?
Medienpädagogische Fortbildung und ihr Einfluss auf die Arbeitswirklichkeit von Fachkräften Welche Effekte und Wirkungen sind von berufsbegleitender medienpädagogischer Fortbildung zu erwarten?
In welchem Maße können durch Fortbildungen Veränderungsprozesse in der pädagogischen Praxis angestoßen werden?
Inwiefern kann medienpädagogische Fortbildung helfen, die Medienerziehungspraxis in Einrichtungen der Vorschulerziehung nachhaltig zu verändern?
Identifizierung und Analyse unterstützender und hemmender Faktoren bei der Förderung von Medienkompetenz Welche Bedeutung kommt institutionellen, strukturellen und organisatorischen Faktoren bei der Förderung von Medienkompetenz in Einrichtungen der Vorschulerziehung zu?
Wie wirken sich unterstützende bzw. hemmende Faktoren seitens des pädagogischen Personals auf die Medienkompetenzförderung aus?
Wie können auftretende Hemmnisse überwunden werden?
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitende Bemerkungen | 5 |
| 2. | Theoretischer Bezugsrahmen der Untersuchung | 9 |
| 2.1 | Medienkompetenz – Begriffsklärungen und Eingrenzung des Themas | 9 |
| 2.1.1 | Die Begriffe „Kompetenz”, „Medienkompetenz“ und „Medienerziehung“ | 9 |
| 2.1.2 | Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation? | 13 |
| 2.2 | Medienerziehung im Vorschulbereich: Wirkungsgefüge und Einflussfaktoren | 16 |
| 2.2.1 | Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Zielsetzungen vorschulischer Erziehung | 16 |
| 2.2.2 | Medienkompetenzförderung als Aufgabe der Elementarerziehung | 19 |
| 2.2.3 | Medienerziehung im Kindergarten: Bedarfsargumente aus Politik und pädagogischer Praxis | 22 |
| 2.3 | Gegenwärtige Tendenzen im Berufsbild Erzieherin | 27 |
| 2.3.1 | Professionalisierungsprozess und die Bedeutung von Fortbildung | 27 |
| 2.3.2 | Konsequenzen für die medienpädagogische Qualifikation von Fachkräften | 29 |
| 2.4 | Zwischenresümee und Präzisierung des Forschungsgegenstands | 31 |
| 3. | Medienpädagogische Fortbildung für Fachkräfte im Vorschulbereich | 35 |
| 3.1 | Vorgehensweise der Untersuchung | 35 |
| 3.1.1 | Die Fortbildung „Medienerziehung im Kindergarten“ | 35 |
| 3.1.2 | Evaluation und (medienpädagogische) Fortbildung | 36 |
| 3.1.3 | Untersuchungsmethodik | 37 |
| 3.1.4 | Datenbasis | 39 |
| 3.2 | „Medienerziehung im Kindergarten“: Demographische Variablen, Medienausstattung, Teilnehmerinnenzufriedenheit und motivationale Aspekte | 41 |
| 3.2.1 | Sozialdemographie und Praxisgruppen | 41 |
| 3.2.2 | Rahmendaten der Einrichtungen und Medienausstattung im zeitlichen Vergleich | 43 |
| 3.2.3 | Organisation und Dozenten | 46 |
| 3.2.4 | Teilnahmemotivation und Fortbildungsbereitschaft | 50 |
| 3.2.5 | Einschätzung der Medienentwicklung und Umgangsweise mit technischen Innovationen | 54 |
| 3.2.6 | Reaktion auf medienbezogenes Verhalten und Veränderungen in Medienumgang und Mediennutzung | 56 |
| 3.3 | Medienpädagogische Fortbildung und ihr Einfluss auf die Arbeitswirklichkeit von Fachkräften | 59 |
| 3.3.1 | Zum Gebrauchswert der Fortbildungsinhalte für die pädagogische Praxis | 60 |
| 3.3.2 | Elternarbeit und Weitergabe medienpädagogischen Fachwissens | 62 |
| 3.3.3 | Bedingungen aktueller medienerzieherischer Praxis: Die Arbeit in den Einrichtungen | 68 |
| 3.3.4 | Kooperation und Vernetzung | 74 |
| 3.4 | Zwischenresümee | 76 |
| 3.5 | Medienkompetenzförderung im Kontext der Fortbildung „Medienerziehung im Kindergarten“ – unterstützende und hemmende Faktoren | 79 |
| 3.5.1 | Die Rolle des pädagogischen Personals bei der Förderung von Medienkompetenz | 79 |
| 3.5.2 | Die Bedeutung institutioneller, struktureller und organisatorischer Faktoren bei der Förderung von Medienkompetenz | 87 |
| 4. | Resümee und Ausblick | 93 |
| 4.1 | Abschätzung und Bewertung der Fortbildungswirkungen vor dem Hintergrund der Fortbildungsziele | 94 |
| 4.2 | Abschließende Bemerkungen | 100 |
| 5. | Literatur | 104 |
| 6. | Anhang | 109 |
Erzieherinnen bei ihren medienpädagogischen Aktivitäten unterstützen. Dies könnte etwa durch Freistellung von bestimmten Aufgaben erreicht werden. 3.3.3 Bedingungen aktueller medienerzieherischer Praxis: Die Arbeit in den Einrichtungen Verfolgt man das Ziel, die Medienkompetenz von Vorschulkindern zu fördern und sie dadurch auf eine komplexe, von Medien bestimmte Welt vorzubereiten, so erweist sich der Blick auf die konkrete medienerzieherische Praxis als besonders bedeutsam. Baacke (1999 b) weist auf die besondere Bedeutung von Projektarbeit für die medienpädagogische Praxis hin, da diese Arbeitsform besonders zur Reflexion lebensweltlicher Themen und zur Förderung von Medienkompetenz geeignet sei. In Bezug auf die vorliegende Untersuchung ist im Folgenden der Frage nachzugehen, inwieweit die Inhalte der Fortbildung „Medienerziehung im Kindergarten“ in die medienerzieherische Praxis eingehen konnten. Auf der Basis der Angaben der befragten Erzieherinnen soll daher eine beschreibende Bestandsaufnahme des medienerzieherischen Handelns in den Einrichtungen erfolgen. Bestandsaufnahme der Angebote zur Medienerziehung Bei der Auswertung der offenen Frage „Bitte beschreiben Sie, in welcher Form Sie Medienerziehung gegenwärtig durchführen! Wie gestaltet sich die Arbeit in Ihrer Einrichtung?“ ist zunächst festzustellen, dass die ehemaligen [...]
Aus dem Zitat geht hervor, dass bei vielen Erzieherinnen bei der praktischen Handhabung technischer Medien Defizite vorzuliegen scheinen (s.o.). Die selbe Interviewpartnerin bringt ihre Praxiserfahrungen daher wie folgt auf den Punkt: „Die Kinder wussten dann meistens auch schon, wie sie den CD-Player bedienen sollten – im Gegensatz zu anderen Kolleginnen, die das natürlich nicht wissen.“ (I 3, S. 3). Vor dem Hintergrund solcher subjektiv wahrgenommener Qualifikationsdefizite seitens der Kolleginnen scheint besonders bedeutsam, dass über achtzig Prozent der Fortbildungsteilnehmerinnen angeben, sich durch die besuchte Fortbildung im Einsatz technischer Medien mehr zuzutrauen. Besonders in den qualitativen Interviews wird deutlich, dass sich manche Fachkräfte seit der Fortbildung als Expertinnen für Fragen der Medienerziehung verstehen und in diesem Bereich über eine breite Wissensbasis verfügen. Sie können auf ihre erworbenen Fähigkeiten vertrauen und haben das berechtigte Gefühl, als Multiplikatorinnen eine wichtige Funktion auszuüben, woraus in manchen Fällen ein gestärktes Selbstbewusstsein und eine veränderte Sichtweise des eigenen Berufes resultiert. Die Aussage einer Einrichtungsleiterin verdeutlicht diesen Sachverhalt auf eindrückliche Weise: [...]
medienerzieherischen Aktivitäten, die sich etwa in dem Wunsch nach einer Reglementierung des häuslichen Medienkonsums der Kinder ausdrücken kann. Andererseits verweigern Eltern aus unterschiedlichen Gründen die gewünschte Unterstützung und geben die Aufgabe der Medienkompetenzförderung an den Kindergarten ab. Hierdurch kann es zu Konflikten zwischen beiden Parteien und Frustrationserlebnissen bei den Erzieherinnen kommen, da diese das Gefühl haben, gegen einen übermächtigen Gegner – die Medien im Elternhaus – kämpfen zu müssen, der ihre pädagogischen Bemühungen immer wieder zunichte macht. Weitergabe medienpädagogischen Fachwissens Eines der erklärten Ziele der Fortbildung war es, die Erzieherinnen zur Weitergabe medienpädagogischen Fachwissens im beruflichen Kontext zu motivieren und zu befähigen, um eine möglichst breite Fortbildungswirkung zu erreichen. In welchem Ausmaß konnte dieses Ziel erreicht werden? [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832463656
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Boller, Sebastian Januar 2003: Medienpädagogische Fortbildung im Vorschulbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
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Medienerziehung, Medienkompetenz, Kindergarten, Erzieherinnen-Ausbildung, Evaluation



