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Mediennutzung und soziales Milieu

Über die soziale Dimension individuellen Mediengebrauchs

Mediennutzung und soziales Milieu
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Mathias Kortenhaus
  • Abgabedatum: Januar 2000
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 2,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2375-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2375-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2375-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kortenhaus, Mathias Januar 2000: Mediennutzung und soziales Milieu, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medienwirkung, Lebensstil, Massenmedien, Mediennutzung, Kommunikation

Magisterarbeit von Mathias Kortenhaus

Einleitung:

Die Arbeit untersucht mit Hilfe ausgewählter Beiträge der neueren Medienwirkungsforschung ausführlich die Zusammenhänge zwischen der individuellen Nutzung der modernen Massenmedien (Fernsehen, Radio, Printmedien) und dem sozialen Kontext, in dem sie sich vollzieht. Dabei kommen soziologische Konzepte der Milieu- und Lebensstilforschung explizit zur Anwendung.

Ein Hauptanliegen der Arbeit besteht in der Beantwortung der Frage, wie Medien und deren Nutzung in den "Gesamtaufbau" spezifischer Lebensweisen eingebettet sind. Ist also der individuelle Fernseh-, Radio- oder Zeitungskonsum Spiegel eines bestimmten Lebensstils und lassen sich demnach Menschen nur aufgrund der Kenntnisse über ihr Mediennutzungverhalten unterschiedlichen sozialen Milieus zuordnen? Die vorgestellten Studien zeigen, wie sich Publika bestimmter Medien und Medieninhalte hinsichtlich ihrer Milieuzugehörigkeit unterscheiden bzw. ähnlich sind und welche Medien in welchem Umfang und mit welchem Ziel in Abhängigkeit vom Milieu genutzt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt besteht darin, die Konsequenzen der Mediennutzung in Bezug auf Kommunikation und Meinungsbildung in der unmittelbaren persönlichen Umgebung der Rezipienten zu untersuchen. In diesem Zusammenhang werden zwei Forschungsansätze vorgestellt, die diesen Sachverhalt empirisch untersuchen und u.a. zeigen, welche Medienthemen zum Gegenstand von Diskussionen im persönlichen Umfeld werden, wie sich Meinungen im sozialen Netzwerk durchsetzen und welche Funktion Gesprächen zukommt, die bereits während des Fernsehens stattfinden.

Die Ergebnisse der in dieser Arbeit vorgestellten Studien geben interessante und wissenschaftlich fundierte Aufschlüsse über relevante Aspekte der Publikumsstruktur und des Publikumsverhaltens aus einer, vielleicht in der Vergangenheit allzu oft vernachlässigten, soziologisch begründeten Sichtweise. Die so gewonnenen Erkenntnisse können demnach insbesondere für solche Institutionen von Interesse sein, die darauf angewiesen sind, sich über die Massenmedien ein Forum für ihre Anliegen zu schaffen, wie z.B. Produzenten von Programminhalten in Funk und Fernsehen oder Unternehmen der Werbeindustrie.

Inhaltsverzeichnis:

I. Soziales Milieu und Lebensstil - Begriffliche und konzeptuelle Grundlagen 5
1. Der fortschreitende Wandel von Sozialstruktur 5
2. Milieu und Lebensstil - ein neuer Blickwinkel der Soziologie 6
2.1 Herkunft und Intentionen der Begriffe 7
2.1.1 Milieu 7
2.1.2 Lebensstil 9
2.2 Wichtige Konzepte der Milieu- und Lebensstilforschung 12
2.2.1 Die SINUS-Milieus 12
2.2.2 Erlebnismilieus 15
3. Zwischenresumée 21
II. Die Medien und ihr Publikum - eine Bestandsaufnahme 22
1. Die Anbieter 22
2. Das Publikum 25
III. Soziale Milieus und Mediennutzung 27
1. Die Relevanz von Milieu- und Lebensstilkonzepten in der neueren Rezeptionsforschung 28
1.1 Fragestellungen und Forschungsansätze der aktuellen Rezeptionsforschung 28
1.2 Rezeptionsforschung in der Praxis 31
1.3 Der Zusammenhang von Lebensstil und Mediennutzung 33
2. Die empirische Untersuchung milieuspezifischer Mediennutzung 35
2.1 Zielsetzungen der Studien 36
2.2 Theoretische Fundierung der Studien 38
2.3 Methodische Umsetzung der Forschungsanliegen 41
2.4 Ergebnisse 46
2.4.1 Die Einbettung der Medien in Lebenswelten 47
2.4.2 Mediennutzungsmuster in soziokulturellen Milieus 52
2.4.3 Fernsehen in der "Erlebnisgesellschaft" 56
2.5 Theoretische Einordnung der Ergebnisse und Schlußfolgerungen der Autoren 61
3. Kritische Zusammenfassung: Möglichkeiten und Perspektiven von Milieukonzepten in der Rezeptionsforschung 66
IV. Soziale Folgen der Mediennutzung - Zwei weiterführende Ansätze 69
1. Medien und interpersonale Kommunikation 71
1.1 Worüber man spricht: Das Agenda-Setting-Modell 71
1.2 "Das unterschätzte Publikum" 74
2. Die kommunikative Aneignung von Fernsehinhalten 77
3. Kritik dieser Ansätze 79
V. Resumée 82

Automatisiert erstellter Textauszug:

(Clustern) zusammenfaßt. Die Segmente sollen dabei vor allem auf signifikante Unterschiede in Bezug auf die Variablenbereiche Natur (Geschlecht, Alter), Arbeit (z.B. Beruf, Einkommen), Handlung (z.B. Bildung, Freizeitnutzung, Mediennutzung) und Ideologie (z.B. Selbstbild, Wahlentscheidung, Sorgen) hin untersucht werden. Nach den Ausprägungen der Merkmale in diesen Bereichen wurden in einem ersten Schritt acht Lebenswelttypen festgelegt, die sich in erster Linie in Hinblick auf Geschlecht, Alter, Schicht und Erwerbstätigkeit bzw. Erwerbslosigkeit unterscheiden. Diese grobe Typisierung wurde dann durch die Auffächerung in Teiltypen verfeinert. Abbildung 3 zeigt die sich hieraus ergebenden Lebenswelt- (Spalten) und Teiltypen (Zeilen). Bei den Lebenswelttypen handelt es sich nicht um klassische soziodemographische Gruppen, sondern um soziale Gebilde, innerhalb derer eine bestimmte, einheitliche „thematische Struktur“ über verschiedene Variablenausprägungen hinweg auszumachen ist. So kommt es z.B. zu dem interessanten Phänomen, daß 11 % der Mitglieder des Lebenswelttyps „Hausfrauen aus der Unterschicht“ (12 % der Grundgesamtheit) Männer sind. In der Erhebung von 1981 wurde unter anderem nach der Mediennutzung in der Freizeit gefragt, und zwar ob Kino, Radio, Fernsehen, Bücher, Zeitung und Zeitschriften jeweils nie, selten, gelegentlich oder häufig genutzt wurden. Ferner wurde den Probanden eine Kreuztabelle vorgelegt, in der für jedes Medium anzukreuzen war, welche Inhalte (Nachrichten und Informationen, Unterhaltung, Sport, Werbung, Kommentar, Wetter, Spielfilm und Hörspiel) dort von Interesse waren. Mithilfe dieser Daten erstellt Krotz eine Matrix, aus der für alle Handlungs-, Ideologie-, und Lebenswelttypen das jeweilige Medieninteressenmuster abzulesen ist. Diese Matrix bildet die Grundlage für alle weitergehenden Aussagen zur Einbettung der Medien in spezifische Lebenswelttypen. Die Ausprägungen der einzelnen Variablen eines Typus bilden die Indizien, die aus der Sicht des jeweiligen Individuums eine sinnvolle Einheit bilden. Durch Interpretation dieser jeweils typischen Muster von Variablenausprägungen will Krotz thematische Schwerpunkte identifizieren, lebensweltspezifische Sinnstrukturen sichtbar machen und so schließlich die Bedeutung bestimmter Medieninteressen für die jeweilige Lebenswelt rekonstruieren. Die Ergebnisse dieses Rekonstruktionsversuches werden in Abschnitt 2.4 dargestellt. [...]

Krotz setzt mit seinen Überlegungen zur methodischen Vorgehensweise in der Analyse individueller Lebenswelten bei einem Dilemma der empirischen Sozial- und Publikumsforschung an. Dieses besteht darin, daß beim Lebensweltkonzept intraindividuelle integrative Bewußtseinsleistungen zentraler Forschungsgegenstand sind und diese durch einfache quantitativ erhobene Variablen kaum adäquat zu repräsentieren sind. Die Frage lautet demnach, wie sinngeleitetes Handeln unter Ausnutzung der Vorteile quantitativer Empirie erfassbar und sinnvoll interpretierbar gemacht werden kann. Krotz sieht hier die Möglichkeit, direkt am Individuum gewonnene Daten „im Hinblick auf komplexere theoretische Konzepte zu reflektieren“ und sie „in dessen Perspektive, also von ihrer sinnbezogenen Strukturierung her zu interpretieren“. Konkret bedeutet dies, daß es durch Interpretation der Ausprägungen und Ausprägungskombinationen solcher Variablen, die geeignet sind, spezifische Lebenswelten abzubilden, möglich ist, den „je individuellen und integrierenden subjektiven Sinn“ zu erschließen. Er spricht dabei von „rekonstruktiven Interpretationen“, die stets methodisch kontrolliert und nachprüfbar stattzufinden hätten.88 Zur Abbildung von gesellschaftlich geformten Lebenswelten auf der Ebene des Individuums kommt es darauf an, die Themen zu identifizieren, die seine Sinnstruktur prägen. Umgekehrt ist es möglich, von bestimmten Lebenswelttypen auf die Themen zurück zu schließen, die den in diesen zusammengefassten Individuen gemeinsam sind. Krotz greift dazu auf quantitativ angelegte Lebensstil-Erhebungen zurück, die er durch geeignete Interpretation und Rekonstruktion qualitativ analysiert. Dazu dient in diesem Fall das Datenmaterial einer repräsentativen Erhebung (n = 602) der westdeutschen Wohnbevölkerung, die im Jahre 1981 von einer Markenartikelfirma durchgeführt wurde. Er bedient sich des statistischen Instruments der Clusteranalyse, welche eine Vielzahl von Untersuchungseinheiten aufgrund ihrer Ähnlichkeit bezüglich bestimmter Merkmale zu möglichst intrahomogenen und interheterogenen Segmenten [...]

Bei dem ersten der drei Lebensstilkonzepte handelt es sich um das klassentheoretische Konzept von Bourdieu.83 Dieser wendet sich gegen die Annahme eines grundlegenden sozialstrukturellen Wandels in der modernen Gesellschaft, wie er z.B. von Individualisierungstheoretikern angenommen wird, sondern stellt die These auf, daß sich bestehende Strukturen einer Klassengesellschaft immer wieder reproduzieren.84 Diese These soll im Hinblick auf eine möglicherweise vorhandene „ästhetische Hierarchie des Fernsehkonsums“ in der Studie von Gorgs / Meyer kritisch überprüft werden. Entgegengesetzt argumentiert der zweite Lebensstilansatz, den die Autoren ihrer Untersuchung zugrunde legen. Die Individualisierungsthese von Beck85 geht gerade von der Auflösung der herkömmlichen sozialen Großgruppen bzw. Klassen in der Nachkriegszeit aus. Die Einbindung des Einzelnen in traditionale Beziehungsstrukturen (z.B. die klassische Großfamilie) entfällt mehr und mehr und überläßt ihn immer stärker seiner eigenen Verantwortlichkeit. Soziale Ungleichheit ist zwar noch vorhanden, hat jedoch infolge des „Fahrstuhleffekts“ und dem damit gestiegenen Wohlstand der Gesamtgesellschaft nicht die drastischen Folgen, wie zu früheren Zeiten, als der Begriff „Klassenkampf“ noch eine aktuelle Bedeutung hatte.86 Nach Beck verläuft soziale Ungleichheit heute vielmehr quer zu alten hierarchischen Trennungslinien, was z.B. darin zum Ausdruck kommt, daß auch ein Akademiker heute von Arbeitslosigkeit und sozialer Vereinsamung bedroht sein kann. Zentral für die hier vorzustellende Studie von Gorgs / Meyer ist die Annahme Becks, daß die Menschen durch Individualisierung vereinzeln und gleichzeitig durch standardisierte Konsumgüter- und Medienmärkte in einer Masse vereinheitlichter Konsumenten „untergehen“. Beck selbst benennt das Massenmedium Fernsehen als eine entscheidende Komponente solcher Tendenzen.87 Ist das Fernsehen also ein Instrument der Standardisierung der Massen oder bewirkt die zunehmende Differenzierung des Programmangebots nicht vielmehr eine gegenteilige Entwicklung? Eine der Fragen, die mithilfe dieser Studie beantwortet werden sollen. Am ausführlichsten beziehen sich Gorgs / Meyer allerdings auf den milieuzentrierten Ansatz der Erlebnisgesellschaft von Schulze, der bereits in Abschnitt 2.2.2 des Kapitels I dieser Arbeit mit seinen zentralen Konstrukten alltagsästhetischer Schemata und den fünf Erlebnismilieus vorgestellt wurde. Da bei Schulze auch der Medienkonsum als Lebensstilvariable eine Rolle gespielt hat, ergeben sich für die vorliegende Studie gute [...]

Arbeit zitieren:
Kortenhaus, Mathias Januar 2000: Mediennutzung und soziales Milieu, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medienwirkung, Lebensstil, Massenmedien, Mediennutzung, Kommunikation

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