Mediale Politikvermittlung unter spezifischen Marketingaspekten
Ziele und Strategien von politischen Public Relations
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Wolfgang Baumann
- Abgabedatum: März 2002
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 873,3 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5416-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5416-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5416-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Baumann, Wolfgang März 2002: Mediale Politikvermittlung unter spezifischen Marketingaspekten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kommunikation
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Magisterarbeit von Wolfgang Baumann
Einleitung:
Ein Schlagwort macht auch in Deutschland die Runde: die „Mediengesellschaft.“ Das ist weder neu noch spektakulär, hat aber gerade seit den Zeiten des Medienkanzlers Gerhard Schröder eine ganz neue Bedeutung auch für die Politik erlangt. Heute besteht für politische Akteure ein immer stärkerer Zwang, ihr Handeln gegenüber den Wahlbürger über die Medien zu rechtfertigen. Dabei entsteht zunehmend ein Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher Politikdarstellung in den Medien und nicht öffentlicher Politikherstellung in den Entscheidungsgremien der Politik.
Um dieses Spannungsverhältnis weitesgehend aufzulösen und das jeweils richtige Maß an Inszenierung anzuwenden , muss das politische Geschehen heute neu bewertet werden: nämlich auch als Markt im ökonomischen Sinne, dessen Akteure – Politiker, Journalisten, Wahlbürger – sich ganz pragmatisch wie Nutzenmaximierer verhalten.
Eine solche Einsicht bedeutet keineswegs den vielbeschworenen Untergang der Politik, wie in Kritiker des „Politainment“ befürchten. Ganz im Gegenteil: der professionelle Einsatz von Marketingmethoden wie Public Relations dient doch gerade dazu, die Kunde namens Wähler vom eigenen Angebot zu überzeugen. Das kann nur gelingen, wenn deren Interessen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Entscheidend für eine gelungene mediale Politikvermittlung ist also, den richtigen Grad an stategischer Inszenierung zu treffen und die Zielgruppe der Wähler nie aus den Augen zu verlieren. Deshalb muss eine politische Kommunikation, die auf ein langfristiges Ziel – Vertrauensgewinn in der anvisierten Wählergruppe – ausgerichtet ist, weit mehr als nur kurzfristige Show made in USA bieten.
Das geschieht zwar noch nicht immer – aber immer öfter auch in Deutschland. Was im Grundsatz positiv zu werten ist, denn so erlangt die Politik die Chance, sich wieder stärker denen zu nähern, um die es eigentlich geht: den Wählern.
Die Politikwissenschaft selbst leistet bislang noch keinen in sich geschlossenen Beitrag zur Analyse von politischer Kommunikation. Versuche einer sytematischen Erschließung des Gesamtfeldes von Politikvermittlung unter Marketingaspekten finden sich erst ansatzweise im Nachbarbereich der Kommunikationswissenschaften. In dieser Arbeit wird daher der Versuch einer Systematisierung unternommen, die einerseits politik- und kommunikationswissenschaftliche Aspekte miteinander verbindet und andererseits Erkenntnisse des betrieblichen Marketings einbindet, mit dem Ziel, Beurteilungskriterien für politisches Handeln in der Mediengesellschaft abzuleiten. Dazu dienen folgende Leitfragen:
Weshalb ist es für eine erfolgreiche Politikvermittlung zunehmend wichtiger, sich den medialen Aufmerksamkeitskriterien anzupassen?
Warum müssen politische Akteure in Deutschland infolgedessen ihr Handeln auch unter Marketingaspekten nach amerikanischem Vorbild gestalten?
Welche entscheidende Rolle in allen Fragen der Politikvermittlung spielen Public Relations als zentrales Marketinginstrument?
Wie weit können politische PR-Kampagnen amerikanischen Formats überhaupt auf die deutsche politische Kultur übertragen werden?
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 4 |
| 1.2 | Begriffsbildung | |
| 1.2.1 | Politisches Marketing | 7 |
| 1.2.2 | Public Relations (PR) | 9 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 11 |
| 2. | Der Prozess der Politikvermittlung | 13 |
| 2.1 | Sender, Übermittler und Empfänger politischer Botschaften: Die Akteure aus Politik, Medien und Publikum | 13 |
| 2.2 | Wechselwirkungen zwischen Sendern und Übermittlern: Die Akteure aus Politik und Medien | 15 |
| 2.2.1 | Die Rolle der Politiker | 17 |
| 2.2.2 | Die Rolle der Medien | 18 |
| 2.2.2.1 | Journalisten | 19 |
| 2.2.2.2 | PR-Fachleute | 21 |
| 2.2.3 | Die Akteure der Senderebene in der Interaktion | 22 |
| 2.3 | Die Rolle des Publikums als Empfänger | 25 |
| 2.4 | Zusammenfassung des 2. Kapitels | 27 |
| 3. | Ziele von Public Relations im Rahmen des politischen Marketings | 28 |
| 3.1 | Das Problem der Politikvermittlung in der Mediengesellschaft | 28 |
| 3.2 | Die Zielsetzungen vonpolitischen PR | 31 |
| 3.2.1 | Einflussnahme auf die öffentliche Aufmerksamkeit | 33 |
| 3.2.2 | Konstruktion von Images und thematischer Kompetenz | 36 |
| 3.2.3 | langfristige inhaltliche Kompetenzzuweisung | 39 |
| 3.3 | Personalisierungsziele amerikanischen Formats als Folge medialer Politikvermittlung | 43 |
| 3.4 | Zusammenfassung des 3. Kapitels | 49 |
| 4. | Strategien von Public Relations im Rahmen des politischen Marketings | 50 |
| 4.1 | Strategien zur Erzielung medialer Aufmerksamkeit | 50 |
| 4.1.1 | Das Konzept der Nachrichtenwert-Theorie | 50 |
| 4.1.2 | Ableiten von Strategien aus den vier wichtigsten Nachrichtenfaktoren der Nachrichtenwert-Theorie | 53 |
| 4.1.2.1 | Aktualisierungsstrategie | 53 |
| 4.1.2.2 | Überraschungsstrategie | 54 |
| 4.1.2.3 | Konfliktstrategie | 56 |
| 4.1.2.4 | Visualisierungsstrategie | 58 |
| 4.2 | Strategien der Einflussnahme auf thematische Vorstellungen des Publikums | 59 |
| 4.2.1 | Das Konzept der Agenda-Setting-Theorie („Themensetzung“) | 60 |
| 4.2.2 | Ableiten von Strategien aus der Agenda-Setting-Theorie | 62 |
| 4.2.2.1 | Einflussnahme auf die thematische Medienagenda (Agenda Building) | 63 |
| 4.2.2.2 | Einflussnahme auf die thematische Publikumsagenda | 67 |
| 4.2.2.3 | Grenzen der Agenda-Setting-Wirkungen | 70 |
| 4.3 | Strategien der Einflussnahme auf die inhaltlichen Vorstellungen des Publikums | 72 |
| 4.3.1 | Das Konzept der Framing-Theorie („Rahmensetzung“) | 72 |
| 4.3.2 | Ableiten von Strategien aus der Framing-Theorie | 73 |
| 4.3.2.1 | Einflussnahme auf die inhaltliche Medienagenda (Frame Building) | 73 |
| 4.3.2.2 | Einflussnahme auf die inhaltliche Publikumsagenda | 75 |
| 4.3.2.3 | Grenzen der Framing-Wirkungen | 77 |
| 4.4 | Zusammenfassung des 4. Kapitels | 79 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 80 |
| 6. | Anhang I - XI: Literaturverzeichnis |
Zustimmung von Industrie- und Wirtschaftsverbänden sicherte. Der Fernsehzuschauer gewinnt durch eine solche “Metakommunikation”188 den Eindruck, dass auch eine SPD-geführte Bundesregierung einen “guten Draht” zur Wirtschaft hat und nicht etwa in Konflikt zur ihr steht. Selbst wenn im Detail Kritik bestehen mag, etwa in Bereichen der Arbeitsmarkt- oder Steuerpolitik, ist einzig und allein diese grundsätzliche Zustimmung öffentlich wirksam. So hat Schröder (bzw. seine PRReferenten) der SPD einen Imagewandel hin zur wirtschaftlichen Kompetenz beschert, den die – durch diverse Affairen ohnehin geschwächte – CDU-Opposition nicht erfolgversprechend angreifen kann. Das dritte Teilziel von politischen PR besteht also darin, Einfluss auf die inhaltlichen Vorstellungen des Publikums zu gewinnen, aus denen es die Kompetenzzuweisung über ein bestimmtes Thema ableitet. Dazu dient das Erzeugen eines themenzentrierten Meinungsrahmens, innerhalb dessen sich politische Diskussionen abspielen sollen. Als “Diskursmodell”189 beeinflusst er die Zusammensetzungen von politischen Talkrunden und damit die Bildung der endgültigen Wählerentscheidung, die sich auch an diesen Talkrunden orientiert. Die theoretische Grundlage solcher Framing-Strategien, mit denen die Eckpunkte des Meinungsrahmens vorgegeben werden können, wird in Kapitel 4.3 vorgestellt. [...]
wenn sich seine Äußerungen im genannten Meinungsrahmen bewegen. Komplexe und schwierige Themen bekommen dadurch im wahrsten Wortsinne ein Gesicht, mit dem die Bevölkerung eine bestimmte Kompetenz verbindet184 (daraus resultierende Personalisierungstendenzen werden im folgenden Kapitel 3.3 untersucht). Für politische Akteure ist heute vor allem die Kompetenz in Wirtschaftsfragen von hoher Bedeutung. Das ist verständlich, denn die politischen Diskussionen des beginnenden 21. Jahrhunderts sind vor allem wirtschaftspolitische Diskussionen: Globalisierung des Wettbewerbs, Steuerreform, Arbeitslosigkeit oder Reformen bei Rente und Gesundheit; in “Ausnahmesituationen” wie etwa bei politischen Krisen können andere Kompetenzen z.B. in der Sicherheitspolitik hinzutreten, die jedoch wenig am Vorrang der ökonomi -schen Kompetenz ändern.185 Zentrale Zielsetzung der Politik ist also, eine Kompetenz in Wirtschaftsfragen zu sichern, die bei Wahlen einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichert. Die Bürger betrachten Wahlen als einen Mechanismus zur Auswahl der für sie “besten” Alternative, d.h., jener Alternative, die ihnen den größtmöglichen Nutzen garantiert. Wenn Umfragen nach den drängendsten Problemen immer wieder die hohe Arbeitslosigkeit als Spitzenreiter ergeben, wird deutlich, dass die Partei höchste Siegchancen hat, der hier die größte Problemlösungskompetenz zugestanden wird. 186 Ein wesentlicher Grund für den Regierungswechsel 1998 war – neben dem vorhandenen Wechselwunsch nach immerhin 16 Jahren Helmut Kohl – die eher ökonomisch angelegte Zielsetzung des späteren Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Statt die “übliche” Kompetenz der SPD in sozialen Fragen zu betonen, gelang es ihm, die jahrzehntelang geltende Wirtschaftskompetenz der CDU in Frage zu stellen, indem er wirtschaftliche Inhalte wie arbeitsmarktpolitische Maßnahmen überzeugend in den Vordergrund von SPD-Kampagnen rückte. Durch häufige Treffen, nicht nur mit Gewerkschaftlern sondern auch mit hochrangigen Wirtschaftsmanagern, konnte er sich und seiner Partei mit- [...]
gentlich ein erheblicher Vertrauensverlust für die politischen Akteure entstehen müsste. Journalisten wie Publikum tolerieren jedoch (mehr oder weniger), dass PR in erster Linie als “Katalysator wünschenswerter Information”182 dienen, die nicht immer der “objekiven” Wahrheit verpflichtet sein müssen. Diese Toleranzhaltung der Bevölkerung machen sich PR-Akteure ebenso zunutze, wie die in Kapitel 2.2.3 dargelegte Toleranzhaltung der Journalisten: Indem sie das gesendete Bild eines Politikers bzw. einer Partei mit der in der Bevölkerung vermuteten Vorstellung über diesen Politiker bzw. diese Partei in Übereinklang bringen und zu einem deckungsgleichen (dauerhaften) Image verknüpfen. So sind beispielsweise Wahlveranstaltungen in den neuen Bundesländern von anderen Erwartungshaltungen geprägt als in den alten. Eine Rede im Westen könnte eher Eigenverantwortung und Flexibilität betonen als im Osten. In den alten Ländern würde das wohl überwiegend positiv aufgenommen und mit dem Eindruck einer reformbereiten, fortschrittlichen Partei verbunden werden. Dagegen müsste bei einer Rede in den neuen Ländern wahrscheinlich eher der Aspekt der sozialen Sicherheit im Vordergund stehen. 183 Einer im Publikum vorherrschenden, aber noch diffusen Meinung - die z.B. über Auswertung von in den Medien bevorzugten Themen oder anhand demoskopischer Analysen ermittelt werden kann - passt sich die Politik (mehr oder weniger) an. Das kann erreicht werden durch permanente, sich wiederholende Äußerungen zu den vorab gesetzten Themen – z.B. in politischen Talkrunden oder Interviews - , wodurch sich das allmählich herausbildende Image eines Politikers stabilisiert und der Bevölkerung einen konkretisierten “Meinungsrahmen” vorgibt. In diesem Meinungsrahmen bildet sich die endgültige (Mehrheits) –meinung heraus, die einem bestimmten Politiker bzw. einer Partei die Kompetenz zu einem bestimmten Thema zuweist (diese so genannte FramingStrategie wird in Kapitel 4.3 ausführlich vorgestellt). So können wiederholte Einladungen etwa zu wirtschaftspolitischen Diskussionsrunden im Fernsehen einen Politiker einen gewissen Ruf als Wirtschaftsexperten einbringen, [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832454166
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Baumann, Wolfgang März 2002: Mediale Politikvermittlung unter spezifischen Marketingaspekten, Hamburg: Diplomica Verlag
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